Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 1)

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127. Jahrgang 
127. Jahrgang. 
Renösburger Tageblatt 
Anzeigenpreise: Im Anzeigenteil Grundpreis für die 48 mm breite MlIUmekrrzeļle 14 Rpfg.. 
im Tsxtteil Grundpreis für die 77 mm breite Millimeterzeile 34 Rpfg. Ermäßigte und erhöht« 
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des Werberats der deutschen Wirtschaft. Erfüllungsort; Rendsburg. Keine Ersatzansprüche bei 
Nichterscheinen der Zeitung wegen höherer Gewalt. 
Habicht über die Lage in Oesterreich 
den Marxismus und damit als den endgülti 
gen bleibenden Herrn Oesterreichs zu feiern. 
Sie möge sich nicht täuschen. Wahrscheinlich — 
wenn auch durchaus noch nicht so ganz sicher -- 
daß es dieser Regierung gelingt, den Wider 
stand der bewaffneten Bataillone des Marxis 
mus durch brutalste Anwendung von Grana 
ten und Flammenwerfern auch gegen Frauen 
und Kinder zu brechen, den tödliche» Haß, den 
sie dadurch in Millionen von Herzen zur zeh 
renden Flamme angefacht hat, löscht sie damit 
nicht. Es brennt weiter und wird nicht eher 
seinen Frieden finden, als bis die furchtbare 
Schuld dieses Regimentes gesühnt ist. Bis 
Der Hintergrund des Vrrrderkampfes in Oesterreich. - DoWch wird keinen endgültigen Sieg erringen 
Und die Nationalsozialisten? 
Bedeutung ihres Handelns und ihrer Haltung 
nicht erfaßt habe. Denn sie ist tausendfach da 
rauf hingewiesen worden. Sie kann sich nicht 
hinter der Behauptung verstecken, daß ihr 
keine Möglichkeiten geboten worden seien, 
anders zu handeln, denn durch Jahre und 
Monate hindurch, fast bis zur letzten Stunde 
hat die nationalsozialistische Bewegung ihr 
wieder und wieder diese Möglichkeiten geboten. 
Habicht wies dann darauf hin, daß das, was 
nun geschehen sei, die NSDAP, der Regierung 
Dollfuß schon in der Stunde ihrer Geburt 
vorausgesagt habe. Er zitierte hierfür seinen 
Aufruf vom Mai des Jahres 1932, in dem er 
auf die drohende bolschewistische Gefahr hin 
gewiesen hatte, und wies nach, daß es unrich 
tig sei, wenn heute die Regierung Dollfuß und 
Jur Deutschen Rundfunk sprach am Don 
nerstagabend der Landesinspekteur für Oester 
reich, Habicht. In seinem Vortrag führte er 
VL a. aus, daß die österreichische Regierung 
noch vor kurzem vor dem Forum der Welt 
gegen den Nationalsozialismus und das 
Deutsche Reich die Anklage erhoben habe, daß 
nur sie es seien, die durch ihre Haltung gegen 
über der derzeitigen Bundesregierung den 
inneren Frieden und die äußere Unabhängig 
keit Oesterreichs, damit zugleich aber auch den 
Frieden Europas bedrohten. Selten sei eine 
politische und geschichtliche Lüge schneller und 
radikaler durch die Tatsachen widerlegt wor 
den als diese. Noch während die angerufenen 
Mächte mit der Prüfung des Anklagematerials 
beschäftigt gewesen seien, sei in Wien der bol 
schewistische Aufstand losgebrochen. Und wäh 
rend man die Frage erwogen habe, ob und bis 
zu welchem Grade deutsche Papierböller ge 
eignet seien, den europäischen Frieden zu be 
drohen, eröffnen an der Donau mit französi 
schen Stahlhelmen, tschechischen Gewehren und 
Geschützen und russischer Munition ausgerü 
stete bolschewistische Aufrührer das Feuer ge 
gen die Truppen der derzeitigen österreichische« 
Regierung. 
Nur einer habe nicht teil an diesem Chaos, 
nicht an seiner Entstehung und nicht an seinem 
Ablauf und stehe schweigend zur Seite, Gewehr 
bei Fuß, und warte seine Stunde ab: der Na 
tionalsozialismus, den jene als den Stören 
fried Europas bezeichneten, die für diese Ka 
tastrophe vor dem deutschen Volk verantwort 
lich seien und die die Welt in Aufruhr brach 
ten, als der Nationalsozialismus in harm 
losen Demonstrationen sein Dasein manife 
stierte, — und die heute schwiegen oder gar 
Beifall klatschten, da ein ganzes Volk zur Ver 
zweiflung getrieben und ein Staat zugrunde 
gerichtet werde. 
Nachdem Habicht dann als verantwortlich für 
dieses Verbrechen am deutschen Volke die der 
zeitige Regierung Oesterreichs, die Mächte, die 
in voller Kenntnis der Verhältnisse der öster 
reichischen Regierung ihre Hilfe gegeben hät 
ten und die Bischöfe Oesterreichs bezeichnet 
hatte, fuhr er fort: 
Wenn etwas erschütternd ist an diesem Vor 
gang, dann ist es die Tatsache, daß keiner von 
den Toten dieser Kämpfe gefallen ist und fällt 
für ein erhabenes Ziel, für eine große Idee, 
die leuchtend über ihm steht und seinem Ster 
ben einen verklärenden Schein und einen 
höheren Sinn gibt, sondern daß — auf welcher 
Seite immer sie sterben mochten — sie fallen 
im Dienste fremder Interessen, als Kämpfer 
gegen ihr eigenes Volk. Es ist nicht wahr, daß 
dieser Kampf um die Neugestaltung Oester 
reichs im deutschen Sinne geht, daß die Ele 
mente der Ordnung gegen ein Element der 
Zerstörung kämpfen. Was sich hier ans deut 
schem Boden austobt und deutschen Männern 
die Waffen gegen Deutsche in die Hand drückt, 
das ist der Zusammenprall fremder Mächte auf 
deutschem Raum, denen sie — bewußt oder un 
bewußt — als Legionäre dienen. Sie fügen der 
ewigen Tragik der deutschen Geschichte, daß 
Deutsche gegen Deutsche stehen, im Dienste 
fremder Interessen, ein neues Kapitel an, das 
nach unserem unerschütterlichen Willen das 
letzte dieser Art sein soll. 
_ Könnte man auf die Gräber dieser Toten die 
Jarben jener Länder setzen, für die sie in 
Wahrheit gefallen sind, so würde offenbar 
werden, daß Oesterreich in diesem Kampfe 
nichts anderes ist, als das Schlachtfeld frem- 
der Völker. 
Aus diesen Gräbern steigt die furchtbare 
Anklage gegen die Regierung Dollfuß auf, die 
Anklage, daß sie in Oesterreich Deutsche gegen 
Deutsche in den Kampf schickte, gerade in jener 
Beit, da sich in der ganzen übrigen Welt die 
üwße deutsche Einigung vollzieht. Sie kann sich 
nicht daraus berufen, daß sie die geschichtliche 
die Führung der Heimwehr den Anschein zu 
erwecken versuchten, als ob ihr jetziger Kampf 
gegen den Marxismus die letzte logische Kon 
sequenz eines von Anfang an planmäßig ge 
führten Kampfes zur Ueberwindung des Bol 
schewismus sei. Die marxistischen Führer, die 
sie heute als Hochverräter verfolge, seien die 
selben, die sie gestern hinter den Kulissen als 
Verbündete zum Kampf gegen den National 
sozialismus geworben habe. Nur, weil in dem 
Kräfteverhältnis ihrer ausländischen Geld- 
nnd Ratgeber eine entscheidende Verschiebung 
eingetreten sei, gehen sie heute mit Granaten 
und Flammenwerfern gegen sie vor. 
Habicht fuhr dann fort: Einer gewissen Aus 
landspresse beliebt es, Herrn Dollfuß und sein 
Regiment heute als den großen Sieger über 
Lk3 waren öie Tage von Nippel u. Alsen 
So lautet die Ueberschrift unserer neuen 
Kurzseric, die interessante Einzelbilder aus 
dem deutsch-dänischen Krieg bringt, der im Fe 
bruar 1864 begann. Wir glauben, daß unsere 
Leser diese neue Kurzseric mit derselben 
Spannung lesen werden wie die Spionage 
geschichte „Verspielt — Herr Hauptmann", 
deren Abdruck wir vor einigen Tagen beendet 
haben. 
Die Regierungserklärung in Paris, 
DNB. Paris, 15. Febr. Die Kammer hat mit 
462 gegen 123 Stimmen bei 68 Stimmenthal 
tungen dem Antrage der Regierung auf Ver 
tagung der Interpellation zugestimmt und ihr 
damit das Vertrauen ausgesprochen. 
von Justizminister Chöron verlesen wird, hat 
folgenden Wortlaut: 
„Die Regierung, die sich dem Parlament 
vorstellt, ist gebildet worden zur Herstellung 
des Burgfriedens der Parteien. Nach den 
tragischen, schmerzlichen Ereignissen der letzten 
Tage hat sie allen Grund zu der Annahme, 
daß dieser Burgfriede den Wünschen des 
Landes und des Parlaments entspricht. Neben 
diesem Werk gibt es ein anderes nicht weniger 
dringliches, das der moralischen Gesundung, 
die die freiwillige Uebernahme einer gewissen 
Disziplin erfordert. Sie vermag bei den 
führenden Kreisen Konsequenz und Autorität 
und bei denen, die geführt werden, den Re 
spekt vor der Berufspslicht zu erwecken. Der 
Burgfriede ist auch notwendig, damit das Land 
schleunigst einen Staatshaushaltsplan erhält. 
Auch die außenpolitischen Fragen erheischen 
gebieterisch den Burgfrieden der Parteien und 
die Beruhigung der Geister. Der Friede unter 
den Franzosen ist ein starkes Element der 
Garantie des Weltfriedens sowie der Sicher 
heit Frankreichs. Nur dieser innere Friede 
wird uns die notwendige Autorität geben, 
eine nützliche Nolle im Völkerbund und aus 
internationalem Boden zu spielen. Nur der 
wird es uns erlauben, im Einvernehmen mit 
Bürger» unseres Landes die wirksamen 
Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, die 
Frankreich gegen gefährliche Neberraschungen 
schützen." 
Die heutige Kammersitzung begann mit 
wiederholten kommunistischen Störungsver 
suchen. Als Ministerpräsident Doumergue im 
Saal erschien, wurde er von der Rechten und 
der Mitte stehend mit lebhaftem Beifall be 
grüßt, dem sich auch die meisten Radikal- 
sozialisten anschlossen. Auf den Bänke» der 
Kommunisten erhob sich dagegen ein wildes 
Gebrüll, das schließlich in einen Sprechchor 
ausartete: „Mörder! Mörder! Mörder! Nieder 
mit Tardieu! Nieder mit dem Faschismus! 
Nieder mit der nationalen Union!" Diese Rufe 
wiederholten sich, als Doumergue die Redner 
tribüne betrat, um die Regierungserklärung 
zu verlesen. Immer wieder wurde er von den 
Kommunisten unterbrochen, die ihm vor 
warfen, er habe Arbeiter getötet und sei ein 
Vertreter der Klassenjustiz. Die Kommunisten 
verlangten ferner die Verhaftung Chiappes. 
Der Kammer bemächtigte sich eine sichtbare 
Erregung, doch gelang es, die Ruhe wieder 
herzustellen. 
Die Regierungserklärung, 
die am Nachmittag in der Kammer vom 
Ministerpräsidenten Doumergue und im Senat 
sonst ist er eben nicht gebildet und nur äußer 
lich übertüncht. Auch derjenige, der glaubt, 
besondere Privilegien zu haben, weil er finan-
	        
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