Full text: Newspaper volume (1888, Bd. 1)

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16. Zanuar. 
1888. 
San Remo» 13. Jan. Nach den neuesten in 
ärlin eingegangenen ausführlichen Berichten über 
das Befinden des Kronprinzen haben die Aerzte, 
wre man der „Magd. Ztg" aus Berlin schreibt, 
übereinstimmend feststellen können, daß seit d e m 
-!• November, den, Geburtstage der Frau 
Kronprinzessin, kein einziger Rückfall eingetreten ist, 
stud daß in Folge dessen der Gesundungsprozeß 
steten Fortgang genommen hat. Dies Moment 
bsetet die sicherste Geivähr für die Zukunft und 
lastt der Erwartung Spielraum, das Leiden werde 
Ş lokales anzusehen sein, und als solches gebe 
der medizinischen Wissenschaft Gelegenheit, durch 
swe lokale Behandlung es zu besiegen. Wenn der 
letzigc Zustands noch etwa sechs Wochen andauert, 
könne auf Eintritt der Rekonvalescenz gerechnet 
werden. 
_ Die Nachricht, daß die Liebliugshunde des 
Kronprinzen vergiftet worden sein sollten, wird 
von der „Magd. Ztg." als unzutreffend bestritten. 
Petersburg, 14. Jan. Bezüglich des geplanten 
Attentats auf den Zaren verlautet nach einer 
Petersburger Meldung des „Berl. Tgebl." daselbst 
gerüchtweise von weiteren Arretirungen rmd Ent 
deckungen.^ So heißt es, eine große Menge Dynamit 
>er in einem Petersburger Poli.zeibnreau (?) auf 
gefunden worden. 
London, 14. Jan. Bemcrkenswerth ist eine Rede 
1'ord Salisbury's: „Wir haben augenblicklich Frieden, 
der auch für die unmittelbare Zukunft nicht 
bedroht erscheint, und wenn ich sehe, wie Souveräne 
und Minister ihre ganze Energie der Erhaltung des 
Friedens widmen, so hege ich selbst die Hoffnung 
auf erne weitere Erhaltung des Friedens; allein ich 
möchte Niemand verleiten, die feste Ueberzengnng 
der sicheren Erhaltung eines dauernden Friedens 
weiter auszudehnen, als es die von mir neulich ge 
brauchten Worte rechtfertigen würden." 
Aus London schreibt man der „Köln. Ztg." 
unterm 12. d. M.: Seit fünf Tagen bleibt uns 
die Sonne aus; unsere Londoner Sonne, nicht etwa 
das leuchtende Tagesgestirn, welches Licht und 
Wärme spendet und Schatten wirft, sondern jener 
dunkelroth erhellte Rundkörper von der Form eines 
holländischen Käses, wie er ans kleinen Provinz- 
theatern als untergehender Mond im dritten Akt 
emes Trauerspiels aufzutreten pflegt. Auch diese 
blope Erinnerung an die Sonne ist geschwunden; 
ttnc schwarze Rauchschicht umhüllt mit ihrem Riesen- 
mantel die Riesenstadt, verwischt die Unterschiede 
von Tag und Nacht und kämpft siegreich mit Gas 
und Elekricität. Giebt es aber dabei einen Trost, 
w ist cs der, daß der Nebel diesmal kein ureignes 
londoner Gewächs ist, sondern das gesammte König- 
vnch bedeckt hat. Es lagert eben so dicht auf dem 
Aermelkanal zwischen Frankreich und England >vie 
ans dem Georgskanal zwischen Großbritannien und 
Urlaub, und ivenn er bei uns einen besonders 
schwarzen Ton annimmt, so rührt dies von den 
Uuzählichen Schornsteinen her, die hier während 12 
Stunden ihren Rauch znm Himmel abgeben. Die 
Meteorologen beschreiben ihn als ein Kind der 
stürmischen Nordsee, >vo er sich zusammenballt nnd 
>u gelegentlichen Abstechern die Themse hinauf 
bummelt. Sobald er hier angelangt ist, legt er 
stch wie eine Bleikapuze über die Stadt und hält den 
aufsteigenden Kaminrauch gefangen und eingeschlossen, 
und daraus entwickelt sich dann die Scene auS der 
Unterwelt, die hier seit fünf Tagen sich abspielt. 
Leute mit gesunden Nerven und Lungen giebt es, 
die aus diesem Nebel vermehrte Körperkraft zu 
schöpfen vorgeben; die Mehrheit der Bevölkerung 
aber klagt über Kopfschmerz, Brechneigung, Atcmnoth 
und Augenreiz. Der Straßen- und Eisenbahnver 
kehr ist beschwerlich und unterbrochen und der Ver 
kehr auf der Themse und an der Küste stockt fast 
gänzlich. An der West- und Südküste wagt sich 
fast kein Fahrzeug in die Häfen und überall am 
Strande ertönt der melancholische Ton des Nebel 
horns. Seit Montag schon sind nur die Post 
dampfer nach nnd vom Festland aus- und einge 
laufen nnd gestern war die Verbindung zwischen 
Queenboro und Vlissingen gänzlich abgebrochen. 
Wäre die Sache nicht zu gefährlicher Natur ge 
wesen, so hätte man fast die Scenen für humoristisch 
halten mögen, die sich am Montag, als der Nebel 
zuerst anfing dichter zu werden, auf den zwischen 
Calais und Dover fahrenden Dampfern zutrugen. 
Der Kapitän, in halber Verzweiflung, auf 'der 
Brücke des Schiffes, rings umher, bald rechts, bald 
links, bald vorn, bald hinten, die Signale unsicht 
barer Schiffe, und auf dem Deck, in Todesangst, 
die zitternden Passagiere. Unfälle auf Personen 
dampfern ;ind glücklicher Weise nicht vorgekonmien, 
doch werden heute mehrere Todesfälle auf Eisen 
bahnen nnd in den belebteren Straßen gemeldet. 
Rom, 14. Jan. Die letzten hier eingegangenen 
Nachrichten bestätigen die Absicht der Abessinier, zum 
Angriff gegen die Italiener vorzugehen. Ras 
Alnlah verlangte Unterstützung nnd erbat sich vom 
Negus die Erlaubniß, die Italiener zuerst angreifen 
zu dürfen. 
Rom, 13. Jan. Neuerdings verlautet, die be 
waffnete Truppenmacht der Abessynier betrage 
ca. 100,000 Mann. Davon sollen 40,000 mit 
Hinterladern von verschiedenem Modell, 20,000 
mit alten Vorderladern und 40,000 mit Lanze' und 
Schild bewaffnet sein. — Zwischen dem hiesigen 
Ministerium des. Aenßern und dem Botschafter 
Italiens in Paris, Menabrea, der mit dem 
französischen Minister des Aeußern, Flour ens, 
wegen des Zwischenfalls in Florenz direct ver 
handelt, herrscht ein lebhafter Depeschenipechsel. — 
In Anwesenheit von u. A. vierzig Bischöfen empfing 
der Papst heute gegen 3000 Pilger Umbriens, 
Toscanas und der Provinz Rom, ferner den Baron 
Brusselle, den Abgesandten des Königs von 
Württenlberg. Dem Abgesandten des Großherzogs 
von Baden, Herrn Jagemann, verlieh der Papst 
das Großkreuz des Ordens Gregors des Großen. 
Rom, 13. Jan. Wie gemeldet wird, hat der 
Papst bereits eine große Encyclika über die 
sociale Frage ausgearbeitet; es soll darin das 
Zusammengehen der Kirche mit dem Staate gegen 
über den Arbeitern betont werden. 
Stockholm, 13. Jan, Mehrere hiesige angesehene 
Zeitungen besprechen offen ein seit einiger Zeit in 
hiesigen Kreisen cirknlircndes Gerücht, wonach der 
Herzog von Gotland Prinz Oskar (der zweite 
Sohn des Königs), geboren 15. Novcniber 1859, 
stch demnächst mit einer Hofdame der Kronpinzessin 
Victoria (geb. Prinzessin von Baden), Fräulein Ebba 
Henriette v. Munk, geboren 1858, verloben 
werde. 
3) 
Aer lateinische Mauer. 
Petersburg, 15. Jan. Das „Journal de St. 
Psttersbourg" sagt, das Programm des Finanz- 
ministers Wischnegradski bestätige nochmals nicht 
allein die loyalen, friedlichen Absichten derMgierung, 
sondern auch ihr Vertrauen darauf, daß der Friede 
auf lange Zeit erhalten werden könne, 
wenn die Integrität, die Würde, die Ehre nnd die 
Interessen Rußlands geschützt würden. Ohne Zweifel 
könne keine Regierung für die Aufrechterhaltung des 
Friedens auf bestimmte Zeit eine absolute Garantie 
gewährleisten. Dieser Vorbehalt sei vollständig 
natürlich. Bis jetzt habe die kaiserliche Regierung 
stets ihre Politik des Friedens unter Bedingungen 
bethätigt und ausgesprochen, deren Wichtigkeit 
Niemand habe entgehen können. Es habe dies auch 
den besten Eindruck auf das Ausland gemacht. Zu 
wünschen sei daher, daß die auswärtigen Zeitungen 
und deren Leser nicht weiterhin die Opfer alar- 
mirender und spekulativer Erfindungen 
würden. 
Wien, 14. Jan. Wie die „N. F. P." ver 
nimmt, ist vom Grafen Schuwalow in Berlin 
als Nachfolger des Fürsten Ferdinand von Bul 
garien der Prinz Karageorgiewitsch, der 
Schwiegersohn des Fürsten von Montenegro, vor 
geschlagen worden. Auf die Erklärung, daß Oester 
reich denselben nicht acceptiren könne und werde, 
sowohl vom Standpunkte des eigenen Interesses als 
von deni des Scrbenkönigs Milan, dessen Stellung 
dann unhaltbar sei, wurde diese Kandidatur zurück 
gezogen und sticht man jetzt einen anderen Kandi 
daten. — . Dem heutigen Hofdiuer wohnte der 
ruffische Militärattache Zujew als einziger fremd 
ländischer Offizier bei und wurde vom Kaiser mit 
großer Aufmerksamkeit behandelt. 
Berlin, 14. Jan. Die überaus kräftige 
Natur unsers Kaisers hat auch diesmal die 
Indisposition, welche sich ans dem alten Nierenleiden 
zeitweise ergiebt, schnell nnd siegreich überwunden. 
Das Befinden des greisen Monarchen ist wieder ein 
voizügliches und gestattet bei einiger Schonung eine 
Ausnahme der üblichen Staatsgeschäste in deni bis- 
herigcn Umfange. Die Aerzte rathen um so mehr 
zur Schonung, als der Kaiser den dringenden 
Wunsch hegt, an dem in der nächsten Woche statt 
findenden Ordensfeste Persönlich theilzunehinen. Die 
„Magdeb. Ztg." weiß zu berichten, daß das Mittel, 
welches die Aerzte bei der Niercnaffektion des Mo 
narchen anzuwenden pflegen, Grütze-Umschläge, an 
gewendet wurde nnd gute Wirkung geübt hat. 
Berlin, 15. Jan. Der Kaiser stand um zehn 
Uhr auf nnd hörte mehrere kürzere Vortrüge, sowie 
einen längeren Bortrag Wilmoivski's. Abends 
findet eine kleine Thecgesellschaft, morgen ein 
Faniilicndiner bei den Majestäten statt. — Die 
Abhaltung des Kapitels des Schwarzen Adlerordens 
ist bis auf Weiteres verschoben worden. 
Berlin, 14. Jan. Graf Herbert Bismarck 
reist dieser Tage nach Friedrichs ruh; die Hicr- 
herkuuft des Kanzlers scheint also doch noch nicht 
so nahe bevorzustehen. 
, ".Die allgemeine Lage sieht sich unverändert 
sehr friedlich an. Die Friedenskundgebungen in dem 
offiziösen „Journal de St. Pvtcrsbourg" und der 
Petersburger „Börsenzeituug" finden selbst in Wien 
ein friedliches Echo, und das offiziöse Wiener 
„Fremdenblatt" sagt, diese Stimmen seien gewiß 
Erzählung von Hieronymus Lorin. 
Nachdruck vcrbotcn. Alle Rechte vorbehalten. 
Schluck erzählte im Wagen dem Nachbar seine 
ganze Lcbensgeschichte. Nach offener Darlegung 
seiner Verhältnisse ivälzte nun Wendelin noch die 
Worte int Kopfe umher, mit denen er es ivageu 
sollte, den B^-md des reichen, ihm aber so freinden 
Mannes m Anspruch zu nehmen. Während er 
darüber nachsann, bemerkte er, daß ihn Urban Wald- 
brenner mit listigen Blicken ansah, als ob er erriethe, 
was in dem Sattler vorging. Dieser, dadurch ein 
wenig verlegen gemacht, begann wieder von Abdul 
Hassan und dem Zauberschild zu sprechen, iveil diese 
Gegenstände bisher offenbar den meisten Antheil des 
Zuhörers erregt hatten. Allein Waldbrcnner unter 
brach ihn mit Aeußerungen, welche erkennen ließen, 
daß im Lause der Erzählung das Interesse des 
Müllers emc andere Richtung genommen hatte. 
Er forschte nach dem gegenwärtigen Aufenthalt und 
Befinden der Tochter Wendclins und verlangte eine 
genaue Personbeschreibung des Mädchens. Der 
Sattler, den dies unangenehnr berührte, gab seinem 
Zierlichen Stolz auf die Schönheit Isidoras nur 
Richtigen Ausdruck und ging sogleich darauf über, 
^5? er den Schönauer Landsitz nicht für den ganzen 
Soinincr habe vermiethcn können nnd daß er deshalb 
w Tochter, die jetzt noch in der heißen, dunstigen 
^tadt leben müsse, sogleich ans das Land bringen 
"erde, sobald das Haus wieder frei sei. 
"^Ech", fügte er seufzend hinzu, „wenn ein 
euer Miether bei der Hand >väre, müßte ich die 
gene Tochter zurücksetzen, so schwer mir's um's 
p .wäre. Sie wissen aber, ivenn nian in der 
age ist, wo es heißt: Geld um jeden Preis! dann 
gs auch mit der Zärtlichkeit aus." 
^ "Hw", erwiderte Urban, „ich möchte Ihnen 
». ten, vorderhand nicht wieder zu vermicthen. Ich 
1 die Gegend, ich hab eine große Schneid (Lust) 
aus ein Anivcsen dort, ivill mir einmal das Ihrige 
anschauen, nnd es wär mir nicht lieb, wenn ich 
Sie nicht dort antreffen könnte." 
„Ja," sagte Wendclin, dem diese Worte Muth 
gaben, auf sein Ziel loszugehen, „darauf kann ich 
mich nicht verlassen; ivenn ich ein Capital von Ihnen 
bekommen könnte, das ivüre mir viel lieber, als das 
Hans dort zu verkaufen, ivas nur den Hypothekar- 
gläubigern zu gute käme." 
.Er entwickelte hierauf lang und breit die Sicher 
heiten, die er für ein Darlehen bieten könnte; sic 
bestanden jedoch größtentheils in Plänen und Ideen, 
nach ivelchcn die Speculation, die er im Sinne 
hatte, unfehlbar gelingen müßte. 
. Der Müller schüttelte den Kopf, ivischtc sich mit 
seinem Tuch von blauem Kattun den Schiveiß ab, 
zog dann die goldene Dose, präscntirtc sie dem 
Sattler, nahm selbst langsam eine Prise und gab 
alte Anzeichen, daß er etwas Bedeutendes zu sagen 
habe. 
„Auf das Geschäft, von dem Sie da plauschen", 
hob er endlich niit wenig gewählten Ausdrücken an, 
„geb ich gar nicht; ich hab mein Leben lang den 
Fuß nur auf festen Boden gesetzt und bin so weiter 
gekommen. Ich will Ihnen aber etwas sagen. 
Ihre Spccnlationcn halte ich für einen Aberglauben, 
der nichts taugt; was man so gewöhnlich Aber 
glauben nennt, darauf ist viel mehr Berlaß. Wenn 
Sie den Talisman wieder ganz beisammen hätten 
— wer weiß! Nun hat sich's so gemacht, daß ich 
rni Stande wär und vielleicht auch Lust hätt, den 
Schild, den Sic so leichtsinnig verkauft haben, 
wieder herbeizuschaffen. Ich weiß, >vo er ist; er ist 
nicht mehr int Raritätenkabinet des Prämier, sondern 
ganz wo anders." 
Wcndelin war sehr erstaunt; >vas mußte vorge 
gangen sein, um den Grafen Pränner zu bestimnien 
,ich eines Besitzes wieder zu entäußern, nach welchem 
er erst kurz vorher so leidenschaftlich getrachtet hatte? 
Inzwischen hatte sich der Müller wieder zum Sprechen 
geeignet, in der Publicistik wieder jene Stimmung 
zu verstärken, welche den Glauben an den Anbruch 
cmer dauerhaften friedlichen Situation be 
lebt hat. Eine nicht minder günstige Aufnahme als 
die Friedensversichcrungen der Petersburger Offi 
ziösen wird auch die Mittheilung in dem Bericht 
des russischen Finanzministers finden, daß in Ueber- 
cinstimmung mit der Friedenspolitik Rußlands eine 
Herabsetzung des Militärbudgets hat stattfinden 
können. Selbst die „Krcuzzeitnng", welche im 
Uebrigen in einer düsteren Auffassung der Lage fort 
führt, muß zugeben, daß in Rußland bis jetzt gar 
keine Kriegslust herrscht, ja nicht einmal die 
Ueberzeugung besteht, daß es zum Kriege kommen 
werde. Es handle sich in der That nur um einen 
eng begrenzten Kreis von gewerbsmäßigen Hetzern 
der in der Presse allerdings eine große Rolle spielt 
und so dazu gelangt ist, in den Augen des Aus 
landes eine Macht zu werden, mit der dasselbe 
rechnen zu müssen glaubt. Dasselbe Blatt meldet 
)u, den russischen Truppenverlegungen, 
daß außer der Verschiebung der 13. Kavallerie- 
Division von Moskau an die galizische Grenze 
keinerlei größere Veränderungen, außer kleineren 
Verlegungen der Truppen innerhalb der Militär 
bezirke stattgefunden haben. Die gemeldete Ver 
legung einer Division nach Podolien habe keinerlei 
Hintergrund. Was die Entlassungen der Reserven 
des russischen Garde-Corps anbetrifft, so schreibt 
man der „Kreuzztg." ans Ostpreußen, daß der Um 
stand wenig Bedeutung habe. In Rußland träfen 
nämlich^ die Rekruten nicht wie in Deutschland an 
cinein Tage ein, sondern deren Ankunft schleppe sich 
fast über den ganzen Winter hin. Da die russische 
Armee aber erst für jeden einkommenden Rekruten 
den entsprechenden Reservisten entließe, so sei es 
kein besonders merkwürdiges Ercigniß, daß in diesem 
Jahre, wie übrigens in allen früheren Jahren, so 
zeitig mit der Entlassung begonnen wurde. 
Berlin, 14. Jan. Die Eröffnung des Land 
tags hat Sonnabend Mittag im Weißen Saale 
des königlichen Schlosses in üblicher Weise statt 
gefunden. ' ' 
Berlin, 14. Jan. Nach Nachrichten, die ein 
aus Rußland zurückgekehrter Fachmann überbracht 
hat, wird dort eine völlige Umgestaltung des 
prämiensysteins für Spiritus beabsichtigt, derart daß 
künftig eine Ausfuhrprämie von nicht weniger als 
1'/» Rubel auf den Wedro Spiritus bezahlt wird 
(Ein Wcdro --- 12 Liter.) Eine solche Ausfuhr,) 
Prämie würde die russischen Spiritnsproducenten in 
den Stand setzen, ihren Spiritus nahezu unent 
geltlich an das Ausland abzugeben und damit dem 
deutschen Spiritus eine geradezu vernichtende 
Concurrenz bereiten. Die bezüglichen Maß 
nahmen sollen schon binnen Monatsfrist ins Werk 
gesetzt iverden, weil Rußland darauf brennt, sich an 
Deutschland für die soeben stattgehabten Erhöhungen 
der Kornzölle zu rächen. Die russische Landwirth 
schaft müsse, so heißt cs dort, einen Ersatz erhalten 
fur die erschwerte Getreideeinfuhr nach Deutschland. 
— Die Ncnjahrsartikcl der St Peters 
burger Blätter sind, wie der „Magdeb. Ztg " aus 
St. Petersburg gemeldet wird, pessimistisch ge- 
halten. Dieselben besagen, das neue Jahr würde 
rn nnlrtärischer Hinsicht eben so ernst wie das ab- 
gelaufene sein, Rußland müsse auf der Hut bleiben. 
gesammelt und fuhr fort: 
rc P-Ņ) ņìchts ist nichts. Daß ich Ihnen das 
Erbstück nicht ohne Weiteres in den Schoß legen 
werde, ist natürlich; Geld aber, um es zurückzu 
kaufen lind, wie sich von selbst versteht, höher, als 
Sie s verkauft haben, weil ja bei solchem Hinnudhcr 
fur den Verkäufer immer ein Geivinn sein muß 
Geld haben S' nicht genug. Sie könnten sich's 
auch nicht gönnen, jetzt so viel auf einen bloßen 
Aberglauben zu verwenden. Es giebt aber einen 
anderen Preis." 
. Er lachte, daß cs ihn schüttelte, und bohrte wieder 
seine lytigen Blicke in die Augen Wcndelins. Diesem 
wurde dabei nicht behaglich zu Muthe, mid er 
fragte dringend nach dem angedeuteten Preise 
Waldbrenner schüttelte den Kopf, das Lachen ver 
zog sich nnd er sagte: 
„Ich denk, so im Laus dieses Monats in die 
Schönauer Gegend zu kommen. Ich möcht Ihre 
Achter dort antreffen; )te wird ja gewiß ein frennd- 
lrches Gesicht machen, daß sie ans der Stadt heraus 
ist; und Sie selbst, Sie kann man ja holen, ivenn 
Sie gcrad nicht da sind. Da sprechen wir dann 
ein Mehrcres. Grüßen Sie die schöne — wie 
heißt sie mit dem ausländischen Namen? — ja, 
Isidora, grüßen Sic sie von mir." 
Den armen Wendelin Schluck überlief ei» Schauder. 
Er sah auf das häßliche, mit Runzeln bedeckte 
Gesicht des alten Mannes und auf seine grauen 
Haare und fragte dann leise: „Sie sind vcrhei- 
rathct?" ' 
"3ch bin schon lang Wittwer", crividerte Urban 
Waldbrenner nnd schmunzelte. „Sie haben ge- 
şşņbt , fügte er hinzu, „daß ich neugierig auf 
Ihre Teufelsgeschichteu bin, auf die Zaubereien mit 
dem Schild und dem Sclaven ans dem Türkenland. 
Das hab ich Ihnen aber nur eingeredet, iveil es 
uch so getroffen hat, daß die Rarität mit den Perlen 
und Smaragden mir in's Geschäft gekommen ist 
weil Sie gcrad über diese Geschichten haben Auskunft 
geben können. Dann aber bin ich auf andere 
Gedanken gekommen — die Isidora — nun Sie 
iverden schon noch von mir hören." 
Der Poststellwagen hielt an. Man befand sich 
anl -labor, dem nördlichen Eingang der Stadt vor 
der sogenannten „Linie" der äußeren Uinivallunq 
Wiens. Die Emgangsthore dieser Umwallung sind 
mit den „Linicnämtern" .besetzt, ivelche die Steuer 
auf einzuführende Lebensmittel zu beheben haben 
und damals auch den unerläßlichen „Pas,'irschein", 
ohne welchen keinem Reisenden Einlaß in die Stadt 
gewährt ^ wurde, rcvidiren mußten. Waldbrenner 
hatte außerhalb der Stadt, also vor der Linie, seine 
Besitzung und stieg hier vom Wagen ab. Zwei 
Knechte warteten bereits auf ihn, um sich mit seinem 
Gepäck zu beladen, und nach einem letzten an Schluck 
gerichteten Kopfnicken trottete er behäbig dahin und 
verschwand bald in unermeßlichen Staubwolken. 
Wcneelm Schluck aber fuhr iveiter bis zum „Weißen 
Roy m der Leopoldstadt, wo der Postwagen ein- 
tehrte und von ivo aus nur einige hundert Schritte 
bis zu des Sattlers Wohnung in der Jägerzeile 
zurückzulegen waren, und ein Postknecht trug ihnr 
fcm Gepäck nach. ’ 
Gesenkten Hauptes schritt er den kurzen Weg 
dahin Er ivar nicht so weichen Gemüthes, daß 
ihn das bevorstehende Wiedersehen der Seinen be 
sonders bewegt hätte. Dennoch iväre sein Schritt 
durch Freude beflügelt ivorden, ivenn er sich nicht 
soeben durch die Erzählung seine betrübende Lage 
so deutlich vergegenivürtigt hätte. Daß dazu der 
alte Mann Andeutungen gewagt hatte, die bis zum 
Niederschmettern demüthigend waren, ivenn er sie 
mit den stolzen Plänen verglich, die er von jeher 
an die Zukunft seiner Tochter geknüpft hatte, trieb 
ihm das Blut zum Kopfe. Nein, es war nicht 
möglich! Wäre er auch niemals der reiche Guts 
besitzer geivesen, der ein Ansehen im ganzen städti- 
schcn Bezirk hatte, wäre er auch immer nur ein 
schlichter, armer Handwerker der Vorstadt geblieben
	        
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