Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 1)

H^êr-s NitLKM / ĶchittLZZl! tAstmļķàsn«ttr?KfuKk! 
Pàşiche U«PP§K ftafcos heute uucht Ofipreutzeus Greuze uherßchrttten. 
Vorbemerkung der Schrtftleitung: Durch die 
Presse ging Sonnabend die auch von uns ge 
brachte Meldung, daß Polen anscheinend einen 
militärischen Ueverfall auf Ostpreußen und Dan 
zig plant. Schon vor einigen Tagen erschien 
ein Buch, das sich in Form eines Zukunfts- 
romanes mit einem polnischen Ueberfall be 
schäftigt. 
Mit Genehmigung des Verlages Gerhard Stal 
ling, Oldenburg i. O„ veröffentlichen wir aus dem 
Buche Hans Nitram „Achtung! Ostmarkenrundfunk! 
Polnische Truppen haben heute nacht die ostpreu 
ßische Grenze überschritten" die nachstehenden Ab 
schnitte. 
Copyright 1932 by Gerhard Stalling A,G, Oldenburg i. O. 
Zeitungen« 
So steht es am 18. 6. 193. . in mehreren ost 
preußischen Zeitungen: 
„Wieder polnische Manöver an der ostpreußischen 
Grenze! 
Nach polnischen Pressemeldungen findet in der 
nächsten Woche ein großes polnisches Manöver statt. 
Der Kriegslage soll ein deutscher Einfall motorisier 
ter Kräfte von Ostpreußen her zugrunde liegen. 
Der wäre — so schreibt die Gazetta Posnanska — 
durchaus denkbar. Die Polen sollten uns wenig 
stens mit derartigen Begründungen ihrer Kriegs 
vorbereitungen in Ruhe lassen . . ." 
Und am 19. 6. in einer Berliner Abendzeitung: 
„Angstpsychose der ostpreußischen Presse. 
Die oftpreußischen Zeitungen gehen mit ihrem 
Wehgeschrei, wenn jenseits der Grenze ein polnischer 
Soldat exerziert, ein wenig weit. Wird man dort 
nie begreifen, daß dieser Weg nicht zur endgültigen 
Dölkerversöhnung, nie zur endgültigen Abrüstung 
führen kann? Jetzt stehen die Wirtschaftsverhand 
lungen mit Polen vor einem günstigen Abschluß. 
Polen zeigt dabei ein ganz besonderes Entgegen 
kommen. Da sind diese hysterischen Angstschreie aus 
Ostpreußen denkbar kindisch und unangebracht . . ." 
Im Ofsizierkasino wird am 20. 6. nach dem Abend 
brot über diese Zeitungsartikel diskutiert. 
„Warum hört man nichts aus Königsberg dar 
über", sagt der Oberleutnant Bender. „Warum ist 
man dort nicht vorsichtiger. Kein Befehl kommt, 
keine erhöhte Alarmbereitschaft wird befohlen . . . 
unverständlich bei dieser gefährlichen Lage . . ." 
Lautes Lachen unterbricht ihn und Hauptmann 
von Schwante sagt: „Lieber Bender, man merkt aber 
sehr, daß Sie erst zwei Wochen in Ostpreußen sind. 
Was Sie da beunruhigt, das haben wir schon bald 
20 Jahre verdaut. Würden wir hier immer nach der 
Grenze horchen, so kämen wir vor lauter Alarm 
bereitschaft zu keiner einzigen Ausbildungsstunde. 
>— Außerdem — die in Königsberg wissen schon, 
warum sie nicht gerade jetzt die Leute scheu machen, 
die können auch nicht so wie sie wollen." 
„Immer diese blödsinnigen Rücksichten . . . auch 
hier in Ostpreußen. Dabei ist mir euer General als 
Glch ein Bulle von Energie geschildert worden." 
„Warten Sie ab, Bender, daß Sie sich nicht noch 
9 einmal über diese Energie beklagen werden — aber 
nun im Ernst: Die Spannung mit Polen ist wirk 
lich nicht ärger als seit 1922 und selbst wenn man 
mit Rücksicht auf die letzten Ereignisse bei uns und 
in Rußland etwas mehr Vorsicht gebrauchen wollte, 
was sollte man tun? Jede Vorsichtsmaßnahme 
bleibt der Zivilbevölkerung nicht verborgen, wird 
sie aber nervös, so sind die wirtschaftlichen Folgen 
gar nicht abzusehen. Es würde sofort eine Massen- 
flucht von Menschen und Kapital aus unserer „Ko 
lonie" nach dem Reich einsetzen. Und innenpolitisch? 
Der General ist sicher sehr froh, daß es ihm bisher 
gelungen ist, im letzten Jahre im Gegensatz zum 
Dr« reich« Mmö«. 
Roman von Gert Nothberg. 
Copyright by Martin Feuchtwangrr, Halle (Saale). 
36) Nachdruck verboten. 
Kunststück! 
Aber wenn man Gänse zu Töchtern hatte, konnte 
man nichts Besseres verlangen. Andere Frauen ma 
cken eben raffinierter, und das gehörte nun einmal 
heutzutage mit dazu, sonst bekam man im ganzen 
Leben keinen Mann! 
In dieser Tonart erhielten die Töchter ihre Stand 
pauke von der erbosten Mama, und sie weinten bit 
terlich. Dadurch wurden sie nicht schöner, und Mama 
Kämmerer beschloß, endgültig abzureisen, denn das 
konnte sie nicht noch mit ansehen, wie die Uningen 
den reichen Mann wirklich einfing. 
Lore von Uningen ober war sehr glücklich. Alles 
schien nach Wunsch zu gehen. Sie ging jetzt mit Bay- 
burg spazieren und wies den alten Kammerdiener 
schroff zurück, der ihnen folgen wollte. 
Sie sprachen von allem möglichen. Geschickt brachte 
Lore das Gespräch auch auf seine Einsamkeit. 
Vayburg meinte, daß er eigentlich bis vor kurzem 
noch jede Heirat von sich gewiesen, nun sei er aber 
doch zu der Erkenntnis gekommen, daß es besser sei, 
nicht einsam zu bleiben. 
Frau von Uningen frohlockte innerlich. 
Deutlicher konnte er seine Absicht nicht kundtun. 
Einmal erzählte er ihr, daß er eifriger Sammler 
alter Kunstwerke sei. Etwas müsse der Mensch ja 
schließlich haben. 
Sein Freund Oldenberg erläutere ihm genau jedes 
neugekaufte Stück, und die früher gekauften habe er 
ja selbst noch aenau in der Erinnerung. 
übrigen Deutschland Ruhe und Frieden zu halten, 
während im Reich Rechts und Links abwechselnd 
putschte." 
„Aber man müßte doch vielleicht irgend etwas . ." 
„Es geschieht in Warschau." 
„Am 21. 6. 193 . . um 21 Uhr findet in der Villa 
des Majors im Generalstabe Eaesalski, Marschal- 
kowska 147, ein Vortrag statt. Es werden dabei 
wichtige und überraschende Aufschlüsse über dicht 
bevorstehende Veränderungen, die gerade Sie inter 
essieren, vorgetragen werden. 
Euer Hochwohlgeboren werden daher dringend er 
sucht, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. 
Der Brief gilt als Ausweis. 
Warschau, 9. 6. 193 . . 
I. A.: Eaesalfti, Major." 
Aus den verschiedensten Richtungen bringen zur 
Stunde elegante Autos ihre prominenten Insassen 
vor die Billa Eaesalski. Man ist mit einiger Span 
nung dieser etwas mysteriösen Einladung gefolgt . . 
General Rovotmierski betritt den Saal. Man 
merkt sehr auf, man wird noch gespannter. 
Novotmierski ist der Mann der großen Hoff 
nung . . . 
Man folgte seiner Einladung an der Hufeisen- 
tafel Platz zu nehmen, wurde still — wurde ge 
spannt. 
„Meine Herren, ich erzähle Ihnen nichts Neues, 
wenn ich Ihnen sage, daß unser Verhältnis zu 
Deutschland einer Klärung bedarf. Wir warteten 
mit unendlicher Geduld die Gelegenheit zu dieser 
Klärung ab. Sie ist gekommen. Wir werden die 
Aergernisse der Osteuropapolitik entfernen, indem 
wir den Korridor, der so viel Anlaß zu internatio 
nalem Gespräch gibt, beseitigen. Und wir werden 
den Korridor beseitigen, indem wir Ostpreußen 
Polen einverleiben." 
Atemlose Stille . .-. 
Bisher habe ich Ihnen wohl kaum etwas Ueber- 
raschendes erzählt, aber jetzt . . . jetzt bringe ich 
Ihnen etwas Neues. 
Das 1. und 5. Korps, die 2. und die 10. Kavallerie 
division, unterstützt von allen motorisierten Teilen 
der Armee, allen Tankregimentern und erheblichen 
Flugstreitkräften werden heute abend die ostpreu 
ßische Grenze überschreiten. Die historische Mission 
unserer Generation beginnt. Um Ihre Zuversicht 
und Ihr Vertrauen zu stärken, werde ich Ihnen jetzt 
Einzelheiten der beabsichtigten Operationen be 
kanntgeben. 
Sie wissen — alle Zeitungen schreiben davon — 
daß morgen bei Tagesanbruch die Manöver des 1. 
und 6. Korps beginnen sollen. Diese Truppenteile 
sind seit heute morgen dort konzentriert, wo die 
Manöver beginnen. Im Raume Mlawa—-o.oan. 
Alle motorisierten Teile der Armee, befinden sich 
dabei. Der Manöverplan sieht eine Bewegung die 
ser Gruppen von dort in Richtung Warschau vor. 
Das 5. Korps und die 10. Kavallerie-Division sollten 
diesen Stoß nördlich von Warschau aufhalten. Das 
ist-also die Grundlage der vorbereiteten Manöver. 
Wir haben dafür gesorgt, daß dieser Plan nicht 
übermäßig geheim blieb. Um einen feindlichen Nach 
richtendienst vollkommen zu täuschen, haben wir 
auch die Quartiere für den Uebungsverlauf in Rich 
tung Warschau festgelegt. 
Kein Mensch in ganz Polen — außer dem Prä 
sidenten, dem Major Eaesalski, dem Hauptmann 
Wrenski und wir wissen von dem Plan, wissen, daß 
heute nacht nicht der Vormarsch auf Warschau, son 
dern der Einmarsch in Ostpreußen beginnt. Wir 
haben genaue Arbeit geleistet, meine Herren, wir 
haben alle Vorbereitungen bis zur kleinsten Einzel 
heit so getroffen, daß ich heute nacht hier unbesorgt 
schlafen werde, meine Anwesenheit im Norden gar 
nicht erforderlich ist. 
Wir waren uns von jeher darüber klar, daß die 
Annektion von Ostpreußen ein Kinderspiel in dem 
Augenblick lein muß, in dem eine Geheimhaltung 
der Vorbereitungen möglich wäre. Diese Bedingung 
ist jetzt restlos erfüllt. Um diese Zeit — 21.30 Uhr 
— findet in Soldau der Befehlsempfang für die 
Nordgruppe statt. Dort werden die Abteilungsfüh 
rer nicht den erwarteten Manöverbefehl, sondern 
den Marschbefehl für heute nacht erhalten.. Um 22 
Uhr werden die Truppen ihre Manöverkartuschen 
ausladen und ihre Platzpatronen den Kindern schen 
ken, dafür aber scharfe Munition empfangen. Um 
23 Uhr wird die Grenze auf allen Straßen, die zu 
den feindlichen Grenzgarnisonen führen, über 
raschend durchschritten. Panzermagenabreilungen 
fahren direkt in die Kasernen und machen jeden 
Versuch eines Widerstandes unmöglich. Ihr voraus 
werden Motorradpatrouillen das feindliche Fern 
sprechnetz bis weit in das Hinterland hinein unter 
brechen, Unseren Blitzabteilungen folgen Radfah 
rer-, Motorrad- und Kraftwagen-Formationen. Der 
Feind kommt nicht zur Besinnung. In Ostpreußen 
steht eine Reichswehrdivision und eine Kavallerie- 
brigade. Ein Regiment Infanterie ist davon im 
Reich — angeblich auf einem Uebungsplatz, w<L-c- 
'cheinlich wird es aber zur Unterdrückung erwarteter 
Unruhen bereitgestellt. Ein weiteres Drittel der 
deutschen Kampfkraft werden wir in einigen Stun 
den in ihren Grenzgarnisonen entwaffnet haben. 
Sollte der Rest der schlecht bewaffneten Söldner 
überhaupt noch Lust und Mut haben uns entgegen 
zutreten, so werden wir sie in drei Tagen aus Kö 
nigsberg als Gefangene abführen. 
Unser 5. Korps und die 10. Kavalleriedivision 
werden heute nacht alarmiert und nach Norden ver 
laden. Die Besetzung des eroberten Geländes wird 
durch morgen arlamierte freiwillige Verbände 
übernommen. Die Sokols sollen sich zum zweitenmal 
bewähren. 
Wir werden bei diesen Operationen wohl kaum 
nennenswerte Verluste erleiden. Wie Sie wissen, 
ist der Deutsche auf Grund des Friedensvertrages, 
so schlecht ausgerüstet, daß er sich eigentlich gar nicht 
wehren kann. Er verfügt überhaupt nicht über die 
für den heutigen Krieg unbedingt notwendigen 
Waffen: die Tanks und Flugzeuge, er hat nicht ein 
mal Abwehrwaffen dagegen. Wir wissen durch un 
sere Spionage über die deutsche Ausrüstung genau 
Bescheid. Der Deutsche hält sich an die Bestimmun 
gen des Versailler Vertrages, was wir letzten Endes 
Frankreich zu danken haben. 
Das ganze Unternehmen ist ein Spaziergang 
nach Königsberg. . . . 
— Fortsetzung folgt. — 
Ufnsckaü à dU id A 
ààr unset à fiouffiffeu. 
Fünfjähriges Kind vom Bruder getötet. 
Bochum, 13. Febr. Im Stadtteil Gerthe er 
eignete sich ein Unglücksfall, dem ein fünfjäh 
riger Knabe zum Opfer siel. Ein Bergmann, 
der mit seiner Fran und fünf Kindern dort 
eine Zweizimmerwohnung bewohnt, hörte in 
der Nacht verdächtige Geräusche. Er begab sich 
mit einer Schußwaffe auf den Flur, entdeckte 
jedoch nichts und legte sich wieder zur Ruhe, 
nachdem er den Revolver ungesichert unter das 
Kopfkissen gesteckt hatte. Als die Eheleute am 
nächsten Morgen in der Küche waren, hörten 
sie plötzlich einen Schuß fallen. Im Schlaf 
zimmer fanden sie ihren fünf Jahre alten 
Sohn mit einer Schußverletzung in der Stirn 
schwer verwundet vor. 
Die Ermittlungen ergaben, daß die Kinder 
den Revolver unter dem Kopfkissen des Vaters 
gefunden hatten. Ter ältere Bruder hatte den 
Revolver an sich genommen und wollte über 
den jungen Bruder hinweg an die Wand schie 
ßen. Er schoß jedoch fehl und verletzte seinen 
Bruder so schwer, daß der Junge bald darauf 
starb. Ter Vater wird sich wegen grober Fahr 
lässigkeit zu verantworten haben. 
Hochzeit wird sich das junge Paar auf Schloß 
Mainau am Bodensee niederlassen, das die 
verstorbene schwedische Königin dem Prinzen 
Wilhelm vermacht hat. 
Schwedischer Prinz heiratet eine Bürgerliche. 
Stockholm, 13. Febr. Nach Zeitungsmeldun 
gen wird Prinz Lennart, der Enkel des schwe 
dischen Königs, sich im März mit Fräulein 
Karin Nißvandt vermählen. Die Trauung 
wird in London stattfinden, da der König nach 
wie vor feine Einwilligung verweigert. Von 
seiten der königlichen Familie wird nur Prinz 
Wilhelm, der Vater des Bräutigams, bei der 
Trauung zugegen sein. Prinz Lennart verzich 
tet durch diese bürgerliche Ehe auf seine Zuge 
hörigkeit zur königlichen Familie, seine Erban 
sprüche und den Prinzentitel,' er wird in Zu 
kunft Lennart Bernadotte heißen. Nach der 
* 
âMchZàŞ ļWksĶmîs- 
rmMà tu SchwàK. 
Wahrscheinlich Sprengstoffanschlag. — Bisher 
2 Lote, 5 Verletzte geborgen. 
TU. Stockholm, 15. Febr. (Erg. Funkmel 
dung.) Wie „Svenska Dagblaöet" erfährt, hat 
sich am Aìontagmorgen in Gotenburg ein 
furchtbares Explosionsunglück ereignet. In 
folge des völligen Durcheinanders auf dem 
Unglücksplatz konnten die Ursachen der Kata 
strophe und die Anzahl der Opfer bisher noch 
nicht genau festgestellt werden. Wahrscheinlich 
handelt es sich um einen Sprengstoffanschlag. 
Gegen 3 Uhr am Monlagmorgen hörte man 
in ganz Gotenburg eine schwere Detonation. 
In einem Grundstück in der Bega-Gatart 
wurde eine Hansrvand bis zum Dach hinaus 
6 Meter breit aufgerissen. Die 4 Familien in 
den betroffenen Wohnungen lagen noch im 
Schlaf. Aus den Trümmern konnte man bis 
her 7 Personen bergen, die ins Krankenhaus 
eingeliefert wurden. Zwei davon sind bereits 
gestorben. Kurz vor der Explosion hat man 
einen Mann in das Haus hineingehen sehen, 
der auf seinem Fahrrad ein schweres Paket- 
mitbrachte. Man vermutet, daß das Paket 
Sprengstoff enthielt. 
Amerikanisches Kleinluftschiff zerstört. 
Newysrk, 13. Febr. Das kleine, 68 Meter 
lange Luftschiff der Goodyear-Gesellschaft ist 
durch einen Windstoß zerstört worden. Nähere 
Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Nach An 
gabe der Polizei hat eine Person bei dem Un 
glück den Tod gesunden. 
„Ich liebe vor allem Schmuck. Eine vollständige 
Sammlung besitze ich davon. Es fehlten mir nur noch 
ein türkisches Diadem, ein indisches Armband und 
ein Kosakenring. Letzteren wevde ich in Mrze be 
kommen. Ein in Deutschland lebender alter Russe 
will ihn mir verkaufen. Die anderen beiden Stücke 
will mir mein Freund auf seiner Reise besorgen. Na, 
es wird natürlich ein teurer Spaß werden. Hundert 
tausend je Stück werde ich wohl bezahlen müssen. 
Eigentlich Unsinn, aber eine Passion hat eben jeder 
Mensch. Was soll man denn auch sonst mit seinem 
Geld anfangen? Meinen Gnädigste nicht auch?" 
Er lachte in sich hinein. 
Wie ein echter Protz hatte er jetzt gesprochen! Und 
ihm hatte Protzen immer fern gelegen. Aber jetzt, 
jetzt gehörte es mit zu der Rolle. 
Frau von Uningen war zusammengezuckt. 
Die Worte „indisches Armband" bohrten sich ihr 
ins Hirn. 
Ein Detektiv? 
Wollte man sie düpieren? 
Pah! Was ihr da nicht für alberne Gedanken ka 
men! Wo sollten denn die beiden Mädel das Geld 
für einen ständigen Beobachter hernehmen? Zum La 
chen war es. Zum Lachen, daß ihr ein solcher Ge 
danke auch nur fünf Minuten lang kommen konnte. 
Hunderttausend Mark! 
Wenn sie Herrn von Dayburg das indische Arm 
band verkaufte? Wenn sie der Verwandtschaft ein 
Schnippchen schlug? 
Wie ekelhaft Schwager Hellenberg überhaupt in 
seinem letzten Briefe geschrieben hatte! 
Als ob es ein Verbrechen wäre, wenn man mal 
Schulden machte. Die Leutchen hatten eben keine 
Ahnung, wie teuer das Berliner Pflaster war. Da 
bei war es bloß Berlin! 
Und sie wäre so gern nach Paris gegangen! 
Aber das ging nicht. 
Bisher ging es nicht. 
Das Armband! 
Es war angeblich gestohlen! 
Schon oft hatte sie in letzter Zeit erwogen, es zu 
verkaufen. Aber dann war doch die Angst vor der 
Entdeckung gekommen. Die Angst, daß man erfuhr, 
daß Lore von Uningen mit voÜer Absicht einen 
völlig schuldlosen Menschen verdächtigt hatte! 
Die Verwandtschaft! 
Das Armband war laut Familienbestimmung nicht 
verkäuflich. Da es aber gestohlen war, würde ja nie 
jemand wissen, daß sie es jetzt Herrn von Vayburg 
verkaufte. 
Mit einem Schlage würde sie all der widerwärti 
gen Sorgen enthoben fein — und — vielleicht kam 
sie sogar noch zu dem anderen Ziele, dann gehörte 
ihr der Schmuck ja doch wieder. 
Da kam aber das Mißtrauen wieder in all die 
Erwägungen hinein. 
Wenn Herr von Vayburg? — Wenn —! Unsinn 
natürlich. Aber es war dach wiederum auch von ihr 
aus berechtigt, dieses Mißtrauen. Wenn dieser Herr 
nun gar nicht von Dayburg hieß? Es war ja io 
leicht, sich für einige Wochen einen anderen Namen 
zuzulegen. Vorsichtig wollte sie immerhin sein. 
So sagte sie jetzt: 
„Hoffentlich hat Ihr Freund Glück, Herr von Day 
burg. Denn es wird doch jedenfalls etrKas Besonde 
res fein, was Sie Ihrer Sammlung einverleiben 
möchten. Nun, in Indien gibt cs ja hervorragend 
schöne Stücke." 
Es klang oberflächlich, leichthin, liebenswürdig. 
Vayburg dachte: 
„Ellinor hat den Schmuck nicht. Wenn ihn aber 
doch irgendwer gestohlen hätte? Dann wäre mein 
ganzes Vorhaben umsonst. Dann wären die vielen 
Stunden, die ich mich dieser Frau widme, umsonst 
gewesen." 
Lore von Uningen aber beauftragte eine Aus 
kunftei, über Herrn von Vayburg Erkundigungen 
einzuziehen.. 
Jetzt nun hielt sie diese Auskunft in den Händen. 
„Ernst von Vayburg, achtunddreißig Jahre alt, in: 
Kriege auf beiden Augen erblindet, Erbherr auf 
Vayburg, großes Vermögen, befindet sich zur Zeit 
auf Reisen. Wahrscheinlich Meran, Bozen, Garda 
see! In seiner Begleitung befinden sich eine Vor 
leserin und sein Kammerdiener." 
Lore von Uningen atmete hoch auf. 
Alles stimmte. 
Sie konnte den Schmuck an diesen Monn verkau 
fen, und kein Mensch würde es je erfahren. 
Und das — andere — noch Wichtigere, das würde 
auch nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn 
die anderen Gäste machten bereits liebenswürdige 
Anspielungen, von denen sie allerdings zum TeU 
bezweifelte, ob sie cn/ch liebenswürdig gemeint wa 
ren. 
An einem Abend war es. als man im Teezimmer 
des Hotels beisammen saß. Professor Ulrcn gab das 
Karnickel ab und saß getreulich neben Frau von 
Uningen und Herrn von Dayburg. 
Lore von Uningen beugte sich zu Vayburg her 
über: 
„Ist es nicht komisch? Immerfort habe ich an Ihre 
Sammlung denken müssen. Und da ist mir einge 
fallen, daß eine entfernte alte Verwandte von mir 
ein indisches Armband besitzt. Altes Familienerb 
stück. Es i|t da mal ein unruhiger Geist in der Fa- 
mUie gewesen, ein Forscher. Der hat sich sein halbes 
Leben lang in Indien herumgetrieben. Von dem 
itammt der Schmuck, Es trägt ihn niemand. Ich habe 
meine Verwandte verständigt, und sie hat mir den 
Schmuck geschickt." (Schluß folgt.) 
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