Full text: Newspaper volume (1931, Bd. 1)

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124 Jahrgang. 
124 Iahrgang- 
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Der 10jährige Gedenktag der Abstimmung, 
In späteren Erklärungen der Nationalsozia 
listen heißt es, entweder fei die Deutsche Volks 
partei mit gewiffen Bedingungen einverstanden, 
oder die Nationalsozialisten gingen in die Oppo 
sition. 
Nussengeschäst und Strategie. 
Das sog. Russengeschäft, das die deutschen In 
dustriellen mit ihrer Reise nach Moskau einleiten 
sollten, erfährt in der Presse mannigfache Beleuch 
tung, wobei bisher dis Frage offengeblieben ist, 
ob, wann und unter welchen Voraussetzungen die 
Lieferungen in Gang kommen. Von nicht gerin 
gem Interesse ist es, daß nicht allein im „Völkischen 
Beobachter" dessen Chefredakteur Alfred Rosen 
berg, gebürtiger Deutschbalte, in Verbindung mit 
dem von den Rüsten angebotenen wirtschaftlichen 
Engagement auf die strategischen Hintergründe des 
sowjetrustischen Fünfjahresplanes aufmerksam 
macht, sondern dieser Punkt auch in einem Ber 
liner Brief an den „Hamburgischen Correspond«!«, 
ten" berührt wird. Es heißt dort: 
„Aus ganz anderen Erwägungen heraus kommen 
Bedenken, die teils vom Zentrum, teils von der Rech 
ten geäußert werden und die sich vor allem gegen jedes 
Paktieren mit den bolschewistischen Machthabern rich 
ten. Dabei kommen einmal kulturpolitische Gesichts 
punkte in Betracht, zum andern militärische Er 
wägungen, die darauf hinausgehen, daß Rußland 
sich mit Hilfe der deutschen industriellen Lieferungen 
eine eigene starke Kriegsindustrie und strategische Ver 
kehrswege (Rosenberg spricht von: „Aufmarsch Asiens 
gegen das Herz Europas".) anlegen tonne. Allen die 
sen Bedenken wird man natürlich, so verschiedenartig 
sie auch sind, nicht einfach aus dem Wege gehen können, 
und deshalb bedarf das deutsche Kreditgeschäft init dem 
bolschewistischen Rußland nicht nur unter wirtschaft 
lichen, sondern auch Unter allgemein politischen Ge 
sichtspunkten dauernd der gespanntesten Aufmerksam 
keit und , eines sogenannten pflichtmäßigen Mitz- 
t raue ns." 
Zunge Generation. 
Zn einem sich durch offene Sprache auszeich 
nenden Aufsatz „Junge Eeneratiou" in der „Ber 
liner Börsen-Zeitung" schildert A. Ceglitz das 
Streben heutiger Jugend — soweit sie Anspruch 
darauf erhebt, als ernste, ringende Jugend gewer 
tet zu werden — nach einer auf Wahrhaftigkeit 
aufgebauten Synthese aus Nation und Staat, wo 
bei er die Werbekraft der Nationalsozialisten auf 
die Jugend psychologisch damit zu begründen sucht, 
daß die Jugend hier die Linie ihrer nationalen 
und sozialen Lebensauffassung gefunden zu haben 
glaubte. Die Enttäuschung der Jugend über die 
Methoden des gewohnten Parteiwesens bildet 
einen wesentlichen Teil der Seglitzschen Betrach 
tung. U. a. schreibt er: 
„Der Student, der Kommis, der junge Bauer und 
der junge Arbeiter, sie tanzen nicht mehr nach dee 
Pfeife des politischen Rattenfängers. Auch die Politik 
So manchen 10 jährigen Gedenktag hat 
das deutsche Volk in den letzten Jahren be 
gangen. Die Geschichte der unmittelbaren 
Nachkriegszeit zieht in ihrer ganzen Tragik 
durch diese Erinnernngstags noch einmal an 
unseren Augen vorüber. Mit unverminder 
ter Bitterkeit empfinden wir die Willkür un 
gerechter Entscheidungen, und wir werden 
nichts unversucht lassen, um die Zeit zum 
Bundesgenossen gegen Unvernunft und Bos 
heit zu gewinnen. Aber gerade in die schwer 
sten Jahre von 1918 bis 1923 fallen doch auch 
Ereignisse, die uns mit berechtigtem Stolz 
erfüllen müssen. 
Am heutigen 20. März sind 10 Jahre ver 
gangen, seit in Oberschlesien die Volksabstim 
mung stattgefunden hat. Nachdem im Ent 
wurf des Friedensvertrages, der im Mai 
1919 bekannt wurde, eine Abtretung Ober- 
schlesiens ohne Abstimmung vorgesehen 
war, wandte sich die Bevölkerung mit über 
wältigender Mehrheit gegen diese Absicht. 
Hätte damals sofort die Abstimmung stattge 
funden, sie hätte sicher 90 Prozent der Stim 
men für Deutschland gebracht. So wurde aber 
nur erreicht, daß die Abstimmung wenigstens 
im Friedensvertrag eingeräumt wurde. Eine 
interalliierte Kommission unter dem Vorsitz 
von General Le Rond ließ sich in Oberschle 
sien Nieder und entfaltete eine lebhafte Tä. 
tigkeit. Mit der Abstimmung ließ man sich 
Zeit, bis sich unter dem Druck der unerhört 
harten Friedensbedingungen, durch Hunger 
lind Schikanen, die Gesinnung der Bevölke 
rung gewandelt haben würde. Verschiedentlich 
wurde die Abstimmung hinausgezögert, so 
zuletzt infolge der polnischen Propaganda und 
des polnischen Terrors vom 11. 2. 1920 bis 
zum 20. 3. 1921. Trotz all dieser Maßnah 
men ergab sie eine Zweidrittelmehrheit für 
Deutschland) darunter waren viele Ange 
hörige polnischer Muttersprache, die schon 
von jeher in ihrem Staatsgefühl sich Deutsch 
land zugehörig fühlten. Wenn man die über 
aus schwierigen Bedingungen bedenkt, so muß 
diese Mehrheit als ein großer Sieg der deut 
schen Sache angesehen werden. 
Tie Enttäuschung im Lager der franzö 
sischen Politik war groß, und unter diesem 
Eindruck ließ sich der Völkerbundsrat am 
20. Oktober 1921 zu einer Entscheidung hin 
reißen. die in der Geschichte des Völkerbundes 
immer ein S chau dfl e L bleiben wird. Der 
wertvollste Teil des Industriegebietes in 
Größe von 321812 Hektar Fläche mit 893 000 
Einwohnern wurde gegen jedes Recht Po 
len zugesprochen. Ein solcher Schlag ins Ge 
sicht der Gerechtigkeit ist überhaupt nur aus 
der Kriegsverhetzung und dem Siegerüber 
mut jener Jahre erklärlich. Daß die beabsich 
tigte Zerschlagung des Reiches nicht gelang, 
sondern daß sich die Feinde mit einer Ab 
bröckelung am Rande begnügen mußten, da 
zu hat auch die Standhaftigkeit des oberschle 
sischen Grenzlandes ein wesentliches Teil 
beigetragen. 
Handlungen mit der S. P. D. sieht man in 
Regierungskreisen mit einem gewissen Opti 
mismus entgegen, da man aus dem Verhalten 
der sozialdemokratischen Fraktion den Schluß 
zieht, daß die S.P. D. jeden ernstere« Kon 
flikt mit der Regierung zu vermeiden wünscht 
Dieser Eindruck ergibt sich auch aus Kom 
mentaren der sozialdemokratischen Presse zum 
Fraktionsbeschluß. Unumwunden wird zuge 
geben, daß man in der Verhinderung der 
Machtergreifung durch Hitler die Hauptauf 
gabe sehe. 
Mile er das Msenluşischjfş rmmchlen? 
TU. Nemyork, 20. März (Eig Funkmldg.) 
In Akron, im Staate Ohio, wo sich die ameri 
kanischen Lnftschiffbauwerke befinden, ist der 
37jährige Mechaniker Paul Kassay, ein s r ü h c- 
rer ungarischer Offizier, von der 
Geheimpolizei verhaftet worden, da er im Ver 
dacht steht, einen Sabotageakt am neue», im 
Vau befindlichen Ricsenluftschiff geplant zn 
haben. Sämtliche Baupläne und Zeichnungen 
wurden in Kaflays Wohnung beschlagnahmt. 
Er soll angeblich mehreren Arbeitern erklärt 
haben, das große Zeppelinluftschiff vernichten 
zu wollen. 
Könslitt in der Wrmgischen KoalitM 
auf dem Höhepunkt. 
In Springen hat sich der Konflikt zwischen 
Deutscher Dolkspartei und Nationalsozialisten wei 
ter verschärft. Im Haushaltsausschuß gaben die 
Nationaisozialisten ihre weitere Mitarbeit auf un 
ter der Beschuldigung der Volkspartet, daß sie ab 
machungswidrig mit der Opposition in Fragen der 
Kulturpolitik gegen die Negierung gestimmt habe. 
In einer Gegenerklärung sagt die Dolkspartei, daß 
die nationalsozialistische Darstellung ein Derlegen- 
heitsprcàkt sei; cs sei unverständlich, wie man 
durch demonstrativen, Streik vaterländische Arbeit 
leisten wolle. 
Hermann Müller scheint im Sterben zu 
liegen. Die Körperkräfte nehmen zusehends 
ab, der Patient ist meist bewußtlos. 
Ein Antrag des Volksnationalen Dorne 
mann im Reichstag bezweckt, Beleidigungen 
und ehrenkränkende Nachrede, die den Betref 
fenden in der Oeffentlichkeit herabwürdigt, 
künftig als Diebstahl am höchsten Gut, an der 
Ehre, zu charakterisieren und mindestens nach 
den Strafbestimmungen für materiellen Dieb 
stahl zu ahnden. 
Die Berliner Oberbürgermeister-Kandidatur. 
In der mehr als dreistündigen Sitzung des 
Berliner Stadtverordnetenausschusses zur Vorbe 
reitung der Wahl des Berliner Oberbürgermei 
sters am Donnerstag konnte keiner der in Vor 
schlag gebrachten Kandidaten eine Mehrheit auf 
sich vereinigen. Der Ausschuß wird der Stadtver 
ordnetenversammlung über dieses negative Ergeb 
nis Bericht erstatten. Als Kandidaten sollen er 
staunlicher Weise lediglich die Namen des Bürger 
meisters Scholtz und des Kommunisten Pieck (beide 
in Berlin) genannt und weitere Kandidaten sollen 
nicht namhaft gemacht worden sein. Die Ver 
handlungen gehen zunächst innerhalb der Frak 
tionen weiter. Die Deutschs Volkspartei verhält 
sich einer etwaigen Wahl des preußischen Finanz 
ministers Höpker-Aschoff gegenüber zunächst ab 
lehnend. Man hat den Eindruck, daß nunmehr 
die Kandidaturen des früheren Danziger Seuats- 
präsidenten Dr. Sahnr und des Essener Oberbür 
germeisters Bracht durch dis Mittelparteien wieder 
in den Vordergrund treten. 
Dr. Mnlert, 
der Präsident des Deutschen Städtetages, hat an 
den Vorsitzenden des Wahlausschusses ein Schrei 
ben gerichtet, in dem er ersucht, bei der Frage der 
Besetzung des Berliner Oberbürgermeisterpostens 
von seiner Person abzusehen, weil die vom Land 
tag angenommene Novelle zum Berliner Verfas 
sungsgesetz der Schwere der in der Neichshanpt- 
stadt zu lösenden Aufgaben nicht gerecht werde. 
Außerdem könne er in Anbetracht der entscheiden 
den Aufgaben, die er als Präsident des Deutschen 
Städtetages zu erfüllen habe, diesen Posten nicht 
verlassen. 
Aber auch Scholz, 
der soeben noch als Kandidat, und zwar der Deut 
schen Volkspartei, galt, hat Haare in der Suppe 
gefunden. Er teil mit, daß er nicht für die Wahl 
des Oberbürgermeisters zu kandidieren beabsichtige 
und demgemäß bitte, von der weiteren Erörterung 
seiner Kandidatur Abstand zu nehmen. 
Kleine Anfrage: 
And wie steht's mit den Kandidaturen der 
Zirkusdirektoren Sarassani und Gleich? Hält man 
dis unter Stand, weil aus der Atmosphäre der 
Manege kommend, oder ist man beklommen von 
jem Bild mit dem Zirkusdirektor uud der — na 
türlich nur für Manegegebrauch obligaten — 
Peitsche? Oder glaubten gar dio Zirkusgewalti 
gen verzichten zu sollen? 
Es ist bezeichnend, daß die Bewerbung um 
eine,: Posten, der seinerzeit als glänzend galt und 
beneidet wurde, so flau ist. Viele ziehen eben 
einen geruhigeren Wirkungskreis einem partei 
politischen Berliner Rathauswirrwarr vor. 
Die „Vossische Zeitung" wacht sich dar 
über lustig, daß morgens im „Vorwärts." die 
Kandidatur des Altouaer Oberbürgermei 
sters Brauer verkündet worden sei, im Aus 
schuß jedoch am gleichen Tag die Sozialde 
mokraten sich geweigert hätten, ohren Kandi 
daten zu nominieren mit der Begründung, 
das sparten sie sich bis zum Wahlakt in der 
Plenarversammlung auf. 
AaņenMkk 
Das mar mal wieder nach Geschmack und 
Würdegefühl eine neuzeitlich kollektivistische 
Verirrung — der Rummel mit Charlie 
Chaplin in Berlin. 
Und der Schmock gewisser Zeitungen, die 
hinter dem Scnsatiönchen und irgend einer 
läppisch-süßlichen Beweihräucherung her sind, 
hatte ein paar herrliche Tage: seit der An 
kunft Chaplins aus dem Bahnhof, über die 
Residenz des grotesken Filmhelden im Hotel 
Adlon, sein Tun und Lassen bei Tag und 
Nacht, bis zur Abreise nach Wien. 
Charlie als Filmkünstler, als „Darsteller 
des Mitleids" in Ehren, wenn seine Kunst 
auch manchem etwas einförmig erscheinen 
mag. Auch seine geschäftliche Tüchtigkeit in 
Ehren) denn er hat sich in den Rollen des 
armen Lumpazivagabundus einige Milliön 
chen ersilmt, und sein europäischer Triumph- 
zug gilt nebenbei der Reklame für seinen 
neuesten Film, der demnächst starten wird. 
Aber ist das Anlaß genug, sich die Hacken 
abzutreten, im Sprechchor vor Adlon aufzu 
ziehen, um nach Charlie zu brüllen, Schmock- 
Schlüssellochguckerei zu huldigen und sich zu 
betn«, wer weiß wie? 
Ganz abgesehen davon, daß Mister 
Chaplin vor Jahr und Tag auch einmal die 
Konjunktur deutschfeindlicher Filme ivahr- 
genommen hat und in einem solcher Filme 
aufgetreten ist. 
Die Hatz ist vorbei, und wir dürfen uns 
wieder mal ein wenig vor uns selbst schä 
men und daran denken, daß wir im Deutsch 
land der grausen Not so vieler wahrlich 
Grund hätten, uns einen 90prozentig über 
triebenen Filmgötzenkult zu schenken. 
Wenn das „Kollektivum" sich nur bewußt 
werden wollte, wie es eigentlich an der 
Strippe betriebskundiger Manager hampelt! 
Uebrigens soll Charlie eine Art Flucht 
aus Berlin angetreten haben, weil ihm die 
Geschichte zu strapaziös wurde. 
In Wien geht ein ähnlicher maßloser 
Kult vor sich. Ein Wiener Blatt hat u. a. 
ausgeknobelt, daß Charlie beim Nachmittags 
tee im Hotel lange Gespräche über die Natio 
nalökonomie geführt habe. Und beim Früh 
stück? Gewiß über frische Semmeln. Wo ist 
der Eckermann für Chaplin? # 
ZMķMàîe m Kämch. 
TU. Kattowitz, 20.' März. (Eiq. Funkmel 
dung.) Das Blatt der deutschen Sozialdemo 
kraten. „Der Volkswille", der anläßlich des 
10. Jahrestages der Abstimmung in mehre 
ren Artikeln diesen Gedenktag Oberschlesiens 
behandelt, wurde von der Polizeidirektion 
Kattowitz beschlagnahmt. 
Der Beschluß der Reichstagsfraktion der 
k. P. D., sich der Abstimmung über den Pan 
zerkreuzer B der Stimme zu enthalten, wird 
in Regierungskrcisen als voller Erfolg der 
Haltung des Kanzlers gewertet. Man nimmt 
an. daß infolge dieses Beschlusses eine Ent 
spannung der Lage eintreten und eine Krise 
vermieden werden wird. Den weiteren Ver-
	        
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