Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 1)

Ö7. Jahrgang. 
127. Jahrgang. 
Renösburser Tageblatt 
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Gààm WT MiMchichLs 
Der vorsichtige Zweifler, der in den Winter- 
monaten den Ansgang der Arbeitsschlacht viel 
leicht schon mit skeptischen Blicken betrachtet 
hatte, muß sich restlos geschlagen bekennen, 
wenn er in diesen Tagen die Meldungen vom 
Arbeitsmarkt liest. Wieder 400 000 Arbeitslose 
in einem Monat weniger, das bedeutet, daß die 
Schlacht unaufhaltsam vorwärts geht, bis end 
lich auch der letzte Volksgenosse wieder an sei 
nem Werkplatz stehen wird. 
In einem Monat, in dem in früheren Jah 
ren die Zahl der Untätigen lawinenartig noch 
anzuschwellen pflegte, sind diesmal neue Hun 
derttausende der Arbeit wieder zugeführt wor 
den. Das ist ein so gewaltiger Erfolg dieses 
gigantischen Kampfes, daß seine moralische 
Wirkung fast noch höher als die effektive zu 
veranschlagen ist. Wenn damit der günstigste 
Stand des ersten Jahres, der vom November 
1933, bereits erheblich unterschritten ist, dann 
heißt das nichts anderes, als daß die Winter- 
schlacht gewonnen wurde. 
Freilich war der Kampf hart und mancher 
drohte zu erlahmen. Aber der unbeugsame 
Wille, der von der Spitze des Staates über alle 
seine Gliederungen bis in die untersten In 
stanzen sich erstreckt, ließ den Kampf nicht im 
Stellungskrieg erstarren, sondern versuchte im 
mer wieder, auch von den ungünstigsten Posi 
tionen aus, den Angriff in neues Land vorzu 
tragen. In wenigen Tagen wird der Früy- 
jahrsfeldzug eröffnet, für den dieser Abschluß 
der Wiuterschlacht das günstigste Vorzeichen be 
deutet. 
„Nein, darunter," antwortet er mit Entschie 
denheit. 
Im Laufe des Gesprächs äußerte sich Musso 
lini dahin, daß er glaube, daß jede Nation, ja 
jeder Mensch eines persönlichen Glaubens be 
dürfe. Weiterhin teilte er mit, daß christliche 
Kolporteure das Recht besäßen, überall in 
Italien biblische Literatur zu verkaufen. 
Mussolini wünscht die Verbreitung der Bibel 
in Italien. Dies beweist die Tatsache, daß er 
500 Exemplare der neuen italienischen Ueber- 
setzung des Waldenser Professors Luzzi, die 
ihm zur Verfügung gestellt wurden, selbst au 
Lehrer und Anstalten verteilt hat. 
zeugt, ist die Smnbolik dieser Marke durchaus 
ernst zu nehmen. Mussolini stehe auf dem 
Boden des Glaubens und habe hier dem Evan 
gelium eine freimütige Huldigung erweisen 
wollen. 
welche eine neue 
Staatsform herausgebären, sondern auch die 
um Christentum und die Einstellung der Zeit 
zu diesem und dem geschriebenen Worte Got 
tes, der Bibel. DaS Entweder-Oder tritt im 
mer mehr in den Vordergrund. Bei dieser 
Sachlage ist es von Wert, die beiden Persön 
lichkeiten zu weltanschaulichen Fragen zu hö 
ren, welche heute ihres Volkes anerkannte 
Führer sind, nämlich Hitler und Musso 
lini. Wir geben im folgenden einige Aus 
sprüche von Bedeutung zur Sache wieder: 
Wir fügen noch einige Aussprüche einiger be 
deutender Persönlichkeiten aus der Vergangen 
heit zur Sache an: 
Peter Rosegger: Trotz aller reichen Li 
teratur gibt es kein Buch, das eine so ge 
waltige, sättigende Kraft hat als das 
E v a n g e l i u m. Die Lesehungrigen, die 
von nichts mehr befriedigt werden, wie 
wäre es, wenn sie einmal zu diesem Buche 
greifen würden? Wie würden sie staunen, 
zu finden, daß die Bibel der Brennpunkt 
aller alten und neuen Literatur ist! 
Kant: Die Bibel ist mein edelster Schatz, 
ohne den ich elend wäre. 
Strindberg: Rein heraus gesagt: Ich 
schreibe mein ganzes Unglück der einen 
Ursache zu, daß ich gottlos gewesen bin. Ein 
Mensch, der die Verbindung mit Gott ab 
gebrochen hat, kann keinen Segen emp 
fangen. Alles Gerede davon, daß jeder sei 
nes eigenen Glückes Schmied sei, ist Spreu. 
— Ich bin fertig mit dem Leben. Die Bi 
lanz ist gezogen. Die Bibel ist das einzig 
Richtige. 
Aussprüche aus Schriften und Mm 
Hitters. 
■Q'dj erhebe feierlich Protest gegen den Ber 
ich, das Unglück, das heute auf Deutschland 
lastet, einfach als Schicksal abtun zu wollen, 
und damit den Allmächtigen verantwortlich zu 
machen für Sünden und Verbrechen, die Men 
schen auf dem Gewissen haben. 
(Br. Spr. 28. 5. 33.) 
Wir haben den Kampf gegen die Zersetzung 
unserer Religion aufgenommen. Ohne daß 
wir uns irgendeiner Konfession verpflichten, 
haben wir doch wieder dem Glauben die Vor 
aussetzungen gegeben, weil wir der Ueberzeu 
gung waren, daß das Volk diesen Glauben be 
nötigt und braucht. Wir haben daher den 
Kampf gegen die Gottlosenbewegung nicht mit 
ein paar theoretischen Erklärungen aufgenom 
men, wir haben sie ausgerottet. 
(Am 24. 10. 33 im Sportpalast.) 
Ich glaube, daß ein Volk zur Erhöhung sei 
nes Widerstandes nicht nur nach vernunftge 
mäßen Grundsätzen leben soll, sondern, daß es 
auch eines geistigen und religiösen Haltes de 
bars. (Br. Spr. 13. 3. 33.) 
Der Leugnung von Gott, der Beschimpfung 
öer Religion haben wir ein Ende gesetzt. Wir 
sind der Vorsehung zu demütigem Danke ver 
pflichtet, daß sie unseren Kampf nicht erfolglos 
sein ließ. 
(Am 14.10. 33 in seiner Friedensrede.) 
Uns nützen heute wissenschaftliche Erkennt 
nisse nicht, sondern der Glaub e. 
(Br. Spr. 21. 5. 34.) 
Gerade der völkisch Eingestellte hätte die ei 
gentliche Verpflichtung, jeder in seiner Konfes 
sion, dafür zu sorgen, daß man nicht nur immer 
äußerlich von Gottes Willen redet, sondern 
tatsächlich Gottes Willen erfülle und Gottes 
Werk nicht schänden lasse. (M. K.., S. 630.) 
Ich möchte niedersinken und Gott für das 
große Glück danken, das er mir geschenkt hat. 
r~ Möge der allmächtige Gott unsere Arbeit in 
seine Gnade nehmen, unseren Willen recht ge 
halten, unsere Einsicht segnen und uns mit 
oem Vertrauen des Volkes beglücken. 
^ (An der Schwelle des Dritten Reiches.) 
Br. Spr. — Brauner Spruchkalender der 
M S. D. A. P. 
Ein Interview mit Mussolini. 
Ein belgischer Missionar schreibt in seinem 
Erricht über ein Interview mit Mussolini: 
^'Jch zeigte dem Duce einen Auszug aus den 
Sunday School Times", in dem bemerkt war, 
J*® er gesagt haben sollte, daß das Neue Testa 
nt das beste Buch der Welt wäre. 
"Sttmmt dies, Exzellenz?" 
Tffa", antwortete er unverzüglich. 
«v^ann fragte ich weiter: „Betrachten Sie den 
Ņjchismus als eine Religion?" 
Ņe peinliche Frage! Er lächelt! 
exächerlich nicht im traditionellen Sinne," 
widert er, „nur daß wir mit ganzer Hingabe 
S^r^^.ģàben und uns mit unserem ganzen 
chm unterstellen." 
f rt dS,. e§ wahr", so fragte ich, „daß Sie das 
Welche Hochachtung er vor der Bibel hat, 
läßt auch die neue italienische 30-Cent-Brief- 
marke erkennen, welche zur Feier des zehn 
jährigen Bestehens des Faschismus erschienen 
ist. Sie zeigt zwischen den Rutenbündeln, den 
Abzeichen des Faschismus, einen Altar mit 
dem römischen Adler, darauf — eine große 
offene Bibel mit der Inschrift: Evangelium. 
Dahinter steht ein schlichtes Kreuz und vor der 
Bibel neigen sich die nationalen Fahnen. Unter 
dem Bilde steht die Losung: „Credere - 
Glaubet". 
Diese „Bibelbriefmarke" soll zweifellos ein 
öffentlicher Ausdruck der Wertschätzung des 
Evangeliums sein. Wie Professor Luzzi be- 
DNB. London, 10. März. (Eig. Funkmeld.t 
Die Warnung Baldwins im Unterhaus, daß 
England bei einem Fehlschlag der Abrüstungs 
bemühungen aufrüsten müsse, wurde in drei 
Ministerreden am Freitagabend wiederholt 
und unterstrichen. 
Schatzkanzler Chamberlain erklärte bei 
einem konservativen Festessen in Birmingham: 
Wenn die Abrüstungskonferenz mit einem 
völligen Zusammenbruch endige und die euro 
päischen Staaten wieder ein Rüstungswettren 
nen einleiten sollten, dann werde England für 
seine Verteidigung die Ausgabe viel größerer 
Summe» als bisher ins Auge fasse« müssen. 
Es sei allerdings viel zu früh, die Unmöglich 
keit einer Vereinbarung anzunehmen. Cham 
berlain dementierte die Behauptungen, daß 
die englische Regierung ein großes Wehrgesetz 
plane, das viele Millionen Pfund kosten würde 
und im Herbst dieses Jahres eingeführt werden 
sollte. 
Sehr deutlich sprach auch der englische In 
nenminister, Sir John G i l m o u r, in Car 
diff. Möglicherweise, so sagte er, könne der eng 
lische Plan nicht voll durchgeführt werden. Die 
englische Regierung werde aber ihr Haupt 
augenmerk auf den Ausgleich der Luftrüstun 
gen richten. „Wir beschäftigen uns zur Zeit mit 
diesem Problem. Wenn wir auf die Dauer her 
ausfinden, daß unsere Nachbarn auf dem Fest- 
laude uns in dieser Angelegenheit nicht ent 
gegenkommen wollen, dann werden wir mit 
großem Bedauern Schritte zum Schutze unseres 
Volkes unternehmen müssen." 
Der erste Kommissar für öffentliche Arbei 
ten, Minister OrmsbyGore, sagte, daß 
England sich um den Abschluß eines begrenzten 
Abkommens und zwar um ein Luftabkommcn 
bemühen werde, wenn die Staaten eine allge 
meine Abrüstungsvereinbarung nicht wünsch 
ten. Sollte England eine bedeutende Begren 
zung der iuternationalen Luftrüstuugen nicht 
erreichen, dann könnte die gegenwärtige zweit 
klassige Stellung Englands nicht länger zu 
gelassen werden. „Für jeden Flieger und für 
jedes Flugzeug, die irgendeiner der Nachbarn 
Englands in Europa ausbildet bzw. baut, 
würden wir ebenfalls einen Flieger ausbilden 
und ein Flugzeug bauen." 
Blätter in einem Rätselraten über die weitere 
Entwicklung der Abrüstungsfragen. Einige 
Blätter glauben an eine 12-Mächte-Konferenz 
in Lausanne oder Stockholm, ein Blatt sogar 
an eine Weltkonferenz. Die Aussichten für ein 
Zustandekommen solcher Konferenzen werden 
jedoch sehr schlecht beurteilt. Wenige Blätter 
halten auch eine besondere Konferenz über die 
Luftstreitkräfte für möglich. 
* 
Frankreich und Belgien 
Noch immer ernste Beunruhigung in Paris. 
DD. Paris, 9. März. Die durch die Erklärun 
gen des belgischen Ministerpräsidenten und des 
Außenministers entstandene Lage und die Aus 
sichten der Reise Barthous nach Brüssel stehen 
nach wie vor im Vordergrund der Erörterun 
gen der französischen Presse. — Das „Journal" 
tritt wieder mit den bekannten Schlagworten 
für die Schaffung eines „Blockes der Verteidi 
ger der Ordnung" ein, der stark genug sein 
müsse, um die „Unruhestifter" in Respekt zu 
halten. Werde man zulassen, daß die Deutschen 
wie nach der Seite Polens jetzt auch nach der 
Seite Belgiens hin Zwietracht säen? (Eine Un 
verschämtheit! Wer wirklich für den Frieden 
arbeitet, aber damit Frankreichs Interessen zu 
widerhandelt, sät Zwietracht! Schriftltg.) — 
Der „Figaro" glaubt, die Verschiebung öer 
Reise des Außenministers Barthou nach Brüs 
sel damit erklären zu können, daß die franzö 
sische Regierung angesichts der aufsehenerre 
genden Erklärung Brocquevilles erst einmal 
vorher genaue Präzisierungen über die Art 
und Weise erhalten möchte, wie Belgien das 
Abrüstungsproblem auffasse. — „Ordre" spricht 
die Hoffnung aus, daß es Barthou gelingen 
möge, in Brüssel zur Festigung des französisch 
belgischen Bündnisses beizutragen. Frankreich 
habe, befangen in der Brianöpolitik, seine Ver 
bündeten vernachlässigt und ihr Vertrauen 
zum Teil verlöre«. Brocquevilles Rede müsse 
Frankreich als eine ernste Beunruhigung an 
sehen. Es sei höchste Zeit, daß die Diplomaten 
des Quai d'Orsay wieder zur wahren nationa 
len Tradition zurückkehren. Die „Republique" 
schreibt, Frankreich dürfe sich nicht von Belgien 
trennen. Der französisch-belgische Block habe in 
Europa eine solche Bedeutung, daß er jeder 
Festlandsmacht die Waage in jeder Richtung 
halte. Dieser französisch-belgische Block sei eine 
der festesten Grundlagen der Sicherheit Frank 
reichs. 
DNB. Paris, 9. März. Die mehrstündigen 
Beratungen des Obersten Landesverteidi 
gungsrates, der sein Gutachten über die Aus- 
Der ÄuSschlichlichkettsanspruch -er Hitlerjugend. 
DNB. Wuppertal, 10. März. Bei einer einheitlich in nationalsozialistischem Geiste er- 
roßeu Kundgebung der Hitlerjugend in den zogen werbe, die Zukunft des nationalsoziali- 
berfüllten Räumen der Barmer Stadthalle stischen Staates gewährleistet sei. Das Jahr 
es Evangelischen Vereinshauses Elberfeld 1933 habe die Auflösung der Jugendverbände 
nd des Elberfelder Stadtthcaters sprach u. a. mit Ausnahme der konfessionellen Jugend ge- 
bergebietsführer Hartmann-Lanterbacher. Er bracht und sei damit ausgeklungen, daß auch 
ües nachdrücklich darauf hin, daß nur die ge- mit der evangelischen Jugend ein Weg gefun- 
hlossene Einheit den vollen Sieg der national- den worden sei, um sie in die Hitlerjugend ein- 
jzialistischen Bewegung garantieren könne zuglieöern. Völlig abwegig und unwahr seien 
nd daß die daraus abgeleitete Erkenntnis den jene Anwürfe, wonach die HI. angeblich ein 
nspruch der unbedingten Ausschließlichkeit Bund sei, der die dritte Konfession erstrebe. 
:r Hitlerjugend gegenüber allen anderen Ju- Demgegenüber müsse er betonen, daß der Na- 
endverbänden habe entstehen lassen. Nicht tionalsozialismus gemäß dem vom Führer auf- 
?achtlüsternheit der Führer oder irgend ein gestellten Programm auf dem Boden eines po- 
ahlenrausch habe den Totalitätsanspruch der sitiven Christentums stehe, und daß auch die 
itlerjugend begründet, sondern allein die Er- HI. mit den vom Führer im Programm nie- 
nintnis, daß nur daun, wenn die Jugend dergelcgten Grundsätzen stehe und falle. 
Im Anschluß an die Veröffentlichungen des 
Völkerbundes ergehen sich die englischen 
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