Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 1)

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127. Jahrgang. 
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Renösburser Tageblatt 
Bezugspļ-à: Ausgabe L ReîLsmark 1.75 monarch: Ausgabe B dnfcfil. Illustrierte Wochenbeilag» 
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des Werberats der deutschen Wirtschaft. Erfüllungsort; Rendsburg. Keine Ersatzansprüche bet 
Nichterscheinen der Zeitung wegen höherer Gewalt. 
tung der P.O., Dr. Ley, mit Len Gauleitern 
vorbehalten. 
Am Nachmittag versammelten sich Lie 
Reichsleiter, Gauleiter und die Amtsleiter der 
P.O. zu einer gemeinsame« Aussprache über 
eine Reihe von politischen Fragen, die zurzeit 
im Vordergründe des Interesses stehen. Der 
Stellvertreter des Führers nahm Gelegenheit, 
zu den aufgeworfenen Fragen im einzelnen 
Stellung zu nehmen. 
Im Verlauf dieser Aussprache nahm u. a. 
auch Reichsleiter Dr. Frick das Wort, der 
über die Aufgaben sprach, die sich für die Par 
tei aus dem gestern im Reichstag einstimmig 
angenommenen Ermächtigungsgesetz ergeben. 
Der Stabsleiter der Obersten Leitung der 
P.O., Dr. Ley, dankte am Schluß dem Stell 
vertreter des Führers, der der geschlossenen 
Einheit Ausdruck gab, mit öer die Politische 
Organisation und SA. gemeinsam die N. S. D. 
A. P. verkörpern. 
Abends waren die Teilnehmer der Tagung 
in Halle 1 der Grünen Woche Gäste des Lei 
ters des Agrarpolitischen Apparates, R. Wal 
ther Darre. 
Die Tagung wird morgen fortgesetzt. 
Am 7. Februar wird vom Reichsinnenmini 
ster Dr. Frick die Verfassung der Reichsschaft 
der Studierenden, der Deutschen Studenten 
schaft und öer Deutschen Fachschulschaft ver 
kündet. 
Das Reichsreformgesetz, das der Reichstag 
am 30. Januar verabschiedete, verwirklicht die 
alten Sehnsüchte der Deutschen nach einem 
einheitlichen Reich. 
Anfänge des Reiches. 
Die deutsche Nation ist trotz ihrer alten Ge 
schichte, die schon Heinrich von Treitschke her 
vorgehoben hat, das jüngste unter den großen 
Völkern Westeuropas. Wo beginnt eigentlich 
die deutsche Geschichte? Nicht bei Karl dem 
Großen, der um 800 fast die gesamte europä 
ische Kulturwelt unter seinem Szepter ver 
einigte. Von einem deutschen Volke und einem 
deutschen Reiche konnte damals keine Rede 
fein. Erst als sich das mächtige Frankreich in 
seine „nationalen" Bestandteile auslöste und 
die deutschen Stämme aus dein Dunkel der Ge 
schichte hervortreten, verbreitet sich allmählich 
die Vorstellung von einem „deutschen Reich". 
Der Sachsenkaiser Heinrich I. (919) kann sich 
schon als Herrscher eines deutschen Reiches 
fühlen. Sein großer Nachfolger Otto-1. knüpft 
an die ehrwürdigen Traditionen des römischen 
Kaiserreiches an und verkörpert in seiner Ge 
stalt die Einheit abendländischer Kultur. Hän 
del und blutige Kämpfe zwischen dem Kaiser 
und den Stammesfürsten machten die „Reichs 
einheit" zum bloßen Trugbild. Das Bewußt 
sein der nationalen Verbundenheit war noch 
nicht vorhanden. » ,' 
Kaiser und Fürsten. 
Noch heute berauscht uns der Glanz des alt 
deutschen Kaisertums. Die Machtausdehnung 
des Hohenstaufenreiches auf Italien, der 
Kampf zwischen Kaiser und Papst, die Ver 
lagerung der deutschen Reichsgrenzen über die 
Elbe hinaus — alles das förderte nur uner 
heblich den deutschen Reichsgedanken. Und als 
um 1250 auch das Staufenreich zerfiel, erlebte 
Deutschland die Schreckenszeit des Interreg 
nums. Fremde Herrscher rauften sich um die 
deutsche Kaiserkrone. Die fürstlichen Gewalten 
begannen zu erstarken. Selbst das Haus Habs 
burg, das für sich die Kaiserkrone in Anspruch 
nahm, trieb eine rücksichtslose Hausmachtpoli- 
tik. 1519 kam es sogar so weit, daß mit Karl V. 
ein nichtdeutscher Fürst sich die Kaiserkrone 
aufsetzte. Gewiß fühlten im Reformationszeit 
alter viele die Unwürdigkeit der deutschen Zu 
stände. Es fehlte auch nicht an Bemühungen, 
öer deutschen Zersplitterung ein Ende zu 
machen. Den letzten Versuch einer „Reichs- 
reform" machte der Kaiser im Dreißigjährigen 
Kriege selbst. Aber er unterlag, und der West 
fälische Friede von 1648 bestätigte nur die 
gänzliche Ohnmacht des Kaisers und die Zer 
schlagung des Reiches. 
Napolconische Flurbereinigung. 
„Die lange Pfaffengasse des Rheins entlang 
erstreckte sich von Münster und Osnabrück bis 
nach Konstanz hinauf ein Gewirr winziger 
Staaten, unfähig zu jeder ernsthaften Kriegs 
rüstung, durch das Gefühl der Ohnmacht zum 
Landesverrat gezwungen. Ein Gebiet von fast 
3600 Geviertmeilen gehörte solchen Klein 
staaten, deren keiner mehr als 130 Geviert 
meilen umfaßte,' der Volkswitz verhöhnte die 
strümpfestrickenden Kölnischen Stadtsoldaten 
und das grimmige Kriegsvolk des Bischofs von 
Hildesheim, das auf seinen Hüten die Inschrift 
trug: „Gib Frieden Herr in unsern Tagen!" 
So schildert Treitschke die deutschen Zustände 
am Ausgang des 18. Jahrhunderts. Es sah 
trostlos aus in deutschen Landen. Auf dem Re 
gensburger Reichstag, der seit 1663 ununter 
brochen tagte, waren 8 Kurfürsten, 33 geistliche 
und 61 weltliche Fürsten vertreten, abgesehen 
von den Kurien der Reichsgrafen. Längst gab 
es eine einheitliche deutsche Kultur. Dichter 
wie Klopstock und Goethe vermittelten dem 
zerrissenen Deutschland das geistige Gut einer 
wirklichen Nation. Aber die geistlichen und 
weltlichen Fürsten hielten an ihrer Souverä 
nität fest. Und wenn nicht die französischen Ne- 
volutionskriege die Ucberlegenheit einer ge- 
NSK. Berlin, 31. Jan. Heute begann in 
Berlin in Anwesenheit des Stellvertreters des 
Führers, Rudolf Heß, eine Tagung der 
Reichsleiter und Gauleiter der NSDAP. 
Die Vormittagssitzung war einer Be 
sprechung des Stabsleiters öer Obersten Lci- 
Dr. Frick über den Neuaufbau des Reiches. 
DNB. Berlin, 31. Jan. Reichsinnenminister 
Dr. Frick sprach am Mittwochabend im Rund 
funk über den Neuaufbau des Reichs. Der 
Minister führte u. a. aus: 
Der 30. Januar 1934, der für das deutsche 
Volk ein Tag des Rückblicks auf ein äußerst 
arbeitsreiches und nicht minder erfolgreiches 
Jahr bedeutet, wird zugleich als der Beginn 
einer neuen, so Gott will, segensreichen Ent 
wicklung in die Geschichte des deutschen Volkes 
einziehen. Denn das auf Grund öer Erklä 
rungen des Führers vom Reichstag einstim 
mig angenommene „Gesetz über den Neu 
aufbau des Reichs" bringt dem deutschen Volk 
endlich die lang ersehnte staatliche Einheit. 
Wohl die größte Leistung des Führers im 
heit des nationalen Sinnes entspricht die Ein 
heit der Staatsführung. 
Für alle Zeiten ist damit irgendwelchen se 
paratistischen oder föderalistischen Bestrebun 
gen ein verfassungsmäßiger Riegel vorgescho 
ben. Deutschland ist aus einem Bundesstaat 
zum Einheitsstaat geworden, auch wenn die 
praktische Durchführung des neuen Gesetzes 
noch Jahre erfordern wird. Die Landesregie 
rungen sind von heute an nur noch Ausfüh 
rungsorgane des Reichs. Sie behalten zwar 
vorerst ihre bisherigen Zuständigkeiten, sind 
dabei aber verpflichtet, Anordnungen der 
Reichsregierung durchzuführen. Die weitere 
organische Entwicklung wird sich ohne Störung 
veränität, die Bundes fürsten, bereits im No 
vember 1918 verschwunden waren. 
Aus dieser Tatsache zieht Artikel 2 den fol 
gerichtigen Schluß, daß die Hoheitsrechte öer 
Länder auf das Reich übergehen, und daß die 
Landesregierungen der Reichsregierung unter 
stehen. Wenn auch die Weimarer Verfassung 
die Rechte der Bundesstaaten der Bismarck- 
schen Verfassung ganz erheblich beschnitt, so 
ließ sie doch immerhin diese Gebilde trotz Be 
seitigung der Dynastien als Länder mit einer 
gewissen selbständigen Staatsgewalt bestehen. 
Bon heute an gibt es keine selbständige Lan 
deshoheit mehr. Träger der gesamten Staats 
gewalt ist ausschließlich das Reich. Der Ein- 
vergangeuen Jahre aber ist die Einigung, die 
Zusammenschweißung des deutschen Volkes zu 
einer Nation! Die Parteien, die das Volk 14 
Jahre lang auseinandergeredet und die deut 
sche Würde mit Füßen getreten haben, sind 
verschwunden! Parlamente, die ihre Aufgaben 
im Reden und Zerstören sahen, gibt cs heute 
nicht mehr. Volk und Staat sind eins ge 
worden! 
Es ist klar, daß diese neue Einigkeit im deut 
schen Volk gebieterisch auch nach der ihr ge 
mäßen äußeren Form des volklichen Zusam 
menlebens verlangt. Die historische Aufgabe 
unserer Zeit ist die Schaffung des kraftvollen 
nationalen Einheitsstaates anstelle des bis 
herigen Bundesstaates. 
Kreisen der Kirche. Es gibt nichts Infameres, 
als die Sabotage am Staat mit dem lieben 
Gott in Verbindung zu bringen. Ich habe kein 
Verständnis dafür, daß die Kirchen in einer 
deutschen Notzeit wie der heutigen, ihre Kraft 
in orthodoxen Streitigkeiten zerfleischen, an 
statt sozial und charitativ das zu tun, was ihr 
göttlicher Lehrmeister ihnen aufgegeben hat. 
Wenn ich, statt in die Politik, in eine Kirche 
hineingetrieben worden wäre, ich hätte die 
Kirche zu anderen Zielen geführt. Ich hätte 
dann nicht zugelassen, daß der Staat ein Win 
terhilfswerk aufbaut, sondern das hätte ich von 
den Kirchen aufbauen lassen. Wenn ich hoher 
Bischof oder Erzbischof gewesen wäre, dann 
wäre ich bei Beginn des Herbstes zur Regie 
rung gegangen und hätte gesagt: „Herr Kanz 
ler, Sie sind mit außenpolitischen Sorgen be 
lastet, Sie haben wirtschaftliche Sorgen, Sie 
haben politische Sorgen, die sozialen Sorgen 
nehmen wir Ihnen ab." Dann brauchten die 
Kirchen auch nicht über Mangel an Tuchfüh 
lung mit dem Staat zu klagen und liefen auch 
nicht Gefahr, Laß das Volk ihnen davonläuft, 
sondern dann würde das Volk auch wieder in 
den Kirchen die Heimstätten nicht nur des 
christlichen Wortes, sondern auch einer christ 
lichen Tat sehen. Man soll mir von dieser Seite 
uicht vorwerfen, daß ich Sabotagearbeit am 
Christentum triebe. Ich glaube, die Organi 
sation des Winterhilfswerks ist die christlichste 
Tat gewesen, die seit langem geleistet worden ist. 
DNB. Berlin, 31. Jan. In seiner großen 
Rede im Sportpalast zum Jahrestage der 
Machtergreifung führte öer Reichsminister für 
Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goeb 
bels, u. a. folgendes aus: 
Wenn man heute in öer Wirtschaft im Na 
men des Führers liüeraliftische Gedauken- 
gäuge auffrischen zu können glaubt, sagen wir: 
Alles ist erlaubt, nur nicht: den Namen des 
Führers zu Unrecht im Munde zu führen. Der 
Wirtschaftsfrieden ist nicht so gedacht, daß in 
der Wirtschaft nichts geändert werden soll. Das 
soll nur nicht von der Straße her geschehen, 
sondern das machen wir, nud das radikal. Die 
kapitalistisch-liberalistischen Kapitalhüter seien 
überzeugt, daß wir ihnen den Arbeiter nicht 
als Ausplünderungsobjekt überantworten 
werden. 
Wenn monarchistische Vereine erklären, zum 
ersten Mal sei es jetzt wieder möglich, in grö 
ßerem Rahmen eine Kaisergeburtstagsfeier 
abzuhalten, so können wir nur darauf verwei 
sen, daß wir unsere Hitler-geburtstagsfeier im 
mer begangen haben. Mag sein, daß monar 
chistische Propaganda national ist, aber es 
darf keine Propaganda geben, deren Ziel sich 
der Staat nicht selbst zu eigen gemacht hat. 
Und erlauben wir die Propaganda der einen 
Seite, müßten wir sie auch der anderen er 
lauben. 
Aehnlich ist es auch mit öer Sabotage aus 
Für Länder im bis 
herigen Sinne und für Landesgrenzen ist im 
neuen Deutschland kein Platz mehr! Niemand 
wird verkennen, daß auch die Länder sich ge 
schichtliche Verdienste, besonders auf kulturel 
lem Gebiet, erworben haben. 
Der in der Tradition verwurzelte National 
sozialismus ist der Letzte, der das nicht an 
erkennen wollte! Aber ebenso selbstverständlich 
ist es, daß eine neue Zeit ihre eigenen neuen 
Ausdrucksformen verlangt. Das gestern vom 
Reichstag beschlossene „Gesetz über den Neu 
aufbau des Reiches" bestimmt in Artikel 1, daß 
die Volksvertretungen der Länder aufgehoben 
werden. Damit wird der Zustand, wie er be 
reits seit dem 14. Oktober 1933 tatsächlich be 
stand, gesetzlich sanktioniert. Die Reichstags- 
auflösung vom 14. Oktober 1933 hatte die Auf 
lösung der Landtage zur gesetzlichen Folge. Die 
Neuwahl der Landtage unterblieb. Mit öer 
Beseitigung der Landtage haben die Länder 
ihre souveräne Grundlage gänzlich verloren, 
nachdem die ursprünglichen Träger ihrer Sou-
	        
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