Full text: Newspaper volume (1875)

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Mttwoch. 
iso. V4 
24. Uovemöer 1875. 
Berlin. Ter Antrag auf Gewährung von 
Diäten an die Reichstagsabgeordneten wird 
nächster Tage auf die Tagesordnung des 
Reichstags kommen. 
— Der erste Bericht der Commission für 
Petitionen beschäftigt sich mit einer Bittschrift 
des Lieutenants a. D. Th. Hollesen in Eckern 
förde, betr. Gewährung einer Verstümmelungs- 
zulage von 200 Thlrn. — 600 M. auf Grund 
des Artikels 13 lit. a. des Gesetzes vom 
27. Juni 187k, betreffend die Pensionirung 
und Versorgung der Militärpersonen u. s. w. 
Die Commission beantragt, der Reichstag wolle 
beschließen, es sei die Petition des Lieutenants 
a. D. Th. Hollesen dem Herrn Reichskanzler 
zur Berücksichtigung zu überweisen. 
— Eine schöne Aussicht für die Steuer 
zahler eröffnet sich durch die 'Nachricht mili 
tärischer Blätter, daß ein in Sömmerda neu- 
construirtes Gewehr sich als so vorzüglich er 
wiesen habe, daß man es wohl als die Zukunsts 
waffe der Infanterie bezeichnen dürfe. 
— Dem „Hann. Courier" wird über die 
Herstellung eines Nord ostseekan als von 
einer Seile, die in dieser Beziehung unter 
richtet ist, mitgetheilt, daß die preußische Re 
gierung, resp. die Reichsregierung, diesen Plan 
zwar keineswegs aufgegeben, indeß zunächst, 
da es sich hier um die Abkürzung eines inter 
nationalen Verkehrsweges handelt, bestrebt sei, 
auch die übrigen großen schiffahrllreibenden 
Nationen zu den Kosten dieses Unternehmens, 
das immerhin bei einer Anlage auf breitester 
Basis über 40 Mill. Thaler kosten sollte, heran 
zuziehen. Inzwischen soll die preußische Ne 
gierung das Glückstädter Hafenprojeet, welches 
schon früher auftauchte, protegiren. 
-1- Kiel. 20. Nov. Für die Zählung zum 
I. December ist die Stadt in 54 Zühlbezirke 
getheilt mit etwa 320 Zählern. Nicht wenigen 
von Letzteren kostet der Inhalt ihrer Zähl 
mappen, die recht umfangreich sind, einige 
Mühe, um sich über die Materialien, sowie 
über die Weise ihres Vorgehens zu orientiren. 
Es gilt bekanntlich neben einer Volks- auch 
einer Gewerbezahlung und letzterer Punkt hat 
die Sache, im Vergleich mit der letztinaligen 
Zählung, diesmal nichtbedeutend erschwert. Der 
Lehrerstand ist unter den Zählern hier wie 
anderswo, zahlreich vertreten. 
Man hat nach dem Bericht in der Sonnabend- 
Nummer Ihres Blattes, in Ihrer Stadt an 
einem Tiscussionsabend über die Errichtung 
eines Gewerbe-Vereins verhandelt. Zu dem 
hier in Kiel bestehenden Verein gehört bekannt 
lich eine Gewerbe-Schule die für das Winter- 
Semester unter sehr günstigen Verhältnissen be 
gonnen hat. Gegen 201 im vorigen Winterhalb 
jahr zählt dieselbe im gegenwärtigen 353 Schüler, 
die in I I Abtheilungen von 14 Lehrern unter 
richtet werden. Außer den sei es mehr allge 
mein elementaren, sei es mehr technischen Unter 
richtsgegenständen wird im Modellirfach speciell 
Bauhandwerkern durch eine besonders einge 
richtete Modellir-Classe Gelegenheit zur Aus 
bildung geboten. Diese Classe ist von 20 Schü 
lern besucht. Außerdem zählt die Schule 
64 Knaben und 24 Lehrer, welche einen Cur- 
sus im Freihandzeichnen durchmachen. In Be 
zug aus die steigende Schülerzahl wird bemerkt, 
daß die Schule im Begriffe stehe, über die 
Räume hinauszuwachsen und wird daran der 
Wunsch geknüpft, daß von Seiten der Stadt 
rechtzeitig daraus Bedacht genommen weiden 
möge, daß nicht Mangel an Raum ihre Ent 
wickelung hemme. 
— Nach der „K. Z." bestätigt es sich, daß 
der Oberpostdirector Brachvogelin Kiel als 
Oberpost rath nach Koblenz versetzt ist, und 
an seine Stelle soll nicht wie früher gemeldet 
wurde, der Telegraphendirektor Richter in Köln, 
sondern Oberpostdirektor Breilkopf inMün- 
ster treten. 
— Ueber die Heranziehung von Amtswoh 
nungen zur Ein qua rti erun gs I äst hat der 
Finanzminister in Uebereinstimmung mit dem 
Minister des Innern neuerdings wiederum ent 
schieden, daß Amtswohnungen in Amtsgebäuden, 
deren übrige Räumlichkeiten zu einem öffent 
lichen Gebrauche bestimmt sind, deffen unge 
achtet zur Einquartierungslast herangezogen 
werden können. 
— In allen drei Skandinavischen Reichen, 
namentlich in Schweden und Norwegen, spukt 
eine Geldkrisis. Wie die Sachen augen 
blicklich stehen, schreibt die „Magdeb. Zlg.", 
wird es schwer halten, einem finanziellen Zu 
sammensturz vorzubeugen. Wir haben bereits 
vor Längerem über den Geldmangel in Nor 
wegen berichtet, der so groß ist, daß die besten 
Wechsel in Christiania nicht zu discontiren sind. 
Dieser Geldinangel herrscht in Norwegen nun 
schon seit länger als einem halben Jahre. 
Nicht besser ist es in Schweden bestellt. — Auch 
aus der Schweiz wird geschrieben: Wir stehen 
mitten in einer Finanzkrisis. Die bisher be 
liebtesten Papiere sind geradezu erschreckend 
gefallen. 
— Das nächste Gr up pen-Turnfest für 
die Gruppe Schleswig-Eckernsörde Rendsburg 
wird im Juni 1876 in Eckernförde abgehalten 
werden. 
— Als einen Beweis, daß im Allgemeinen 
die Landpreise, trotz hoher Arbeitslöhne und 
Betriebskosten, noch nicht im Sinken' sind, 
kann man mittheilen, daß dem Besitzer Vollert- 
sen aus Dollrottseld für seine Hufe, 105 Haid 
scheffel groß, worauf ein Kanon von 105 Thlrn. 
ruhen soll, von einem angehenden Landmanne, 
der dieselbe zum Wohnsitz zu erwerben beab 
sichtigte, die Summe von 22,000 Thlr. Schl.- 
Holst. Cour, geboten ist. 
In Altona ist der Polizeiinspector Brumm 
in Folge einer wider ihn eingeleiteten Unter 
suchung seitens des Magistrats bis weiter von 
seinem Amte suspeudirt worden. 
Die Marienthal er Vierbrauergesellschaft 
bei Wandsbek wird für das mit dem 
1. October ablaufende Geschäftsjahr eine Di 
vidende von 6 pCt. geben. 
Ģ Rendsburg, 22. Nov. Zum Lehrer 
in Duvenstedt ist vom Visilatorium der Prvpstei 
Hütten Lehrer Stahl in Nickert ernannt. Da 
die Schulstelle in Nickert nur mit 300 Thlr. 
dotirt ist, so wird es schwer fallen, bei dem 
jetzigen Lehrermangel eine tüchtige Kraft für 
dieselbe wieder zu gewinnen. Es dürfte jetzt 
für Nickert der günstige Zeitpunkt gekommen 
sein, dahin zu streben, mit Büdelsdorf zu einem 
Schulverband verbunden zu werden, d. i. die Be 
rechtigung, die Kinder in die Büdelsdorser 
Schule schicken zu dürfen, und die Verpflich 
tung die SchuUasten gemeinsam zu tragen. 
Diese Umgestaltung liegt besonders im Inter 
esse der Dorfschast Nickert, indem eine mehr 
gliedrige Schulanstalt, die in kleinen Gemein 
den wie Rickert nicht zu ermöglichen ist, da 
durch auch für letzteres erreicht würde. 
* Rendsburg, 21. Nov. Der im vorigen 
Monat bei einer holst. Postanstalt mittelst ge 
fälschter Postanweisungen verübte Betrug, über 
welchen die Blätter mehrfach, wenn auch un 
genaue Referate brachten, wird im Publikum 
noch immer besprochen und ist die nunmehr 
erfolgte Entdeckung des Thäters um so er 
freulicher, als dadurch allen Verdächtigungen 
und böswilligen Vermuthungen ein Ende be 
reitet wird. Von mit dem Vorfalle vertrauten 
Personen erfahren wir über den Sachverhalt 
Folgendes: In den ersteren Tagen des Octo 
ber war bei dem Hotelbesitzer Doepke in Neu 
münster ein Reisender abgestiegen, der sich 
Hermsen nannte und der bei seiner Ankunft 
sich sofort erkundigte, ob keine Geldsendungen 
angekommen seien. Kurze Zeit daraus erschien 
der Postbote mit Postanweisungen, frug nach 
einem Herrn Hermsen und erhielt die Antwort, 
derselbe habe bereits nach den Geldsendungen 
gefragt und logire aus Nr. 11. Der Briefträ 
ger lieferte hierauf dem Reisenden die Post 
anweisungen, im guten Glauben, daß der Wirth 
den Empfänger kenne, aus und ließ sich hiefür 
quittire». Anfangs November wurden die Con 
trollisten zwischen den Postämtern Rendsburg 
und Neumünster ausgewechselt, resp. verglichen 
und stellte sich heraus, daß Neumünster das 
Postamt Rendsburg mit 4 Postanweisungen 
a 300 M. belastet hatte. Rendsburg remon- 
strirte; jedoch ohne Erfolg, da Neumün 
ster im Besitz von 4 solcher quiitirter Postan 
weisungen, die gestempelt, mit annähernd rich 
tigen Lausnummern sowie dem Namen des hie 
sigen Expedienten versehen und vollständig reg- 
lementsmäßig ausgefertigt waren. Da im hiesi 
gen Annahmebuch die Anweisungen nicht ge 
bucht waren, so lag offenbar ein Betrug vor. 
Die Ausfertigung ließ darauf schließen, daß 
der Fälscher eine im Postdienst erfahrene Per 
sönlichkeit sei und da ein früher im Postfach 
und am hiesigen Postamte beschäftigter und 
später aus dem Dienst getretener junger Mann 
hier domicilirte, siel zunächst der Verdacht auf 
denselben; eine Photographie desselben wurde 
nach Neumünster gesandt und da der Brief 
träger in derselben den Empfänger der Beträge zu 
erkennen glaubte, so wurde der bezeichnete junge 
Mann in Haft genommen; die eingeleitete Un- 
tersuchung und hierauf folgende Recognosci- 
rung durch den Hotelwirth, Kellner und Brief 
träger constatirten übrigens dessen völlige Un- 
B e V t a. 
Novelle von Hippolyt Tausch nêki. iFerts.vo» Nr. 93 > 
Achtes Kapitel 
Die Meuterei. 
Von Ancona, das gestürmt und geplündert 
wurde, wälzte sich das Heer gegen Tuscien, Alles 
verwüstend, und ergoß sich dann im breiten Laufe 
wieder südwärts. An dem erschrockenen Rom vor 
bei, dessen Bürger von ihre» Mauern und von 
den Zinnen der Tempel »ird Paläste die Massen 
vorüberströmen sahen, warf sich Spariacus an die 
neapolitanische Küste, und bis nach Capna und 
Tarent ließ er seine Horden schwärmen. Italien 
bot das gräßlichste Schauspiel der Zerstörung und 
Verwüstung. Der Feldbau halte aufgehört, denn 
die Ackersklaven hatten Pflug und Sense wegge 
worfen und zum Schwert und zur Lanze gegriffen. 
Die Dörfer und die Landhäuser der Reiche» lagen 
eingeäschert, zahlreiche kleinere Städte waren von 
allen Bewohnern verlassen. In den großen Or- 
ü«, in denen sich Flüchtlinge zusammendrängte», 
begann der Mangel an Lebensmitteln sich fühlbar 
5» machen. Außerdem lagerte über Allen eine 
dumpfe schreckliche Angst, den» mitten unter ihnen 
^bten noch Tausende und aber Lausende von 
Sklaven, deren natürliche Sympathien ihren be 
reiten Brüdern gehören mußten. 
Welche Straße man zog, überall sah man 
Oiuineu, verheerte Felder, verstümmelte Leichen von 
Römern und gekreuzigte Sklaven. 
Das Heer des Spartacus, ohne die Weiber und 
Minder, die im Trosse folgten, zählte nunmehr jetzt 
jO.000 Mann, eine furchtbare Macht, wenn sic 
orga,lischt und zweckmäßig verwendet wurde, 
side's aber fehlte. 3e mehr die Armee zunahm, 
ftlo lockerer wurde die Organisation. Es gab 
^'>e VorrathSkammern, keine aufgespeicherten Le 
bensrnittel, mit denen man die Leute verpflegen 
konnte. Die fremden Provinzen schickten ihr Ge 
treide nach Rom und Neapel, und die Sklaven 
mußten sich 'Alles im schon so arg verwüsteten 
Land erpressen. 
Spartacus mußte sein Heer theilen und jeder 
Truppe es überlassen, sich selbst zu erhalten. Da 
mit riß eine entsetzliche Verwilderung ein. War 
vorher schon die Rache der Sklaven an ihren Herren 
oft zur wüthenden Raserei ausgeartet, der selbst 
die Führer nicht mehr steuern konnten, so trat 
jetzt die Noth hinzu. 
Einige Stunden schwelgend und prassend in al 
len Genüssen und dann wieder Tage lang Hunger 
und Elend erduldend, mußte die Armee immer 
mehr den Charakter einer riesigen Räuberbande 
annehmen und alle Bemühungen des Spartacus, 
dem entgegen zu wirken, scheiterte» an dem Man 
gel der Verpflegung und an dem immer mehr wach 
senden Selbstgefühl der einzelnen Truppenführer. 
Aber das Hin- und Hcrmarschiren in Italien 
war auch zwecklos. 
Rom erobern und zerstören — unmöglich! Die 
70,000 Sklaven mußten in dem ungeheueren La 
byrinth der Straßen und Plätze verschwinden. Zu 
einer Vorstellung im Amphitheater drängten sich 
mehr Zuschauer, als Spartacus Krieger hatte! 
Seine Armee war groß genug, sich im Felde zu 
behaupten, aber nicht eine Stadt mit zwei Millio 
nen Einwohnern, die gut bewaffnet und zum Kampf 
gerüstet waren, zu besetzen und zu vertilgen. 
Einschließen und aushungern konnte er sie auch 
nicht, denn er besaß kein einziges Schiff und konnte 
den Hafen von Ostia, das Thor Roms gegen das 
Meer, nicht sperren. Wie vor hundertfünfzig 
Jahren sich Hannibal, der größte Feldherr aller 
Zeiten, in ohnmächtiger Wuth vor Rom verzehrt 
hatte, so knirschte Spartacus in verhaltenem Zorn, 
als er von denr Albanergebirge herab die Spitzen 
der Riesenstadt erblickte und die Nebel von ihr cm- 
porwallcn sah. Je länger er aber in Italien weilte 
desto näher rückte sein Verderben. Jede» Tag war 
die Ankunft der Flotte und der HilfStruppcn von 
Kleinasien zu erwarten und schon war Pompejuö 
aus Spanien mit seinem siegreichen Heer unterwegs, 
die Sklaven anzugreifen. 
Jlda's Worte und Mahnungen wurden dringen 
der. Oft genug schüttete der junge Führer sein 
Herz vor ihr auS und immer hatte sie nur eine 
Antwort: 
./Verlasse Italien, so lange es noch nicht zu spät 
ist und ziehe in unsere Heimath!" 
Er stand südöstlich von Cnmä. Von allen Sei 
ten empfing er die Belichte seiner Hauptleute, sie 
enthielten wenig Trostreiches. Ileberall Mangel, 
Aufsässigkeiten der Sklaven und Unzufriedenheit. 
Nachdem er die Boten abgefertigt, ließ er Ker- 
torar, den Gallier, rufen; derselbe erschien. Schwei 
gend schritt Spartacus im Gemache auf und ab. 
Endlich begann er: 
„Freund — ich nenne Dich so, den» ich weiß, 
Du bist einer der Wenigen, die es ehrlich mit mir 
meinkn — Freund, was denkst Du von unserem 
Krieg?" 
Kcrtonar war überrascht. Er gehörte zu den 
Leuten, die blindlings thun, Nachdenken war nicht 
seine Sache. 
„Du brauchst Dich nicht zu scheuen, Sprich ganz 
offen. Was sprechen die Hauptleute?" 
„Hm, Herr, ja eben gestern war wieder die Rede. 
Gar lange wirds nicht mehr gehe», wenn einmal 
Pompejus im Lande steht und der bedächtige Crassus 
aus Rom ausniarschirt, dann sind wir fertig." 
„Nun, was sagst Du dazu?" 
schuld, und wurde der Verhaftete wieder ent 
lassen; inzwischen hatte eine Revision ergeben, 
daß am 4. October Abends, kurz vor Schluß 
des Dienstes hieselbst ein junger Mann eine 
Postanweisung auf den kleinen Betrag von 
30 Pfg. lautend an einen Herrn Hermsen nach 
Apenrade aufgegeben hatte und diese Post 
anweisung später durch den Hausknecht des 
Gasthofs „Zum Nordischen Löwen", woselbst 
er logirte, wieder zurücknehmen ließ. Der 
Schalter-Beamte hatte die Postanweisung zer 
rissen und dem Hausknechte die Stücke gegen 
Rückgabe des Postscheius eingehändigt. Die 
Combination, daß dieses Experiment nur ge 
macht worden, um in den Besitz der Laufnum 
mer und zur Handschrift des Annahmebeamttn 
zu gelangen, lag nun nahe. Es wurde in 
dem betreffenden Gasthofe und sonst nach ver 
schiedenen Seiten recherchirt, und auch in Apen 
rade ein Reisender verhaftet, auf den die Be 
schreibung der Person paßte; auch diese Ver- 
hasluttg stellte sich als ein Fehlgriff heraus. 
Nun kehrte man wieder zu der früheren An 
schauung zurück, daß der Fälscher unbedingt 
mit dem Dienste vertraut sein müsse und fiel 
der Verdacht auf einen früher am hiesigen 
Postamte kurze Zeit sungireuden Postgehülfen, 
Namens Nöh, der später seine Demission erhal 
ten und in Schleswig seinen Wohnsitz aufgeschla 
gen hatte. Nachforschungen ergaben, daß derselbe 
seit dem 4. October aus Schleswig verschwun 
den war. Von einer größeren Vergnügungs 
tour nach Kopenhagen, London, Calais durch 
Deutschland, die mehrere Wochen in Anspruch 
genommen und wozu ihm, wie sich nun heraus 
stellt, die Post die Mittel geliefert hatte, kehrte 
Herr Roh dieser Tage nach Schleswig zurück 
und war bei seiner Verhaftung auch sofort 
geständig, den Betrug vollführt zu haben, 
durch welche dankenSwerthe Offenherzigkeit 
er allerdings auch seine nächste Zukunft 
sicher gestellt hat; es wird ihm wahrscheinlich 
in unserer nunmehr „eingeweihten" neuen Straf 
anstalt Gelegenheit gegeben werden, über den 
raschen Wechsel alles Irdischen in den langen 
Winterabenden Betrachtungen anzustellen. 
Ueber die Manipulation, der sich der Be 
trüger bediente, um die Stempelung der ge 
fälschten Postanweisungen zu ermöglichen, äu 
ßerte Röh — der nunmehr an das hiesige 
Amtsgericht zur weiteren Untersuchung abge 
liefert morden — bei seiner Verhaftung sich, 
wie gerüchtweise verlautet, dahin: Er habe — 
vertraut mir den Lokalverhältnissen — das 
Bureau am Morgen vor Ankunft des Beamten 
betreten, von dem anwesenden Unterbeamtcn 
einen vorgeblich aufgelieferten Brief zurücker 
beten und auf dessen Weigerung, die er auch 
erwartet, dringend um die Erlaubniß ersucht, 
schleunigst einige Zeilen schreiben zu dürfen, 
um den Inhalt des Brieses redressiren zu kön 
nen ; bei dieser Gelegenheit sei es ihm gelungen, 
die Stempelung zu vollziehen und habe er 
dann die Anweisungen in den Schalter des 
Eisenbahnwaggons gegeben. 
— Vor Kurzem kam die Frage zur Erledi 
gung, ob in einem Verein, wie beispielsweise 
„Ich — nichts. So lang ich bei Dir bin, werde 
ich fechten, und wenir sic mich fangen, so können 
sie mich den Löwen vorwerfen oder ans Kreuz 
schlagen. — Aber es war doch eine schöne Zeit 
und die können sie rrns nickt nehmen! 
Spartacus legte ihm die Hand auf die Schulter. 
„Höre mich ehrlicher Kcrtonar. Wir müssen 
aus Italien fort, wir müssen. Im Norden, in 
Germanien, Thracicn oder sonst wo finden wir 
Land genug für uns, dort wollen wir leben und 
frei sein. Jeder von Euch soll ein Gut haben, 
Haus, Feld und Wald, und wir Alle sollen glücklich 
sein. Bist Du zufricdeir?" 
„Ich bin mit Allem zufrieden, was Du willst 
und thust!" 
„Gut also wir marschiren! Aber — und das 
ist eben die Schwierigkeit, in der Du mir helfen 
kannst — Ihr müßt mich zwingen!" 
„Zwingen, Dich, unsern Feldherrn? Nein!" 
„Halt, Freund, verstehe mich wohl! Ich will ge 
zwungen sein, ich will es. Und Dir befehle ich, 
es durchzusetzen!" 
Kertonar rieb sich die Stirne. 
„Verzeihe mir, Herr, ich bin etwas schwerfällig, 
aber die Sache beginnt mir einzuleuchten. Wir, 
das heißt die Hauptleute, sollen Dich also zwingen, 
uns aus Italien hinwcgzuführcn. Wir sollen Dich 
darum bitten —" 
„Ja und ich werde mich weigern." 
„Und dann sollen wir nochmals bitten und Dir 
sogar drohen —" 
„Ganz recht! Und endlich werde ich nachgeben. 
Glaubst Du, die Hauptleute dahin zu bringen?" 
„Wenn Du mir die Vollmacht gibst und wenn 
— wenn Tissada mich nicht stört, ja. Es kostet 
nur einen Abend und ich habe die Zustimmung 
von alle» Galliern und Germanen." 
35!
	        
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