Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 1)

' 
M7. Jahrgang. 
127. IahrgtMK 
Renösbumer Tageblatt 
Bezugspreis: Ausgabe A Reichsmark 1.75 monatlich: Ausgabe B einschl. Illustrierte Wochenbeilage 
Reichsmark 2.00. zuzügl. Bestellgeld. Einzelnummer 10 Rpfg., auswärts 15 Rpfg., Sonnabends 15 Rpsg. 
tschrifrleļtung und Geschäftsstelle: Rendsburg. Haus der Landeszeitung. Fernsprecher Nr. 2551. 
T-legramm-Adr.: „Landeszeitung". Postscheck: Hamburg 16278. Banken: Reichsbank; Westholsteinische 
Bank; Spar- und Leih-Koffe: Schleswig-Holsteinische Bank; Landkceditbank; sämtlich in Rendsburg 
Anzeigenpreise: Im Anzeigenteil Grundpreis für die 46 mm breite Millimeterzeile 14 Rpfg., 
im Tertteil Grundpreis für die 77 mm breite Millimeterzeile 34 Rpfg. Ermäßigte und erhöhte 
Grundpreise, sowie Nachlässe If. Tarif. Geschäftsbedingungen nach Maßgabe der Bestimmungen 
des Werberats der deutschen Wirtschaft. Keine Ersatzansprüche bei Nichterscheinen der Zeitung wegen 
höherer Gewalt. Für unverlangt eingehende Manuskripte übernimmt die Schriftleitung keine Gewähr. 
schmückt, haben sie den Weg zur Wahlurne an 
getreten. Diese Tatsache erhält ihre ganz be 
sondere Bedeutung, wenn man bedenkt, wie 
viele Kriegsopfer durch die ehemals marristi- 
schen Verbände irregeleitet waren." 
Auf meine Frage, ob man beabsichtige, für 
die Kriegsbeschädigten eine ähnliche Organisa 
tion zu schaffen, wie sie die Deutsche Arbeits 
front in dem Amt „Kraft durch Freude" hat, 
erwidert der Reichsführer der Kriegsopfer, daß 
es am besten wäre, wenn innerhalb dieser Or 
ganisation den Kriegsopfern eine besondere 
Vergünstigung zuteil würde. Dann brauche 
man eine neue Organisation nicht zu schaffen. 
„Wie uns das Jahr 1933 die Ehre wieder 
gegeben hat", schließt Oberlindvber, „so wird 
uns das Jahr 1934 das Recht wiedergeben, 
denn nur ans der dankbaren Anerkennung der 
unerhörten Leistungen der deutschen Frontsol 
daten und der Kriegsopfer kann uns allen ge 
holfen werden." 
Kriegsopserversorgung. Der Vorraum voll 
von Menschen. Aber sind es nicht andere Ge 
sichter als jene hoffnungslosen, verzweifelten, 
wie man sie früher in den Warteräumen der 
Versorgungsstellen sah? Wer hier wartet, 
weiß, daß ein Mann die NS.-Kriegsopferver- 
sorgung leitet, der selbst die Greuel und Lei 
den des Krieges, aber auch das stille Helden 
tum kennt, einer, der ein Front soldat im 
wahrsten Sinne des Wortes war: Hanns 
Oberlindober. 
Mit achtzehn Jahren zieht er in den Krieg 
und kämpft als bayerischer Pionierr-sfizier auf 
fast allen Kriegsschauplätzen. Schwer kriegs- 
beschäöigt kehrt er 1918 heim, erlebt den Zu 
sammenbruch, die Mißachtuilg des Frontkämp 
fers, das Achselzucken vor den Leiden der 
Kriegsopfer, sieht den Hader der Parteien, die 
Korruption an allen Orten, die Besten unfrei 
willig müßig, verhöhnt und verlacht. Und so 
wendet er sich 1920 der kleinen Partei zu, die 
aus ihre Fahnen geschrieben hat: „Kampf dem 
System!" 1921 gründet er die Ortsgruppe 
Straubing in Niederbayern. 1924 wird er 
Staötrat und bleibt es fünf Jahre lang. Un 
unterbrochen ist er für den Nationalsozialis 
mus tätig, verkündet er in mehr als 3000 Ver 
sammlungen die Idee des Führers. 1930 wird 
er in den Reichstag gewählt und vom Führer 
beauftragt, innerhalb der NSDAP, die Kriegs 
opfer zusammenzufassen. Reichsarbeitsminister 
Seldte bestellt ihn schließlich zum Schöpfer des 
neuen Kriegsopferrechtes. 
Man begreift, daß die Gesichter der Warten 
den im Vorraum weniger trostlos, weniger 
verzweifelt sind: Hier ist einer, der für ihr 
Recht und ihre Ehre kämpft. 
Liebenswürdig werde ich empfangen. Meine 
erste Frage gilt natürlich dem kommende« 
Kriegsopfergesctz. 
„Einzelheiten kann ich Ihnen noch nicht sa 
gen. Es wird gewiß um verschiedene Dinge ge 
kämpft werden müssen. Aber das eine ist sicher, 
daß die Landesverteidiger, die Kriegerwitwen, 
die Kriegerwaise«, die Kriegerelter«, die 
Kriegsverletzte« die ersten Bürger der Nation 
sein werden. In diesem Zusammenhang möchte 
ich mich einmal über den Begriff des Front 
kämpfers äußern. Nur der ist schließlich als 
Frontkämpfer anzusehen, der im feindlichen 
Feuer stand und selbst aktiv an Kampfhand 
lungen beteiligt war. Unsere Aufgabe wird es 
lein, die unglückliche Begriffsbestimmung, wie 
sie das Reichsversorgungsgesetz von 1920 ge 
schaffen hat, zu beseitigen. De« wirkliche« 
Frontsoldaten muß wieder ihr Recht werden. 
Irgendwie muß das Wort „Kriegsopfer" vor 
Mißbrauch geschützt werden. 
Haben Sie übrigens unseren neuen Film 
..Stoßtrupp 1917" gesehen? Wir haben seine 
Gestaltung und Aufführung ermöglicht, um 
t>ach außen hin zu zeigen, daß der Frontsoldat 
lloch heute lebt. Jetzt, 20 Jahre nach dem 
Kriegsbeginn, fast 16 Jahre nach dem Kriegs 
ende, wollen wir erreichen, daß die junge Ge 
neration Respekt vor den Leistungen der 
Frontsoldaten bekommt. Diejenigen ferner, 
s'le zu Hause waren, sollen an ihre Verpflich 
tungen erinnert werden denen gegenüber, die 
-^..Ehrend des Krieges verteidigten und be- 
Uhützten. Der Film soll das sein, was uns in 
Deutschland bisher gefehlt hat: ei« Denkmal 
"es unbekannten Soldaten! 
Mit Absicht ist nicht eine große Schlacht dar- 
kestellt worden, sondern das Schicksal braver 
Musketiere, wie wir es als Kameraden im 
Felde erlebt haben. In späteren Jahren wer 
den sowieso die Geschichtsschreiber die Schlach 
ten mit dem Namen nur eines Heerführers 
belegen. 
...îus, was den Film so unerhört echt macht, 
W oitz Tatsache, daß die Soldaten des großen 
Freude im ZMMNeļ. 
DNB. Saarbrücken, 1. März. In einzigarti 
ger Geschlossenheit und Begeisterung hat die 
gesamte Saarbevölkerung die frohe Kunde von 
der Bildung der saarländischen Eidgenossen 
schaft der Deutschen Front aufgenommen. 
Saarbrücken und alle Ortschaften des Saar- 
gebietes sind ein Flaggenmeer. Fast jedes Haus 
hat geflaggt, um der Verbundenheit, aller in 
diesem festlichen Augenblick für das Saar 
deutschtum Ausdruck zu geben. Durch große 
Aufrufe in der Morgenpresse wurde die Be« 
völkerung von den Geschehnissen in Kenntnis 
gesetzt. An den Zeitungsaushängen der Or 
gane der Deutschen Front scharen sich dichte 
Menschenmengen, um die Aufrufe und Nach 
richten über die Bildung der einheitliche« 
Front an der Saar zu lesen. Schlag 12 Uhr er 
tönte von allen Kirchen Saarbrückens Glok- 
kengeläut, um dem festlichen und erhebenden 
Tag eine ganz besondere Weihe zu verleihen. 
Alle Schranken konventioneller, parteilicher 
und sozialer Bindungen sind damit gefallen. 
Die Dràr-Ksņf§e§ĶA in Rom. 
Italiens Imperialismus gegen deutsches Lebensrecht 
statten gegen die deutsche AnschlußpoMik. 
JÌT' àv°ŗstehende Dreier- wichtigen aber engen Raum der kleinen süd- seiner Außenpolitik beziehen können. Bekannt- 
zusaimnenkunst zwischen Muffolini, Gombos osteuropäischen Staaten die Interessen der lich ist die Grundidee des Nationalsozialismus 
nahen Orient ist schon immer wesentlich gewe 
sen für die größeren beteiligten Wirtschafts- 
Mächte. Zur Zeit klaffen nun besonders die 
Gegensätze zwischen den politischen Interessen 
Italiens und Frankreichs und den wirtschaft 
lichen und politischen Interessen Italiens und 
Deutschlands auf. Bisher ist bekanntlich 
Deutschland der größte Abnehmer, aber auch 
der größte Verkäufer von Waren in dem um 
strittenen Gebiet. Italien will aber Oester 
reich und Ungarn nicht nur aus wirtschaft 
lichen, sondern auch aus politischen Gründen 
beherrschen, um dem politischen System Frauk- 
reichs ^in Südosteuropa entgegenzutreten. Die 
neue These Frankreichs in Südosteuropa ist 
die Bildung eines sog. Sechsmächtepaktes durch 
Einbeziehung von Oesterreich und Ungarn in 
die Kleine Entente. Diese Versuche werden 
zweifellos an Ungarns, wahrscheinlich auch an 
Oesterreichs Widerstand scheitern, denn ein 
solcher Pakt würde die Grenzziehungen von 
Trianon verewige« und würde somit Revisi- 
onsfordernngen für die Zukunft ausschließen. 
Für uns in Deutschland am wesentlichsten 
ist die durchaus merkwürdige Haltung Italiens 
Deutschland gegenüber. Aus den vorstehenden 
italienischen Pressestimmen kann man unschwer 
die schiefe Darstellung der eigenen Stellung 
nahme und der deutschen Absichten heraus 
lesen. Es ist eine grundsätzliche Verkennung 
der deutschen Absichten, wenn von der Grün 
dung eines Heiligen Römischen Reiches die 
Rede ist. Der italienischen Presse ist allem An 
schein nach Hitlers „Mein Kampf" noch ein 
Buch mit sieben Siegeln geblieben,' sonst hätte 
gezogen. „Die historische Einheit" Oesterreichs 
ist niemals eine wirkliche Einheit gewesen und 
die von Italien geschützte „Selbständigkeit" 
Deutsch-Oesterreichs ist bekanntlich in dem Be 
schluß der österreichischen Nationalversamm 
lung von 1919 selbst aufgegeben worden. Wenn 
Italien, wie seine Presse betont, sich nicht vor 
der deutschen Nachbarschaft fürchtet, so ist nicht 
einzusehen, welche Gründe sonst Nom veran 
lassen könnten, hier eine politische Linie zu 
verfolgen, die es vom Reich fort- und in die 
gleiche Front mit den verschworenen Anti- 
revisionistcn hinführt. Bor allem aber ist der 
Sachlichkeit der augenblicklichen Auseinander 
setzung mit teils hämischen, teils schulmeister 
lichen Kommentaren nicht gedient. 
Zu diesem Jnteressenkonflikt der europäi 
schen Großmächte kommen in Oesterreich noch 
die legitimistischen Umtriebe der Heimwehr 
und des Sicherheitsministers Dr. Fey. Aller 
dings sind die Widerstände so groß, daß vorerst 
noch nicht an einen Erfolg zu denken ist. Eine 
Wiederherstellung der Monarchie Habsburg 
würde Einmarsch der Entente i„ Oesterreich 
bedeuten und hinter der Entente steht Frank 
reich. So werden also die Hoffnungen Zitas, 
der ehrgeizigen früheren Kaiserin von Oester 
reich, kaum erfüllt werden. Der Erzherzog 
Otto, der älteste Sohn Zitas, ist übrigens in 
seinem Aufenthaltsort in Belgien unter 
schärfste Bewachung gestellt, so daß auch hier 
hon im Ursprung etwaige« Ueberraschnngev 
vorgebeugt wird.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.