Full text: Newspaper volume (1931, Bd. 1)

LanSsszEltung 
6d)leswi9-Bolfteinifd)e 
124. Jahrgang. 
124. Jahrgang. 
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derartiger Bestimmungen also nicht anerkannt werden 
Mnîaa. hm 18, Mruar 
Stelle steht hier die Posener Wojewodschaft mit 
24 000 Hekt.: dann folgt Pommerellen mit 22 Hekt 
Die Durchführung des Parzellierungsplanes wird 
dem Agrarreformminister übertragen. Die Namen 
liste der Enteigneten dürfte in den nächsten Tagen 
erscheinen. 
Zarnow mil! dm WchrhàLàs 
Gïìlukn. 
Sonnabend gab die 18 Zivilkammer beim Land 
gericht 1 Berlin unter Vorsitz des Landgerichts- 
direktors Dr. Herzog einem Antrag des sozialdemo 
kratischen Landtagsabgeordneten Kuttner auf Erlaß 
einer einstweiligen Verfügung gegen den Verlag 
I. M. Lehmann-München wegen Streichung von 
acht ihn beleidigenden Stellen in dem Buch von 
Gottfried Farnow, „Gefeiielte Justiz", statt. Dem 
Verlag wurde bei einer Strafe von 500 Mark für 
jeden Fall verboten, die acht inkriminierten Stel 
len weiter zu verbreiten. Am kommenden Sonn 
abend hat sich die Kammer nun nochmals mit dem 
Fall zu beschäftigen, da Farnow (Moritz) den Wahr 
heitsbeweis für die inkriminierten Stellen erbrin 
gen will. 
Beelitz' Brief an Hitler. 
In der Angelegenheit des von dem Korvetten 
kapitän a. D. Beelitz an Hitler gerichteten Briefes 
ist man auch in Kreisen der Reichsregierung der 
Ansicht, daß dieser Brief, der an sich korrekt sei, 
keinerlei Handhabe zu einem vorzeitigen Aus 
scheiden des Korvettenkapitäns Beelitz aus dem 
Reichswehrmtnisterium biete. Es sei abwegig, le 
diglich auf Erund des Briefes von dem Vorhan- 
densein von Beziehungen der N. S. D. A. P. zum 
erster l Reichswehrministerium zu reden. 
Rücktritt des Kabinetts Verenguer. 
Don Ernst Schröder. 
In dielen Wochen ist der zweite Band der Er 
innerungen H. P. Hannens erschienen.*) Der erste 
Band behandelte Kindheit. Jugend, Anfänge der 
politischen Laufbahn des Mannes, der für di« dä 
nischen Nordschleswiger, ihre Hoffnungen, Ziele und 
auch ihren Erfolg ganz entscheidend gearbeitet lzat. 
Es wäre natürlich wenn ein Politiker wie Hanssen 
jetzt am Lebensabend mit jener behaglichen Ruhe 
und Breite lein Leben und Wirken überdächte, wie 
es bei solchen Menschen der Fall ist, deren 
Werk geschlossen, klar und mnerlich sauber vor der 
Mit- und Nachwelt ausgebreitet daliegt; denn H. P. 
Haussen hat in einer beispiellos aufgewühlten Zeit 
ganz entscheidend auf das Schicksal des Grenzlandes 
Nordschleswig eingewirkt, von frühester Jugend an 
bis in lein hohes Alter, teils vom Glück begünstigt 
lwobei zweifellos neben der Gunst der Zeit der 
deutsch-preußische Gegner die Lage unterstützte), 
teils, in wüsten Stürmen und im harten Kampf 
lwobei sich die Zähigkeit des Nordichleswigers H. P. 
Hanssen, einer starken Führernatur voll innerer 
Wärme und kühler Berechnung, bewährte). 
Dennoch zittert in den Erinnerungen eine ge 
wisse Nervosität mit, ein Versteckspielen mit aller 
hand Kleinigkeiten, eine Verhaltenheit, die H. P. 
Hanssen Zeit seines Lebens eigen war, eine Vor 
sicht, auch eine wohlbewußte Flüchtigkeit, die das 
Buch nach verschiedenen Seiten hin für uns inter 
essant macht. Dem Buch fehlt, scheint mir. jene 
satte, völlig ruhige Betrachtungsweise eines reifen 
Mannes, der über der Sache steht und nun tiefe 
menschliche Größe zeigen soll. Deshalb ist es,im 
Sinne von heutigen und früheren Memoirenşchrei- 
bern nicht überragend, nicht übertrieben welter 
fahren und historisch bedeutend (was H. P. Hanssen 
möchte; denn er hat in einem Radiointerview davon 
gesprochen, daß sein Buch ein Quellenwerk für die 
historische Forschung darstellen toll). Freilich ist 
das Schleswig-Problem im europäischen Geschehen 
winzig; und erst wenn man die D'nge auf die letzten 
Endes engen Verhältnisse in Dänemark anwendet, 
-stndet man den rechten Maßstab. 
Zunächst erzählt H. P. Haussen aus seiner 
Sonderburger Zeit, Nebensächlichkeiten, die charak 
teristisch sein sollen, aber wegen der deutlich auf 
getragenen Tendenz au Wert verlieren; es folgt der 
Bericht über die Entstehung u Gründung des däni 
schen Wählervereins im Jahre 1888, eine in mancher 
Beziehung interessante Aktion, über die wir aber 
'chon eingehend unterrichtet waren; neu sind kleine 
Züge. Gleich bekam der Verein Arbeit: das Schul- 
reşkript vom 18. Dezember 1888 mußte bekämpft 
werden; insbesondere die Anweisung, auch außer 
halb der Schulen sich der deutschen Sprache zu be 
dienen; infolgedessen wurde an manchen Orten das 
Dänischsprechen auf den Schulhöfen verboten. Die 
dänischen Protesteingaben verzeichneten 9983 Un 
terschriften (nach Hannen). Die folgende Zeit war 
angefüllt m't dem Kampf für dänische Sprache nt 
Schule und Kirche. H. P. Han'sen erzählt breit über 
die Geldgobe. die er vom Hochschulvorsteher Ludwig 
Schröder >m Jahre 1889 erhielt, die aber von Björn- 
stjerne Björnson stammte und für eine Studienreise 
nach Norwegen bestimmt war Daß die Reist zu Pro- 
paaondazwecken für Nordschleswig, ideell und mate 
riell. benutzt wurde, darf nicht Verwunderung er 
regen. Ausführlich geht H. P Haussen ein auf 
ie!n Studium des Vereins- und Dersammlungsrech- 
tes. um für die dänisch-nordschleswiosche Sache in 
Zukunft mit allen Mitteln zu kämpfen. Es folgt 
ste Gründungsgeschichte des dänischen Schulvereins, 
Nn- Fortzug aus Sonderburg und der Beginn der 
Tätigkeit in Apenrade. Neben dem Gang diestr 
Dinge läuft viel anekdotisches Rankwerk. das stir 
d>e damaligen St'mmunaen charakteristisch kein 
dürfte. So liest man auch wst damals ganz plan 
mäßig biographische Darstellungen nordschleswig- 
scher Dänen verfaßt wurden, um das Traditions- 
aefübl der dänischen Bewegung zu wecken. Die 
Verbindungen mit den Vereinen zur Stütze des Dä- 
aentums in Nordschleswig nördlich der Königsau 
werden aufgenommen; die statistische Erfassung des 
Landes und der Vevöstemina. der Besitzverhältniffe 
— eine starke Seite H. P. Hanstens. detstn Blatt 
..Hstmdal" in statistischen Dingen schon manchen 
'eltstm-n Bemeig ņi erlm'vaen versucht hot — wird 
m dst Ņeae geleitet. H. B. Claustns, des Vaters der 
heutigen Grenze. Verdienste werden gebührend ge- 
*1 ..Et Tilbnäik 71". GyIdendŞê Doghandêl — Nor. 
dikk Forllio. Kopenhageir. 
Das spanische Kabinett Verenget ist zurückge 
treten. Dadurch erfahren die Vorbereitungen zu 
den Parlamentswahlen eins jähe Unterbrechung 
und die Verfassungskämpfe erneut eine Verschär 
fung. Vielleicht sind die Hintergründe des Re 
gierungsrücktritts darauf berechnet, die Wahlen 
zu den Cortes, dem Parlament, auf unbestimmte 
Zeit hinauszuschieben. Jedenfalls erwarten die 
Monarchistischen Gewalthaber von einem neu ein 
zuberufenden Landesparlament keine Stärkung 
des monarchischen Gedankens, während umgekehrt 
die republikanisch Gesinnten große Hoffnungen auf 
die Cortes fetzen. König Alfons XIII. machte durch 
Dekret die Einberufungen zum Landtag rückgän 
gig. In den Nachrichten über Spanien, die zum 
Teil aus Madrid stammen, zum Teil aus Paris, 
ist die Rede von der wahrscheinlichen Bildung 
eines sogen, nationalen Konzentrationskabinelts, 
über das der König mit einer Reihe politischer 
Führer verhandelt. Es ist nicht anzunehmen, daß 
eine derartige Regierung die verfassungsmäßigen 
Cortes einberuft. Vielmehr vermutet man, daß 
die Regierung zunächst Eemeindewahlsn und dann 
Provinzialwahlen arrangiert, um für die Mo 
narchie Zeit zu gewinnen. Voraussichtlich wird 
die republikanische Gegenseite derartige diktakori- 
gendö Entschließung gefaßt: „Die Reichstagung 
der Konservativen, die 150 Vertreter aus dem 
Reich vereinte, beschließt. einstimmig, das vom 
Stahlhelm in Preußen eingebrachte Volksbegehren 
zu unterstützen. Sie geht davon aus, daß damit 
nicht der Ersatz einer herrschenden Parteikoalition 
durch eine andere, sondern der Umbau von Preu 
ßen und Reich in eine Reform an Haupt und 
Gliedern eingeleitet werden fall." 
Der Führer der belgischen Sozialisten, Mini 
sterpräsident a. D. Vandervelde, veröffentlicht ei 
nen Artikel, in dem er sich gegen die Angriffe ver 
teidigt, die von den flämischen Nationalisten gegen 
ihn wegen der Unterzeichnung des Derfailler Ver 
trages gerichtet wurden. In diesem Artikel erklärt 
Vandervelde, daß sich die belgischen Sozialisten 
niemals dazu verstehen würden, eine Politik für 
vernünftig zu erklären, die dem deutschen Volk die 
alleinige Verantwortung am Kriege auferlegt 
habe, der ferner dem deutschen Volke astronomische 
Zahlen für Reparationszahlungen zumute, die 
Polen in unberechtigter Weife vergrößert habe, die 
für das Saargebiet bis zum Jahre 1935 ein Son 
derregime eingeführt habe, und die schließlich un 
ter Mißachtung der garantierten Abstimmung in 
Eupen und Malmedy Belgien nicht nur Malmedp 
und die preußische Wallonie, sondern auch die rein 
deutschen Gebiete Eupen und St. Vith zugeschla 
gen habe. 
Für das vom Stahlhelm eingebrachte Volks 
begehren „Landtagsaistlöfuiig" haben bisher außer 
den in unmittelbarer Verbindung mit dem Stahl 
helm stehenden Frauenverbänden, und zwar dem 
Bund Königin Luise, den Stahlhelm-Frauen- 
Vünden und dem Deutschen Frauendienst, ihre 
Mitwirkung erklärt: Vereinigte vaterländische 
Verbände Deutschlands. Reichslandbund. Deutsch 
völkisch? Freiheitsbewegung, NSDAP, in Preußen. 
D.N B.P.. Deutsches Landvolk. Wirtschaftspartei, 
Deutsche Volkspartei. Alldeutscher Verband Ber 
einigte vaterl. Verbände Bayerns und Sachsens, 
Deutscher Offizierbund, Nationaler deuMjer Offi 
zierverband Nordmark. Deutscher Ostmanenverein, 
Arbeitsoemeinschaft für vaterländische Aufklärung 
Preußenbund. Hauvtverein der Konservativen und 
der deutschen Notgemeinschaft der schaffenden 
Stände. Bund deutsche Tat. Deutsche Adelsgenoi- 
senfchaft. Bund für deutsche Lebenserneuerung. 
Nationalverein deutscher Frauen, Deutscher 
Frauenkampfbund. Renhsvereinigung deutscher 
Hausfrauen. Reichslandarbeiterbund, Arbeitsaus 
schuß deutschnationaler Jndustrîeller, Reichsbund 
deutscher A"aestelltenbêruşsverbände, Bund kür 
Ra 'onalwirrschait und Werkgemeinschaft, Ver 
band nationaler Arbeitnehmer Deutschlands. Ar- 
beitnebmervereiniguna im mitteldeutschen Berg 
bau. Reicksbund d-ustchnastonaler Rechtsanwälte 
und Notare. Kyffhäuferverband der Vereine deut 
scher Studenten. 
Die in Berlin stattaefundene Vertreterver 
sammlung der Konservativen Volkspartei hat fol- 
Jn einer Rede in Frankfurt a. d Oder be 
tonte Dingeldey. der Fllljrer der Deutschen Volks- 
partei. daß wir an einer Ueberspitiung des Parla 
mentarismus krankten Der Nationalsozialismus 
fei eine wertvolle Bewegung nur habe er bisher 
leider den klebergang zur Verantwortung noch 
nicht gefunden. Durch den Ausnig der Opposition 
aus dem Reichstag fei sic Lage der Deutschen 
Bolksvartei unendlich schwer geworden. Die 
preußische Regierung babe in drei Bestehungen 
versagt: 1. in ihrer Personalpolitik. 2. in der 
Handhabung der Polizei, die mit den Reinlichsten 
Schikanen arbeite, und 3 babe sie jede Füblung 
mit der Jugend verloren Die preußische Renie- 
runq habe eine unendliche Verwüstung in den 
Seelen der Jugend angerichtet und iei^mit furcht 
barer Verblendung vorgegangen. Darum mache 
die Volkspartei das Volksb-gehren des Stahlhelms 
mit. 
Außenpolitisch erklärte Dinaeldey. in Frank 
reich sei seit zwei Jahren ein schwerer Rückschlag 
erfolgt, es habe sich von dem Gedanken von Lo 
carno weit entfernt und bediene sich wieder der 
alten Melden. um sich die Vorh-rrfchgst in Eu 
ropa zu sichern. Das habe in Deust-istand zu 
furchtbaren Svannnngen aekührt stalls sich diese 
einmal entladen Gllten würden sie sigum vor den 
Grenzen haltmachen. Die Gekabr einer <B on<*« , s 
wisieruna Europas stände dann vor der Tür Ein 
einiges Europa sei nur möglich, wenn die Bahn 
des Versailler Friedensvertraaes verlassen werde. 
Schachls buch über bk Myaraà. 
Dr. Schachts neues Buch „Das Ende der Re 
parationen" erscheint Anfang März >m Verlag 
Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. In dem Buch 
-childert Schacht den Kampf um die Reparationen 
und erklärt, was Sinn und Ziel des Dawesplanes 
wie des Doungplanes war und ist. daß nämlich 
Deutschland Reparationen nur aufbringen kann und 
soll aus einem Exportüberschuß über seine normale 
Zahlungsbilanz hinaus. Die ungeheure Bedeutung 
der Aufbringung als eines sozialen Problems wird 
gleichzeitig neben die wirtschaftliche Schwierigkeit 
der Uebertragung der Zahlungen an das Ausland 
gestellt. Die wirtschaftliche Westreführung des 
Problems muß nach Schacht ganz von selbst zu einer 
Lötung führen, die sich dem deutschen Wirtschafts 
leben organisch anpasse, ein Rückfall in das Fahr 
wasser politischer Gewalt bedeute das Ende der Re 
parationen. 
Me Trsmramîs'. 
Treviranus erklärte bei einer Kundgebung 
der Konservativen Volkspartei im Sitzungssaal 
des Reichswirtfchaftsrats, daß die nationale Op 
position nichts getan habe, um eine unabhängige 
Regierungsführung abseits von parlamentarischen
	        
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