Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 1)

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127. Lahrgang. 
127. Jahrgangs 
Renösbumer Tageblatt 
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n 
Deutschlands Antworten an Frankreich und Oesterreich. — Was das Aid6 mêmoire Frankreichs vom 1. Januar 
enthielt. — Geht Doüfutz befchwerdelührend nach Genf? — Der deutsche Standpunkt in der Frage der Gleich 
berechtigung ist gerechtfertigt. — Was wird Herr Daladier dazu sagen? 
Wenn der Vorschlag der deutschen Regie 
rung dahin ging, eine erste und schnelle Rege 
lung auf der Grundlage einer Limitierung der 
Rüstungen der hochgerüsteten Staate» auf 
ihren jetzigen Rüstungsstand zu suchen, so ist 
dies allein deswegen geschehen, weil nach ihrer 
Ueberzeugung der Verlauf der nun bald acht 
Jahre andauernde« Verhandlungen klar ge 
zeigt hat, daß die hauptsächlich in Betracht kom 
menden hochgcrüsteten Mächte gegenwärtig z« 
einer wirklich einschneidenden Abrüstung nicht 
bereit sind. Selbstverständlich ist es aber nicht 
der Sinn des deutschen Vorschlages, jetzt 
solche einzelnen Abrüstungsmaßnahmen bei 
seite zu schieben, über die eine Einigung als 
bald möglich erscheint. Diese Rüstungsbeschrän 
kungen werden jedoch keinesfalls ein Ausmaß 
erreichen, daß damit die Gleichberechtigung 
Deutschlands verwirklicht wäre. 
Es ist nicht abzusehen, inwiefern die Durch 
führung des deutschen Vorschlages ein Wett 
rüsten zur Folge haben könnte. Ebenso wenig 
kann die deutsche Regierung den Einwand an 
erkennen, daß die Ziffer von 300 000 Manu 
für die deutsche Verteidigungsarmee zu hoch 
gegriffen sei. Diese Ziffer bedeutet schon an 
gesichts der geographischen Verhältnisse, ins 
besondere angesichts der Länge und der Be 
schaffenheit der deutschen Grenzen, das Mini 
mum dessen, was Deutschland unter den gegen 
wärtigen Umständen für seine Sicherheit 
braucht. Das erkennt man besonders daran, 
wenn man diese Ziffer mit den Rüstungen der 
hochgerüsteten Nachbarn Deutschlands ver 
gleicht. Dabei ist zu bedenken, daß alle diese 
Länder über gewaltige Mengen ausgebildeter 
Reserven verfügen. Diese Reserven belaufen 
sich allein in Frankreich auf etwa 5 Millionen. 
Den ausgebildeten Reserven der anderen Län 
der hat Deutschland einen vergleichbaren 
Faktor nicht gegenüberzustellen. Insbesondere 
ist es unmöglich, die in Deutschland bestehen 
den politischen Organisationen mit den mili 
tärischen Reserven anderer Länder auf eine 
Stufe zu stellen. 
Was die Frage der Polizei anlangt, so wird 
sich eine Verständigung darüber voraussichtlich 
unschwer erzielen lassen. 
Schließlich ist bei der Beurteilung der Zif 
fer von 300 000 Mann noch zu berücksichtigen, 
daß es sich hierbei um Soldaten mit kurzer 
Dienstzeit handeln würde, während die Reichs 
wehr aus Berufssoldaten mit 12jähriger 
Dienstzeit besteht. 
Zu den Einwendungen des Aiöne Memoire 
gegen die von der deutschen Regierung für not 
wendig gehaltene Ausstattung der künftigen 
deutschen Armee mit Verteidigungswaffen ist 
bereits oben bemerkt worden, daß die Um 
wandlung der Reichswehr in eine Armee mit 
kurzer Dienstzeit praktisch nicht durchführbar 
ist, wenn dieser Armee nicht gleichzeitig mit 
der Umwandlung die notwendigen Waffen ge 
geben werden. Was schließlich die Einzelheiten 
des in der Konvention vorzusehenden Kou- 
trollsystcms anlangt, so handelt es sich dabei 
um Fragen technischer Art, über die unschwer 
eine Einigung zu erzielen sein wird. 
III. 
Die vorstehenden Ausführungen zeigen, daß 
die Hauptpunkte, in denen die Ansichten der 
beiden Regierungen hinsichtlich des Ab 
rüstungsproblems noch auseinander gehen, die 
Frage der Berechnung der Personalstärken 
und die Frage des Zeitpunktes der Ausstat 
tung der künftigen deutschen Armee mit Ver 
teidigungswaffen sind. In beiden Fragen er 
gibt sich aber nach Ansicht der deutschen Regie 
rung die zu treffende Regelung im Grunde 
von selbst, wenn man die hierbei in Betracht 
kommenden Gesichtspunkte sachlicher, recht 
für Deutschland die Frage, ob es für die erste 
Phase und sogar für die zweite Phase der Kon 
vention dabei bleiben soll, daß es keinerlei 
militärische Luftfahrt besitzt. Falls diese Frage 
nach dem französischen Plan zu bejahen wäre, 
würde auch die vorgeschlagene Herabsetzung 
der Luftstreitkräfte der anderen Staaten an 
dem Zustand der radikalen Ungleichheit und 
der völligen Wehrlosigkeit Deutschlands in der 
Luft praktisch nichts ändern. 
Sind die Ausführungen des Aide Msmoire 
über die Kontrolle etwa dahin zu verstehen, 
daß bas ganze Regime der zweiten Phase von 
den Erfahrungen während der ersten Phase 
abhängig gemacht werden soll? Wenn das die 
Absicht wäre, so würde die Durchführung der 
allgemeinen Abrüstung auch für diese zweite 
Phase mit einem gefährlichen Unsicherheits- 
saktor belastet werden. Es liegt auf der Hand, 
daß die Voraussetzung der Parität der Kon 
trolle nicht mehr gegeben wäre, wenn sich die 
Kontrolle praktisch in den bereits aufgrund 
der Friedensverträge abgerüsteten Ländern in 
ganz anderer Weise als in den übrigen Län 
dern auswirken würde. 
Selbst wenn sich diese Gefahr beseitigen läßt, 
bleibt aber für Deutschland die Frage entschei 
dend, ob seine Diskriminierung «och um eine 
weitere Reihe von Jahren verlängert werden 
soll. Können die anderen Mächte für einen 
solchen, mit der Ehre und Sicherheit Deutsch 
lands unvereinbaren Plan irgend eine» stich 
haltigen Grund anführen? 
DNB. Berlin, 8. Febr. sEig. Funkmeldung.) 
Auf das Aide Memoire der französischen Re 
gierung vom 1. Januar 1934 hat die deutsche 
Regierung am 19. Januar in einem Memo 
randum geantwortet, dem wir folgenden 
Auszug entnehmen: 
Die deutsche Regierung begrüßt es, daß die 
französische Negierung die Anregung unmittel 
barer diplomatischer Verhandlungen zwischen 
den beiden Regierungen über die zwischen 
ihren Ländern schwebenden Probleme auf 
genommen und daß sie in der wichtigsten 
akuten Frage, der Abrüstungsfrage, ausführ 
lich dargelegt hat, welche Stellung sie zu den 
vorangegangenen Erklärungen der deutschen 
Regierung einnimmt, und welche Gesichts 
punkte sie selbst für die weitere Behandlung 
dieser Frage geltend zu machen hat. Die 
deutsche Regierung hat die Ausführungen des 
französischen Aide Memoire hierüber in voller 
Unvoreingenommenheit und unter dem ent 
scheidenden Gesichtspunkt geprüft, ob und 
welche Möglichkeiten danach für die Verwirk 
lichung des Gedankens der allgemeinen Ab 
rüstung heute als gegeben erscheinen. 
Wenn man sich die Hauptpunkte des fran 
zösischen Planes und seine Folgen vergegen 
wärtigt, erheben sich ernste Zweifel darüber, 
ob auf diesem Wege eine Regelung des Ab 
rüstungsproblems gefunden werden kann, die 
wirklich der Gerechtigkeit entsprechen und der 
Sicherung des Friedens diene» würde. Alles 
in allem betrachtet, erscheint der deutschen Re 
gierung der Stand des Problems auch heute 
noch in dem gleichen Lichte wie vor einigen 
Monaten, als sie sich wegen des völligen Ver 
sagens der Genfer Methoden zum Austritt 
aus dem Völkerbund und zum Verlassen der 
Abrüstungskonferenz veranlaßt sah und sich 
zu einem neuen Vorschlag entschloß. Die deut 
sche Regierung bedauert es auf das lebhafteste, 
daß die französische Regierung den Ausgangs 
punkt dieses Vorschlages in den Ausführun 
gen ihres Aide Msmoire nicht gewürdigt hat. 
Nicht weil sie den Gedanken der Abrüstung 
aufgeben und stattdessen eine Aufrüstung 
Deutschlands fordern wollte, hat die deutsche 
Regierung ihren Vorschlag gemacht. Die deut 
sche Regierung würde es noch immer für die 
beste Lösung halten, wenn alle Länder ihre 
Rüstungen entsprechend der im Versailler 
Vertrag vorgesehenen Entwaffnung herab 
setzten. Diese eindeutige Erklärung gibt der 
deutschen Regierung das Recht, die Behaup 
tung, als sei das eigentliche Ziel ihrer Politik 
die Aufrüstung Deutschlands, mit aller Ent 
schiedenheit zurückzuweisen. 
Bevor die deutsche Regierung auf die Kritik 
eingeht, die das französische Aide Memoire an 
dem deutschen Vorschlag zur Abrüstungsfrage 
übt, möchte sie sich zu dem Plane äußern, den 
die französische Regierung jenem Vorschlag 
gegenüber stellen zu sollen geglaubt hat. 
Welches würde die Lage sein, die geschaf 
fen würde, wenn es zu einer Konvention 
auf der Grundlage des französischen 
Planes käme? 
Auf dem wichtigen Gebiet des Kriegs 
materials würde die Abrüstung um mehrere 
Jahre hinausgeschoben. Während dieser Zeit 
würden die hochgerüsteten Staaten ihr gesam 
tes schweres Landmaterial auch insoweit un 
vermindert behalten, als es in erster Linie für 
Angriffszwecke in Betracht kommt. Es fragt 
sich, ob es dein^gegenüber vom Standpunkt der 
allgemeinen Sicherheit erheblich ins Gewicht 
fallen würde, wenn die hochgerüsteten Staaten 
während dieser Zeit auf die Neuherstellung 
schwerer Angriffswaffen verzichten. Deutsch 
land würde seinerseits auf die im Versailler 
Vertrag vorgesehenen völlig unzureichenden 
Waffcnarten beschränkt bleiben, hätte aber 
während dieser Periode gleichwohl die Umbil 
dung der Reichswehr vorzunehm. Wie soll 
jedoch die Umbildung eines Heeres praktisch 
durchgeführt .werden, wenn ihm nicht von 
vornherein das für seine Verwendungsmög 
lichkeit notwendige Material zur Verfügung 
steht? Wie kann bei einer derartigen Um 
bildung der Reichswehr die deutsche Sicherheit 
auch nur einigermaßen gewährleistet werden? 
Was die Frage der Persoualstärken anlangt, 
so wäre die Vereinheitlichung der Heeres 
typen natürlich davon abhängig, daß der vor 
gesehene Typus auch von den anderen Staaten 
angenommen wird. Außerdem kann aber der 
Wert der von Frankreich schon für die erste 
Periode zugestandenen Herabsetzung seiner 
Personalbestände erst dann beurteilt werden, 
wenn feststeht, was mit den französischen 
Ueberseetruppen geschehen soll. Für die in 
Afrika stehenden Truppen sind alle organi 
satorischen Vorbereitungen getroffen, um sie 
jederzeit binnen kurzem nach Frankreich brin 
gen zu können. 
Hinsichtlich der Luftstreitkräfte wäre zu 
überlegen, ob nicht mit der nach dem französi 
schen Aide Mümoire vorgesehenen Methode 
ihrer Verminderung das wichtige Prinzip 
aufgegeben würde, alle großen Luftflotten auf 
einem einheitlichen Niveau einander anzu 
gleichen. Aber auch hiervon abgesehen, stellt sich 
Natürlich — Genf!
	        
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