Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 1)

Lie Schlacht von Wöhr-«». 
Hitler über seine Fahrt nach Dithmarschen. 
Wie vor fünf Jahren die ersten Blutzeugen der Bewegung in Schleswig-Holstein fielen. 
3 Jahre ist es her, als die damals noch 
kleine Bewegung der Nationalsozialisten 
in Schleswig-Holstein ihre ersten Toten zn 
Grabe bringen mußte. Allen alten Kämp 
fern ist dieser blutige Tag von Wöhrden 
noch in Erinnerung. Er hat sie nicht mut 
los, sondern nur noch treuer, noch beharr 
licher gemacht, und sie empfanden es als 
eine besondere Ehrung sowohl für die 
Toten als auch für die Lebenden, daß der 
Führer Adolf Hitler von München 
herüberkam. Die „Schleswig-Holsteinische 
Tageszeitung" veröffentlicht an dem Ge 
denktage den Aufsatz, den Adolf Hitler da 
mals über die Eindrücke seiner Fahrt für 
den „Völkischen Beobachter" schrieb. Wir 
entnehmen diesem Artikel n. a. folgende 
Einzelheiten: 
Der Wagen jagt durch die holsteinische Land 
schaft, während wir am Ende alle schweigend 
in ihm sitzen. 
Ta uns noch ein kleines Unglück trifft • 
öas Benzin geht unerwartet zur Neige —, 
können wir in St. Annen, unserem ersten 
Ziele, nicht mehr an der Beerdigung in der 
Kirche teilnehmen. Es ist aber vielleicht gut 
so, denn man hat Gelegenheit, sich dafür das 
äußere Bild des nur aus wenigen Häusern be 
stehenden Fleckchens anzusehen. Was einem 
zunächst ins Auge springt, ist Polizei. Ja, nun 
sind sie da, die Hüter der Ruhe und Ordnung! 
Ueberall, wohin man blickt, Sipo über Sipo. 
Unser geliebter Staat zeigt uns seine Macht 
mittel. 
An den Straßenrändern stehen sie herum, 
kein Mensch weiß, weshalb und zn welchem 
Zweck. Vor der Wirtschaft wimmelt es von 
ihnen. Bis zum Friedhof sorgen sie „für Ruhe 
und Ordnung!" Ich selbst lege nur im Gast 
haus den Mantel ab und begebe mich dann mit 
Lohse — der erste Wagen von uns war schon 
vorher eingetroffen — zum Gottesacker. Auch 
dort behütet noch Polizei den Eingang. Sie 
stehen alle da, teils mit nichtssagenden, teils 
mit mürrischen und teils auch mit lachenden 
Gesichtern, die Hände in den Taschen, und 
schauen bald neugierig, bald möglichst gemacht 
lustig oder auch gleichgültig um sich. Am Fried 
hof ist aber auch viel Volk. Lauter großgewach 
sene Menschen mit verbitterten und auch 
schmerzlichen Gesichtern. Frauen sind da, denen 
man am Rot der Augen ansieht, daß sie schwer 
mit ihren Tränen zn ringen haben. 
Als ich die Kirche entlang durch den Fried 
hof zum Grabe schreite, sehe ich rechts eine 
Abordnung des Stahlhelms mit Fahne und 
freue mich innerlich, denn es wird ja nun doch 
einmal so kommen, daß der Bund der Front 
soldaten von einst und die Partei der Solda 
ten der Zukunft sich finden werden. 
Und dann stehen in langen, im Viereck ge> 
öffneten Kolonnen unsere braunen Hemden 
da. Hinter ihnen zahlreiche Menschen, viele in 
Schwarz, und darunîer Frauen und Mädchen. 
Es ist eine eigentümlich wehe Stimmung, die 
über allem liegt. Obwohl sich die Leiche ^es Er 
mordeten noch in der Kirche befindet, wird 
kaum ein Wort gesprochen. Man kann auch 
gar nicht reden. Sowie einer den Mund zu 
öffnen versucht, füllen sich die Augen mit Was 
ser. Und dann erstickt Schmerz und Wut ja 
doch jedes weitere Wort. 
Die Glocke auf dem kleinen Turm beginnt 
nun zu läuten. Die traurige Weise der SA.- 
Kapelle wird hörbar, und dann biegt um das 
Kircheneck der Zug, der unseren Kameraden 
bringt. Fahnen und die Standarte begleiten 
den toten Freund. Die Angehörigen 'folgen 
schmcrzerfüllt nach. Ein großer hagerer Mann 
kann die Tränen kaum verbeißen, während die 
Mutter ihnen erliegt. Schwestern und Brüder 
vervollständigen das Bild der Klage. 
Und dann spricht der Pastor die letzten 
Worte, die Fahnen senken sich über den Sarg, 
und der tote Kamerad gleitet langsam in die 
Erde, während die Mutter und die Frauen 
schluchzen und die Männer die Tränen nicht 
verbergen können. Tausend Hände sind er 
hoben und grüßen zum letzten Mal und neh 
men den letzten Abschied. 
Und nun soll ich sprechen. Aber was kann 
man da sagen? 
Es liegt einer vor uns, dessen ganze Schuld 
nur war, sein Volk und Vaterland mehr ge 
liebt zn haben als die Verderber von beiden. 
Dann tritt Lohse vor. Und aus ihm schreit 
endlich die Volksseele auf. Er spricht in der 
uralten Mundart des für sein Volk, für 
Deutschland Ermordeten. Ich kann nicht platt 
deutsch, aber nun verstehe ich doch jedes Wort, 
und was er spricht, greift einem so zn Herzen, 
daß es uns alle in der Kehle würgt. „Sie ha 
ben ihn totgemacht, den Kameraden Schmidt, 
llnd warum haben sie ihn totgemacht? Nur 
weil er sich nicht fügen wollte denen, die unser 
ganzes Volk und unser ganzes Land tot 
machen, nur weil in ihm etwas von dem Trotz 
lebt, der in der Freiheit nnd in der Ehre ein 
höheres Gut sieht als im feilen Lob der er 
bärmlichen Zeit. Sie haben ihn totgemacht, 
und wir sollen dazu schweigen? Nein, in uns 
allen erhärtet sich der Schwur, daß der junge 
Kamerad nicht umsonst gefallen sein darf. Er 
mußte sterben, wir aber wollen kämpfen." 
Das kann man -- wie sehr empfand ich es 
in diesem Augenblick — schriftöeutsch gar nicht 
sagen. Die Seele eines Volkes hat ihre eigeile 
Sprache. Sie springt über die Schwere des 
Verstehens hinweg und packt uns am Gefühl. 
Und als Lohse hier oben in der Sprache des 
Volkes redete, da war er selbst ein Stück dieses 
Volkes, und seine Anklagen waren der innere 
Schrei dieses Volkes. Und sein Versprechen 
war der fromme Schwur aller. 
Und dann überbringt Hauptmann von 
Pfeffer noch die letzten Grüße, dann der Gau 
Holstein und dann Hamburg und Altona. 
Gruppe um Gruppe folgt nach, und der braune 
Erdaufwurf des offenen Grabes verschwindet 
unter dem Grün uird den Blumen, die nun 
zum letzten mal den braven SA.-Mann Her 
mann Schmidt aus St. Annen in Dithmarschen 
umkränzen. 
Er gehört schon zur großen Armee der zwei 
Millionen von einst, und in dieser Empfindung 
wohl legt ihm der Stahlhelm-Mann den letzten 
Kranz zu seinem Haupt. 
Dann wird der Friedhof wieder langsam 
leer. Draußen sammelt die SA. Im elften 
Jahre des Friedens dieser Republik haben 
wieder ein Vater und eine Mutter einen Sohn 
verloren im Kampf für Deutschlands Zukunft. 
Und in dieser Erkenntnis wandelt sich der 
Schmerz um in ein neues Bekenntnis. Die 
Augen der SA. glühen, als ich an ihr vorbei 
schreite, die Männer herum haben die Rücken 
geradegezogen, und in den Taschen stecken ge 
ballte Fäuste. Hier sagt einem der Geruch der 
Erde, daß ein Wind gesät wird, der einst einen 
Orkan als Ernte hat. 
Albersdorf, ein großer, schöner Markt 
flecken, gleicht einem Heerlager von Braun 
hemden. Auf allen Zufahrtsstraßen stehen am 
Wegrand Personenwagen, Lastkraftwagen, 
Omnibusse und auch Pferdegespanne. Im Ort 
wimmelt es wieder von Hütern der republi 
kanischen Ruhe und Ordnung. Die Sipo ist da. 
Man weiß nicht, mit wieviel Wagen sie aus 
rückte, um dem Trauerzug die Staatsautorität 
in ihren gelungensten Repräsentanten genü 
gend vor Augen zu halten. Als ich in einem 
Gasthof, der überfüllt von SA.-Männern ist, 
absteige, begrüßt mich die Wirtin so, daß man 
sofort die Parteigenossin erkennt. Und so ist 
es denn auch. In dem kleinen Ort gibt es 
über 150 eingeschriebene Mitglieder, und 
heute nacht werden es über 200 sein, und mor 
gen schon wieder über 280. 
In drei Tagen nach dem Mord konnte der 
Gau über 500 neue Aufnahme» einschicken. 
Am Abend der ersten Beerdigung traten an 
manchen Orten die Einwohnerschaften geschlof 
fen zur Partei über. 
Hier in Albersdorf ist auch die Beteiligung 
der übrigen Bevölkerung eine ganz unge 
heure. Schon jetzt sind die Straßen links und 
rechts von Menschen eingesäumt, die zu einem 
großen Teil Trauerkleidung angelegt haben. 
Als der Leichenzug sich in Bewegung setzt, 
marschiert eine endlose Kolonne von SA.- 
Männern, von Parteigenossen und sonstigen 
Zeitnehmern dem Friedhofe zu. 
Der ermordete Parteigenosse Streibel ist 
selbst nur ein armer Arbeiter. 
Er konnte nicht früher zur SA., da es ihm 
nicht möglich war, das braune Hemd zu kau 
fen. Nun, da er sich dies zusammengespart 
hatte, trug er es gerade zum zweiten Male. 
Die Mutter selbst ist siech und krank, der Va 
ter vor kurzem gestorben, ein Bruder desglei 
chen. Unglück über Unglück. 
Die kleine Kirche mit dem wundervollen 
alten Taufbecken ist in kurzem überfüllt. Es 
kann nur ein Bruchteil der Trauergäste an 
der letzten Einsegnung teilnehmen. Vorne in 
der Mitte der Sarg, auf ihm darauf unsere 
Flagge, Kränze herum und dann die Führer 
der Bewegung, der Bruder des Ermordeten 
und Bürger und Bauern und Arbeiter in allen 
Bänken auf den Gängen und auf der Empore. 
Der Pastor spricht, wird aber dem Unglück 
nicht gerecht. Er meint, man müsse sich eben 
fügen und Gottes Wille geschehe. Wir alle 
aber wissen, daß es nicht Gottes Wille ist, daß 
das deutsche Volk zugrunde geht, und wissen, 
daß es nicht Gottes Wille sein kann, daß un 
ser Volk innerlich und äußerlich verdirbt, und 
wir wissen auch, daß es nicht dem Willen Got 
tes entspricht, daß der Mensch das Böse und 
Schlechte herrschen läßt, sondern daß es nach 
Gottes Willen geschieht, wenn sich die Menschen 
gegen ihre Verderber zur Wehr setzen und sich 
gegen sie erheben. Und so wie die ersten Chri 
sten ihre Blntopfer zu bringen hatten und vor 
Gott dem Herrn die Verantwortung auf die 
Mörder fiel, so ist es auch heute. 
Wieder ist das Grab umsäumt von den Ko 
lonnen unserer Braunhemden. Wieder gibt 
eine Stahlhelmgruppe dem Toten die letzte 
Ehre und wieder sind tausende Menschen, 
Männer und Frauen und Mädchen, im Fried 
hof versammelt. Mit ernsten, verbitterten und 
oft auch verweinten Gesichtern. Während sich 
die Fahnen über das Grab senken, die Stan 
darte zum Gruß sich vor dem toten Kameraden 
neigt, der nun in die Tiefe sinkt, jammert die 
kranke Mutter herzzerbrechend. 
Wieder muß ich sprechen, und dieses Mal 
glaube ich, ist es notwendig, besonders zn be 
kunden, daß, ganz gleich, wen und wieviele die 
roten Meuchelmörder in Deutschland noch tref 
fen, der Kampf um die Freiheit des Vaterlan 
des nie aussetzen darf nnd nie aussetzen wird. 
Und als ich diesen kurzen Gedanken nur aus 
drückte, schreit es aus tausend nnd abertausend 
Stimmen über das Grab des SA.-Maunes 
Streibel ans Albersdorf zum Himmel empor. 
Das Volk hat verstanden. 
Lohse redet noch einmal und findet in der 
Mundart die Sätze, die jedem einzelnen hier 
wie Feuer ans Herz greifen. Hauptmann von 
Pfeffer überbringt den letzten Gruß, Pg. 
Hüttmann aus Hamburg und Pg. von All 
wöhrden aus Altona, Schleswig-Holstein und 
Ungezählte Ortsgruppen desgleichen. Und wäh 
rend sich so über das Grab der irdischen Hülle 
unseres Parteigenossen die Kränze legen, und 
es langsam verhüllen, steigt sein Name empor 
zu den Märtyrern im Freiheitskampf unseres 
Volkes. 
Tief erschüttert verlassen wir alle den Fried 
hof. 
Merlri ans aller Wilt. 
Bei Erkältungen: fliegen! 
Dr. Halüor Carlson, ein amerikanischer 
Arzt, hat eine Entdeckung gemacht, die in einer 
näheren oder ferneren Zukunft, wenn das 
Fliegen etwas Alltägliches geworden sein 
wird, große Bedeutung erlangen dürfte: daß 
man Erkältungen am wirksamsten dadurch be 
kämpft, daß man in große Höhen aufsteigt. Dr. 
Carlson hat feststellen können, daß erkältete 
Personen, die einen Höhenflug mitmachten, 
nach Verlassen des Flugzeuges völlig frei von 
Erkältungserscheinungen zu sein pflegten. 
Wenigstens wurde diese Beobachtung an 50 
Personen gemacht, die von Chicago nach 
Newport flogen. Sämtliche kamen wohl und 
völlig gesund am Ziel an, nachdem sie mit 
schwerem Schnupfen aufgestiegen waren. Am 
geeignetsten für die neue Therapie sollen 
Höhen zwischen 2500 und 3000 Bieter sein. 
Welche Ursache diese rasche und vollständige 
Heilung bewirkt, ist noch nicht klar,' vielleicht 
sterben in diesen Höhen die Krankheitskeime 
einfach ab. 
Die weiße Amazone von Marokko. 
Nachdem die Franzosen in Marokko den 
Vormarsch angetreten haben, beginnen wieder 
die Gerüchte zu schwirren, daß eine Europä 
erin in den Reihen der unbefriedeten Stämme 
kämpfe. Nach einer neuen Lesart soll es sich 
dabei um eine Engländerin namens Helen 
Parson handeln, die vor Jahren von einem 
maurischen Führer gefangen genommen wor 
den war. Sie verliebte sich damals in ihren 
Bezwinger, nahm seinen Glauben an und 
wurde die Lieblingsfrau des Scheichs, dem sie 
drei Söhne schenkte. Eines Tages wurde ihr 
Mann in einem Geplänkel mit einer französi 
schen Patrouille verwundet, und seit diesem 
Tag trägt die Frau, die Helen Parson war, 
bevor sie ein neues Leben begann, einen un 
zähmbaren Haß gegen die Franzosen im Her 
zen. Sie nimmt seit dieser Zeit aktiv an allen 
Kämpfen der Aufständischen teil, und ihr Ein 
fluß auf die Marokkaner soll so groß sein, daß 
sich die Friedensverhandlungen, die von Zeit 
zu Zeit angeknüpft werden, immer wieder 
zerschlagen. 
Vorgeschichtliche Walfische gefunden. 
An der Küste der Jamal-Halbinsel, die zwi 
schen dem Karischen Meer und dem Becken des 
Ob^ liegt, werden seil Jahren immer wieder 
Reste von Walfischen aus vorgeschichtlicher 
Zeit, gefunden. Neuerdings hat man, wie aus 
Moskau gemeldet wird, abermals an hoch 
gelegenen Stellen der Halbinsel und in nicht 
unerheblicher Entfernung vom Meer Reste 
von Walen gefunden. Die einheimische Samo 
jedenbevölkerung ist aufs eifrigste bemüht, 
neue Fundorte zu suchen. Bei Jawa-Sala 
wurde an einer hochgelegenen Stelle der Küste 
sogar ein Wal gefunden, dessen Haut noch er 
halten ist. Schon vor Jahren ist es gelungen, 
Reste eines solchen Wals für das Museum der 
sibirischen Stadt Tobolsk zu retten. Die jetzt 
gemachten Funde, die viel wertvoller sind, da 
es sich um bedeutend bessere Exemplare han 
delt, sollen nach Möglichkeit für wissenschaft 
liche Zwecke gerettet werden. Es ist aber in 
Betracht zu ziehen, daß bei der Abgelegenheit 
des Gebietes und der Schwierigkeit, die Be 
völkerung von einer Beraubung der Fundorte 
abzuhalten, es nicht leicht sein wird, diese 
Funöstücke für Museumszwecke sicherzustellen. 
Schwester Yvonne-Marie in das Kloster der 
Bencdiktinerinnen eingetreten. 
Es ist nicht das erste Mal, daß eine Frau, 
die in Frankreich auf der Hohe des Ruhms 
stand, alles hinter sich abbricht und sich in die 
Stille eines Klosters flüchtet. 
Aber bei keiner bekannten Frau kam der 
Entschluß so überraschend. Die Schauspielerin 
war mit einer Truppe zu einem Gastspiel in 
Kairo gewesen. Abends, nach der Vorstellung' 
saß man ans der Hotelterrasse beisammen, als 
ein alter, berühmter Derwisch auftauchte. Er 
sagte den Umstehenden die Zukunft. Auf ein 
mal aber schaute er sich um, sah Yvonne 
Hautin an und sagte: „In einigen Monden 
wird einer unter Euch der Welt entsagen und 
in die Stille der Heiligkeit eingehen." Seit 
diesem Tage stand für die Schauspielerin der 
Entschluß fest, ins Kloster zu gehen. Vor drei 
Jahren weigerte sie sich, noch irgend einen 
Kontrakt zu.unterzeichnen, reiste nach Lour 
des, versah hier Krankendienst und ließ sich 
dann in den Orden der Benediktinerinnen 
aufnehmen, in deren Reihen sie jetzt endgültig 
ihren Platz gefunden hat. 
Von der Bühne ins Kloster. 
Nun hat Yvonne Hautin, bis vor einigen 
Jahren eine der besten Schauspielerinnen der 
Comööie Francaise, den schwarzen Schleier 
genommen, nachdem sie den weißen Schleier 
der Novize ablegen konnte. Yvonne Hautin 
hat für immer der Welt entsagt und ist als 
Seltsamer Osten. 
Mit dem für europäische Begriffe unvorstell 
baren Fall einer Proknrationsehe befaßt sich 
gegenwärtig ein Gericht in Kanton. Eine Chi 
nesin, die mit 25 Jahren bereits viermal Wit 
we geworden war, ging die fünfte Ehe mit 
einem — Baum ein, als einziges Mittel, dem 
fünften Mann das Schicksal seiner Vorgänger 
zu ersparen. Die Wahl fiel auf etnen hundert 
jährigen Kirschbaum, der allerdings zwei Tage 
nach der mit allem Pomp und unter Beobach 
tung der traditionellen Riten gefeierten Hoch 
zeit vom Blitz getroffen und zersplittert 
wurde. Der Besitzer des Baumes strengte nun 
vor dem Gericht in Kanton die Klage auf 
Schadenersatz an, weil die Zerstörung seines 
Eigentums auf den Zorn der Götter zurückzu 
führen sei. Der Fall ist-gewiß eigenartig, aber 
er steht in China nicht allein da. Das bestäti 
gen aufs neue gewisse Vorkommnisse, von de 
nen die chinesische Presse kürzlich zu berichten 
wußte. Da konnte z. B. ein junger Mann aus 
Kanton zu dem für die Hochzeit festgelegten 
Termin nicht anwesend sein, da ihn dringende 
Geschäfte unterwegs aufhielten. Trotzdem 
wurde die Zeremonie programmgemäß durch 
geführt. Als Stellvertreter des behinderten 
Bräutigams bestimmte der Brautvater einen 
jungen Hahn. Nach der Eheschließung wurde 
die junge Frau als legitime Gattin von den 
Schwiegereltern begrüßt, und ein paar Tage 
später traf dann der Ehemann aus Singapore 
ein, um seinen rechtmäßigen Platz, den ihm der 
Hahn reserviert hatte, einzunehmen. Eine selt 
same Geschichte wird noch aus Schanghai be 
richtet. Hier war eine Achtzehnjährige Mutter 
von Drillingen geworden. Ein Kind war fast 
weiß, öas zweite zeigte den olivenfarbiqen 
Teint einer Rothaut und öas dritte war fast 
schwarz. Das Farbenphänomen wird vom 
Volke damit erklärt, daß drei sagenhafte Hel 
den der Han-Dynastie, die von 203 v. Chr. bis 
220 n. Chr. in China regierte, in den drei 
Kindern zu neuem Leben erstanden sind, wes 
halb auch die Drillinge nach diesen ihre Na 
men erhalten. 
Ģàre ķcke. 
Amerikanische Reklame. 
Als die amerikanische Fliegerin Amelia 
Eurhart Putnam seinerzeit in Europa nach 
geglücktem Flug über den Ozean landete, fand 
sie neben zahlreichen Glückwunschtelegrammen 
von Bekannten und Freunden auch ein Kabel 
ihrer Waschanstalt vor, in der sie waschen und 
Kleider reinigen zu lassen pflegte. Der Inha 
ber hatte telegraphiert: „Herzliche Glück 
wünsche! Wir wußten, daß Sie es schaffen 
würden! Wir verlieren nie einen Kunden!" 
Der Widerruf. 
William Pitt, der Jüngere, hatte oft allen 
Anlaß, mit der Politik des Königs, Georgs M., 
unzufrieden zu sein. Eines Tages entfuhr ihm 
während einer hitzigen Verhandlung im Ober 
haus die unvorsichtige Bemerkung: „König 
Georg hat nicht mehr Verstand als ein Esel!^ 
Darob große Empörung, Rufe wie „Majestäts 
beleidigung!", „Verrat!" wurden laut. „Neh 
men Sie das sofort zurück!", rief man Pitt zu- 
Der erhob sich und sprach zu der atemlos auf 
horchenden Versammlung: „Ich nehme meine 
Aeußerung zurück. König Georg hat soviel 
Verstand wie ein Esel!" 
Ei« witziger Schweiger. 
Von dem verstorbenen ehemaligen Präsiden 
ten der Vereinigten Staaten, Calvin Coolidg^ 
gehen noch heute reizende Geschichten um, 
denen seine Schweigsamkeit stets Material 
lieferte. Eines Tages versuchte eine ebens^ 
hübsche wie ehrgeizige junge Dame ihn ş 
seiner Wartkargheit herauszulocken, indem 
ihm erzählte, ihr Vater habe mit ihr gewettet' 
sie werde aus dem Präsidenten keine drel 
Worte herausbringen. Woraus Coolidge, ahu^ 
eine Miene zu verziehen, antwortete: „Pķ 
gewinnt!" 
Auch eine Kritik. 
Gast: Das war Nudelsuppe, nicht wahr? 
Kellner: Jawohl, mein Herr. 
Gast: Interessant! 
Der Geizhals. 
Mein Onkel Fritz ist der geizigste BteUM 
den ich kenne. Selbst wenn er lacht geschieh 
es auf Kosten anderer. *
	        
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