Full text: Newspaper volume (1931, Bd. 1)

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Landsszsllung 
6d)îeswig-Bo!fteinîfd}e 
124. Jahrgang. 
124. Jahrgang. 
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£me Zuschritt aus 'lîlecMadacĢ» 
Anschlchsrage und ReWressm 
laud her, in seiner bestimmenden «Stellung 
zur europäischen Politik geschwächt werden. 
Tie Einigung in Nom und Parts bedeutet 
für uns also eine Enttäuschung, besonders 
für die, welche nach den Vorgängen der letz 
ten Monate in Italien den schon rorhande- 
nen Mittelpunkt antifranzösischer Politik 
glaubten sehen zu dürfen. 
Das Ergebnis der Besprechungen 
in Rom und Paris. 
Kritische Bemerkungen zur preuWcheu 
Aufsaugungstendenz und zur Neķchspoļîtîk- 
AitS Mecklenburg erhalten wir eine 
Zuschrift, die wir als Beitrag zur Reichs- 
reformmaterie veröffentlichen. Sie gewinnt 
dadurch an Aktualität, datz söebeit der Staats- 
Minister von Mecklenburg-Strelitz, Reibnitz, 
bei Etatseinbringung in aller Form für mög 
lichst baldigen Anschluß des»LandeS. das nicht 
mehr lebensfähig sei, an Preußen eintrat» 
während zit gleicher Zeit Mecklenburg-Schwe 
rins 
Tagung in Berlin 
Ire deutschen Industriellen in Moskau. 
Die in Moskau eingetroffenen deutschen In 
dustriellen hatten ant Sonnabend Besprechungen 
mit dem deutschen Botschafter, insbesondere über 
den Plan der Studienreise. Die Sowjetpresse 
begrüßt das Eintreffen der Abordnung und be 
zeichnet es als sehr bedeutungsvoll für den Aus 
bau der deutsch-russischen Handelsbeziehungen. 
Ministerpräsident Eschenburg bei einer 
die Befürchtung äußerte, 
daß die Rcichsfinanzpolitik ein Land nach dem 
andern Preußen in die Arme treibe. Es 
scheint, daß der Monat März für die mecklcn- 
burg-strelitzsche Anschlußfrage von entscheiden 
der Bedeutung wird. 
Die an uns gerichtete Zuschrift lautet: 
Wie cs einen Begriff der kalten Soziali 
sierung gibt, so kann man auch von einer kal 
ten Reichsreform sprechen, d. h. einer Reichs 
reform auf indirektem Wege und fragwürdi 
gen Wertes. Gegen sie grundsätzliche Beden 
ken anzumelden, ist's an der Zeit, um so 
mehr, als neuerdings ein Ministerialdirigent 
im Reichsministerium des Innern, Tr. Kurt 
Häntzschel, ganz offen für diese lalte Reichs, 
reform eintritt. 
Tic Sachlage ist folgende: Es drohen 
wieder mehrere deutsche Kleinstaaten, haupt 
sächlich wegen ihrer Verschuldung, dem 
preußischen Aufsangungsbestrebeu zu erlie 
gen. Gegenwärtig ist es das '2930 Quadrat 
kilometer große Mecklenburg-Stre 
litz, das bei einem Debet von rund 15 Mil 
lionen Mark den letzten Kampf um den An 
schluß an Preußen kämpft. Tie Vertreter des 
Anschlnßgedankens ziehen im Lande umher 
und stellen die Angliederung an den in sei 
ner Art finanzstarken, großen preußischen 
Nachbarn als unabwendbares Schicksal hin. 
Preußen will der grüngelockten Braut als 
Morgengabc einen Revers über die Ueber 
nahme der Schulden kredenzen und erwartet 
in Gegenleistung das Vermächtnis eines 
Drittels bezw. eines Zehntels des reichen 
Besitzes an Forsten und Domänen. Auch will 
es nicht knauserig sein, falls cs zur Aufwer 
tung der Abfindung der großherzoglichen 
Familie kommt, und verspricht den Haupt 
städten des Landes, Neustrelitz und Neubran 
denburg, allerhand schöne Tinge. Die Haupt- 
befürworter des Anschlusses an Preußen 
wollen eigentümlicherweise die im Artikel 18 
der Reichsverfassung als souveränste Bekun- 
dungsform vorgesehene Volksabstimmung 
umgehen und versteifen sich auf die im glei 
chen Artikel vermerkte nur parlamentarische 
Erledigung. Nicht die bedeutenden program 
matischen staatspolitischen Fragen etwa des 
Unitarismus oder Föderalismus entscheiden 
nach ihrer Darlegung, demnach auch nicht 
stammesgeschichtliche Ueberlieferung mit ihrem 
Kulturinhalt, sondern lediglich der R e ch c n - 
st ist. Und denen, die sich aus politischen 
Ueberlegungen mit gefühlsmäßigem Ein 
schlag nicht einzig und allein dem Rccheusiist 
beugen wollen, halten sie entgegen. der Ent 
schluß zur Aufgabe staatlicher Selbständigkeit 
sei gewiß nicht leicht, doch sei keine andere 
Entscheidung möglich, wenn man das Land 
vor der Selbstvernichtung bewahren wolle. 
Es mag schön und gut sein mit den Strc 
litzer Schulden, oder vielmehr mit dem 
Wunsch, die Scbuldknechtschast los zu werden, 
aber die ganze Sacke fordert doch nack anderer 
Richtung zum Korreferat heraus. Eine 
innere Verkoppelung von Zeit- und Zu 
kunftsfragen erhebt die Angelegenheit min 
destens zum Problem, dem genstsienhaite Ab- 
leuchtung gebührt. Man darf nicht aus den 
Augen verlieren, daß die preußische Aufsau 
gung vvn Kleinstaaten, die heute für Strelitz 
auf der Tagesordnung steht und morgen 
vielleicht für Mecklenburg-Schwerin, im Zuge 
der Schaffung und Stärkung eines Gros- 
Bon dcutschnationaler Seite wird mitgeteilt: 
„Die Vertreter der Reichstagsfraktion der Natio 
nalsozialisten und Deut.chnationalrn hielten am 
Sonntag, dem 1. März, in Berlin eine gemein 
schaftliche Besprechung ab, an der auch die aus der 
Landvolkpartei ausgeschiedenen Abgeordneten 
teilnahmen. Die Beratungen ergaben die allge 
meine Uebereinstimmung in der Beurteilung der 
Lage im Poungparlameiit und volle Einmütigkeit 
hinsichtlich der zu ergreifenden weiteren politi 
schen Maßnahmen." 
Rcichspartei der 
nationalen Mitte 154 
Mittelstandslistc 6 200 
Deutschnationale 4 471 (4 999) 
Nationale Einheitsliste 7 924 
In den Klammern stehen zum Vergleich 
die Zahlen der letzten Ncichtagsmahl. 
Die Sitze in der neue» Braunschrvcrger 
Stadtverordnetenversammlung verteilen sich 
nach vorläufiger Errechnung wie folgt: 14 So 
zialdemokraten, 10 Nationalsozialisten, 4 Kom 
munisten, zusammen 7 Sitze der Mittelstands 
liste, der Deutschnationalen Bolkspartci und 
der Nationalen Einheitsliste. Das Stärkever- 
yältnis ist also 18 Linke zu 17 Bürgerlichen. 
In der letzten Stadtverordnetenversamm 
lung hatten Sozialdemokraten 19 Sitze, Kom 
munisten 1, Demokraten 1, Nationalsozialisten 
1, Volksrechtspartei 1 und die bürgerliche Ein 
heitsliste 12 Sitze. 
Bei der Wahl haben von 115 500 Wahlbe 
rechtigten 97124 das Wahlrecht ausgeübt. Das 
bedeutet eine Wahlbeteiligung von 84 v. H. 
Stadt Wolfenbüttel. 
In der Stadt Wolfenbüttel erhielten bei 
der Stadtverordnetenwahl die Sozialdemokra 
ten 2449 (gegenüber 2963 bei der letzten 
Reichstagswahl und 2844 bei der letzten Land 
tagswahl), Nationalsozialisten 3962 (3815 bzrp. 
3299), Kommunisten 1833 (1609 bzw. 1629), 
Bürgerliche Einheitsliste 2165 Stimmen. 
Im Kreise Brannschweig-Land 
erhielten bei der Kreistagswahl die Sozial 
demokraten 9624 Stimmen (gegenüber 11287 
bet der Reichstagswahl am 14. September), 
Nationalsozialisten 7230 Stimmen (9673), 
Kommunisten 1640 (1263), Nationalwirtschaft- 
liche Einheitsliste 6710 Stimmen. 
Fm Kreise Wolfenbüttcl 
entfielen auf die Sozialdemokraten 15 574 
(letzte Reichstagswayl 18 760) Stimmen, Nati 
onalsozialisten 16 021 (16 706), Kommunisten 
3590 (3244), Nationale Front der Deutschna 
tionalen Volkspartei 4040 (Deutschnationale 
2979), Nationalwirtschaftliche Arbeitsgemein 
schaft 5589 Stimmen. Mandate: Sozialdemo 
kraten 9 (11), Nationalsozialisten 9 (2), Kom 
munisten 2 (1). 
Am gestrigen Sonntag haben im Lande 
Braunschweig die als „politisches Stimmungs 
barometer" mit Interesse erwarteten kommu 
nalen Wahlen (Stadtverordneten- und Kreis 
tagswahlen) bei starker Beteiligung stattgefun 
den. Was schon oft zu verzeichnen war, trak 
auch hier zu: nach Wochen schärfster parteipoli 
tischer Agitation und damit verbundener Er 
regung der Gemüter verlief der Wahltag selbst 
ruhig. Man wählte und wartete auf das Er 
gebnis der Wahl. Sensationelle Ueberraschun- 
gen hat's nicht gegeben. Im großen und ganzen 
ist seit den Reichstagswahlen im letzten Sep 
tember ein Stillstand im politischen Kräfte 
verhältnis eingetreten. 
Das schließt gewisse Verschiebungen im 
einzelnen nicht ans, „nachträgliche Assimilatio 
nen" möchte man sagen, die sich in der Regel 
durch ein gewisses zahlenmäßiges Plus aut 
den beiden Flügeln auszudrücken pflegen: bei 
den Nationalsozialisten und den Kommuni 
sten. Das zeigt sich z. B. bei den Stadtverord- 
netenwahlen in der Stadt Braunschweig. 
Wahrscheinlich sind die rund 4000 Stimmen, 
welche die Sozialdemokraten seit der Reichs 
tagswahl abgenommen haben, hauptsächlich 
den Kommunisten zugefallen, die ihre Stim- 
menzahl um 3400 gesteigert haben, mährend die 
rund 1800 Stimmen, um die sich die National 
sozialisten verbessern konnten, der Staatspar 
tei und den Dcutschnationalcn abhanden ge 
kommen sein dürften. In den Kreisen scheinen 
bürgerliche Einheitslisten ziemlich gut abge 
schnitten zu haben, während die Sozialdemo 
kraten Einbußen erlitten. Die Nationalsoziali 
sten gingen in Brannschweig-Land um 2400 
Stimmen zurück. 
das GesMlerqebms. 
Im ganzen Freistaat Bramrschweig wur- 
den abgegeben 'für die Sozialdemokraten 
113114 (126 972), Nationalsozialisten 84 370 
(83 398), Kommunisten 26 231 121317), Bür 
gerliche Einheitsliste 62 900 (79 478) Stimmen 
Emzelergetzmsse. 
Stadt Braunschweig. 
Sozialdemokraten 37 672 (41621) 
Nationalsozialisten 27 040 (25252) 
Kommunisten 12 236 (8 828) 
Deutsche Staatspartei 142? (2 968) 
Daß der Ausgang der jetzigen Verhand 
lungen in Nom und Paris politisch von her 
vorragendster Bedeutung ist, dürfte zweifels- 
srei sein. Db Englands Bemühungen. Ita 
lien und Frankreich erneut anzunähern, nur 
iu einem Provisorium führen werden, d. h. 
tt 1fo nur zu einer Berschiebung eines ernste 
ren Konflikts, zu einem festeren romanischen 
«lock. läßt sich zur Zeit nur vermuten. In 
englischen Presse wird die Tuniss rage. 
^lso eine der wesentlichsten Tisferenzpunkte. 
àls noch ungelöst bezeichnet. Diese Tatsache 
läßt ahnen, daß es England nur gelvngen ist, 
,re Entscheidung über die Kolonial- und Mit- 
lrimeersragen hmansznschiàn. Für Ua-
	        
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