Full text: Newspaper volume (1931, Bd. 1)

0d)îeswîg-Boîfteînîfd)e LanSsszsîlung 
124. Jahrgang. 
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Fmlsg, den 2. Januar 
wichtigste , außenpolitische Aufgabe stellt, findet 
meine volle Billigung und Unterstützung. Tic 
Arbeitslosigkeit ist unsere größte Sorge. Zu ihr 
kommt noch die Not der Landwirtschaft. Den un 
freiwillig feiernden Händen wieder Beschäftigung 
zu schaffen und dem deutschen Landwirt seine 
Existenzmöglichkcit zu erhalten, wird auf dem Ge 
biet der inneren Politik unsere erste Aufgabe sei». 
Zur Vollendung der begonnenen finanziellen und 
wirtschaftlichen Maßnahmen wird es nicht nur der 
Rcichsregierung, sondern auch aller Führer der 
Wirtschaft und darüber hinaus aller staatsbewur 
ten Volksgenossen bedürfen. 
Vor einem Jahre habe ich an dieser Stelle der 
Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Geist der 
Einigkeit im deutschen Volke sich festige und zum 
Zusammenschluß aller schassenden Kräfte führen 
möge. Dieser Wunsch hat sich leider nicht erfüllt. 
Im Gegenteil will es scheinen, als ob die harte 
Sorge um das Einzelschicksal den Gedanken an 
das Gesamtschicksal Deutschlands und die. Zukunst 
unseres Vaterlandes zurückgedrängt und 
neue Gegensätze 
geschaffen hak. Verschiedenheit der Anschauungen 
und der persönlichen Interessen wird und muß 
sein. Aber es ist nicht nötig, daß diese Verschie 
denheit zu einem politischen Kampfe führt, der 
übernommene Verpflichtung auf Abrüstung durch die 
anderen Mächte nicht in die Wirklichkeit umgesetzt, und 
noch immer müsse sich 
Deutschland in seiner Sicherheit bedroht 
fühlen. Auch hier werde es Aufgabe der Reichsrcgie- 
vung fein, mit allem Nachdruck dafür einzutreten, daß 
der Grundsatz gleicher Sicherheit für alle Völker, ohne 
den eine wahre Befriedung unmöglich sei, sich durch- 
Die Not k>c§ deutschen Volkes nach innen 
und nach außen ist so hoch gestiegen, daß cs 
einfach unvermeidlich war, sie in den Anspra 
chen, die gestern bei den Neujahrsempfängen 
beim Reichspräsidenten von Hindenburg gehal 
ten wurden, vernehmlich und deutlich zu be 
rühren. Es ist wahrhaftig Grund genug vor 
handen, die besonderen Sorgen Deutschlands, 
die von der internationalen Politik so stark 
beeinflußt bezw. mitbewirkt sind, auf der im 
ersten Monat des neuen Jahres stattfinden 
den Völkerbundskonferenz einmal mit letzter 
Deutlichkeit zu behandeln unter Hervorhe 
bung, daß der letzte Termin zur Abstellung 
angebrochen ist. Insofern sind wohl bestimmte 
Hinweise in den Reden Groeners, der in Ab 
wesenheit des Kanzlers im Namen der Reichs- 
rcgierung gesprochen hat, und des Reichsprä 
sidenten als Auftakt zur Völkerbunds- 
t a g u n g zu werten. 
Während der Sprecher des diplomatischen 
Korps, der päpstliche Nuntius, die trübe i ll - 
t c r n a t i o n a le Lage unterstrich, fand der 
greise Reichspräsident neben Worten, die fürs 
Ausland bestimmt sind, namentlich das sich auf 
Versailles berufende, wieder den richtigen 
Ton, um die alle Nöte erst zum Höchstmaß 
treibende Selbstzerfleischung innerhalb des 
deutschen Volkes zu beschwören und von 
neuem aufzurufen zu gemeinsamem Handeln 
in den Dingen gemeinsamen Schicksals. 
Einzelheiten ergeben sich aus dem folgen 
den Bericht über die NenjahrScmpfänge. 
Grocner kam dann auf die Innenpolitik zu spre 
chen. Die Wiederbelebung unserer Wirtschaft sei die 
einzige Möglichkeit, die Arbeitslosigkeit einzudämmen. 
Der Rückblick auf das vergangene Jahr zeige die Größe 
der Aufgaben, die dem deutschen Volke noch bevorstän 
den, und die schweren Hindernisse, die noch vor dem 
Ziele lägen. 
Ser Aeichspräsiànî 
stellte in seiner Erwiderung fest. Saß von den 
Wünschen, mit denen er vor einem Jahre diesen 
Tag begrüßt habe, sich nur der eine erfüllt habe: 
dem besetzten Gebiet ist die lang ersehnte Befrei 
ung von fremder Besatzung wiedergegeben wor 
den. Er gedachte der Saardeutschen» die sich trotz 
ihrer staatsrechtlichen Trennung mit uns immer 
eins fühlten und ungebrochenen Mutes ans den 
Tag oer Rückkehr ins Vaterhaus wartereu. Auch 
ich halte, erklärte Hindenburg, es für die vor 
nehmste Aufgabe der Reichsrcgiernng, sich mit 
ganzer Kraft dafür einzusetzen, daß die sittlichen 
und sozialen Lebensgrundlagen des deutschen Vol 
kes nicht erschüttert werden. 
Mit ihnen bin ich ferner der Ansicht, daß die 
Durchführung der 
allgemeinen Abrüstung 
nicht nur ein Gebot internationaler Gerechtigkeit 
Deutschland gegenüber, sondern auch das sicherste 
Mittel zu einer wirklichen Befriedung der Welt 
ist und daher mit allen Kräften angestrebt werden 
muß. Daß die Reichsregierung sich auch weiter 
hin die Sorge für deutsches Volkstum im Aus 
land und für die Jnnehaltung internationaler 
Verträge zum Schutze deutscher Minderheiten als 
„Getrübtes Morgenrot des neuen Jahres". 
Empfänge beim Reichspräsidenten 
Berührung hochpolitischer Fragen, wie Tributreoision, Abrüstungs- 
Ungleichheit. Sicherheit Deutschlands und Schutz deutschen Volks 
tums im Ausland. — HmdsnSurg bedauert die u^uen Gegensätze 
im deutschen Volk und hebt abermals die Notwendigkeit des Zu 
sammengehens in den Dingen gemeinsamen Schicksals hervor. 
Am Neujahrstage, fanden beim Reichspräsidenten 
die üblichen Empfänge statt. Der Doyen des diplo 
matischen Korps, Nuntius Orscnigo, sagte bei Gelegen 
heit des Empfangs der Diplomaten u. a.: Die Mor 
genröte dieses neuen Jahres ist leider nicht ohne Trü 
bung. Die Not breitet überall ihren Trauerschleier 
aus. Es hat fast überall nicht an hochherzigen Ver 
suchen gefehlt, dieser gewaltigen Weltkrise abzuhelfen. 
Wir beobachten mit großer Genugtuung die Anstren 
gungen, mit denen Deutschland die Krise zu überwin 
den sich bemüht. Aber die Erfahrung bringt immer 
erneut den Beweis, daß ohne die volle und aufrichtige 
Eintracht der Nationen es unmöglich ist, eine wirkliche 
wirtschaftliche Miedergesunüung der Völker herbeizu 
führen. Möge die wirtschaftliche Not ein Antrieb wer 
den zu neuen ernstgemeinten Versuchen, um die Eini 
gung der Geister, die gegenseitige Verständigung unter 
den Nationen zu erreichen, die allein feste Gewähr 
bietet für eine gesicherte Freiheit und Ruhe in allen 
Ländern und für einen dauernden Frieden unter den 
Völkern. 
In seiner Erwiderung dankte der 
Neichspräsidciit 
/mächst für die dargebrachten Wünsche. Er führte 
dann u. a. aus: Mit besonderer Wucht treffen die 
Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise das deutsche 
Volk. Unsere Hoffnung aus eine dauernd wirksame 
Besserung der Lage ist auch von Umständen abhängig, 
über die wir nicht allein Herr sind. Mit steigender 
Spannung erwartet das deutsche Volk, daß die inter 
nationale Zusammenarbeit sich im kommenden Jahr 
als wirksam genug erweist, um das deutsche Volk vor 
weiteren schmerzlichen Enttäuschungen zu bewahren. 
Der Ausgleich der starken Interessengegensätze, die 
allenthalben das Schicksal der Völker bedrohen, kann 
nicht in Vereinzelung vollzogen werden. Zusammen 
fassung aller positiven Kräfte zur Beseitigung der Krise 
und zur Ueberwindung der Hindernisse für den Fort 
schritt der Menschheit ist die große Friedensaufgabe, 
an der Deutschland mitzuwirken entschlossen ist. 
Nach dem Enipfang der Diplomaten, bei dem es 
24tcf) an den obligaten gegenseitigen Glückwünschen 
nicht fehlte, «hpfing der Reichspräsident die Neichs- 
regierung. In Vertretung des beurlaubten Kanzlers 
begrüßte Rcichswehrminister Grocner den Reichspräsi 
denten imt einer Ansprache. Er wünschte zunächst dem 
Reichspräsidenten Gesundheit und Wohlergeüen im 
neuen Jahr. „Wir sind dem Geschick von ganzem Her 
zen dankbar," so sagte Grocner weiter, „in Ihnen ein 
Oberhaupt zu besitzen, auf das die ganze Welt mit 
Verehrung blickt und dem die Liebe des gesamten deut 
schen Volkes gill? Seit den Abmachungen über den 
Neuen Plan hat sich in der gesamten Weltwirtschafts 
lage eine so tiefgehende Wandlung vollzogen, daß die 
Rcichsregierung vor die 
ernste Frage 
NalmnalsszillW in ZlulWrl 
in Nenzchrsnnchl erfischen. 
T-U. Stuttgart, 2. Jan. (Eig. Funkm.) In 
der Nenjahrsnacht gegen 2 Uhr kam es zwischen 
Nationalsozialisten und Kommunisten, die in das 
Lokal der Nationalsozialisten eingedrungen waren, 
zu blutigen Schlägereien, bei denen ein National 
sozialist von einem Kommunisten durch einen Mes 
serstich in die Brust getötet wurde. Bei den Schlä 
gereien wurden nach polizeilichen Feststellungen 
drei Kommunisten und acht Nationalsozialisten 
verletzt. 
Neue Unruhen in MmW. 
T-1l. London, 2. Jan. (Eig. FunkmJ In 
Bombay kam es in der Stacht zum Donnerstag zu 
schweren Unruhen. 175 Personen wurden verletzt. 
Auch aus dem Ausland fehlt es nicht an 
politischen Neujahrskundgebungen, die die 
gespannte internationale Lage ersichtlich ma 
chen. Was die europäischen Verhältnisse an 
geht, so beruht diese Spannung nicht zuletzt 
ans dem Gegensatz zwischen Italien und 
Frankreich. Mussolini hat zwar in einer 
Rundfunkrede am Ncnjahrstage, die nament 
lich anAmerika wegen dessenEinflusses auf die 
Nachkriegskrise gerichtet war, Italiens Frie 
densliebe und Friedensbedürfnis unterstri 
chen, wobei er auf die unausdenkbaren 
Schrecken eines künftigen Krieges hinwies. 
In der Unterredung mit einem englischen 
Journalisten aber sprach er von der militäri 
schen Vorherrschaft der europäischen Staaten 
gruppe unter Führung Frankreichs, die den 
ganzen europäischen Kontinent fortgesetzt in 
Gärung halte. Auch sprach er tvieder von der 
Revision der Verträge und territorialen Un 
gerechtigkeiten, die verschwinden müßten. 
Bemerkenswert ist, daß er in diesem Zusam 
menhang eine Lanze besonders für Ungarn 
brach, das sich bekanntlich in seiner Außen 
politik Italien angenähert hat. 
Das Pariser Gcneralstabsblatt von heute 
morgen, das „Echo de Paris", verlangt den 
friedlichen Worten gegenüber auch entspre 
chende Handlungen der faschistischen Regie 
rung Italiens und behauptet, Italien habe 
seit dem Kriege um 33 Prozent aufgerüstet, 
lvährend Frankreich um mindestens 60 Pro 
zent abgerüstet habe. So tritt man mit der 
Bezichtigung des anderen auch in das neue 
Jahr ein. 
Wie sich ans einer heutigen Londoner 
Funkmeldung ergibt, ist man sich in England 
im klaren über die Gefahren für Europa. 
„Daily Herald" schreibt, Europa gehe der ge 
fährlichsten Lage seit den Kriegsjahren entge 
gen. England müsse eisern entschlossen sein, 
sich nicht in einen neuen Krieg hineinziehen zu 
lassen. Die „Times" sprechen von der Ner 
vosität und dem Fatalismus, die auf dem 
Kontinent herrschten. Solche englische Be 
trachtungsweise dürfte schwerer wiegen als 
allgemein gehaltene Friedensbetonungen, wie 
sie sich in Neujahrsworten des französischen 
Staatspräsidenten Doumergne und des pol 
nischen Außenministers Zalcski finden, welch 
letzterer erklärte, daß auch int neuen Jahre 
die polnische Außenpolitik die gleiche bleibe. 
Kampf mil amerikanischen Truppen 
in Maragna. 
8 Amerikaner getötet. 
TU. N e u w y o r k, 2. Januar. (Eig. Funkm.) 
Wie aus Managua in Nikaragua gemeldet wird, ist 
es zu einem großen Gefecht zwischen, amerikanischen 
Marinesoldaten und nikaraguanischen Freiheits 
kämpfern bei Ocotal am Fluß Coco, nahe der Grenze 
von Honduras, gekommen. 8 Marinesoldaten, dar 
unter 1 Sergeant, wurden getötet und 2 schwer ver 
letzt. Die Nikaraguaner verloren 11 Tote. Der 
Angriff auf die Marincabteilung, die gerade eine 
Fernsprechleitung wieder instandsetzte, kam völlig 
überraschend, obwohl seit Monaten ein Kleinkrieg 
geführt wird. Das Gefecht dauerte über zwei Stun 
den. Die verwundeten Marinesoldaten wurden mit 
Flugzeugen nach Managua gebracht. Man nimmt 
an, daß General Sandino wieder in Nikaragua ein 
getroffen ist und Miguel Ortez mit der Durchfüh 
rung des Angriffs betraut hat. 
das deutsche Volk zerreißt und in der Zeit der 
Not und Gefahr zu einem einheitlichen Willen 
unfähig macht. In Wirklichkeit ist bei nüchterner 
Betrachtung das Gegensätzliche und das Trennende 
gar nicht von solcher Bedeutung, daß cs ein Zu 
sammengehen in den Lebensfragen unseres Va 
terlandes, in den Dingen, die unser aller gemein 
sames Schicksal bestimmen, verhindern sollte. Wir 
müssen uns nur mehr ans uns selbst besinnen. 
Wir müssen endlich auö dem Widerstreit der eige 
nen Interessen den Ausweg finden. AnS dem 
eigensinnigen Streit um politische Programme 
und um selbstische Vorteile müssen wir uns em 
porheben zu gemeinsamer praktischer Arbeit fitr 
das Gesamtvolk. Ein Volk, dem so reiche Kräfte 
ausdauernder Arbeit und erfinderischen Geistes 
gegeben sind, bat ein Recht zum Selbstvertrauen 
und zur Zuversicht auf seine Zukunft. Trotz allem 
Gegensätzlichen wirken bei ilnS starke und inner 
lich verbundene Kräfte, die uns Gesundung und 
Aufstieg verheißen. Möge das neue Jahr dein 
deutschen Volke Selbstvertrauen und die Kraft 
zu gemeinsamem Wollen bringen! Dann tverücn 
wir auch die große Not bald überwinden! 
Die weiteren Empfange. 
Gegen 1 Uhr empfing der Reichspräsident den 
Neichstagspräsidenten Lobe. Es folgten eine Abord 
nung des Reichsrates, für die Wehrmacht Reichs- 
mehrminister Groener, General der Infanterie Hasse 
für den beurlaubten Chef der Heeresleitung sowie 
der Chef der Marineleituug Admiral Raedcr. Fer 
ner überbrachten Glückwünsche für die Hauptver 
waltung der NeichsbahngeseUschaft u. «. General.
	        
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