Full text: Newspaper volume (1894, Bd. 1)

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Erscheint täglich. --Z- 
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lhr. 
iand. 
Bezugspreis: 
Vierteljährlich 2 Ji.—, frei ins Haus qeliesert 
2 Ji 15 Ķ 
für Auswärtige, durch die Post bezogen 
2 Ji 25 §, 
incl. Postprovision re., jedoch ohne Bestellgeld. 
Morgen-Depeschen. 
Fehmarn, 31. Jan. In Peters dor 
sind heute morgen 12 Häuser abgebrannt 
Das Feuer ist in der Lange'schen Scheune 
entstanden. Man vermuthet Brandstiftung. 
Prag, 1. Febr. Die alte Produkten 
firma Gebrüder Herrmann sowie die Perb 
mutter - Knopffabrik Gebrüder Herrmann 
und Fleischl, beide in Pilgram, stellten ihre 
Zahlungen ein, die letztere in Folge der 
Krisis in der Perlinutterbranche. Die 
Firmen bieten ihren Gläubigern 30 pCt 
Im Zusammenhang mit diesen Insolvenzen 
fallirte auch die Krystall-Sodafabrik Heinrich 
Fleischl in Prag. 
London, 1. Febr Nach einer in Liverpool 
eingetroffenen Meldung ist der Aufstand 
in Kamerun darauf zurückzuführen, daß 
der deutsche Unter < Gouverneur etwa 20 
Weiber dahomeyanischer Soldaten auf 
grausame Weise peitschen ließ, worüber 
unter den Truppen eine allgemeine Empörung 
entstand. Ueber hundert Soldaten drangen 
in das Gouvernementsgebäude ein und 
erschossen den Richter, welchen sie für den 
Unter-Gouverneur hielten. 
Petersburg, 1. Febr. Das Befinden 
des Zaren hat sich wesentlich gebessert, und 
ist jede Lebensgefahr, die überhaupt kaum 
vorhanden war, jetzt als ausgeschlossen zu 
betrachten. 
Petersburg, 1. Febr. Die Verleihung 
der Ordensdekorationen, welche gleichzeitig 
an den General von Werder und Herrn 
von Giers stattfand, wird in hiesigen 
diplomatischen Kreisen als der Ausdruck 
wesentlich gebesserter deutsch-russischer Be 
ziehungen betrachtet. Aus demselben Grunde 
nimmt man auch an, daß an eine etwaige 
Abberufung des Grafen Werder nicht zu 
denken sei. 
Belgrad, 1. Febr. Durch die Ver- 
Mittelung des Metropoliten Michael ist 
eine Aussöhnung zwischen Milan und 
Ristic perfekt geworden. Es wird dies 
als ein sicheres Zeichen dafür betrachtet 
daß bald ein rein liberales Ministerium 
an das Ruder komme. 
Rom, 1. Febr. Der Papst hat dem 
Nuntius Jacobini in Lissabon, sowie den 
Ubitore Fausti bas Karbinalbillet übersanbt 
Paris, 1. Febr. Die Akten der Gnaden- 
kommission, den Prozeß Vaillant betreffend, 
werden heute erst dem Präsidenten Carnot 
eingereicht werden. Es ist deshalb die 
Entscheidung Carnots bald bevorstehend, 
^er Vertheidiger Vaillants übersandte 
gestern dem Präsidenten Carnot ein Exem- 
Äŗlià und gelegenste« Klntt im Kreise Rendsburg. 
Anzeigen für die Tagesnmnmer werden bis 12 Uhr Mittags erbeten. 
87ster Jahrgang. 
Donnrr-Nag. den i. Irbruar 
Bei Betriebsstörungen 
irgend welcher Art ist die regelmäßige Lieferung 
dieses Blattes vorbehalten. 
Als Beilagen 
werden dem Blatt „Der Landwirth" sowie das 
Blatt „Mode u. Heim" gratis bcigegeben. 
3000 Abonnenten. 
plar seiner gedruckten Vertheidigungsrede 
und suchte gleichzeitig eine Audienz nach, 
die ihm auch gestattet werden dürste. 
Vaillant hat sein Testament gemacht, dessen 
erster Theil sich mit seiner Tochter, und 
dessen zweiter Theil sich nur mit Politik 
beschäftigt. 
Madrid, 1. Febr. In Gilcna unweit 
Malaga wurde gestern das Ehepaar Pazo 
von Briganten überfallen und ermordet. 
Das Räuberunwesen Ivächst in der Gegend 
von Cadix ebenfalls auf schreckliche Art: 
so wurden neuerdings mehrere Grundbesitzer 
durch Banditen vollständig ausgeplündert 
und mitgeschleppt. In der Hauptsache sind 
die Briganten beschäftigungslose Arbeiter. 
Dentjcher Reichstag. 
39. Sitzung. 
m Berlin, 31. Jan. 
Die erste Berathung des Gesetzentwurfs betr. 
wird"fortgesetzt ^^"»ng des Reichsfinanzwesens 
Abg. Dr von Frege (tons): Er wolle vom 
»Ztm 
h°be vor Weihnachten durchaus Recht gehabt à 
er vors chlagen, das Gesetz vor den einzelnen 
Steuerentwur en zu berathen. Mit Annahme 
dieses Vorschlages ware der Bevölkerung viel 
Beunruhigung erspart worden. Den Redner ver 
anlasse ganz besonders, das Wort zu ergreifen 
der politische Gesichtspunkt, dem er vor der finanz 
technischen Seite weitaus den Vorzug gebe denn 
es se, doch zweifellos ein hochpolitisches Ereianiß, 
das; ein derartiger Finanzreformplan, der für 
wenigstens fünf Jahre die Schwankungen beseiti 
gen solle, aus der e nmüthigen Initiative der 
Regierungen hervorgegangen sei und dem Hause 
hatte vorgelegt iverden können. Wen» seine Par 
tei in der letzten Zeit nicht immer auf der Seite 
der Regierung habe stehen können, so begrüße 
ie es ,m vorliegenden Fall um so freudiger, daß 
" lĢ voll und ganz auf Seite der Regierung 
sich befinde. (Beifall rechts ) Er könne in diesem 
Gesetz keine Abweichung von der Franckenstein'schen 
Klausel erblicken, xm Gegentheil, es zeige den 
Weg, den Grundgedanken dieser Klausel für die 
Dauer aufrecht zu erhalten. (Beifall rechts., 
Oie Abgg. Windthorst und Frhr. zu Francken- 
stein hatten ohne Zweifel einen anderen Stand- 
Punkt zu dem Entwurf eingenommen. (Wider- 
sprach iin . Centrum.) Gerade der geschäftliche 
und landwirthschaftliche Niedergang der jetzigcn 
Zeit dränge dahin, endlich Ordnung in den Fi 
nanzen der Einzelstaaten zu schaffen. Bon einer 
lleberlastung mit indirekten Steuern könne man 
nach seiner Ansicht nicht sprechen. Dagegen falle 
der Schwerpunkt der Belastung durch die Ein 
kommensteuer stets auf die mittleren Klassen. 
Dle,e Erfahrung habe man in Sachsen schon 
lange gemacht. Jede Anspannung der direkten 
Steuern r» den Emzelstaater. müsse also zu einer 
Belastung der mittleren Klassen führen. Wenn 
bsf Ņà'hrhelt des Reichstages diesen Finanzreform- 
plan ablehne, so werde die ernste Frage entstehen 
ob nicht die Entlastung der untersten Klasse!, von 
direkten Steuern wieder rückgängig gemacht wer- 
den muffe. Die jetzigen Schwankungen in der 
H°J> e bcr Mattikularbe,träge müßten' zu äußerst 
bedenklicher Verwirrung in den Budgets der 
Einzelstaaten fuhren. Was das Verhältniß der 
direkten unb der. indirekten Steuern betreffe, so 
gebe es noch eine ganze Reihe von indirekten 
Steuern die nicht die untersten Klassen belasten, 
wie die Zestungssteuer, Monopol von Sprengstoffen 
und Rohspintusmonopol. In der Rubrik der 
Luxussteuern gehöre die Tabakfabrikatsteuer und 
man verstehe im Volke nicht, daß die theure Im 
porte,garre des Kommerzienraths nur dieselbe 
Steuer zahlen folle, wie die Pfeife und Cigarre 
des armen Mannes. Benutze man doch die 
?Lŗsensteuer. zu einer wirksamen Heranziehung 
des Großkapitals; den Vorwurf könne Redner 
den verbündeten Regierungen nicht erspar«,, daß 
er f e V Nicht gleich im Sommer die 
Z"7ur Sprache gebracht zu haben, 
sollte dei Reichstag auch jetzt wieder rathlos 
ausemandergehen, so werde nichts anderes übrig 
bleiben, als in Friedrichsruh Rath ru 
holen. (Beifall und Unruhe!) 9 ’ 3 
Schatzsekretär v. Posadowsky: Auch Fürst 
Ņ'Şarck habe 1870 gesagt, daß die Regierung 
nach der Verminderung der Matrikularbeiträqe 
womöglich nach ihrer vollständigen Abschaffung 
wen KlaMetE^L" 9 ...^ L°nckenstem 
29 
Magetone. 
Roman von B. von der Lancken. 
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Eba»l 
Es warm furchtbare Stunden, welche die 
Zurückgebliebenen durchlebten. 
Helene von Belten bekam Ncrvenzufäüe, 
lag in ihrem Zimmer, rang die Hände und 
schluchzte; Magelonc irrte ruhelos durch die 
odeii Prachtsäle und flüchtete aus jeder mensch 
lichen Nahe Xenia m ihrem tiefen Schmerz, 
aber ihrem doch „.ehr ruhigen Gemüthe war 
rief s„ 
,,O Lüttwitz, Lüttwitz — warum mußt, 
das fein? - Wer lebt?" “ m '"Ş 
Ähr Athem stockte. 
„Gott fei gelobt — Beide, Gräfin." 
„Allmächtiger — ich danke Dir. ' Aber 
sprechen Sie weiter, lieber Graf, Ihr Aus! 
sehen verkündet trotzdem Schlimmes; ist einer 
schwer verwundet?" 
"Äa — Herr von Belten." 
„Rolf," kam es wie ein Hauch über ihre 
kippen; sie wankte, der Graf stützte sie, „und 
mein Bruder?" 
,,©ï erhielt einen Schuß in den Oberarm, 
ncht bedenklich. Der Prinz befindet sich £>c= 
l etts in seinem Zimmer." 
„Führen Sie mich zu ihm." 
Alexander, von Schwäche übermannt, war 
l' 1 ?' nachdem ihn der Kammerdiener ent- 
ê' " und ins Bett gebracht hatte, in tiefen 
g-sunkcii. - Die Gräfin traf nun, 
Voi-k ^ättwltz unterstützt, die nöthigen 
Ehrungen zu Rolfs Aufnahme. 
großes, helles Zimmer im Erdgeschoß, 
nach dem Park hinaus gelegen, wurde für 
ihn hergerichtet und man war eben damit 
fcrtig, als das Geräusch vieler Schritte und 
flüsterndes Stimmengewirr in der Halle des 
Schlosses den Bewohnern verriethen, daß der 
traurige Zug angelangt wäre. 
„Geben Sic mir Ihren Arm, lieber Gra' 
Lüttwitz," sagte Xenia. 
Als sie die Halle betrat, in der sich nur 
noch der Arzt, Gaston und der alte Castellan 
befanden, die kummervoll die Bahre umstan 
den, brach sie in Thränen aus. 
Oben auf dem Treppenabsatz, aber durch 
einen breiten Pfeiler verborgen, kauerte Mia 
gclonc. Sic, bleicher fast noch als der ver 
wnndete Mann dort unten. Die Augen tagen 
tief in dm Höhlen, die Lippen bewegten sich 
lautlos, der ganze Körper, wie von Fieber 
schauern gelittest, bebte, die Hände waren 
über der Brust gefaltet — furchtbare Ge- 
wiffcnsgual und Selbstaiiktagcn hatten, dem 
chönen Antlitz ihren Stempel aufgedrückt und 
den Zauber lachenden Liebreizes vollständig 
verwischt, das geüngstigte Herz in ihr schrie 
ia unaufhörlich: 
„Mörderin — Mörderin." 
Und als sie ihn dann aufhoben und hin 
zutragen und als es leer wurde in der 
im 1 Er sf r [ ie bie Treppe hinab, fort aus 
dein Schlosse, durch den Park an das Meer. 
Weiter, immer weiter Hütte sie fliehen 
mögen, aber dem sie entfliehen wollte cs 
folgte ihr überall hin: die Reue, sie trug sie 
nit sich fort, von ihr befreit zu werden — 
unmöglich! 
Sie warf sich am Strande nieder und 
lauschte auf das brandende Meer, und öff 
nete dann die Augen ganz weit und blickte 
hinaus in seine Unendlichkeit, sah zum Him- 
c -> fr 1 * ^ vv4v v vn, uvii ^ieoer stamens 
^ntrums abgegebenen feierlichen Erklärung 
gebe Redner auch heute noch die boffnuna nirfit 
auf daß Mittel und Wege gechnde" Làn 
wurde», ->ne Einigung mit dem Centrum zu e" 
zielen. Er wende sich nun zu den einzelnen Red 
nern. Von dem Abg. Richter sei gesagt worden 
à^°Asàuģgaben erforderten Militär und Ma' 
,Ģ>ube man denn, die Regierung würde 
großen Summen für Kunst und 
w y (flf f' r ^ mai ;* tare Zwecke rc. verwen- 
(Ruf ünks: Nein!) Ater die Konkurrenz 
der militärischen Btachtverhältniffe in Europa so- 
Suure geographische Lage hinder- 
à Deutschland daran. Hätte Deutschland die 
geographische Lage Frankreichs, die isolirte Lage 
Englands, der Militäretat würde sofort iinge- 
sthrankt werdem Man habe sich gefragt, da die 
Reform auf 5 Jahre begrenzt sein solle, ob etwa 
die neuen Steuern auch nach dieser Zeit wieder 
aufgehoben werden würden? Möge der Reichs 
tag doch hierzu Kanteten schaffen! Die Reichs- 
regierung wolle nichts weiter als Ordnung in den 
Finanzen des Reichs n„d der Einzelstaaten sowie 
Deckung fur die Milttärvorlage schaffen. Aba 
Richter habe sich gestern wiederum auf die bekannte 
Dadelle über die zu erwartende Einnahmesteigerunq 
im Reiche berufen, die der damalige Schatz- 
Sekretar Frhr. v. Maltzahn in der Militär-Kom- 
vorgelegt habe. Diese Tabelle sehe man 
setzt als em Dogma an. Wenn man doch so 
günstig von allen anderen Aufstellungen der Re- 
glerung dachte! Aber die Finanzreform sehe Lerr 
Richter als ein Stuck Löschpapier an Der Ver 
treter des Reichsschatzamtes habe bereits damals 
darauf hingewiesen, daß der Steigerung der Ein 
nahmen um 114 Millionen eine ganz erhebliche 
Steigerung der Ausgaben gegenüber stehen würde 
Schon in diesem ^ahre würden die Ueberweisun- 
8en ..“" ( l 1° Millionen hinter den Etatsansätze, 
E, w" ^ Defizit auf 73'/. Millionen 
stiigeii. Wenn man der Regierung den Vorwurf 
mache, fie hatte damals in der MilitärkommissionI w 
bte Sachlage rosig genialt und sehe jetzt Alles ANSrÜNd. 
schwarz an, so sage er (Redner) im Gegentheil, 
der Abgeordnete Richter habe danmls Alles schwarz Buffere«ropa,fche Gebiete. 
und male jetzt rosig. Wenn er auch nicht Buenos Aires, 28 De: Wie das 
annehme, daß ,eme Darlegungen überzeugen Araentiniickie 'r/r.Mnu" -tu -»7: Daê 
wurden, so halte er es doch für s-ine Pflicht, dies m 'S Tageblatt Mittheilt, ist vor- 
festzustellen. (Beifall rechts.) Die Behauptung, Ldşirn tin Dorfe Cerra bei Montevideo 
d?d "ei fortgesetztem Schuldemnachen die gelegent-das dem Engländer Ec>. Cooper aeböriae 
3t L'uîrr bril st 0 f . f ; K n, Æ H95 9 0 
„Topfchenwirthschaft" gesprochen habe, so müsse Dynamit und 25 Kisten sonstigen 
Redner doch Zweifel darüber ausdrücken, ob die Ohvengstoffes enthielt, in die Luft ge- 
wechselnde Majorität der Parlamente für eine ft 0 g e n. Es fanden zwei Explosionen 
geordnete Flnanzwirthschaft eine bessere Garantie statt. Die erste war nicht stärker als ein 
Staat. " (Richter: Uvtl àemenschch. Von der Festung Cerro 
sagt, die Auffassung des Redners von der Wirth- ""k herauf den Rauch aufsteigen 
lchaftspolitik sei ein sonderbares Produkt der und es wurde eine Abtheiluna Truppen 
'fjîàstube. Redner wünsche, Richter möchte so abgeschickt, um das Feuer zu löschen 
viel ins freie, öffentliche Leben hinausgekommen Dieselbe war nTürfHrfievmmf ^ a * ‘ 
s«n, ww er Auch Fürst Bismarck habe sich am Ì l J? glücklicherweise noch unter- 
10. Marz 18(7 im Sinne des Redners geäußert, .8», als die zweite ungeheure Explosion 
m". "u. Zweifelfalle folge er immer lieber der erfolgte. Ein in der Nähe der Unalücks- 
Ss : e a l r æevtSr huschen stürzte über seinen 
der Reichsfinanzverwaltung den bisher vermißten Bewohnern zusammen, wobei eine Frau 
estereii Halt bekommen. Er (Redner) nehme u . veren Tochter leichte Verletzungen 
PĢ an, daß der Reichstag die Vorlage von ber I erlitten. Sonst ist kein Mensch verwundet 
mmEb abweise, man würde sie in der Kom- worden, dagegen sind ein Pferd eine Kuti 
n ston berathen, und wenn neulich triumphirend und eine ^ 
'Am ermius«™» C- m B 1 brancre>,,lem- mcicygiag ote Vortage von der 
tnim ilberein ^ Regierung mit dem Ceij- schwelle abweise, man würde sie in der Kom- wor 
des C ntrurnä ^ van Dr. Lieber Namenî mgşion berathen und wenn neulich triumphirend und eine Manne mH '7"^ “7 
7k. Latiums abgegebenen feierlichen Erkläruna hwr ge,agt worden sei, die Vorlage sei todt so " Menge Geflügel zu Grunde ge 
erwidere er, der Reichstag würde einen Schein- gangen. Herr Cooper kann sich die Kata 
die Vorlage werde wiederkom- strophe in keiner Weise erklären, da seit 
t V . weroe wleverwm- "1 
i àn habe der Regrerung gedrückte Stim- acht Taaen nicht eine 
tnung nachgejagt; aber auch dann, wenn die Vor-!nommen morden îoi mr ' 
läge ganz oder theilweise fallen würde, blicke bie ” f "wrden set. Wenn btes bei* Fal 
»ichV?«V Si‘,3“ ä angebautes Ģàd° stand. i[’ 
8ttfl.®r e4SbI*t (Centr.) meint, daß das 2 ° ® etern Durchmeffei 
^ .Fn'anzverwaltung nicht geeignetļ blê 6 Meter Tiefe. Daß -keim 
sei, me Autorität der verbündeten Regierungen Menschen umgekommen sind, ist dem tlm^ 
SSL dîÄsrtîw« * Ņa«d7r»7 
Reichsgedanken in Süddeutschland zu stärken.' Das Umgebung des Cerro, das ausbrechendc 
ganze Centrum stehe auf der Erklärung des Abg uvuer rechtzeitig bemerkten und aus den 
E'Ä 9(tnä besonders nach der gestrigen Häusern flohen. In Montevideo war die 
Was nich?U"ka»n L' fi :: J . W nur wenige 
Das Centrum wird nicht von der Franckenstein- §7 7 övvhandeii sind, die nicht zerbrochene 
schen Klausel abgehen Redner will zur Deckung Scheiben aufzuweisen haben. Die Panik 
der Militärvorlage mitarbeiten, aber unter der Bevölkerung war unbeschreiblicb 
r-liche» L JÄ 
nungen, als vor einem Jahre, da wisse man gar wurden herumgeboten und geglaubt, 
nicht, was man glauben solle, und man gewinne sich dann schließlich die Wahrheit her- 
m Z"ļ^à je nach Bedürfniß ausstellte, begann eine förmliche Völker- 
in verschiedene Beleuchtung gerückt würden. Schutz Wanderung zu Fuß ver Tram,non »„8 
gegen die finanziellen Schwankungen zu erlangen, per Schiff so dost Mo R-N" 8 ^ ? . Unb 
ware ja gewiß angenehm, aber man foHe bie E r 1 ° d°e Behörden besondere 
Regierung nicht in Versuchung führen, daß ihr Maßregeln zur Aufrechterhaltung der 
beim Epen der Appetit komme. Auch innerhalb Ordnung ergreifen mußten. 
Probejahre könnten neue Militärvorlagen às«kre»à 
fällig werden. Wenn gestern vom Regiernngs- Paris, 30. Jan. Eine Doktvrswit: 
erklärt worden şii, daß man mit den Heeres- 
orderungen am Ende sei, so höre er wohl die 
Botichaft, allein ihm fehle der Glaube. 
mcl empor und rang die Hände, sie wollte 
weinen und konnte es nicht, und wollte beten 
und fand nicht den Muth. Wenn er starb 
e: der — jetzt fühlte sie es — sie so treu 
geliebt von Kindheit an, dann war sic seine 
à'àņn, ihr Leichtsinn, ihre Untreue hatte 
ihn in den Tod getrieben und er starb mit 
dem Weh betrogener, verrathener Liebe im 
Herzen. 
Und so sollte sie weiterleben? Nimmcr- 
mehr. Die Verzweiflung überkam sie. Ein 
Schrat, cm einziger, ein letzter Entschluß 
und 7 war - frei. Sie sprang ans und 
if K dicht an das brandende, schäumende 
Wasser, cs netzte ihren Schuh, cs spritzte 
empor an ihren Kleidern, noch einen Schritt 
Kg sie zauderte. ; 
Frei, sic wollte frei sein; und er, wenn 
er am Leben blieb, er sollte die Folgen ihrer 
Sünde tragen? Er würde es thun, sic wußte 
es, sie kannte dies fromme, starke Herz gut 
genug, cs trug, was sein Gott ihm auscrtegt, 
md sie, die Schuldige, wollte es nicht? Lang- 
am strich sie sich die wirren Haare aus der 
Stirn, langsam trat sie vom Wasser zurück- 
der Ausdruck ihres Gesichts wurde ruhiger 
und die Qual ihres armen Herzens löste sich 
in einen Strom von Thränen; jie faltete die 
Hände: 
„Vater, wenn's möglich ist," flehte sie, 
Zo laß ihn genesen! Wenn's aber zu seinem 
Frieden dienet, dann Herr nimm ihn zu Dir 
in Dein Reich, nur seine Vergebung laß mir 
noch zu theil werden! Ach Rolf, mein Rolf " 
chiuchztc sie. Ihre Lippen sprachen nichts 
wetter, aber der Herr erbarmte sich ihrer, er 
hatte ihre Reue gemogen und sie für wahr 
erkannt und an dem einsamen Strande, im 
Angesicht des weiten, ewigen Meeres hatte 
we aus Havanna, die ihren übermüthiger 
Hauspförtner durch einen fingirten Anar 
chisten-Drohbrief erschrecken wollte, würd; 
heute deswegen zu vier Monaten Gesänge 
niß verurtheilt. 
sich die verirrte Seele wiedergefunden — sich 
und ihren Gott. 
XVI. 
Am nächsten Tage regnete es und ein kalter 
Wmd trieb die gelben Blätter durch die Weae 
des Parks. 
Magelone Dyrfurt stand in ihrem Thurm- 
zimmer am Fenster und blickte auf das Meer 
hinaus — seit gestern war es ihr lieb und 
vertraut gcivordcn, und sein Rauschen, wenn 
die schweren Wogen so wie heute gewaltig 
brandend ans Ufer schlugen, klang ihr wie 
ein Abschiedsgruß, aber auch wie ein ernster 
..inhnruf, ^dcr sie an den schwersten und 
dunkelsten Dag ihres Lebens erinnerte und 
obll sie mit soi'tnaßm in die Meine. 
şie ging bald, in einer halben 
-stunde schon; ihr Gepäck war bereits hin- 
nntci geschafft, und der kleine Raum, der ihr 
vor kaum vier Wochen so traut und heimisch 
erjchlenen, trug ^ hetzt die ganze trostlose 
Physiognomie, die ein Zimmer kurz vor einer 
Abreise zu tragen pflegt; nur halb geschloffene 
Kommodenschubfächer, offenstehende Schrank- 
thüren, innen alles leer, hier und dort Bind 
faden und Papier auf dem Teppich, im 
Kamin Aschenreste mit Fetzchen halbverkohtter 
Briefe oder Notizblättcn dazwischen, auf dem 
Toilettentisch ein Srauß welker, weißer Rosen 
— vorgestern hatte fie ihn getragen —, welk 
die Blumen in der Base auf dem Schreib 
tische. — 
Lona in der tiefen Traurrkleidung, den, 
Krepphütchcn mit langem Schleier, das Antlitz 
bleich und kliinmcrvoll, wie sie so mit ver 
schränkten Händen, den Kopf leicht geneigt 
am Fenster stand und in die öde, traurm 
Herbstlaiidschaft hinausschaute, war' sic 'nur 
noch e,n Schatten des lebensfrohen, reizenden 
Mädchens kaum verflossener Tage; sie fühlb 
es deutlich, und wie ein kalter, eisiger Rei' 
legte es sich um ihr Herz; das Bild, welches 
sich draußen ihren Blicken bot, schien ihrl 
Zukunft wiederspiegeln zu wollen. 
Verscherzt hatte sie das Beste, was der 
Herrgott einem Menschenkind auf seinen Lebens 
weg mitgeben kann und was sie in so über 
reichem Maße besessen — Liebe und Freund 
schaft. — 
Karl Friedrich von Velten — wie hatte 
er sie geliebt, wie hatte das verwaiste Kind 
einst in seinem Hause eine zweite Heimath, 
in ihm selbst den zärtlichsten Vater gefunden! 
Und Rolf — sie konnte nicht weiter denken' 
Thränen hatte sic nicht mehr, aber ein 
schmerzliches Schluchzen hob ihre Brust Jetzt 
<7- füf L 3U f ”l Crstm Mal, dachte sic auch an 
Prinz Edelsberg — auch er liebte sie —- 
(Sin leises Klopfen erschreckte sie; die 
Kammerfrau der Gräfin trat ein 
. "Frau Gräfin lassen das gnädige Fräu- 
le.n m den französischen Salon bitten." 
Noch einen Blick warf sie auf das Meer, 
"Ä.""d°îZ'Ģ-«"chd-°» 
Stile Ludwigs des Vierzehnten ausgestattet. 
Hier erwartete Xenia unruhig auf- und ab 
sehend, das junge Mädchen; auch in ihr 
choncs, frisches Gesicht hatten die letzten 
vietundzwanzig Stunden ihre Spuren gezeichnet. 
Dlc vollen, rothen Lippen schienen farbloser 
aiö sonst, sie waren fest aufeinander gepreßt, 
den Augen sah man es an, daß sie viel ge 
weint hatten, aber die Haltung der hohen 
Gestalt war ungebeugt; es lag etwas Stolzes, 
äst Unnahbares darin. (Forts, folgt.)
	        
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