Full text: Newspaper volume (1934, Bd. 1)

127. Jahrgang. 
Renösburger TagebluLt 
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Die Kanzlerrede im vollen Wortlaut 
Der Führer und Kanzler des deutschen Boldes zeigt den Weg. 
Ein tausendjähriger Traum der Deutschen findet Erfüllung: Die Kleinstaaterei in Deutschland verschwindet. 
Unsere Beziehungen zur Umwelt. — Di« Aufnahme der Rede im Ausland (Meldungen hierzu siehe Seite 10) 
Bor der Eröffnung. 
DNB. Berlin, 30. Jan. (Eig. Funkmeldung.) Die Abge 
ordneten sind fast ausnahmslos in Uniform erschienen, und 
Zwar überwiegt bei weitem das braune Ehrenkleid. Viele 
Abgeordnete tragen auch SS.-Uniform, dazwischen sieht 
man das Grau einzelner Arbeitsöienstuniformen. Ehe 
noch das Reichskabinett erscheint, haben in der zweiten 
Reihe der Regiernngsbänke bereits die meisten Staats 
sekretäre Platz genommen, auf der anderen Seite des Red 
nerpultes die Vertreter der deutschen Länder. 
Einer der wenigen Abgeordneten, die im schwarzen Zi- 
»ilkleid erschienen sind, ist der greise General Litzman«, 
der von den anderen Volksvertretern besonders herzlich 
willkommen geheißen wird. Schließlich sind die Abgeordne 
ten so gut wie vollzählig versammelt, unter ihnen auch die 
ehemals deutschnationalen Abgeordneten, die auch dies 
mal wieder dem Reichstag angehören. 
Inzwischen sind auch die meiste« Mitglieder des Reichs 
kabinetts erschienen. Selbst, soweit sie Abgeordnete sind, 
nehmen sie auf den Regierungsbänken Platz, neben ihnen 
der Vertreter des Reichspräsidenten, Staatssekretär 
Meißner. 
Die Diplomatenloge ist gut besucht. In der ersten Reihe 
sieht man den italienische« Botschafter, neben diesem den 
englische« Botschafter. Der französische Botschafter unter 
hält sich mit dem dänischen Gesandten. Weiter sieht man 
den japanischen Botschafter, den bulgarischen Gesandten, 
den österreichischen und den schweizerischen Gesandten. 
Ueberfüllt sind die Publikumstribünen. 
Gegen 3.30 Uhr erscheint Ministerpräsident Göring» er 
begrüßt das Haus und die Tribünen mit dem deutschen 
Gruß. Alle Anwesenden erheben sich zum Gegengruß. 
Minister Frick nimmt seinen Platz als Fraktionsfüyrer 
in der Mitte der vordersten Bankreihe der Abgeordneten 
ein. In atemloser Spannung erwartet das Haus einige 
Minuten lang den Führer. 
Als Adolf Hitler, begleitet von dem stellvertretenden 
Parteiführer, Rudolf Hetz, im Saale erscheint, erheben sich 
alle Anwesenden und begrüßen ihn mit erhobenen Händen. 
Der Führer danlt und nimmt seinen Platz als Reichskanz- 
Itx ein«, 
Präsident Göring 
erhebt sich sofort und eröffnet die Sitzung. Zu den für 
diese Sitzung beurlaubten Abgeordneten gehört auch der 
Abgeordnete Dr. H u g e n b e r g. 
Präsident Göring fährt dann fort: 
„Mein Führer, meine Kameraden! 
Als wir zum letzten Male hier versammelt waren, habe 
ich Inen damals bereits mitgeteilt, daß es sich lediglich 
darum gehandelt hat, den Reichstag zu konstituieren. Ich 
habe darauf hingewiesen, daß erst an dem Tage, da unser 
Führer das Wort ergreifen wird, der neue Reichstag seine 
erste grundlegende Sitzung haben wird. Heute nun ist diese 
Sitzung, an einem denkwürdigen Tage, dem 30. Januar. 
Solange es deutsche Geschichte geben wird, wird der 30. Ja 
nuar nicht nur ein Markstein, er wird die entscheidende 
Wendung im Schicksal des deutschen Volkes sein und 
bleibe». 
Draußen säumt das Volk die Wege, jubelt es seinen 
Führern entgegen, kann es sich nicht fassen, seinem Führer 
Adolf Hitler Liebe zu bekunden. Und sonst? Verachtung, 
Hohn und Schmähung, wenn der Reichstag sich versam. 
weite. Heute weiß das Volk, daß in diesem Reichstag Män 
ner sitzen, entschlösse«, blindlings dem Führer zu folge« 
«nd alle Krast einzusetzen, #w dem Volke auf seine Höhe 
zu helfen. 
Wir sehen, wie es in diesem einen Jahr unsagbarer Mühe 
und Arbeit möglich war, ei« Reich wieder in Einheit her 
zustellen. 
Nicht mehr droht die Gefahr, daß der Rahme« des 
Reiches zerfallen könnte. Mit eiserner Faust um 
klammert der Reichsgedanke das gesamte Deutsch 
land. 
Aus dem widerwärtigen Treiben parlamentarischer Grup- 
xe» wurde endlich die Geschlossenheit des Volkes gebildet. 
Artikel 3. 
Die Reichsstatthalter unterstehen der Dienstaufsicht 
des Reichsministers des Innern. 
Artikel 4. 
Die Reichsregiernng kann neues Verfaffungsrecht 
setzen. 
Artikel 8. 
Der Reichsminister des Innern erläßt die zur 
Durchführung des Gesetzes erforderlichen Rechtsver 
ordnungen und Verwaltungsvorschriste«. 
Artikel 6. 
Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Verkündung 
in Kraft." 
Präsident Göring: Sie haben den Antrag gehört, es ist 
der Antrag, der in seiner Geschlossenheit von den Ministern 
der Bewegung, von sämtlichen Führern der deutschen 
Lande unterschrieben ist. Widerspruch hat sich nicht erhoben. 
Ich werde also nach der Rede des Führers den Antrag in 
drei Lesungen verabschieden, soweit sich kein Widerspruch 
dagegen erhebt. 
Der Präsident erteilt hierauf dem Führer und Reichs 
kanzler Hitler zur Abgabe der 
Regierungserklärnng 
das Wort. Während sich der Führer zum Rednerpult be 
gibt, erheben sich alle Anwesenden und begrüßen ihn mit 
stürmischen Heilrufen. 
Die große Rede des Führers. 
In seiner Rede vor dem versammelten Reichstag führte 
Reichskanzler Adolf Hitler folgendes aus: 
Abgeordnete! Männer des Deutschen Reichstages! 
Wenn wir heute rückblickend das Jahr 1933 das der natio 
nalsozialistischen Revolution nennen, dann wird dereinst 
eine objektive Beurteilung seiner Ereignisse und Vorgänge 
diese Bezeichnung als gerechtfertigt in die Geschichte unseres 
Volkes übernehmen. Es wird dabei nicht als entscheidend 
angesehen werden, die maßvolle Form, in der sich diese 
Umwälzung äußerlich vollzog, als vielmehr die innere 
Größe der Wandlung, die dieses eine Jahr dem deutschen 
Volke auf allen Gebieten und in allen Richtungen seines 
Lebens gebracht hat. In knappen 12 Monaten wurde eine 
Welt von Auffassungen und Einrichtungen beseitigt und 
eine andere an ihre Stelle gesetzt. Was sich in dieser kur 
zen Spanne Zeit vor unser aller Augen vollzog, mar noch 
am Vorabend des denkwürdigen 30. Januar 1933 von der 
sicher überwiegenden Mehrheit unseres Volkes und ins 
besondere den Trägern, Wortführern und Repräsentanten 
des früheren Zustandes als phantastische Utopie angesehen 
und bezeichnet worden. Ein so wunderbares geschichtliches 
Ereignis wäre aber auch wirklich undenkbar, wenn es den 
Befehl zu seinem Geschehen nur dem Einfall irgend eines 
launischen Menschengeistes oder gar dem Spiel des Zu 
falls zu verdanken gehabt hätte. Nein! Die Voraussetzun 
gen für diese« Vorgang haben sich aus der Entwicklung 
langer Jahre zwangsläufig gebildet und ergeben. Eine 
furchtbare Not schrie um Abhilfe. So, daß die Stunde nur 
des Willens harrte, der bereit war, den geschichtlichen Auf 
trag zu vollstrecken. 
Es verstärkt die Kraft dieser Behauptung die Tatsache, 
daß seit Jahrzehnte« ähnliche Spannungen fast die ganze 
Welt erfüllten und sich in ununterbrochenen bald auf 
flackernden, bald aufbrausenden Feuern und Stürmen 
entladen, nach Lösungen suchend, die den Bedingtheiten 
der einzelnen Völker entsprechend und passend sind. Auch 
die Periode der äußerlichen bürgerlichen Wohlfahrt, die 
seit dem Ausklingen der Fanfaren der revolutionären 
Marseillaise bis zum Beginn unseres Jahrhunderts der 
Welt den Stempel einer scheinbar zufriedenen Sattheit 
aufzuprägen schien, war erfüllt von dauernden Anzeichen 
einer inneren nervösen Unsicherheit, eines unruhigen 
Suchens nach befriedigenderen Fundierungen des inneren 
Lebens der Völker. Denn was früher die Menschheit durch 
viele Jahrhunderte lang an revolutionären Vorgängen 
kannte, waiz abgesehen von den Auseiandersetzungen 
wo wie wtr nur erne Bewegung haben, nur em 
Volk kenne«, nur einem Führer vertrauen, so 
kennen wir nnr ein Reich, eine Autorität, eine 
Sonveränität — und das ist die des Reiches. Ter 
jetzige Reichstag hat daher die Aufgabe, diesen 
vom Führer ihm vorgezeichneten Weg zu gehe» 
nnd mit seiner ganzen Kraft nur das zu vollenden, 
was der Führer in großartiger Konzeption uns 
übermitteln wird. 
Der heutige Reichstag ist der erste geschlossene Reichstag 
einer Weltanschauung, die größer ist und sich hinwegsetzt 
über all die fremden Gruppierungen früherer Reichstage. 
Die Welt soll erkennen: So wie das Volk einig ist, so auch 
seine Führung, so auch seine Vertretung in der Form des 
Deutschen Reichstages. Ich weiß nicht, wie eine spätere 
Geschichtsschreibung einmal dieses Jahr der deutschen Wie 
dergeburt beschreiben wird, wie eine Geschichtsschreibung 
es überhaupt fertigbringen mag, dieses einzigartige Wun 
der der Nachwelt zu überliefern. Ich glaube, sie vermag 
es nur, indem sie hinweist aus de» einen Mann, der das 
alles geschaffen hat. Und wenn heute der Reichstag des 
12. November zusammentritt, wenn heute die Geschlossen 
heit des Volkes auch in der Einheit dieses Reichstages zum 
Ausdruck kommt, dann glaube ich, ist anch in uns wie in 
jedem letzten Bauern draußen, jedem letzten Arbeiter und 
jedem letzten Hitlerjungen das eine heiße, glühende Ge 
fühl für den Führer, dem wir das danken, der uns nicht 
nur in den anderthalb Jahrzehnten deutscher Schmach 
nicht verzagen und nicht verzweifeln ließ, sondern der «ns 
auch in diesem Jahre deutschen Aufstiegs das Banner ge 
tragen hat, uns auch hier nicht schwach werden ließ, uns 
auch hier immer wieder diese großen Ziele zeigte. In 
überwallender, überströmender Dankbarkeit bekennen wir 
das auch heute dem Führer. Wir brauchen nicht das Ge 
löbnis der Treue zu erneuern. Ein Nationalsozialist sieht 
die Treue als das Fundament seines ganzen Lebens und 
seines ganzen Handelns an. Und die Treue hat den Füh 
rer befähigt, seine gewaltigen Aufgaben zu lösen: die 
Treue wird ihn weiter befähigen. Ein Volk hat er geschaf 
fen, nnd das Volk wird in Zukunft ihm folgen, wohin er 
es fiihrt, durch Tiefen zur Höhe, durch Schmerzen zum 
Glück. Das ist das Gelöbnis auch des heutigen Reichstages. 
Der Führer möge wissen: Nicht «nr eine Bewegung, nicht 
nur eine Gefolgschaft, nicht nur ein Reichstag, das ganze 
Volk jubelt ihm heute in Dankbarkeit nnd Treue zn." 
(Starker Beifall. 
Der Wortlaut des Gesetzes 
Abgeordneter Dr. Frick: 
Ich beantrage, den Antrag Hitler, Dr. Frick und Ge 
nossen betreffend den Entwurf eines Gesetzes über den 
Neuaufba« des Reiches auf die heutige Tagesordnung zu 
setzen: 
Der Gesetzesantrag hat folgenden Wortlaut: 
Die Volksabstimmung und die Reichstagswahl vom 
12. November 1933 habe« bewiesen, daß das deutsche 
Volk über alle innenpolitischen Grenzen und Gegen- 
sätze hinweg zu einer unlöslichen, inneren Einheit 
verschmolzen ist« 
Der Reichstag hat daher einstimmig das folgende 
Gesetz beschlossen, das mit einmütiger Zustimmung 
des Reichsrates hiermit verkündet wird, nachdem fest 
gestellt ist, daß die Erfordernisse verfaflnngsändernder 
Gesetzgebung erfüllt sind: 
„Artikel 1. 
Die Volksvertretungen der Länder werden aufge 
hoben. 
Artikel 2. 
(1) Die Hoyettsrechte der Länder gehen auf das 
Reich über. 
(2) Die Landesregiernngen unterstehen der Reichs 
regierung.
	        
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