Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 1)

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127. Jahrgang. 
127. Jahrgang. 
Renösburger: Tageblatt 
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Frankreichs Negierung gefährdet? 
Frankreich im Zeichen des Skandals 
Rückwirkungen auch auf die Europa-Politik infolge der Lähmung der französischen Regierung? 
London vor einem entscheidenden Schritt. 
Frankreich hat schon seine Sorgen. 
Hauses Lord und Taylor, der Jude ist, weist in 
einem geharnischten Artikel gegen die Führer 
der Newyorker Boykottbewegung darauf hin, 
daß die Art und Weise, wie der Boykott gegen 
deutsche Waren aufgezogen worden sei, gerade 
zu eine Schande für das amerikanische Juden 
tum sei. Herr Hirschmann beweist die völlige 
Erfolglosigkeit des Boykotts und kommt zu 
dem Schluß, daß die ganze Sache ein großer 
Reinfall gewesen sei. Der Kampf der Deutsch- 
Amerikaner hat aber auch zugleich die Rich 
tung gezeigt für einen zukünftigen Znsammen- 
schlutz aller Deutschen Amerikas. 
Sofort Handel»! Das sind die Schluß 
folgerungen, die die italienische Presse aus den 
Besprechungen in Rom zieht. Die Initiative 
muß von der englischen Regierung ausgehen. 
Wenn, wie verlautet, Sir Simon gegen eine 
Vertagung des Vorstandes der Abrüstungs- 
konferenz ist. der am 15. Januar zusammen 
treten soll, so kann man annehmen, daß Eng 
land nicht mehr für eins Verzögerung zu haben 
ist. Im Interesse des Friedens voik Europa, 
den alle Staaten und nicht zuletzt Deutschland 
sehnlichst erwünschen, liegt es, daß endlich 
praktische Ergebnisse in der Frage der Ab 
rüstung der hochgerüsteten Staaten gezeitigt 
werden. Deutschlands Mitarbeit ist den Mäch 
ten sicher, wenn sie Deutschland die Gleich- 
Frankreich hat schon seine Sorgen. Kaum 
bat sich die Regierung Chautemps durch die 
Klippen des Finanzausgleichs des französischen 
Haushalts glücklich durchgewunden, da tauchen 
unerwartet neue Schwierigkeiten auf. Der 
Finanzskandal von Bayonne, dessen Haupt 
schuldiger der große Gauner S t a v i s k y ist, 
zieht immer neue Männer in den Kreis der 
Verantwortlichen. Inzwischen ist der Bürger 
meister von Bayonne, der radikale Abgeord 
nete Garat, verhaftet worden. Der Rücktritt 
des Kolonialnnnisters Dalimier ist nur 
noch eine Frage von Stunden, denn er wird 
immer eindringlicher von der gesamten Presse 
gefordert. In der Presse wird sogar die Mög 
lichkeit des Gesamtriicktritts der Regierung 
für wahrscheinlich gehalten. Die englische 
Presse schreibt dazu, daß, selbst wenn Chau 
temps eine nute Regierung bildet, ihm die 
Untersuchung der Bayonne-Affäre einen schwe 
ren Mühlstein um den Hals legen würde. Sie 
werde sich höchstens zwei Monate halten. Die 
französische Zeitung „Ere Nouvelle" schreibt 
n. a., daß eine Krise besteht, die viel ernster 
>st als alles andere, die Krise der Moral. 
Angesichts dieser innerpolitischen Krise fällt 
es der französischen Regierung natürlich 
schwer, sich ernsthaft und energisch mit den 
-fragen der europäischen Politik zu beschäfti 
gen. Da es aber gerade auf Frankreich an 
kommt, sind die innerpolitischen Schwierigkei 
ten in Paris auch für die Gesamtlage in Eu 
ropa von Bedeutung. Wir in Deutschland 
àben für Skandale solchen Ausmaßes kein 
Verständnis mehr, vor allem nicht dafür, daß 
Regierungsmitglieöer darin verwickelt sind. 
Zur Sache selbst sei noch mitgeteilt, daß die 
Nachforschungen nach Stavsky bisher erfolglos 
geblieben sind, daß inzwischen auch die Ehe 
frau des Schwindlers mit ihren Kindern ver- 
Ichwundeu ist, daß Haussuchungen bei Pariser 
Zeitungen stattgefunden haben, die anschei- 
ņnd bewußt oder unbewußt dem Schwindler 
Vorschub geleistet haben, und daß die geschädig 
ten Versicherungsgesellschaften die Absicht 
baben, den französischen Staat und die Stadt 
Bayonne für die Betrügereien vor dem 
«raatsrat zur Verantwortung zu ziehen. An 
geblich soll Stavisky sich bereit erklärt haben, 
äch gegen gewisse Zusicherungen dem Gericht 
stellen. Aber er habe gleichzeitig andeuten 
'5ņen, daß er im Besitz einer Liste kompromit 
tier Persönlichkeiten sei, die nicht weniger 
ais 18V Name» enthalte. Das wird ja noch 
wanche Ueberraschung bringen! 
Doch kehren wir zurück zu den Dingen, an 
denen Deutschland unmittelbar interessiert ist. 
,,V^ if* bie Auswertung der Besprechungen in 
Rom. Sir Simon ist nach London zurück 
gekehrt. Er hat bei seinem Aufenthalt in Po- 
keine Unterredung mit Mitgliedern der 
rl n «^ CIt Regierung gehabt und äußerte 
Nch Pressevertretern gegenüber auf dem Lon 
doner Bahnhof recht optimistisch. Er glaubt, 
uaß me Besprechungen in Rom und Paris sich 
şŅ ein europäisches Uebereinkommen nützlich 
s.Ņclsen werden. Die Pressestimmen in London 
ihrer Meinung geteilt. Man erwartet 
tim, ^şiņnung den Bericht des Außenministers 
lav(1 englischen Kabinett. Offizielle Ber 
ber ä?ŗungen lassen erkennen, daß man mit 
habe ?Wņchung in Rom zufrieden ist. Sie 
k>eyàf.?ņ wesentlichen aufklärenden Charakter 
schreib- .2 sei allerdings klar geworden, so 
lenGir ^nige Zeitungen, nämlich daS Fal- 
Teutìà' \ cr sogenannten Probezeit, dje für 
die km;unannehmbar sei. Recht weit geht 
ert äà/"şiische Zeitung „People", die beöau- 
nirsti rn ^ìwon ans seiner Rückreise von Rom 
nicht auch Berlin besucht habe, 
Eņu wenn es einen Mann gebe, der eine 
«lü tt Hönde Stimme habe, dann sei es 
Wieder einmal eine ausländische Anerkennung 
also, die wir mit Freuden verzeichnen dürfen. 
Sie erfreut uns ebenso sehr wie die Worte des 
englischen Feldmarschalls Lord Milne, der sich 
auf einer Versammlung englischer Schulkadet 
ten in London gegen die dauernde Verbrei 
tung von Kriegsgerüchten wandte. Er er 
klärte, daß das erste, was man der heutigen 
Jugend einpflanzen müsse, die Vaterlandsliebe 
sei. Den Internationalismus, der hauptsäch 
lich aus solchen Leute» bestehe, die andere 
Länder ihrem eigenen Vaterland vorzögen, 
habe er niemals verstanden. Desto besser also 
wird er die junge Bewegung des neuen 
Deutschlands verstehen, die ja gerade den 
Kampf gegen diese vaterlandslosen Gesellen 
so energisch geführt hat. 
Wollen mir weitere erfreuliche Meldungen 
der Politik aufzeigen, so müssen wir ans das 
Ergebnis des dentsch-französischen Jugeud- 
trcsscns eingehen. In der Schlußansprache 
Schleswig-HsLstems großer kirchlicher Festtag 
Eine bedeutsame WiKensLundgsbung des Reichsbifchofs 
PD Das bedeutsamste Ereignis des gestrigen Paulsen-Kiel durch den Reichsbischof Müller. Gebet. Dr. J 
ages war in Schleswig-Holstein die Einfüh- Es war die erste Amtseinführung eines Lan- an die Bei 
mg von Paulsen als Landesbischof von desbischofs durch den Reichsbischvf überhaupt, er auf die i 
chlcswig-Holstein. Die Oeffentlichkeit begrüßt Ter Bedeutung des Tages entsprechend hatten dem Land' 
n als solchen und wünscht ihm Gottes Segen die staatlichen und städtischen Gebäude sowie trauen des 
r sein ewigkeitsgebnndenes Amt mit weit- viele Privatleute die Flaggen des neuen Amt zum 5 
ichenöen Verantwortlichkeiten für das See- Deutschlands gehißt. Aus allen Teilen,Schles- tigte sich dt 
nheil des Kirchenvolkes unserer engeren wig-Holsteins und darüber hinaus aus ver- des Landes 
eimai. Die kirchliche Feier in St. Nicolai in schiedenen Teilen des Reiches waren führende ihm nicht n 
iel stand im Zeichen der Verbundenheit zwi- Köpfe des kirchlichen Lebens nach Kiel ge- serer Lanöt 
)en dem Reichskirchenführer Müller und dem kommen, ll. a. waren der Generalvikar des Kreise unst 
.mmehrigen Landesführer der evangelischen Reichsbischofs, Landesoverpfarrer Overheid, kerung steh 
irche in Schleswig-Holstein, die Kundgebung Ministerialdirektor Jäger vom preußischen kirchenamte 
I der Rordustscehalle wurde beherrscht von Kultusministerium, Oberminisierialrat Eckart Christen, D 
'X Ansprache des Reichsbifchofs Müller als vom Evangelischen Oberkirchenrat (Berlin) bischof mit 
ner Willenskundgebung des Reichssührers sowie die Vertreter der nvrvWestdentschen die bekanni 
X evang. Kirche in die Einheit der Reichs- Landeskirchen erschienen. Ferner waren an- fentlichten : 
rchc nach Gottesdicnstordnung und Bekennt- wesend der Oberpräsident der Provinz Schles- Landeskirch 
is einerseits und andererseits zu einer wig-Holstein, Gauleiter Lohse, Obergruppen- reits eine ' 
olkskirche innerhalb der nationalen staat- führer Schoene und der Oberbürgermeister der Zustiwmun 
chen Geschlossenheit des Dritten Reiches. In Stadt Kiel, Behrens. brachten ih 
hu Msnttg-hoWmsch. LaàssWà 
aus Anlaß der Einführung des Landesbischofs 
Paulsen wurde im Beisein des Reichsbischofs 
mittags 12 Uhr im Rathause abgehalten. Die 
Synodalenversammlung füllte den großen, 
festlich geschmückten Sitzungssaal. Als Ehren 
gäste nahmen an der Sitzung, die non dem 
Präsidenten des ev. Landeskirchenausschusses, 
Dr, D. Freiherr v. Heintze geleitet wurde, die 
vorher genannten Persönlichkeiten teil, als 
Vertreter des Oberpräsidenten an dieser Fest 
sitzung Overregierungsrat Schow, als Ver 
treter der Landeskirchen Hannover u. Braun 
schweig Landesbischof Beye und Richter, Han 
nover, als Gäste waren Vertreter sonstiger 
Behörden und Organisationen anwesend. Als 
der Reichsbischof in den Saal geführt wurde, 
begrüßte ihn die Versammlung mit einem 
dreifachen Siegheil. Unter den feierlichen 
Klängen eines Streichquartetts nahmen der 
Bischof u. die Ehrengäste neben dem Präsiden 
ten die Plätze des Magistrats ein, hinter denen 
eine große Kirchenfahne die Wand beherrschte. 
Nach der Titzungserösfnung sprach der Vize 
präsident der Synode Christiansen, der, wie 
wohl der überwiegende Teil der Synodalen 
und Gaste^ im Braunhemd erschienen war^ ein 
M ZŞlļesdiensl in Sl. Ncolai. 
Schon lange vor der festgesetzten Zeit be 
gann der Andrang des Publinms zur Nikolai- 
kirche. Dichte Menschenmassen umlagerten 
den ganzen Altmarkt, als sich mit dem Reichs 
bischof und Landesbischof Paulsen an der 
Spitze im geschlossenen Zuge durch ein Spalier 
als Ehrenabteilung kommandierter ŞA-Leute 
die Pröpste und etwa 300 Pastoren ans 
der Provinz samt den Vertretern der 
kirchlichen Körperschaften, der Landessynode 
und des Landeskirchenamtes in die Nikolai- 
tirZe begaben und unter dem Geleit von 
Ueber die Veranstaltung selbst berichten wir: 
Ein bedeutsamer Tag für das kirchliche Le 
ben Schleswig-Holsteins war am Sonntag die 
leierliche Amtseinführung des Landesbij-choss
	        
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