Full text: Newspaper volume (1875)

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erbeten. 
Mittwoch, 
Io. 
3. März 1875. 
fc»«««. Den von den Abgeordneten nn- 
00.N Provinz gestellten und schon früher mit- 
8 »getiten Antrag, betreffend die von der 
Ņatsregierung offerirte Ausgleichssumme, mo- 
Zv'rte der Abgeordnete Professor Hänel in 
wlgender Weise: 
> weiß sehr wohl, meine Herren, daß wenn ich. und 
Smio Pt >n später Stunde, über schleSwig - holsteinische 
wà.n "nd zwar für Absetzung einer in offenbar 
0»uft s Uenöcr Absicht gebotenen Summe, ich auf die lln- 
1®ii ,* Hauses und der Regierung zu zählen habe. 
ņnks.) Ich seihst hin nicht geborener Schleswig- 
Man sondern erst 1863 in das Land gekommen, 
nietn , »te mir daher heute zurufen - und es geschähe 
was h- Um "şten Mal —: was ist ihm Heknba? Aber 
r°aikü!,i. °"ü"gt. ist nicht eine partikulare Frage der Her- 
PreunV ' 0n î | etti, wenn auch nicht eine Lebensfrage für 
Herwau- °ch für seine Beziehungen zu deu aunekiirien 
Ş'e habe»""" 
von höchster Bedeutung. Meine Herren. 
13. Mai v. 3. beschlossen, der Regierung 
holst.i,-kehlen, eine billige Ausgleichung der schleswig- 
hxsş Zeichen Zwangsanleihe von t849 und 50 »nd ins- 
Her: 1 ^ et beiden von den Communen der ehrmaligen 
©min v mcr oufgebrachlen Anleihen zu bewirken. Die 
2-Mn e "ieser Kriegsschäden wurde danmls liquidirt auf 
Thlr Ich periönlich kann nach der ruhigsten 
Env> 
Nau!?^en Ueberzeugung nicht lassen, daß die Regierung. 
f... a l . em şie Schleswia ■ Holstein annektirt Kat. nach Nöl- 
Mng aller Gründe und Gegengründe von meiner 
f ! ,c Schleswig ■ Holstein annektirt hat. nach Vöi- 
, . cht und Staatsrecht verpflichtet ist. die Zwangsan 
ibu>ļ'a> n le * n 6er damaligen Zeit entstanden waren? auf 
den V C 'whmen. und daß sie ebenso die KriegSschä- 
„ lc "ach früherem Staatsrccht auf den Staat z» re 
im n”'-' tt,orc "' j» übernehmen hat. Ich habe mich aber 
u„nn° n ®jl auf diesen meinen subjektiven Stand- 
ich inj, şi/şiîllt und werde es auch heute nicht, weil 
I, "Witz, daß jedes Festhalten dieses Standpunktes 
0l '*$ e Zwecke verfolgen würde, und daß mir 
üniifhiLnTc-, . ttlä eine solche Agitation und als eine 
ich bezwecke^m°lliwn ^°ģbn die Staatsregiernng. Was 
vom vorigen şà -rtz Standpunkte de« Beschlusses 
dieses Antrages mitî pî",uaä>zuw0isen. daß die Tendenz 
vorgeschlagenen SKa&renp?’’’Ü.' 1 . ' 1 '* 51 der Regierung 
überhaupt diese Manreo?, nn'ä>f. erfüllt worden ist. daß 
Die Schleswig H° ° L M '*!*• 
der bei ihnen Ist habendem nationalen Gedanken. 
HundertS n t -1 ? ^wetten Jahrzehnt dieses 3ahr- 
Ķämpscn von 1848— l * C i |, ol -, C!5 ßellore " u, " rtic - in6tn 
lichen Gefühle die ® e „ l ^ e begeben, und tue main- 
und ffnni pi-m'.i' 5 ® e einem Preußen von gutem Schrot 
daß der als, Jrken wen» Sie ihm weiß machen wollen, 
ein nbarfi'i,i,t® n |rt Wa ""4 dem Recept Onno Kloppt 
dieS^-i Abenteurer gewesen, dieselben Gefühle, 
djx sn?.-, • 111 bhien Deutschen erwecken, wenn Sie sagen, 
das - seeuingskämpfe waren eigentlich ein Unrecht gegen 
„„f l, B ° rrn 0 cnt ’ e Genie eines Napoleon und seine wclt- 
tagenden Pläne, die nämlichen Gefühle erwecken Sic 
deute in jedem Schleswig - Holsteiner, wenn Sie ihm sa 
gen. Eure Erhebung von 1848—51 hatte eigentlich nur 
den Werth eines StraßciiaufruhrS; was Ihr gethan, war 
Mir eine ephcniere Erscheinung, die wir heute in ihren 
Folgen als null und nichtig betrachten. Das liegt in der 
Natur eines guten und sich selbst treuen Volkes. Diese 
Gefühle dürfen Sie nicht schelten, auch wen» Sie sie viel 
leicht nicht vollkemnien begreifen. Als die dänische Herr 
schaft wieder etablirt wurde, da hat nichts so sehr den 
unversöhnlichen Haß der Schleswig - Holsteiner gegen Dä 
nemark geschürt und lebendig erhalten, als daß Dätiemark 
gerade diese Gefühle absichtlich und mit Hohn verletzte. 
Eine ganze Reihe von politischen Gewaltmaßrcgeln der 
Danen sind nur zu erklären ans dieser Rückstchtslostgkeit 
gegen die Gefühle der Schleswig-Holsteiner, an» jener an- 
gebornen Grausamkeit, wclchc immer denjenigen beseelt 
der nur mit fremder Hülfe in, Stunde ist. einen Widers 
stand zu brechett. Bon diesen politischen Gewaltmaßregelii 
bezogen sich unmittelbar zwei ans die vorliegende Frage. 
Die dänische Regierntig hat ihre Derpflichittitg, für die 
Kriegsschäden aufzukommen, nie in Abrede gestellt, sie 
ans ''-j Ģegenļheil zur Anmeldung von SchadcnSersatz- 
oeiArn 1 '" aufgefordert »nd darin nur Diejenigen aus- 
ni',0 » hetz in irgend einer Weise an dem Anf- 
^ bethcili^, haben, wozu sie auch die Theilnahme an 
den Wahlen zur Landesversammlung, zur Natioualver- 
sammluug in Frankfurt, an Adressen an auswärtige 
fürstliche Personen, d. h. den König von Preußen rech 
nete. So verstände» die Dänen sofort die Anerkeiiiinug 
einer rechtlichen Vcrpstichiung in eine Maßregel der 
Verfolgung der politische» Prostitution zu verwandeln! 
Die zweite Gewaltmaßregel war die Vernichtung drr 
schlcswig - holsteinischen Zwangsanleihe. So lief war 
Deutschland und Preußen, als sie die Wege von vlmütz 
wandelten, nicht gesunken, so niedrig dachte selbst Oester 
reich nicht, daß eS etwa Schleswigholstein ohne Beding»», 
gen ausgeliefert hätte Nein, es wurde mit der dänischen 
Regierung über die Bedingungen verhandelt, unter wel 
chen man die landesherrliche Autorität wiederherstellen 
und die Evakuation der deutschen Truppen vornehme» 
würde. Dazu gehörte eine Proklamation, in welcher die 
Statthalterschaft aufgelöst wurde »nd der königlich preu 
ßische Generalmajor v. Thünien. der kaiserlich österreichische 
Generalmajor Graf McnSdorff die Regierung übernahmen. 
2n dieser Bekaiinimachung ist zwar gesagt, daß das Ver 
fassungsgesetz SchleSwigholsteins aufgehoben werde, daß 
aber privalrechtliche Verhältnisse, welche unter den seit 
herigen Gesetzen entstanden sind, nicht berührt werden. 
Zu de» Bedingungen gehörte ferner die Wiedcraufrichtung 
der schleSwigholsteinischen Verfassung von 1834. wonach 
in privatrechtliche Rechtsverhältnisse ohne Gutachten der 
holsteinischen Stände nicht eingegriffen werden durfte. 
Nach diesen Bedingungen geschah die Evakuirung am 
>8. Febr. 1852. Am 7. Juni 1852 erfolgte jene könig- 
liche Verordnung welche unter Verletzung wohlerworbener 
Rechte alle Forderungen aus de» Zwangsaiileihen ver 
nichtete. Dns war eine Schmach, angethan den deutschen 
Mächten, die eben Schleswigholstein an de» Fremdherr- 
schcr überliefert hatten. (®et)r wahrlj lind nun hilft 
kein Dedujircn und Argumentiren Die preußische Regie 
rung muß. nm von ihren Verpflichtungen gegenüber jenen 
ZwangSanteihen und Kriegsschäden loszukommen, auf 
diese politischen Gewaltakte der dänischen Regierung sich 
berufen (fiött!); sie muß sie nachträglich legalistrcn und 
sanktioniren. Welche Gefühle dies selbst bei den national- 
gesinntesten SchleSwigholstkinern erregen muß. überlasse 
ich Ihrer Erwägung. Diese ans Schlesivigholstrin kom- 
inendcn Ansvrderungen sind auch keineswegs neuesten 
Datums; sic regle» sich schon unmittelbar, nachdem die 
dänische Gewaliherrschaft in den Herzogihümcrn etablirt 
war, wenn man sich auch im Stillen sagte, daß eS der 
dänischen Regierung gegenüber unmöglich sei. sie durch 
zusetzen. Nur in dieser Erwägung gingen im Jahre 1859 
die holsteinische» Stände über 65 Petitionen aus SchleS- 
wigholstcitt und 34 aus Hamburg auf Anerkennung der 
Zwangsanleihe zur Tagesordnung über. Die Schleswig- 
Holsteiner hielten es für selbstverständlich, daß ihre Selbst 
ständigkeit und ihre LoSreißlliig von Dänemark indenlisch 
sei mit der Anerkennung einer Forderung, die sie für eine 
Ehrenschuld ihres Staates hielten. Wir durften vielleicht 
auch erwarten, daß die königliche preußische StaatSregie- 
rung. als zur Annexion geschritten wurde, in diesem 
Sinne vorginge. Die dänische Regierung verfuhr bei 
der Vernjchtiing der schleSwigholsteinischen Zwangsanlcihe 
nur consequent, indem sie sagte 1 vernichte ich die Zwangs 
anlcihe. so vernichte ich auch damit die Genehmigung zu 
denjenigen Anleihen, welche die Commnnen behufs De- 
eknng jener Staatsanleihe ihrerseits co,itrahirt haben; das 
ist schleSwig - holsteinischerseitS geschehen durch ein Mini- 
sterialrescript vom 13. Juli-1852. Als nun in Schlcswig 
die oberste Cioilbehörde unter der Leitung des preußischen 
CvmmissariuS Herr» v. Zedlitz eingesetzt wurde, da war 
es einer ihrer ersten Schritte, daß sie die Commune» an 
hielt. von diesem Relcriple keinen Gebrauch zu machen 
ihört! hört!), und so sind mm in neuester Zeit ans An 
halten der damalige» obersten Cioilbehörde Anleihe» von 
Communen' contrahirt worden, um die a»S früheren 
ZwangSaiileihen stammende» Anforderungen z» befriedi 
gen. Wenn so die 9Ïunification der Zwangsanleihe» ge 
genüber den Commune» aufgehoben wurden, dann wer 
den Sie eS wenigstens begreifen, daß die Schleswig- 
Holsteiner meinten. daraus folge nothwendig, daß auch die 
Nullifikation jener Zwangsanleihen gegenüber demjenigen 
Staate, der in Schleswig - Holstein etablirt würde, werde 
aufgehoben werden. Es wurde dann der Wiener Friede 
vom 30. Oktober 1864. wobei Preuße» 20 Millionen der 
ans Schleswig - Holstein abgewälzten Kesammtschnld Dä- 
nemarls. welche letzteres zur Niederwerfung der Herzog- 
zogihümer contrahirt halte, übernommen, geschlossen, und 
so geschieht es, daß Sie heute die schleSwig-holsteinischen, 
wahrhaft nationalen Anleihen noch nicht repudilreii. daß 
Sie heute aber noch trage» an denjenigen Schulden, 
welche Dänemark zur Niederwerfung Schleswig-Holsteins 
contrahirt hat. [Hört! hört!) Sie haben seiner Zeit einem 
Vertrage vom 27. September 18GG mit dem Großhcrzog 
von Oldenburg Ihre Zustimmung gegeben °. Sie billigten 
dem Großherzog eine Entschädigung von 1 Million Baar 
zu. außerdem die Abtretung des holsteinischen Amtes Ah- 
rcnSböck nebst lnbischen Distrikten mit einem Sleuercapi- 
talSwerthe von 3 Millionen Thaler. Diese Entschädigung 
von zusammen 4 Millionen Thalern ist ihm gewährt für 
Erbrechte, an weiche kein Mensch in Deutschland geglaubt 
hat. welche Preußen niemals anerkannt hat. Das Motiv 
dazu war. daß man auS der Annexion so wenig Mißver 
gnügen als möglich anregen wollte. Wenn man so viel 
für höchst zweifelhafte dynastische Rechte bewilligte, for 
dert da das jchlesivig-holsteiiiitche Volk Unbilliges, wenn 
es die doch wahrhaftig mehr begründeten Forderungen, 
die auS seinem nationalen Befreiungskämpfe hervorgegan 
gen sind, mit übernommen wissen will? lSehr wahr!) 
ration ab. die sich an den Kämpfen 48—51 beiheiligt 
hat und der nächsten, die »och in den Känipse» von 
63—66 mitgewirkt hat. Dann wird Alles vorbei sein, 
höchstens daß noch in einem Geschichtsbuch eine verflo 
gene Bemerkung steht, daß als Preußen die Herzogthünier 
aiinektirte. es gewaltsam verfahren und auch die bcstbe- 
gründeten Rechte der Schleswigholsteiner nicht geschont 
habe. Wenn ich also die Staatsregiernng auffordere, in 
diesem Sinne die Sache aufzufassen, so geschieht daS 
allein zu dem Zwecke, um das Znsammenwachsen zwischeie 
Schleswigholstein und Preußen von gewissen Hindernissen 
zu befreien. Ich empfehle Ihnen diese Maßregel im 
Sinne jenes alten weisen Spruches, daß alle Regiernngs- 
knnst nur zu einem Viertel Technik und zu drei Viertel 
Psychologie ist. In diesem Sinne enipfehle ich Ihnen 
die Annahme deê Antrages, den sämmtliche schleSwig- 
holsteinischen Abgeordneten, mit Ausnahme des Abgeord 
neten Hanse», gestellt haben. — — — 
AuS alle dem folgt: Wenn Sie das Bedürfniß und die 
politische Nothwendigkeit empfinden, jenen Widerspruch zu 
beseitigen, der zwischen den politischen, rechtlichen »nd 
moralischen Anschanungcn der Schleswig - Holsteiner »nd 
jener Berufung eines deutschen Staates auf dänische Ge 
waltakte hervorgerufen wird, dann bedarf cs einer politi 
schen Maßregel, die den politischen und moralischen An 
schauungen der Schleswig - Holsteiner Gerechtigkeit wider 
fahren läßt, die die ans jenen Ansprüchen hergeleitete» 
Agitationen beseitigt. In diesem Sinne halte ich unsere 
Resolution vom Vorjahre ausgefaßt. Der Vorschlag der 
Regierung aber hat weder diese Tendenz, noch kann er 
jemals den ermattete» Erfolg haben Zunächst erkennt die 
Regierung weder Grunde der Billigkeit, noch der Gerech 
tigkeit an- Was sie bietet, ist etwas total AndercS, als 
eine Ansgleichnng der ZwangSanleihe. und deshalb gelangt 
sie zu der Summe von 400.000 Thlr.. mit der eben ein 
Ausgleich schlechterdings unmöglich ist. denn sämmtliche 
Kriegsschäden betragen 5,100.000 Thlr. Trotzdenr bind'et 
die Regierung ihr Angebot noch an gewisse Bedingnngen. 
sie verlangt eine Quittung darüber, daß fie fernerhin nicht 
mehr mit Ansprüchen behelligt werde. Die Abgeordneten 
für SchlcSwigholsteiii. Provinziallandtag und Provinzial- 
anSschiiß müßten lügen, wenn fie eine derartige Quittung 
ausstellten, den» niemals werden a»f diesem Wege die 
Beschwerden aufhören. Schleswig - Holstein wird jeden 
Wechsel in den Anschaiinngen der Regierung mir der 
neugierigen Frage beobachten, ob man nicht nun etwas 
mehr herausschiagen kann a»S dem zähen Staate Preu 
ßen- Wenn Sie das nicht wollen, so müssen Sie 
eine politische Maßregel annehmen, welche, um einen 
Ausgleich z» bewirken, eine anêkominliche Summe bietet. 
Diese wäre mit der Provinz Schlcswig - Holstein zu ver 
einbaren. welche danach sich als Schuldnerin für alle An 
sprüche zu geriren und den Staat Preußen völlig zu cz- 
nejiiiren hätte. Ich schließe es auch nicht aus, daß. wenn 
die Regierung zu einer Vereinbarung über diese Summen 
komme, »nd dieselbe sich späterhin gegenüber de» noch 
flagranten Forderungen als nnanskömnilich erweist, die 
Provinz SchleSwigholstein selbst zu ihrem Theile eine» 
giitcn Beitrag für die spätere Tilgung dieser Forderung 
leistete. Wenn sie zu einer solchen Maßregel, wie ich sie 
Ihnen vorichlnge, sich nicht cnischlicßen, so rathe ich Ihnen 
dringend, lassen Eie ganz einfach die kalte Staatsraison 
walten; denn wenn Sie das nicht erreichen, was Sie in 
Ihrer vorjährigen Resolution selbst anssprachcn. dann 
wäre eben jeder .Pfennig, den Sie hier bewilligen, die 
reine Verschwendung, und dann sage ich als preußischer 
Abgeordnetcr. ich bewillige diese 400,000 Thlr. nicht, weit 
ich sie für weggeworfenes Geld halte, und weil damit 
kein politischer Erfolg zu erzielen ist. Glauben Sie nicht, 
meine Herren, daß ich Ihnen dies, wie einmal im Reichs 
tag der Änsdrnck stet. .auS Bosheit" rathe. Ich bin 
kein geborncr Schleswigholstciner, aber das Land und 
Volk sind mir ans Herz gewachsen und ich habe cs all- 
mählich kennen gelernt. Ich sage Ihnen: Sie mögen 
handeln, wie Sie wollen, im Augenblicke der Ge 
fahr wird dieses Volk, was Sie auch in seinem Sinne 
an ihm gefehlt haben, eintreten für den preußischen 
Staat und für Kaiser und Reich. Ich sage noch mehr, 
Warten Sie doch ruhig das Absterben der Gcne- 
Derlin. Die „Vossische Ztg.", die treue 
Freundin der Herzogthümer, sagt über die 
Ausgleichungsfrage und die durchschlagende 
Rede Professor Hänels in ihrer Uebersicht: 
„Schleswig-Holstein ist zu lange das Schmer 
zenskind der deutschen Nation gewesen, als 
dast wir uns theilnahmslos abwenden sollten, 
wenn ein Laut der Klage von dorther erschallt. 
Gerade in den letzten Rkonaten haben mehrere 
von den eigenen Landeskindern, wie die Pro 
fessoren Mommsen und Baumgarten, harte 
und ungerechte Beschuldigungen von einseitig 
politischem und religiösen Standpunkte aus 
gegen den mackeren Vollsstamm, dem sie ent 
sprossen, geschlendert; es ist eine Art Sühne, 
daß ein Fremder, der erst seit 12 Jahren in 
Schleswig-Holstein sein Heim hat, dem aber 
Land und Leute an das Herz gewachsen, die 
Vertretung der gerechten Interessen der Her- 
zogthümer mit einer Wärme der Beredsamkeit 
übernahm, wie sie aus dem Herzen kommend 
zum Herzen sprechen mußte. Wir denken: 
was Hänel vorbrachte, wird für die Budget- 
Commission über den Antrag der schleswig-hol 
steinischen Abgeordneten nicht verloren sein. 
Preußen hat 1866 dem Großherzog von Ol 
denburg 1 Million Thaler baar und Gebiets 
theile mit einem Stenerkapitalsmerthe von 
3 Millionen Thaler bewilligt, und zwar für 
Erbrechte, an welche kein Mensch in Deutsch 
land geglaubt, welche Preußen niemals aner 
kannt. Das sollten wir uns vor Augen hal 
ten, wenn es sich darum handelt, dem schles 
wig-holsteinischen Volke für Kriegsschäden, die 
sich auf 5,100,000 Thaler beziffern, eine billige 
Ausgleichung zu gewähren. 
— Der Finanzminister hat übrigens bereits 
die Neigung der Regierung ausgesprochen, die 
Sache aus der Welt zu schaffen. Ec will ab 
warten, welche Vorschläge das Abgeordneten 
haus ihm macht, nur verlangt er, daß man 
ihm nicht blos mit der unbestimmten Redens 
art eines billigen Ausgleiches, sondern mit der 
Forderung einer festen Summe komme. 
şKicķ, 28. Febr. Ein Wort über das 
Ereigniß der Woche, die schleswig-holsteinische 
Debatte im Abgeordnetenhause, darf wohl auch 
meiner Kieler Correspondeiiz vorausgehen. Die 
Debatte und in ihr die Rede Hänel's als Glanz 
punkt hat neben manchem anderem Guten 
auch den Vorzug gehabt, die Minister selbst 
Gcheimnißvoll. 
iFvrts. von Ruiniņer 17 Beilage.) 
, ’i; 1 ne Abenteurerin? Das war sie damals 
'ņcht. Sie waren Beide jung und liebten sich. 
Wohl stand ste im Range unter ihm, aber 
aim der Mann das Weib nicht zu sich empor 
heben und glücklich ,em?" Sie kamen aus 
zartes Gebiet. Seine Augen glänzten. Miß 
Herncastle nahm ruhig ihre Arbeit wieder auf. 
»Gewiß, wenn das Weib seiner Wahl eine 
^Lame war. Harriet Lelacheur aber konnte das 
e-ê ö^wesen sein und Major Cardonell mag 
ick ^-wester Klugheit danken. Doch wie 
hat zwischen der Gräfin und ihrer 
gefunden^" eine Versöhnung statt- 
verheirathe?e g? ,tatt . etc şie reichlich aus und 
der starb, nackdsm 4 lnen Kaufmann Harman, 
war. Von a« Æod)ter fleboren 
aber ich hörte meinen Na'? persönlich nichts, 
Ruisland ost genug 11 ? be „ u Grafen 
»Und Lady Ruisland 
wieder zu sich?" ahm die Wittwe 
»Rein, aber sie blieb mit ^ . r 
Sie war eine edle Natur, a?er rm^.kehr. 
schastlichem Stolz und geheimer Eiserşnck^leiden- 
w einem Anfall derselben suchte s 
der ehemaligen Dienerin." bet 
"m? ~ a . rb '"Ihren Armen." 
", U Sie wissen die Geschichte. Jg 
xSiitfe ? bl) Ruisland starb in der ärmlichen 
S>! SÄ Ei. war. ich 
eine iuiMt Lf. Ģnind, eis-rsüchllg auf 
der Graf fei in .® aâ Gerücht sagte, 
seiner Rückkehr ^ersolat?" .^ r gewesen. Nach 
9r "folgte eine heftige Scene, 
bittere Worte fielen und in leidenschaftlicher 
Aufregung floh die Gräfin. Man suchte sie 
vergebens. Nachts kam ein Bote von Mrs. 
Harman und rief den Grafen zu ihr. Eine 
Tochter war ihm geboren worden, sein Weib 
war todt." 
Wieder ließ Sclina Herncastle die Stickerei 
fallen, und heftete die großen Augen in athem- 
loser Spannung auf den Baron. 
»Die Leiche der armen Dame wurde heim 
gebracht, das Kind blieb in Mrs. Harman's 
Pflege. Eine Zeit lang war der Gräfin Tod 
für den Gatteip ein schrecklicher Schlag. Eine 
Zeit lang. Wir verlieren unser Liebstes, die 
Welt aber dreht sich wie immer, und wir essen, 
trinken — und vergessen. Clive Court wurde 
geschlossen, Mrs. Harman erhielt eine schöne 
Pension und die kleine Carola blieb bei ihr. 
Rach zwei Jahren aber verlangte sie, der Graf 
möge seine Tochter holen, sie wolle Verwandte 
in Paris besuchen. Er kani, empfing das Kind 
aus ihrer Hand, brachte es zu Verwandten 
und setzte sein Wanderleben fort. Mrs. Har 
man verließ. England mit ihrer Tochter, und 
der Graf scheint nicht wieder von ihr gehört 
zu haben, bis er eben seines Schwagers Bild 
sah. Miß Herncastle, Lady Carola hat das 
Piano verlassen, wollen Sie mich nicht für die 
lange Erzählung mit ihrer Unvergleichlichen 
Musik belohnen?" 
Sie erhob sich und spielte beinahe eine 
Stunde, und er lauschte glücklich den herr 
lichen Tönen. 
»Sie haben mir heute einen großen Ge 
fallen erwiesen, Sir Arthur," sprach sie endlich 
und reichte ihm zum ersten Male die Hand, 
»erlauben Sie mir, Ihnen dafür zu danken, 
nun gute Nacht." 
»Einen großen Gefallen?" wiederholte er 
erstaunt, »ich verstehe Sie nicht. Miß Herncastle." 
Sie blickte mit eigenthümlichem Lächeln auf 
den Grafen und Lady Carola. 
»Eines Tages werden Sie begreifen, Sir 
Arthur, vielleicht eher, als Sie glauben. Noch 
ein Mal gute Nacht!" 
Sie ging. Er blickte ihr nach. Andere Augen 
hatten den Abschied beobachtet. Der Graf biß 
sich auf die Lippen, Lady Carola erröthete. 
»Es ist hohe Zeit, daß dem ein Ende ge 
macht werde," flüsterte der alte Herr. 
Miß Herncastle ging in ihr Zimmer, setzte 
sich ans Fenster und blickte hinaus. 
„Endlich, endlich!" flüsterte sie. 
Unten ertönte Musik und Lachen, sie achtete 
nicht darauf. 
»Endlich, endlich ist die Stunde gekomnlen," 
sprach sie triumphirend, »und ich sehe meinen 
Weg klar bis ans Ende." 
!7. Capitel Die Narbe auf der Schläfe- 
»Und ich sage Ihnen, Madame, Sie werden 
nicht gehen!" 
• »Und ich sage Ihnen, Sir Peter, ich werde 
gehen!" 
„Du wirst in dem häßlichen Anzug das 
Haus des übelbelenmnndeten Weibes nicht 
betreten." 
»Ich werde, so wahr die Nacht dem Tage 
folgt, im Costüme eines Pagen Mrs. Everleigh's 
Maskenfest besuchen!" 
Beide Gatten suchten Athem und starrten 
sich an. Es war drei Tage nach dem Unfall 
des Barons, und er fühlte sich wohl genug, 
in den Salon zu kommen. Die Einsamkeit sei 
nes Studierzimmers war ihm plötzlich uner 
träglich geworden. Seine Käfer und Schmet 
terlinge genügten ihm nicht mehr, er suchte die 
Nähe, die Gesellschaft der Menschen, und hatte 
nun zum ersten Male nichts Anderes zu thun, 
als seine Frau zu beobachten und furchtbar 
eifersüchtig zu werden. An ihrer Liebe lag ihm 
freilich nicht viel, aber sie war sein Weib und 
als ihr Gatte hatte er gewiß das beste Recht 
auf ihre Aufmerksamkeit und Rücksicht. Für 
ihn aber hatte sie all das nicht, wohl aber 
für Major Frankland. Im Innern ihres Her 
zens aber, wenn Mylady wirklich solch ein 
Heiligthum besaß, war ihr der Eine so gleich 
gültig, wie der Andere. Großes Vermögen, 
schöne Kleider, prächtige Feste gingen ihr über 
Gatten, Kinder und Verehrer. Doch sie hatte 
ja all das und der Major war hübsch und 
bezahlte gern mit zärtlichen Blicken und nichts 
sagendem Geflüster die herrlichen Diilers, Weine, 
Pferde u. s. w. Er wußte nicht, daß Sir Peter 
eifersüchtig war, er meinte es nicht böse, wollte 
mit seinen Huldigungen nur die Zeit vertrei 
ben, und wenn Lady Dangerfield gern coquet- 
tirte, und Sir Peter nichts dagegen hatte, 
warum sollte er es nicht thun? Beim Tanz 
convenirte sie ihm, ihre Geistesanlagen waren 
die gleichen, sie kannten dieselben Leute, spra 
chen gern von denselben Dingen, und all das 
war der Kern seiner und Myladys platonischer 
Liebe. Gewissermaßen aber war Sir Peter 
schon lange dem grünäugigen Monstrum zum 
Opfer gefallen, seit zwei Tagen aber steigerten 
sich die Symptome zur wüthendsten Eifersucht. 
Er that nichts, als sein Weib und deren Ca 
valier betrachten und vergaß darüber selbst 
Gespensterfurcht und Interesse für Miß Hern 
castle. Mit einem großen Buche in der Hand 
I 
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