Full text: Newspaper volume (1884)

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ArollllkmeutSpreiS: 
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77ster Jahrgang. 
Erscheint Mittwoch und Sonnabend Morgens. 
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als landwirthschastliche Beilage monatlich .Der Landwirth'. 
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Sonnabend. 
]% o. 4. 
12. Januar 1884. 
ier enthaltend. 
Chr. Kühl. 
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Chr. Brandt. 
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und Gescht 
agdal. Cath. 
Ioh. Iürg. 
Lohn. 
liehen, geb. 
5 Umschau. 
Dr. Eduard Lasker, der hervorragende 
deutsche Parlamentarier, der eifrige Patriot, 
dem auch die Gegner ihre Anerkennung nicht 
versagen konnten, ist also nicht mehr. Wenige 
Stunden bevor die telegraphische Trauernach- 
richt anlangte, traf noch ein langer Brief Laskers 
dei einem Berliner Freunde ein, in welchem 
der nun Verewigte große Freude über seine 
wieder erlangte körperliche und geistige Frische 
und über die baldige Rückkehr nach seinem 
beliebte» Vaterlande aussprach. Die Sektion 
der Leiche widersprach diesem optimistischen 
Briefe jedoch vollständig, indem sie die Krankheit 
der Lunge, des Herzens und — deS Gehirns 
Zugleich konstatirle. Seine näheren Freunde 
besorgten ein unheilbares seelisches Leiden srei- 
ļìch schon seit Jahr und Tag, denn sie be 
merkten deutlicher den Verfall der sonst so 
eminenten geistigen Concentration und des 
bewundernswerthen WortgedächinisseS dieses 
Mannes. Lasker erkannte die eingetretene 
Schwäche auch. aber er hielt sie für vorüber 
gehend. Auch hier war er Optimist. — Wie 
gern hätte der Verstorbene an der Berathung 
der neuen Unfallversicherungsvorlage 
iheilgenommen, die den Reichstag in bevor 
stehender Session beschäftigen wird und deren 
Grundzüge in dieser Woche bekannt ge 
worden sind. Die neue Vorlage berücksichtigt 
die meisten der vom Reichstage an dem im 
vorigen Jahre abgelehnten Entwürfe gemachten 
Ausstellungen, erseht die Gefahrenklassen durch 
die industriellen Berufsgenossenschaflen, auf 
welche die Unsallversicherungen gegründet wer 
den sollen, sieht ferner von der Gründung einer 
Neichsanstalt ab und sichert den Versicherungs- 
genossenschaslen eine freie Selbstverwaltung. 
Nur die Betriebsunternehmer zahlen die Bei 
träge, die Arbeiter gehen in dieser Beziehung 
srei ans, erhalten aber einen wesentlichen Ein 
fluß aus die Verwaltung der Genossenschaften, 
ja, sie sollen sogar in dem zu gründenden 
Reichsversicherungsamt durch 2 Mitglieder ver 
treten sein, welches die Kontrole über die Ge- 
schästssührung der Genosienschaslen auszuüben 
hat. Endlich wollen wir erwähnen, daß der 
Reichszuschuß in diesem Entwürfe auf die Fälle 
dauernder LeistungSnnsähigkeit der einzelnen 
Versicherungen beschränkt wird. Diese wesent 
liche Ausmerzung des staatssocialisiische» Prin 
zips erhöht die Aussicht des Entwurfs Gesetz 
zu werden. Aber schon der Umstand, daß das 
Hauptorgan der Centrumspartei sich 
über diese Grnndzüge im höchsten Maße be 
friedigt ausspricht, dürste die Annahme durch 
ben Reichstag verbürgen. Dieses Entzücken 
hat vielleicht den augenblicklich günstigen Stand 
der AuSgleichsverhandlungcn zwischen Preußen 
und dem Papste mit zur Ursache. 
In Leipzig hielt der Centralverein der 
Wollwaarensabrikanten eine Delegirten- 
versammlung ab, welche ihre Freude über das 
Zustandekommen des Reichskrankenkasiengesetzes 
und die Hoffnung aussprach, daß auch die 
Unfallversicherung' bald ins Leben treten werde 
und zwar mit Beibehaltung des Reichszu- 
schusses und der Bestimmung, daß in den ersten 
13 Wochen nach dem Unfall die Krankenkassen 
einzutreten haben. Diese Hoffnung wird sich 
aber, wie wir nun wissen, nur zum Theil er 
füllen, denn der Reichszuschuß ist der Haupt 
sache nach wegsällig geworden. — Bei der 
Reichstagsersatzwahl in Göttingen 
siegte der Welfe über den Nationalliberalen, 
freilich mit nur wenigen Stimmen. — Das 
preuß. Abgeordnetenhaus trat wieder 
zusammen, genehmigte einige Spezialetats und 
ging zur Berathung der Eisenbahnverstaat- 
lichungs Vorlage über. — Das bayerische 
Abgeordnetenhaus dürfte inzwischen den 
Entwurf einer staatlich geleiteten und von dem 
Staate dotirten Hagelversicherung, wel 
cher beizutreten jedoch Niemand gezwungen 
ist, acceplirt haben. — In Darmstadt sand 
eine Landesversammlung der hessischen 
Fortschrittspartei, in welcher die Abg. 
Richter und Träger erschienen, und in Stutt 
gart eine solche der Würtemberg. Volks 
partei statt. 
Die franz ö sis chenKammern traten wieder 
zusammen. Das Ministerium wird ihnen die 
freudige Botschaft verkünden, daß auch der 
neue König von Annam den von seinem 
Vorgänger mit Frankreich abgeschlossenen Ver 
trag anerkannt und den Gesandten Tricon in 
Hue freundlichst empfangen habe. Die andere 
überseeische Nachricht, daß die Hovas ans der 
Insel Madagaskar den nördlichen Theil 
derselben an Frankreich abgetreten habe, wird 
dagegen in Paris offiziös in Abrede gestellt, 
da Frankreich eine solche Abtretung nicht ge 
stellt habe und der nördliche Theil den Hovas 
gar nicht gehöre. — Der Graf von Paris 
trat am 10. Januar seine vielbesprochene Reise 
nach Madrid an. 
In den spanischen Körte; hat die De 
batte über vie aus die Thronrede zu erlassende 
Adresse begonnen. Dos Ministerium bol 
Alles aus, um einen ihm günstigen Beschluß 
durchzusehen. Es führte den Namen deê Königs 
in's Treffen, welch Letzterer ja früher das 
Regieruiigsprogramm gutgeheißen habe, es 
drohte den Liberalen, daß,, wenn sie sich von 
der Regierungspartei trennten, die große, 
mächtige konservative Partei bald an's Ruder 
kommen würde. Aber Alles scheint vergebens 
zu sein. Sagasta, der Führer der Liberalen 
erklärte den demokratischen Ministern, daß seine 
Fraktion nimmer mehr für das allgemeine Stimm 
recht und die Versassungsrevision eintreten 
würde. Das Ministerium aber vertraut nun 
wohl auf die Armee, der sie bekanntlich durch 
Gesetz (für die Grade bis zum Obersten auf 
wärts) einen höheren Sold verschaffen will, 
aus Kosten der Gehälter der Generale. 
Berlin, 9. Januar. Das Reichsaint des 
Innern hat sich sehr getummelt — der Gesetz 
entwurf über die Unfallversicherung liegt vor, 
und va der Reichstag vermuthlich nicht vor 
Anfang März zusammentritt, so bleibt genug 
Zeit, um den Entwurf gründlich zu prüfen. 
Es war ein glücklicher Gedanke, die Vorlage 
schon jetzt bekannt werden zu lassen; auf diese 
Weise kann der Bundesrath aus den Kund 
gebungen der öffentlichen Meinung mit Leich 
tigkeit ersehen, welche Einzclbestimmungen un 
verändert bleiben können und bei welchen eine 
Umgestaltung nöthig sein wird. Der Reichs 
kanzler hat jedenfalls, weil er seinen Entwurf 
schon jetzt in die Oeffentlichkeit bringt, den 
guten Willen, die Angelegenheit in der bevor 
stehenden Session zum Abschluß zu bringen; 
deshalb ist jede überflüssige Geheimhaltung 
von Dingen, die recht eigentlich der freien und 
eingehenden Discussio- unterworfen werden 
müssen, vermieden worden, und die Berathung 
wird eine normale. Die frühere langjährige 
Praxis der Reichsregierung war die, daß sie 
erst während der Session mit wichtigen Ent 
würfen hervortrat und bis zum Moment des 
Bekannlwerdens ihrer legislatorischen Absichten 
dieselben als tiefes Geheimniß bewahrte. AuS 
diesen Ueberraschungen entstand eine große 
Menge von Mißverständnissen und Mißdeutun 
gen, die diesmal nicht möglich sind. Die 
Unsallversichernngs - Vorlage bedarf, che ein 
Urtheil über sie abgegeben werden kann, der 
sorglichsten Piüfung, und an ihr wird es keine 
Partei fehlen lassen. 
— Wie mitgetheilt wird, werden die sterb 
lichen Ueberreste Eduard L a s k e r's von dem 
Bruder des Todten am 12. d. Mts. mit dem 
Dampfer „Neckar" nach Bremen überführt 
werden. 
— (Militärisches.) Die neueste Nummer 
des „Militär - Wochenblattes" beschäftigt sich 
mit den Einjährig - Freiwilligen und schlägt, 
wie der Verfasser meint, in deren Interesse 
wie im Interesse des Heeres vor, von dem 
jetzigen System abzugehen, wonach die Er 
nennung der Einjährigfreiwilligen zu Reserve 
offizieren die Regel bildet. Vielmehr sollen 
nach Ansicht des Verfaffers nur ganz speziell 
militärisch ausgebildete Freiwillige zu Offizieren 
ernannt werden, der Haupibestandtheil aber in 
subalternen Stellungen bleiben, bis er etwa 
durch Tapferkeit auf dem Schlachtfelde zur 
Besördeiung gelangt. Das „Militär-Wochen 
blatt" beruft sich aus angebliche schlimme Er 
fahrungen in den letzlen Feldzügen. Der 
Standpunkt, den es einnimmt, kennzeichnet sich 
durch folgende Antilhese: „Was soll man da 
zu sagen, wenn man in Ofsizierskreisen die 
Frage auswerfen hört: „Weshalb ist Referendar 
L. nicht Reserveoffizier geworden?" Von Rechts 
wegen sollte man doch allein fragen: „Wie 
haben der Landraih A., der Proseffor B., der 
Gutsbesitzer C., der Amtsrichter D. und viele 
andere es möglich gemacht, sich trotz ihres an 
strengenden CivilberufS noch diejenigen mili 
tärischen Kenntnisse anzueignen, die man heut 
zutage von einem Ossizier verlangen muß?" 
Nachdem der Artikel die mannigialtigen Vor- 
bereilungsstadien geschildert hat, die ein Offizier 
aspirant durchzumachen haben würde, resumirt 
er dahin : „Rur ein Reserveosfizierexamen wird 
Abhülfe schaffen können, und zwar ein Examen 
nach bestimmt vorgeschriebenen Grundsätzen 
vor ständigen Commissionen, sei es am Sitze 
der Kriegsschulen, sei es im Stabsquartier 
der Divisionen. Der junge Civilist, welcher 
durch seine Beförderung zum Offizier Theil- 
nehmer an dem 200jährigen Ruhme des 
Heeres, der junge Mann, welcher der Kamerad 
seines Kriegsherrn werden will, der kann sich 
diese Ehren auch etwas kosten lassen und 
wer dies nicht will oder kann, der bleibt eben 
Vizefeldwebet und wartet, wie jeder aktive 
Soldat, welcher die Examina nicbt ablegen 
konnte, bis er durch Tapferkeit vor dem Feinde 
seine Brauchbarkeit zu beweisen vermag. Allen 
falls könnte auch gestattet werden, daß ein 
Vizefeldwebel ohne Examen Sekondelieutenant 
der Landwehr würde. Die Beförderung zum 
Premierlieutenant oder mindestens die Be 
förderung zum Hauptmann rc. sollte aber (auch 
bei den jetzt vorhandenen Offizieren des Beur 
laubtenstandes) jedenfalls von der Ablegung 
des Reserveoffizierexamens abhängig gemacht 
werden. 
Hamburg. Die älteste hiesige Aktien 
brauerei, diejenige in St. Pauli, die früher 
selbst bis zu 25 pCt. Dividende gab, giebt für 
das letzte Rechnungsjahr nur 5 pCt. gegen 10 
pCt. in 1882. 
Hamburg. Beim großen Brande 1842 
hatte ein Tagelöhner Namens Ziechmann, 
welcher gegenwärtig nahezu siebzig Jahre alt, 
in recht dürftigen Verhältnissen in Buckow lebt, 
als preußischer Pionier rettend mitgewirkt und 
war damals durch eine herabstürzende Wand 
dauernd an seiner Gesundheit beschädigt wor 
den. Er hatte seiner Zeit die Hamburger 
Rettungsmedaille und das Ehrendiplom er 
halten, welche bekanntlich die Inschrift trägt: 
„Das dankbare Hamburg seinen Freunden in 
der Roth." — In seiner jetzigen traurigen 
Lage hat sich der alte Mann mit seinem Ge 
such um Unterstützung an den hiesigen Senat 
gewandt und von demselben ein Geschenk von 
400 Mk. bewilligt und ausgezahlt erhalten. 
-ff Kiel, 9 Jan. Am Jahresanfang sind 
an einem Tage, am 4., zwei Justizbeamten 
gestorben, in Wilster der 1831 in Glückstadt 
geborene Amtsgerichtsr. K. W.G. v. Prangen, 
1861 examinirt, dann Secretär beim Glück 
städter Obergericht, seit 1867 in Wilster, erst 
Amtsrichter, dann Oberamlsrichter und zuletzt 
Amtsgerichlsrath) und in Meran, wie schon in 
Ihrer Mittwochs-Nr. gemeldet, der 1826 in 
Meldorf geborene pensionirte Kirchspielvogt in 
Reinbeck, Friedr. Borgfeldt (mährend des 
ersten schlesw.-holst. Kriegs Combattant, 1854 
als Jurist examinirt, dann Kirchspielvogt in 
Hemme bis Mai 1868, im folgenden Jahre 
Äctuar des nördl. Amtes Gottorp bis 15. 
Sept. 1865, im Decbr. letzteren Jahres Amts 
verwalter in Bordesholm, von wo er 1868 
als Kirchspielvogt nach Reinbeck kam, wo er 
1876 pensionirt und mit dem R. A.-O. 4. El. 
decorirt wurde). Borgieldt frischte sein An 
denken unter seinen engeren Landsleuten nament 
lich durch seine thätige Verwendung für die 
durch Wassernöthen heimgesuchten Tiroler im 
vorletzten Jahre von der besten Seite auf. 
— Für das seit zwei Jahren vacante Dia- 
Äalimo Epigramme. 
D, kehre wieder, schönes Meteor! 
trauerst Du, dliß sich sobald verlor 
^Sterneuzcl das schaff Meteor; 
Jetzt alles finster mJen Abendstunden, 
golduc Schein ist Jeiber ganz entschwunden. 
11 Farbenspiel uns doch entzückt, 
uns aller Erden,vrgcn säst entrückt! 
sijîr Kosmosgoldstanb schwebte überm Haupte; 
4>ald wird er fallen! wie ein jeder glaubte. 
D, schönes Zeichen von des Himmels Gunst! 
Und was sagt der Professor? — Staub und Dunst 
fernen Java hätte uns geleuchtet? — 
uuch dix Gelehrten sind oft angefeuchtet. 
©a_r bald entwich vom lieben Eiderstrand 
~ cl ' schöne Glanz nach einem fernen Land 
ahne Niederschlag vom lieben Golde. — 
Ş Räthsel löse, Muse, v Du holde! 
Die Lösung raunt sie leise mir ins Ohr: 
kffsà keinen Wunsch begrenzt, der ist ein Thor; 
D» ,">nen Goldes musst Du Dich entjchlagen, 
n kannst, mein Rendsburg, nicht gar viel vertragen. 
auch durch Silber sind wir schon beglückt; 
-v.chffllar zu wenig, und ivir sind entzückt; 
t-, U , UI yichts von Kupfer und von Nickel, 
^ suhlen schon den Nenjahrzahlungsprickel. 
knich Silbcrstaub im Kosmosschrein. 
(s4 , '1 'hu regnen doch ein Stündelcin; 
Schicht von einem Decimeter! — 
V fl) lülcher Kosmosstaub als längst erflehter, 
M Und Dank Dir, Himmel! 
Handlung- 
vermischte Notizen. 
Chicago ist bekanntlich anderen Städten 
Nordamerikas in mancherlei Dingen voraus. 
hat dort eine große Maiiusakturwaaren- 
Ķma einen sog. „Erfrischungstisch" für Damen 
« geführt, an welchem die Käuferinnen Kaffee, 
suchen und Ausiernsuppe frei erhalten, wenn 
Waaren im Werthe von 5 Dollars 
reckn soll den ganzen Tag über 
recht lebhaft besetzt sein. 
Liverpool, 10. Janr. JohnHerd jun., 
ein bedeutender Getreidespekulant hierseldst, 
dessen Umsatz im verflossenen Jahre zwei 
Millionen überstieg, hat mit beträchtlichen 
Passivas seine Zahlungen eingestellt. 
— Petersburg. Mit Bezug auf die Ermor 
dung des Gendarmerie-Obersten Sudeikin wird 
gemeldet, daß Jablonsky der Frau Sudeikin's 
besten Tod selbst meldete. Während dieselbe den 
Ort des Verbrechens aussuchte, erbrach er das 
Schreibpult des ermordeten Obersten, eignete 
sich alle wichtigen Dokumente desselben an und 
suchte damit das Weite. 
Berlin, 4. Januar. (Gattenmord.) In 
Weißensee hat der Schneidermeister Schütz seine 
Ehefrau Alma. geb. Fehlisch ermordet. Die 
Ehegatten lebten schon seit langer Zeit in Zwist; 
brutale Mißhandlungen der Frau von Seilen des 
Ehemannes waren nichts Seltenes. Sch. ist 
33 Jahre alt und wird als ein arbeitsunlusiiger 
Mensch geschildert. Er wurde bald nach der 
That verhaftet. 
Bunzlau, 1. Januar. (Geistesgegenwart.) 
In einer Nachbarstadt lauschte während deö 
Gottesdienstes am heiligen Abende die Ge 
meinde andächtig den Worten des beliebten 
Kanzelredners, als plötzlich schüchterne Rufe: 
„Herr Pastor, Sie brennen!" ertönten. In 
lebhafter Schilderung der Weihnachtsgaben 
begriffe», halte dieser jedoch den Ruf überhört 
und predigte ruhig weiter. Da erschallte es 
lauter und kräftiger: „Herr Pastor, Sie bren 
nen!" Bestürzt hielt der Geistliche inne und 
gewahrte nun endlich, daß sich sein Talar an 
einem hinter ihm stehenden Lichte entzündet 
hatte. Ohne Zögern löschte er das Licht, drückte 
die ihn bedrohenden Flammen aus und predigte 
weiter, so daß der Gottesdienst ohne jede 
weitere Störung verlief. 
— (Eine humoristisch angehauchte 
Bigamiegeschichtej erzählt die neueste 
Nummer des „New Pork Herald." In Newyork 
saßen eines Abends in einem Biersalon im 
Osten der Stadt zwei Männer, die sich bisher 
noch nie in ihrem Leben gesehen hatten und 
die 5 Minuten später erfahren sollten, daß sie 
Beide Männer derselben Frau gewesen seien. 
Der eine hieß Tiemer und war Matrose, der 
andere hieß Meier und war Metzger. Beide 
waren Deutsche und schon als Knaben nach 
Amerika gekommen. Sie gerielhen in eine 
Unterhaltung über ihr Vaterland und was sie 
bisher in ihrer neuen Heimalh getrieben. Tiemer 
erzählte, daß er eigenltich nur eine unglückliche 
Heirath zu bedauern habe, die er vor zwölf 
Jahren eingegangen sei. Er habe seine Frau 
schon nach 4 Monaten wieder verlassen: länger 
habe er es nicht mehr bei ihr ausgehalten. 
„Das ist seltsam", meinte nun Herr Meier — 
mir ging es säst gerade so. „Ich halte mich 
vor drei Jahren vecheiralhet, habe es aber 
nur zwei Monate bei meiner Frau ausgehalten." 
Gemeinschaftliches Unglück führt ja die Menschen 
am schnellsten zusammen und so leerten die 
neuen Freunde gemeinschaftlich ein Glas nach 
dem andern, bis endlich Mr. Tiemer fragte, 
wie wohl die Frau des Mr. Meier geheißen 
habe." — „Sophie Ölte", antwortete Mr. 
Meier freundlich. — „Sophie Otte? ist cs mög 
lich, so hieß ja auch meine Frau", rief Tiemer 
erstaunt. — „Seid Ihr denn nicht von ihr 
geschieden", fragte Mr. Meier. — „Gott be 
wahre", erwiderte Mr. Tiemer, „wir haben 
beide dieselbe Frau." Da sich unter solchen 
Umständen die Thatsache der Bigamie nicht 
leugnen ließ, so reichten die beiden Freunde 
gegen ihre gemeinschaftliche Ehefrau Klage 
ein. Diese wollte vor dem Richter bebauplen, 
daß ihre erste Ehe ordentlich geschieden sei, es 
erwies sich aber nur, daß sie und Mr. Tiemer 
vor einem Advocaten erklärt hatten, von ein 
ander gehen zu wollen. Ganz ebenso lag der 
Fall des Mr. Meier und es ist nur noch in 
teressant zu bemerken, daß Miß Otte in den 
neun Jahren, die zwischen ihren beiden Ehen 
verflossen, laut der HeiralhSkontrakte nur um 
2 Jahre älter geworden war. „Der unge 
wöhnlich kalte Winter des Jahres 1880 mag 
wohl dies ungewöhnliche NaļurphänomenŞ ver 
schuldet haben," meinte der joviale Richter 
Smith. Da Miß Otte schließlich immer noch 
behauptete, sie hätte die Scheidungsurkunde 
zu Hause, so wurden die Verhandlungen vertagt. 
— Aus Erinnerungen von Offenbach, die 
in Paris soeben erschienen sind, entnehmen 
wir die folgende Anekdote, die recht charakte 
ristisch für den leichtlebigen Komponisten ist: 
„Eines Tages, unter dem Empire, erhielt 
Offenbach die außerordentliche Vergünstigung, 
eine Aufführung seines „Orpheus in der Unter 
welt" im Theatre Italien zu veranstalten. Der 
Kaiser und die Kaiserin wohnten der Vorstellung 
bei. Man machte eine Einnahme von achtzehn 
tausend Francs. Orpheus war in der Unter 
welt, Offeubach war im Himmel. Während 
des ersten Aktes dirigirte er das Orchester. 
Nachdem der Vorhang gefallen war, eilte er 
in das Kabinet des Directors hinauf — wel 
cher ein großer Kartenspieler war. „Uh bien, 
mein lieber Offenbach, Sie sind beglückt?!" — 
„Entzückt!" — „Hm, aber achtzehntausend 
Francs ist eigentlich wenig Geld, es wäre 
Ihnen das Doppelte nöthig." — „Ah, das 
wäre allerdings besser." — „Run wohl", ich 
schlage Ihnen vor, Ihre Einnahme in Ecartö 
auszuspielen. Wenn Sie gewinnen, so haben 
Sie 36 000 Francs. Wenn Sie verlieren, 
brauchen Sie nicht einmal die Börse zu öffnen. 
Ich ziehe dann anstatt Ihrer die Einnahme
	        
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