Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 1)

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Îâ7. Jahrgang. 
127. Jahrgang 
Renösburser TagebluL 
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Abend, zum Schlüsse noch in ein Hoch auf beide 
Länder ausklingend . . . 
Kaum waren die Frühlingsblumen ver 
blüht, da standen die hier freundlich verbrü 
derten Menschen sich als Todfeinde gegenüber, 
die sich nicht nur bekriegen, nein, auch hassen 
und verachten mußten! — ^ 
In der englischen Pension, lvo ich als einzi 
ger Deutscher lebte, war mir ein junges, stil 
les Mädchen aufgefallen, das mit niemandem 
redete und fast den ganzen Tag Klavier 
spielte, — aber nur deutsche Musik. Als ich sie 
kennen lernte, frug sie sogleich, ob wir nicht 
deutsch zusammen sprechen wollten: deutsch 
wäre so schön, und überhaupt alles in Deutsch 
land sei so „wunderbar", sie könne es gar nicht 
abwarten, bis ihre Ferien vorbei seien und sie 
wieder zu ihrem Münchener Konservatorium 
zurückkehre, wo sie so schrecklich gerne sei. — 
Ich hatte Freude an der deutschfreundlichen 
Begeisterung der jungen Engländerin, zumal 
man dergleichen bei den kühl-nüchternen und 
selbstbewußten Angelsachsen selten findet,- zum 
mindesten äußert man solche Gefühle nicht! 
Endlich waren die Ferien herum, und mor 
gen sollte die heißersehnte Rückreise nach Mün- 
cheri vor sich gehen. Als ich am Abend vorher 
nach Hanse komme, finde ich einen Brief der 
jungen Musikstuöentin auf meinem Tische. Sie 
sei todunglücklich: ihr Vater habe ihr verboten, 
wieder nach Deutschland zurückzugehen, es 
sei gefährlich für sie, vielleicht würde sie nie 
mehr von dort heimkehren. Er habe seine be 
stimmten Gründe, könne ihr aber nicht mehr 
darüber sagen . . . 
Das war in den schwülen Junitagen des 
Schicksalsjahres 1914! 
Wer hat den Krieg gemollL? 
Eine eindeutige Widerlegung der schamlosen KriegZfchnldlüge im VersaMer Vertrag. 
Bon Theodor Engel mann. 
er, sichtlich betrübt, am Ende eines langen 
Lobgesanges auf Albion. „Aber warum sollten 
wir das nicht können", erwiderte ich verwun 
dert, „die gegenseitigen Sympathien und Be 
ziehungen sind doch, hier wie dort, so groß, daß 
cs sicher auch zu einer politischen Verständi 
gung kommen wird." — „Ja, wenn das rache- 
dürstende Frankreich nicht wäre. Aber wie dort 
gehetzt und ganz offen zum Kriege gegen uns 
gearbeitet wird, das sehen wir doch ständig an 
unserer Grenze. Kaum eine Woche vergeht, 
wo nicht französische Spione eingebracht wer 
den, und die militärischen Maßnahmen werden 
von Tag zu Tag herausfordernder. Es wird zu 
einer blutigen Auseinandersetzung kommen, 
und in diesem Falle, das ist totsicher, haben 
wir Rußland und auch England gegen uns!" 
Ein Vierteljahr später fiel mein Freund in 
den ersten Kämpfen gegen die ins Elsaß ein 
gefallenen Franzosen! 
Im Frühjahr 1914, also genau vor zwanzig 
Jahren, hielt ich mich in England auf, wo 
mir die Leitung einer deutsch-englischen 
Aktiengesellschaft oblag. Dieses Unternehmen 
befaßte sich mit dem Vertriebe deutscher Ma 
schinen, die hauptsächlich in der Bergwerks- 
inöustrie Verwendung fanden. Da nun die 
Mehrzahl dieser Maschinen auf ihre Sicher 
heit und Zweckmäßigkeit in England behörd 
lich geprüft werden mußten, bevor sie ver 
wendet werden durften, hatte ich viel mit 
britischen Behörden und Beamten zu tun,' be 
sonders mit einigen früheren Offizieren der 
englischen Armee, die für diese technischen 
Prüfungsarbeiten aus der Artillerie über 
nommen worden waren. 
Die von uns eingeführten Maschinen stellten 
für England bemerkenswerte Neuerungen 
dar, und so nahmen die englischen Sachver 
ständigen ein lebhaftes Interesse an der tech 
nischen Seite der Konstruktionen, und dieses 
Interesse übertrug sich mit der Zeit auch auf 
mich und meine Tätigkeit. Soöaß sich allmäh 
lich eine nette, persönliche Bekanntschaft zwi 
schen uns entwickelte, die zwar in der kühlen 
englischen Umgangsform blieb, aber doch 
eines gewissen gegenseitigen Vertrauens nicht 
entbehrte. 
Eines Tages war ich mit einem dieser Her 
ren auf seinem Amte allein zusammen. Es 
handelte sich um die Besprechung irgendwelcher 
Maßnahmen in Verbindung mit unseren 
Maschinen, deren Verwendung inzwischen 
einen großen Umfang angenommen hatte. Ich 
war infolgedessen sehr optimistisch und ent 
wickelte allerlei Pläne für den Ausbau der 
Vertriebsorganisation. Wie gewöhnlich hörte 
mir der Engländer aufmerksam zu, hier und 
da mit verständigen und wohlgemeinten Rat 
schlägen meine Ausführungen unterstützend. 
Als ich dann weiter von meiner Absicht sprach, 
das Unternehmen in großem Stile auszu 
bauen und mich persönlich dafür mit meinem 
Vermögen einzusetzen, da bemerkte ich plötzlich 
in dem sonst so beherrschten Gesichte meines 
Bekannten eine Veränderung: er wurde un 
ruhig, nervös, verlegen und verstummte mit 
einem Male. Ob er denn anderer Ansicht sei, 
fragte ich schließlich etwas befremdet durch die 
Mir unerklärliche Wandlung. Worauf er, mir 
ganz nahe kommend und fast flüsternd, als ob 
es niemand hören dürfte, zuraunte: „Bitte, 
tun Sie das nicht, riskieren Sie kein Geld, — 
es wird Verwicklungen gebe« zwischen nnseren 
beiden Ländern, ... ein Krieg ist unvermeid 
lich." 
So sehr mich damals diese freundschaftliche 
Warnung beeindruckte, ich glaubte ihr nicht 
und mißachtete sie. Wenige Monate danach kam 
"er Krieg und raubte mir Freiheit, Vermögen 
Und die Arbeit eines Lebens! —< 
Nationen, vorwiegend aber Engländer und 
Deutsche. Die liebenswürdigen Wirte, selbst 
dentsch-englischer Herkunft, verstanden es, dem 
großen Kreis so verschiedener Menschen önrch 
die gemeinsam-geistigen Interessen eine der 
artige Harmonie zu verleihen, daß man sich 
wirklich wie eine große Familie fühlte. Ab- 
wechselnd und ohne jeden Zwang wurde hier 
deutsch und dort englisch geplaudert, von 
männlichen und weiblichen Künstlern allerlei 
vorgetragen, und abends zur Begleitung von 
Zupfgeige und Dudelsack sang man deutsche, 
italienische und schottische Volkslieder. 
Zum festlichen Diner hatten sich später noch 
weitere Gäste eingefunden, junge Politiker 
und Offiziere einer deutsch-englischen Kom 
mission, die gerade in London tagte. Als man 
dann in feierlichem Zuge den schönen Speise 
saal betrat, gabs da eine hübsche Ueberra- 
schung: der reichgeschmückte Tisch war bedeckt 
mit Fähnchen und Seidenbändern in den deut 
schen und englischen Nationalfarben, und die 
Mitte bildete ein blühender Tafelschmuck, wor 
in sich die typisch deutschen Blumen — Veilchen 
und Maiglöckchen — mit den Lieblingsblumen 
Englands — Primroses und Bluebells — in 
lieblicher Farbenharmonie vereinigten. Und in 
gleich schöner Harmonie verlief der festliche 
Es war im März 1914 bei einer der wunder 
hübschen Weekend-Einladungen, die gute 
Freunde von mir öfter zu veranstalten pfleg- 
teik. Ihr herrliches Landgut, ganz im alteng- 
lischen Stile, war dann der Mittelpunkt einer 
erlesenen Gesellschaft von Künstlern, Kanf- 
leuten, Schriftstellern, Politikern verschiedener 
Der Führer eröffnet die Automobil-Ausstellung 
Weitere kräftige Förderung der Berkehrswirtfchaft. — Abgab enentl 
internationale Automobil-Ausstellung sächlich laufen zur Zeit in Deutschland aber 
1934 wurde vom Reichskanzler Adolf nur etwas über 500 000. 
mit folgenden Ausführungen eröffnet: Zu behaupten, daß dies dem allgemeinen Le- 
Männer und Jrauen' bensstandard, dem wirtschaftlichen oder tech- 
!luftrage des Protektors d'cr Deutschen Nischen Vermögen unseres Volkes entspräche, 
ationalen Automobilausstellung, des t,f unsinnig. 
Reichspräsidenten, übermittle ich dessen Das Berkehrsbedürfnis ist in Deutsch- 
ige Glückwünsche zum heutigen Tage. land, in einem Land mit einer so un- 
Herr Reichspräsident hat mit großer geheuren Industrialisierung, mit mehr 
Kenntnis genommen voll der Entivick- nls 50 Großstädten, sicher nicht kleiner, 
es deutschen Kraftfahrwesens in den sondern mindestens genau so groß wie in 
ans liegenden zwölf Monaten. den angeführten Staaten. 
: Die deutsche Automobil- und Motor- Die Gründe für diese eigenartige Erscheinung 
ļstrie hat im wesentlichen die Hoffnuu- sind andere: 
üllt, die ans sie gesetzt wurden und ge- i. hat die deutsche Automobilindustrie durch 
rden mußten. __ den Krieg jede nähere Berührung für die 
ch vor einem Jahre die Ehre hatte, die Dauer von fast einem halben Jahrzehnt mit 
atomobilausstellung im neuen Reich zu den gleichen Industrien der übrigen Völker 
a, befand sich die deutsche Wirtschaft auf verloren,' 
Habsburger Monarchie 
bedeutet Bruch. 
Die krlcmr Entente und die Wiedereinsetzung der 
Habsburger. 
DNB. Paris, 9. März. (Eig. Funkmeld.) Der 
Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" in 
Prag hätte eine Unterredung mit dem tschecho 
slowakischen Außenminister Dr. Benesch über 
die Frage der Wiedereinsetzung der Habsbur 
ger in Wien und Budapest. Benesch sagte ein 
gangs, er sei mit Dollfuß und Fey der Ansicht, 
daß die Frage der Herstellung der Monarchie in 
Oesterreich eine internationale Frage sei, die 
im übrigen nicht aktuell sei. Sie gehöre deshalb 
auch nicht zu seinen gegenwärtigen oder fernen 
Sorgen. Aber gesetzt den Fall, daß morgen 
durch einen Putsch oder auf andere Weise die 
Habsburger wieder eingesetzt würden, so 
würde der tschechoslowakische Gesandte in Wien 
sofort zurückgerufen werden. Das Gleiche gelte, 
das glaube er sagen zu können, auch vom ru 
mänischen und südslawifchen Gesandten. Die 
Etwa um die gleiche Zeit besuchte mich ein 
9üter, alter Freund aus Deutschland. ES war 
älterer Offizier, der seit Jahren in einer 
Garnison an der deutsch-französischen Grenze 
stand. Um so froher war er, einmal etwas an 
dres sehen und erleben zu können, und so ge 
kost er in vollen Zügen die Reize des ihm bis 
her unbekannten Old Englands. Wenn wir so 
Lentzs behaglich beim offenen Kaminfeuer 
^sammensaßen, berichtete er begeistert von 
dem Vielen, das er in der interessanten 
vndoner Weltstadt gesehen hatte. Es ging 
Om eben wie so vielen Deutschen damals und 
Ķ allen Zeiten: das englische Land und Leben 
t-" seinen reizvollen Sitten und Seltsamkei- 
u hatten es ihm mächtig angetan,' am meisten 
«J;* öas Volk selbst, oder wenigstens der Be- 
opÜ^ttkreis, dessen großzügige Gastlichkeit er 
"nd deren sympathische Eigenschaften er 
® enu .ö 5« rühmen wußte. „Ein Jammer, 
lisch 010 ^ìden Nationen, die deutsche und eng 
ine, niHt Freunde sein können..." meinte 
England will zur Lust aufrüsten. 
In einer Uuterhaus-Debatte wurde festge 
stellt, daß sich die Berufsarmee um 800 Köpfe 
auf 149 600 erhöht hat. Die freiwillige Miliz 
umfaßt mit Offizieren 133 000 Mann. Am we 
sentlichsten ist, daß der Lordpräsident Baldwin 
erklärte, daß, wenn keine Abrüstungskonvcn- 
tion zustande käme, auf die er noch immer 
hoffe, England nicht länger seine Unterlegen 
heit zur Luft hinzunehmen willens sei.
	        
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