Full text: Newspaper volume (1932, Bd. 1)

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Zur Ràrlzaltuna 
Nr. 32 
Beilage der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (Rendsburger Tageblatt) 
Montag, den 8. Februar 1932 
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Ein phantastisches Projekt: 
HSHerrwZrrh-KmfLkverKe 
für Deutschlands Stromversorgung 
Ättgenieur Honnef spricht über das „Windkraftfeld Deutschlands 
und seine Ausnutzung". 
Der durch seine Turmbauten in verschiede 
nen Städten Deutschlands, vor allem aber 
durch den Bau des größten Turmes Deutsch 
lands, des Königswusterhausener Funkturms, 
bekannt gewordene Ingenieur Hermann Hon 
nef, sprach am Freitag, im neuen Physikali 
schen Institut der Technischen Hochschule Berlin 
über „Das Windkraftfeld Deutschlands und 
seine Ausnutzung". 
Einer der geplanten Winü-Krasttürme, die 
Ï25 Meter hoch sein sollen und ein Gewicht 
von 1,8 Millionen Kilogramm aufweisen wür 
den. Die riesigen Windräder sind als Genera 
toren ausgebildet. 
Aus dem Bortrag Honnefs geht Hervor, daß 
die in großen Höhen vorhandenen dauern 
den Luftströmungen zur Erzeugung v. Gener 
ic ausnutzen will. Zu diesem Zwecke schlägt 
er den Bau von großen Höhenzonen-Wind- 
ļraftwerken vor, in die Stromerzeuger einge 
baut werden sollen. Das vorgeschlagene Ein- 
beitskraftwerk soll 430 Meter hoch werden und 
drtt riesige Windräder von 160 Meter Durch 
messer erhalten. Eine solche Einheitsanlage 
soll jährlich 130 Millionen Kilowattstunden 
leisten, von denen nach seinen Berechnungen 
Nur 60 Millionen Kilowattstunden auf ver 
käuflichen Strom mtö der Rest auf lleber- 
schußstrom entfallen. Diesen Ueberschußstrom 
will Honnef in schon vorhandenen und noch zu 
ergänzenden Wasserkraftspeicheranlagen auf 
speichern, an den Küsten aber zur Erzeugung 
billigen reinen Wasserstoffes benutzen. Es 
würden dann große Strommengen frei, um 
mit einer Rohstoffverwertnng auf nationaler 
Grundlage eine Umstellung der Industrie auf 
Verarbeitung billiger Leichtmetalle zu ermög 
lichen. Das würde zur allgemeinen Benutzung 
des schnellen Leichtverkehrsfahrzeuges führen, 
wodurch die Bahnen wieder wirtschaftlich 
würden und eine Senkung der Tarife möglich 
wäre. Weitere Vorteile wären: Tie Herstel 
lung billigen Wasserstoffes, billige Herstellung 
der Düngemittel, Erzeugung von Benzin und 
Oel im Jnlanöe, Erleichterung der gärtneri 
schen Umstellung der Kleinbauerttschaften durch 
billige Eröbeheizung. Diese, wie auch die son 
stige landwirtschaftliche Stromversorgung 
könnten fast ausschließlich aus Ueberschußstrom 
bestritten werden, der fast kostenlos sei. Wie 
der Vortragende zum Schluß erklärte, seien 
die Pläne zur Errichtung einer Großversuchs 
anlage bereits weit gediehen. Diese Alllage 
wurde 225 Meter hoch sein u. Stromerzeuger- 
Windräder mit 60 Mtr. Durchmesser erhalten 
Der mnc SchrenerrLriebvmgen. 
Der bei der Deutschen Reichsbaynverwal- 
tung ill Anlehnung an den Kruckenbergschen 
Schienenprvpellerwügen im Bau begriffene 
neue Schienen-Triebwagen ist soiveit fertig, 
daß man hofft, um Ostern herum die ersten 
Versuchsfahrten auf der Strecke Hamburg- 
Berlin ausführen zu können. Ueber den 
Triebwagen werden folgende Einzelheiten mit 
geteilt: 
Der Triebwagen kann aus jeder Strecke eine 
Stundengeschwindigkeit von 150 Kilometern 
erreichen. Die eine Hälfte des Wagens dient 
als Raucher-, die andere als Nichtraucher 
abteil. An den Wagenenden befinden sich 
Maybachmotoren von 140 PS. Sie sind unt 
Dynamomaschinen gekuppelt, in denen der 
elektrische Strom erzeugt wird. Die äußere 
Form des neuen Fahrzeuges ist aus dem 
Kruckenbergwagen und der Stromlinienform 
des Zcppeliils entwickelt. Die Kopfseiten sind 
sehr stark abgerundet. Der Wagenkasten wird 
ivie bei Kruckenberg niedrig und ohne jeden 
Aufbau gehalten. Der Wagen ist zur Auf 
nahme von 102 Fahrgästen bestimmt und führt 
nur die zweite Wagenklasse. Außer den Sitz 
plätzen enthält er noch einen Gepäckranm und 
zwei Toiletten und in der Mitte einen Erfri- 
schnngsraum für kalte ünd warme Speisen 
und Getränke. Die Länge des Fahrzeuges 
beträgt 42 Meter. 
Die Reichsbahn und Krukenberg. 
Der Bau des Schnelltriebwagens bedeutet nicht, 
wie die Reichsbahn mitteilt, daß die Reichsbahn- 
verwaltung sich von den Plänen Krukenbergs ab 
wendet, dessen Konstruktion aellrdings besondere 
bauliche Veränderungen des Gleis- und Signal 
systems voraussetzen würde. Auch in Zukunft wird 
die Reichsbahnverwaltung Krukenberg mit Rat 
und Tat weiter unterstützen, dessen Versuche eben 
falls fortgesetzt werden. 
Bunkr ÌBdt 
Neue Beobachtungen über die Geschwindigkeit 
der Vögel. 
Bevor der Mensch die Lirft erobert hatte, 
herrschte die Ansicht vor, daß Vögel größte 
Geschwindigkeiten beim Flug erreichen müß 
ten. Die Berechtluligen, die man hierüber 
anstellte, konnten freilich schon deshalb nicht 
zutreffen, weil man annahm, daß die Zug 
vögel ihre großen Flüge nach dem Süden und 
'hre Heimkehr fast ohne jede größere Unter 
brechung ausführten. Diese Ansicht ist längst 
als Irrtum erkannt. Wesentlich haben zur 
Aufklärung des Sachverhaltes die Automo 
bilisten mit ihren Schnclligkeitsmessern, die 
Naturforscher mit ihren Höhenmessern und 
nicht zuletzt auch die Flieger selbst beigetra 
gen, die ja den Rekord der Schnelligkeit an 
sich gerissen haben und nicht gewillt sind, ihn 
sich entreißen zu lassen. Tatsächlich geht aus 
dem Wettbewerb zwischen Vogel und Mensch 
dieser als Sieger hervor. Es ist zwar vorge 
kommen, daß ein Vogel aus der Familie der 
Segler ein Flugzeug, das mit einer Stnnden- 
geschwindigkeit von 109 Km. dahinflog — diese 
Beobachtung wurde in Mesopotamien gemacht 
— umkreiste und mit ihm Schritt hielt. Das 
war aber anscheinend auch die höchste Kraft 
leistung im Kampf um das blaue Baud der 
Lüfte,' jedeufalls ist sie von einem Vogel nicht 
mehr überboten worden. In Amerika hat 
man jüngst genaue Beobachtungen angestellt 
und gefunden, daß es die Knäkente auf eine 
Stundengeschwindigkeit dis zu 130 Km. bringt, 
freilich aber nur in dem Fall, wenn sie sich in 
höchster Gefahr befindet und gezwungen ist, 
um ihr Leben zu fliegen. Auch die Wildgans 
kann eine mittlere Geschwindigkeit von 
80 Km. in der Stunde erreichen. Raben, Enten 
und Falken bringen es auf eine Stundenge 
schwindigkeit von 72 bis 88 Km. Wohl ge 
merkt: dies gilt aber nur für kurze Strecken, 
und auf lange Entfernungen läßt der Mensch 
seine geflügelten Konkurrenten weit hinter 
sich zurück. 
Die Mönche von St. Bernhard 
gehen nicht nach Tibet. 
„Osservatvre Romano" teilt mit, daß die 
Mönche des St. Bernhard keineswegs die Ab 
sicht haben, ihr Heim zu verlassen und nach 
Tibet auszmvandern. Wie das Blatt des Va 
tikans versichert, denken die Mönche trotz den 
Fortschritten des Automobilvcrkehrs und der 
Eröffnung eines Hotels auf dem Passe des 
Großen St. Bernhard nicht daran, Hospiz und 
Kloster aufzugeben, das ja eine der ältesten 
Institutionen Europas dieser Art darstellt. 
Dagegen wollen die Mönche ein Hospiz auf 
einem der Appenninenpässe anlegen, wo das 
Auto dem seit tausend Jahren bestehenden 
Wanüerverkehr noch keinen Abbruch getan 
hta, und wo sich deshalb dem Hilfswerk der 
Mönche gute Aussichten eröffnen. Zwei 
Mönche haben bereits den Ort geivählt, an dem 
das Hospiz seinen Platz finden soll. Inner 
halb eines Jahres werden sich mehrere Mön 
che dort niederlassen. 
Dis OosLhe-OeöenkspieLe 
in Weimar. 
Die Goethe-Eebüchtniswoche in Weimar vom 20. 
bis 28. März erhält dadurch ihr besonderes Ec- 
präge, daß neben den eigentlichen Gedenkfeiern 
sechs der namhaftesten deutschen Bühnen einschließ 
lich des Burgtheaters Wien in einen idealen Wett 
bewerb treten, um Goethes dramatische Werke zu 
verlebendigen. 
An Goethes Todestag, dem 22. März, wird das 
Burgtheater zu Wien unter der Regie Albert Hei 
nes den „Tasso" spielen. 
Die Gedenkwoche beginnt mit einer Aufführung 
vom „llrgötz" durch das „Staatliche Schauspiel 
haus Berlin unter der Regie des Intendanten 
Ernst Legal. 
Am Montag folgt durch das Staatstheater 
Bochum der „Egmont". Die Regie führt Inten 
dant Dr. Ealadin Schmitt. 
Das Staatl. Schauspielhaus Dresden wird am 
Mittwoch unter der Spielleitung von E. Kiosau 
„Die natürliche Tochter" bringen. 
Die „Iphigenie" wird am Donnerstag durch dar, 
Staatl. Schauspielhaus München geboten werden 
unter der Regie von Alfons Pape. 
Schließlich wird das Staatstheater Stuttgart 
mit einer Aufführung des „Clavigo" am Sonn 
abend die Reihe der auswärtigen Gastspiele be 
schließen. 
Für die Besetzung von Faust 1 und 2, der durch 
das Deutsche Nationaltheater Weimar als Ab 
schluß der Gedeu'kwoche herausgebracht werden 
wird. steht die Besetzung zur Zeit noch nicht end 
gültig fest. 
Trrm Lachen und Lächeln. 
Herr: „Darf man fragen, wie alt Sie sind, 
mein Fräulein?" 
Aelteres Fräulein: „Ich habe achtzehn glück 
liche Sommer erlebt." 
Herr: „Nur achtzehn glückliche Sommer? 
Oh, welch ein unglückliches Leben müssen sie 
geführt haben." 
* 
»Hören Sie, Herr Doktor", sagte der Mann mit - 
den tausend Krankheiten, „sind eigentlich Schell 
fische sehr gesund?" 
„Höchstwahrscheinlich, fei mir war jedenfalls noch 
keiner in Behandlung!" 
> 
Der reiche Bünde- 
Roman von Gert Nothberg. 
Copyright by Marti» Feuchtwanger, Halle (Saale). 
"0) Nachdruck verboten. 
Er erzählte ihnen seinen Plan mit Schloß Illgen- 
heim, und sie waren sprachlos. Dann dankten sie 
chm voll überströmender Herzlichkeit. 
Ģanz zuletzt sagte er noch: 
»Und nun wißt ihr ja, weshalb ich in die Berge 
will. Das Klima soll meinen Augen gut tun. Dann 
konnntz ich zurück und bin gesund und stark — und 
vielleicht auch so glücklich wie du, Herrmann. Und 
vun bringe mich hinüber! Nur noch bis übermor 
gen, dann geht es fort, und ich hoffe, als ein gkück- 
»cher Mann wiederzukommen." 
Hermann brachte den Freund ins Schloß hin 
ter. Ex kam dann sofort wieder herüber und be- 
chrach diese fast unglaubliche Schicksalwende des 
freundes mit Kläre. Die war auch noch ganz be 
nommen; aber cs war Wahrheit, und es konnte 
Ņhl kaum jemanden geben, der sich mehr über diese 
^Ģckialswende Keute, wie sie. 
Kläre meinte: 
"Ņttch ein schöner Mensch ist Bayburg! Und was 
iem vrit dem Glück meinte? Reist er vielleicht 
f t ļU ™ nach? Kennt er bereits eine Frau von 
'ìum5tì k’ e ihn nur wegen seines Unglücks nicht 
nahm und der er nun diesen Glücks- 
£ ™ Of0rt witteilen will?" 
ïciu i ü sitzenlassen! Da wird im Leben 
schönsten-- Tws 0US ! Für so eine würde ich mich 
baß Banburo ,-"^.n. und ich kann mir nicht denken, 
Kläre^ aab ift, Clncr tĢ nachrennen würde." 
sonst gemeint ^ ^ sà er denn 
sSîSîStt ï ttcn şi'/Ģt! Einzig 
(eiïbM 3 ' 5 »l»!« >°-g°» d» mit. 
Ellinor dachte es. Sie saß ihm gegenüber, und 
neben ihr saß der Kammerdiener. Er mußte nun 
einmal zur Bequemlichkeit seines Herrn mit im sel 
ben Abteil fahren. Und der alte Mann in seiner 
schweigenden Aufmerksamkeit fiel ja durchaus nicht 
aus dem Rahmen. 
Ellinor dachte, daß noch nie eine Bahnfahrt so 
herrlich gewesen sei wie diese. Wenn es doch noch 
recht, recht lange dauerte, ehe sie an ihr Ziel kamen! 
In dem Hotel in Meran ivaren Zimmer bestellt. 
Das hatte Oldenberg sich nicht nehmen lassen. So 
"kam es, daß man sie bereits erwartete. 
Einige Stunden später waren sie bereits einge 
wohnt, und das bunte Leben der schönen Stadt zog 
an ihnen vorüber. Es fiel Ernst von Bayburg sehr 
schwer, seine Begleiterin, die ihm bei einer Spa 
zierfahrt gegenübersaß, nicht auf dieses oder jenes 
aufmerksam zu machen. Aber noch durfte dieses 
schöne, junge Mädel nicht die Wahrheit ahnen. Noch 
nicht. Zuerst mußte sie in ihrer wahren Gestalt um 
ihn sein. Er wollte sie beobachten, wollte sehen, was 
er für Erfahrmigtm machen würde, rvenn sie erst 
begehrt und begafft wurde. Jetzt war es doch so 
leicht für sie, keusch und züchtig zu erscheinen, jetzt, 
wo kein Mensch ahnen konnte, was sich hinter der 
häßlichen Maske verbarg. 
Sie blieben drei Wochen in Meran. Ehe sie ab 
reisten, sagte Bayburg eines Tages plötzlich: 
„Fräulein Hardegg! Ich will, daß Sie diese häß 
liche Maske ablegen. Don meinen Freunden weiß 
ich, wie Sie jetzt aussehen. Sie sollen das aber nicht 
mehr länger nötig haben, sich so zu verstellen. Neh 
men Sie also fünfhundert Mark aus unserer Reise 
kasse und kleiden Sie sich ein. Oder nehmen Sie 
doch lieber tausend. Das heißt, ich habe überhaupt 
keine Ahnung, was Sie dafür bekommen. Ich habe 
mich noch nie mit Kosten für Damenkleidung be 
faßt. Also tausend Mark vorläufig — nicht wahr? 
Kaufen Sie alles, was zu einer guten Garderobe 
nötig ist. Wir können dann ja noch nachkaufcn." 
Ellinor war sehr blaß geworden. 
„Herr von Bayburg! Ich möchte doch lieber in 
meiner alten Kleidung bleiben. Ich . . . mir ist er 
ganz gleich, wenn ich häßlich aussehe und — und .." 
Was hatte sic da tun wollen? Ihn vielleicht an 
sein namenloses Unglück erinnern? 
„Sie meinen, mein ästhetisches Empfinden könnte 
das ja gar nicht berühren? Doch! Es ist so! Ich weih 
jetzt, daß Sie in einer Verkleidung stecken, und ich 
möchte das einfach nicht länger um mich haben. 
Also tun Sie mir schon den Gefallen." 
„Ja, ich werde also wieder Ellinor Hardegg sein", 
sagte sie leise. 
„Gut! Gehen Sie jetzt gleich! Kommen Sie gänz 
lich verändert wieder! Meinen Kammerdiener 
werde ich einige Stunden fortschicken, und wenn er 
wiederkommt, erzähle ich ihm kurz, daß Fräulein 
Hardegg abgereist sei, dafür werde ihre jüngere 
Schwester jetzt das Amt einer Vorleserin bei mir 
ausüben." 
„Ja — so geht es wohl. Darf ich jetzt gehen, Herr 
von Bayburg?" 
„Gewiß. Und kommen Sie also gleich völlig ver 
ändert zurück. Ich werde einstweilen eine Stunde 
schlafen; die Luft hier macht müde. Sie werden es 
auch sein, aber es hilft jetzt nichts; erst müssen Sie 
sich zu Ihrem eigenen Ich verwandeln." 
„Ich bin nicht müde. Auf Wiedersehen, Herr von 
Bayburg." 
„Auf Wiedersehen! Ob tausend Mark langen? 
Wenn ich doch bloß eine Ahnung hätte. Aber Sie 
werden cs doch wissen. Halten Sie sich überhaupt 
an keine bestimmte Summe, kaufen Sic einfach ein, 
was Ihnen gefällt; guten Geschmack setze ich voraus. 
Den werden Sie bestimmt haben, wie ich Sie kenne. 
Also nochmals: Auf Wiedersehen!" 
Ellinor ging. 
Ging wie eine Traumwandlerin! 
Und es mußte doch auch alles nur ein schöner 
Traum sein. Sie kaufte einfache gute Kleider. Da 
es «m Tage noch sehr warm war, wählte sie auch 
einige helle Leinenkleider. 
Einige Paar elegante Schuhe, Handschuhe, seidene 
Strümpfe, sehr gute Unterwäsche besaß sie in 
Menge. Der Einkauf überstieg die Summe von 
künfhundert Mark nicht. Sie ging dann noch zu 
einem Friseur und ließ sich das Haar zurechtmachen. 
Ein dunkles blaues Kleid mit weißem Kragen und 
Manschetten, einen Mantel aus leichter, duickl- 
blauer Seide, ein weißes Filzhütchen und dunkel 
blaue Wildkederschuhe hatte sie bereits angezogen. 
Weiße Glaceehandschuhe bedeckten die Hände. Eine 
kleine moderne Handtasche gehörte dazu, und eine 
schöne junge Dame schritt über den alten Platz von 
Meran. Die Herren blickten begeistert hinter ihr her. 
Donnerwetter! Nun hatte man schon abreisen 
wollen, weil nichts inehr los roar, und nun tauchte 
plötzlich eine solche Schönheit auf! Besser, man blieb 
noch ein bißchen da. Zunächst mußte man aber doll) 
vielleicht einmal nachsehen, wo sie wohnte. So kam 
es, daß plötzlich sehr viele Herren in der Richtung 
liefen, die die junge, schicke Dame eingeschlagen 
hatte. 
Ellinor kümmerte sich nicht darum. 
Laut und schmerzlich schlug ihr Herz. 
Ellinor dachte: 
Wenn Herr von Bayburg mich so sehen könnte, 
ob — ich — ihm auch ein wenig gefiele?" 
Gleich jagte sie diesen vermessenen Gedanken 
auch schon wieder von sich. 
„Ich bin ihm ja so dankbar, daß er mich nicht 
davongejagt Pat, als er wußte, welch eine Komödie 
ich mir mit ihm erlaubt habe. Wie seltsam aber 
jetzt dieser Wunsch von ihm ist! Oder ist er nicht 
seltsam? Kann Herr von Bayburg nur den Sedan- 
ken nicht ertragen, daß um ihn herum ein solcher 
trauriger Mummenschanz anfgeführt wird? Aber 
es ist ja olles gleich. Wenn ich nur bei ihm blei 
ben darf. denn ich liebe ihn — ich liebe ihn!" 
Ernst von Bayburg stand am Fenster und erwar- 
tete sie. 
Da sie das weiße Filzhütchen tief m die Stirn 
gedrückt hatte, erkannt? er sie nicht gleich. Dann 
aber wußte er, wer da schlank und graziös auf das 
Hotel zuschritt. 
Sein Herz ging rasch und laut. 
Ellinor Hardegg! Du schöne, kleine Ellinor Har 
degg!, dachte er. 
Fortsetzung folgt.)
	        
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