Full text: Newspaper volume (1875)

68ļtcr Jahrgang. 
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Mittwoch. 
l* o. « 
20. Januar 1875. 
Berlin, 16. Jan. Der Landtag wurde 
heute im Namen des Kaisers durch den Mini 
ster Camphansen eröffnet. Derselbe legte in 
der Rede dar, daß trotz des Druckes, der ans 
vielen Zweigen des Handels und der Industrie 
laste, der Stand der Finanzen ein befriedigen 
der sei, und der Ueberschnß des Jahres 1873 
gestatte, den gesteigerten Anforderungen gerecht 
?u werden, die in einzelnen Zweigen des 
Staatshaushaltes gemacht würden. Er betonte 
darauf, daß, wie der Landtag ans dem Staats 
haushaltsetat ersehen könne, zur Verbesserung 
des Einkommens der Geistlichkeit und der Ele 
mentarlehrer, zur Förderung von Kunst und 
Wissenschaft, zur Erweiterung der Eisenbahn 
anlagen des Staats, der Häfen, der Land- 
und Wasserstraßen rc. bedeutende Vorlagen 
gemacht seien. Es seien ferner Entwürfe von 
Ģesetzen vorbereitet, durch welche der mit der 
Kreisordnung begonnene Bau der inneren 
Selbstverwaltung zum Abschluß gebracht wer 
den solle. Der in der vorigen Sitzungsperiode 
nicht erledigte Entwurf einer Vormundschafts 
ordnung solle von Neuem zur Berathung vor 
gelegt werden; auch sei die Regierung mit der 
Regelung der Rechtsverhältnisse der ländlichen 
Arbeiter, sowie mit der Revision der bestehen 
den Ansiedelungs-Gesetzgebung beschäftigt. 
Berlin, 16. Jan. Dem Bundesrath ist ei» 
Gesetzentwurf zugegangen, welcher den Reichs 
kanzler ermächtigt, 17 Millionen Mark zur Er 
weiterung der straßbnrger Stadtbefestignng zu 
verwenden und zur Deckung der Baukosten die 
durch die Hinausschiebung der Festungswerke 
entbehrlich werdenden und für die Reichsver- 
waltnng nicht erforderlichen Grundstücke an die 
Stadt für 17 Millionen Mark zu verkaufen. 
Berlin, 15. Jan. Der Reichstag erledigte 
heute in sechsstündiger Sitzung die zweite Le 
sung des Civilehegesetzes bis $ 39; die §§ 27 
uno 28 wurden mit den Zusatzanträgen des 
Abg. Schulte angenommen, wonach die Ehe- 
mündigkeit sür Männer mit 20, für Frauen 
mit 16 Jahren eintritt, cine Dispensation hier 
von aber zugelassen ist, und nach welchen fer 
ner die Söhne bis nach Ablauf des 25., die 
Töchter bis nach Ablauf des 24, Lebensjahres 
der Heirathserlaubniß des Vaters bedürfen. 
— Der Kurfürst von Hessen hatte testamen 
tarisch verfügt, aus dem Heimalhlande seien 
nur jene Theilnehnier au dem Leichenzuge 
anzunehmen, welche dem Kurfürsten ihre Sym- 
pathiebeweise noch bei dessen Lebzeiten gaben. 
— Sämmtlichen Directoren und Rectoren 
höherer Lehranstalten in Schleswig-Holstein 
ist ein Schreiben desProvinzial-Schulcollegiums 
von Kiel zugegangen, in welchem die diesjäh 
rigen Schulferien bestimmt sind. Der Schluß 
des Schuljahres ist am 20. März, der Beginn 
des neue» Schuljahres am 5. April, die 
Pfingstferien auf die Dauer vom 15. bis 
24. Mai, die Sommerferien vom 3. Juli bis 
2. August, die Michaelisserien (Schluß des 
Sommersemesters) vom 25. September bis 
resp. 4., 6. oder 7. October (Schluß des Win 
tersemesters) und die Weihnachtsserien vom 
22. December bis 6. Januar 1876 festgesetzt. 
Am 20. März soll die Vorfeier des Geburts 
tages Sr. Majestät des Kaisers und Königs 
erfolgen. 
Berlin, 14. Jan. Die Tragweite der im 
Jahre 1872 und 1873 stattgehabten Arbeiter 
bewegung tritt jetzt immer schärfer zu Tage. 
Die durch Strikes veranlaßte Erhöhung der 
Arbeitslöhne hat die Productionskosten in 
solchem Grade gesteigert, daß die Concurrenz- 
fühigkeit der deutschen Industrie erheblich ge 
schwächt wurde. Das war aber nur ein Nach 
theil, noch ungünstiger wirkte die Arbeiter 
wanderung, welche durch die Lohnfrage veran 
laßt wurde. Die „geschulten Arbeiter" wurden 
gesucht, die Industriellen überboten sich wahr 
scheinlich selbst, ohne daran zu denken, daß die 
Motive des industriellen Aufschwungs nicht 
dauernd sein könnten. In mehreren industriel 
len Berichten wird jetzt der Mangel an ge 
schulten Arbeitern besonders betont und als 
Hauptgrund für die geringere Leistungsfähig 
keit geltend gemacht. Mit den geschulten Ar 
beitern sind die eigentlichen Lehrmeister der 
jüngeren Kräfte fortgezogen, die neuen Ar 
beiter leisteten für größeren Lohn bedeutend 
weniger als ihre Vorgänger, ohne daß die 
Fabrikanten in der Lage wären, sich tüchtige 
Arbeiter heranbilden zu können. Aus den 
Bergwerks - Bezirken wird u. A. gemeldet, es 
habe sich durch den Mangel an geschulten Ar 
beitern die Leistungsfähigkeit theilweise in sol 
chem Grade vermindert, daß die betreffenden 
Industriellen es vorgezogen haben, ihre Ar 
beiten ganz einzustellen. Es wird voraussicht 
lich einer längere» Zeit bedürfen, bis sich 
günstigere Verhältnisse entwickeln können, weil 
eine Herabsetzung der Löhne nicht genügt, um 
die frühere Concnrrenzfühigkeit wieder zu ge 
winnen. (Nat.-Ztg.) 
— Die „Volksztg." knüpft an den Tod des 
hessischen Kurfürsten Betrachtungen über den 
Reptilien fond und äußert am Schluß der 
selben: „Da nunmehr einer der beseitigten 
Fürsten aus dem Leben geschieden ist und aller 
Wahrscheinlichkeit nach seine Erben nicht ge 
sonnen sind „Umtriebe" zu machen, sondern 
lieber die Millionen zum eigenen Besten zu 
verwenden, so wird der preußische Landtag 
Gelegenheit haben, die seitherige Verwendung 
des betreffenden Fonds ans Licht zu ziehen. 
Aufgehoben kann die Beschlagnahme nur wer- 
Gcheiuinißvoll. 
IForis. den Nummer 5,) 
„Wie weit ist's noch bis Tonyglen, Mann," 
fragte der Graf besorgt. 
„Beinahe zwei englische Meilen und wir 
müssen den Strom passiren. Das ist gefähr 
lich, ans Ehre, im Sommer kann jedes Kind 
hinüber, aber jetzt, hören Sie das Tosen? 
Ich hoffe, Ihre Thiere schwimmen gut." 
„Warum sagte dann der Schurke von einem 
Wirth, daß der Weg gefahrlos sei?" zürnte 
der Graf, warum ließ er uns nicht der Straße 
folgen, wie ich wollte?" 
„Es märe allerdings klüger gewesen. Eurer 
Gnaden, um diese Zeit hätte ich die Landstraße 
auch für besser gehalten. Hier sind wir am 
Ufer." 
Ein schäumender Gießbach, zum Strom an 
geschwollen, kreuzte ihren Weg, stürzte mit der 
Wucht eines Katarakts über die Felsen und 
brauste unten im Abgrund weiter. 
„Da ist er," sagte Mikay einfältig, „und 
wenn Sie sich fürchten, hinüber zu reiten, 
muhen Sie eben umkehren und wieder nach 
Balynhaggart gehen. In Anbetracht deS 
N-stFniu-ein. halte ich das eigentlich sür 
Der Regen fiel in Strömen, der Donner 
brüllte, m den Bergen heulte der Sturm, 
Blitz aus Blitz zuckte vor ihnen aber ergoß 
uch der tosende Gießbach. 
„Was sollen wir thun?" fragte der Graf 
mit ruhiger Verzweiflung. 
«Ich weiß es nicht, Papa," entgegnete Ca 
rola und lächelte, trotz der unangenehmen 
Lage, als sie Mikay betrachtete, wie er mitten 
in der erhabenen Scene des wilden Naturschau 
spiels, die Hände indcnHosentaschen, die schwarze 
Pfeife im Munde, sich die Lage mit stoischer Phi 
losophie betrachtete, „es mag gefährlich sei», 
vorwärts zu gehen, umzukehren aber ist un 
angenehm." 
„Verflucht sei ich, wenn ich umkehre, knirschte 
wüthend der Graf, „geht Ihr mit uns, Mann, 
oder ist hier Eure Führung zu Ende?" 
„Wenn Ihre Pferde irisch wären," begann 
er und maß die seinen Thiere mit verächtlichem 
Blick, „so — o da gehen sie und wenn es die 
Vorsehung nicht verbietet, sehe ich sie vor mei 
nen Augen ertrinken." 
„Komm', Carola, unsere Pferde werden es 
leisten." 
Er ergriff die Zügel und suchte die Pferde 
in den tobenden Strom zu treiben, aber er 
schreckt von dem brausenden Schaum standen 
sie wie bezaubert. Der Gras schlug sein Pferd 
heftig mit der Reitpeitsche, es bäumte sich auf 
und sprang vorwärts, dar andere ihm nach, 
in Strömen floß der Regen, der Wind heulte 
und über die schaudervoUe Scene senkte sich 
rasch die Nacht. 
„Muth, Carola, Ninth!" rief der Graf, wir 
werden bald das Ufer erreichen." 
Doch als er sprach, traf ein vom Sturm 
entwurzelter, aus den Wogen einhertreibender 
Baum ihr Pferd in die Flanke. Im nächsten 
Moment war sie aus dem Sattel und mit 
einem Angstschrei wie eine Feder fortgerissen, 
dem schwindelnden Abgrund zu. Keine irdische 
Hülfe schien sie mehr retten zu können. Ver 
den, wenn das Abgeordnetenhaus hierzu seine 
Zustimmung giebt, und da wird es sich denn 
fragen, ob es nicht eine größere Wohlthat ist, 
die betreffenden Fonds den Erben des Kur 
fürsten auszuzahlen, als sie in den Händen der 
jetzigen Gesinnungsmache zu belassen. Uns 
mindestens will es so scheinen, als ob die 
Millionen seither moralisch einen größeren 
Schaden angerichtet haben, als sie in den 
Händen der Depossedirten hätten politisch an 
richten können. Aber jedenfalls wäre es ein 
Gewinn, wenn man jetzt einen wirklichen Ein 
blick in die Verwendung erhalten könnte und 
die Namen der Herren kennen lernte, die bis 
her von diesen Geldern gemästet wurden. Ob 
das Abgeordnetenhaus diese Lichtung bewerk 
stelligen wird, das erscheint uns noch zweifel 
haft; das jedoch ist uns gewiß, daß diese stille 
Gesellschaft die aufrichtigen Leidtragenden des 
letzten der deutschen Kurfürsten sein werden. 
Wer das politische Wirken des Dahingeschiede 
nen kennt, wird ihm die Thränen dieser Leid 
tragenden gewiß nicht mißgönnen." 
— Herr v. Plessen, der zweite Sohn des 
Ober-Präsidenten von Schleswig-Holstein, ist 
der deutschen Botschaft in Paris als Attachä 
beigegeben worden. 
— Das K. Kriegsministerium, Departement 
sür das Jnvalidenwesen, hat auf eine Anfrage, 
betreffend die Wiederzahlung der Jnvaliden- 
pension an gegen Kopialienverdienst beschäftigte 
Militärinvaliden im Falle ihrer Erkrankung 
gemäß 8 104 des Gesetzes vom 29. Juni 1871, 
reskribirt, wie es keinen Bedenken unterliege, in 
Krankheitsfällen bei den nur diätarisch oder ge 
gen Kopialien oder sonstige stückweise Bezah 
lung beschäftigten Invaliden, sofern mit der 
Erkrankung ein Wegfall des Diensteinkommen 
verbunden sei, die Bestimmung des § 104 I. e. 
in Anwendung zu bringen sei, da die Dienst- 
verrichtnngen gegen stückweise Bezahlung, ge 
gen Boten-, Tage- oder Wochenlohn oder blo 
ßen Kopialienverdienst (vorausgesetzt, daß diese 
Beschäftigungen überhaupt unter den Begriff 
„Civildienst" im Sinne des § 106 aim. 1 ibid. 
fallen) jede mit einem Wegfall des bezüglichen 
Einkommens verbundene Unterbrechung einer 
Entlassung und jeder denniächstige Neubeginn 
einer derartigen Beschäftigung einer Wiederan- 
stellnng im Sinne des § 104 1. e. gleich zu 
achten sei. 
— Die „Agence Havas" meldet ans Hen- 
baije: Das deutsche Kanonenboot „Nautilus" 
schiffte am 14. d. hundert Mann bei Zarauz 
aus; dieselben bemächtigten sich nach kurzem 
Widerstände seitens der Carlisten des Platzes. 
(Von anderer Seite wird die Nachricht bezwei 
felt, da das Schiff keine so starke Besatzung hat). 
Leipzig, 12. Jan. Der verstorbene Dr. 
H einrich Brockhaus hat dem Börsenverein 
der deutschen Buchhändler die Summe von 
12,000 Thlr. vermacht und dabei den Wunsch 
geäußert, ohne sonst Bestimmungen über die 
Verwendung dieser Summe treffen zu wollen, 
daß die Errichtung einer höheren Bildnngs- 
anstalt für junge Buchhändler angestrebt wer 
den möge. Der Verblichene soll in ähnlicher 
Weise den Buchdrucker- und Schriftgießerstand 
bedacht haben. 
°° Itzehoe, 15. Jan. Durch Verfügung 
des Herrn Ersten Appellations-Gerichts-Präsi- 
denten zu Kiel ist bestimmt, daß bei dem Kreis- 
gericht zu Itzehoe im Jahre 1875 drei Schwur 
gerichts-Perioden abzuhalten sind und daß die 
selben resp. mit dem 15. Februar, 14. Juni 
und 1. November ihren Anfang nehmen sollen. 
Zum Vorsitzenden für die nächste Periode ist 
der Herr Kreisgerichts - Rath Brinkmann hie- 
selbst ernannt. 
Bis heute ist noch keine Sache vor das 
nächste Schwurgericht verwiesen, es sind aber 
mehrere Anklagen bereits erhoben und andere 
in Arbeit, so daß die Verhandlungen voraus 
sichtlich eine Woche und darüber in Anspruch 
nehmen werden. 
Schleswig. In Voraussicht des nunmehr 
vom 1. März ab erfolgten Verbots aller dä 
nischen Münzen hat die Regierung, wie ver 
lautet, sämmtlichen Landräthen und Magistra 
ten eröffnet, daß die königlichen Kassen sich mit 
der Einlösung dieser ausländischen Münzen 
nicht befassen könnten, dabei jedoch die ge 
nannten Behörden aufgefordert, in jedem Kreise 
und in jeder Stadt darauf hinzuwirken, daß 
Banken, Sparkassen und ähnliche Institute, 
im äußersten Falle die Stadtkassen sich erböten, 
die dänischen Münzen umzutauschen und ge 
sammelt zur Umwechslung zu bringen, da dem 
Einzelnen die Gelegenheit fehle, das Geld nach 
Dänemark zu senden; als Agio dürfe dabei 
billiger Weise nicht mehr berechnet werden, 
als gerade ausreiche, um die baaren Kosten 
des Umtausches, des Porto rc. zu decken. Die 
Regierung setzte sich mit dem dänischen Fi 
nanzministerium in Beziehung, um zu erfah 
ren, an welchen Stellen und gegen welche 
Münzen der Umtausch stattfinden könne. Das 
dänische Ministeriunl hat hierauf sehr entgegen 
kommend geantwortet und sich erboten, die 
Kopenhagener Münze zur Entgegennahme der 
fraglichen Scheidemünze in beliebiger Quan 
tität ohne Aufgeld anzuweisen, wenn ein ge 
wisses Verfahren bei der Uebersendung einge 
halten werde; der Gegenwerth werde in schlcs- 
wig-holst. Species oder in preußischen Thalern 
oder Thalerscheinen Übermacht werden. ES ist 
zu hoffen, daß alle Communalbehörden den 
Vorschlag der Regierung thätig unterstützen 
zweifelnd bemühte sich der Vater, sie zu fassen 
und die Strömung zu hemmen. Näher, näher 
kam sie dem zischendem Abgrund, uni unten 
ans den Felsen in Atome zu zerstäuben. 
Mitten im Gießbach hielt der Graf hoch zu 
Roß, bleich, machtlos, vom Schrecken gelähmt. 
. „O mein Gott," stöhnte er, „ich kann sie 
nicht retten?" 
Da im letzten Moment tönte ein wilder 
Ruf vom entgegengesetzten Ufer, eine Gestalt 
stürzte sich kopfüber in den Fluß und schwamm 
mit fast übermenschlicher Kraft auf Carola zu. 
„Um Himmelswillen, klammern Sie sich an 
den Baum," tönte eine Stimme durch den 
Orkan, und sic hörte und befolgte den Nus, 
obgleich die Sinne ihr schwanden. 
Wenige Secunden später wurde sie wegge- 
risse» und von einem eisenstarken Arme gehal 
ten. Ein letzter verzweifelter Kampf mit der 
tosenden, wüthenden Fluth, dann wurden iri 
sche Stimmen vernehmlich und Carola lag ge 
rettet am Ufer. 
„Hurrah!" riefen sie, „lang lebe der edle 
Reiter mit den eiserne» Sehnen! kein anderer 
Mann in der Grafschaft hätte das gekonnt?" 
„Sei ruhig, Lanty," gebot Carola's Retter, 
„dort kömmt der Begleiter der Dame ebenfalls 
glücklich an's Ufer, wenn Du etwas für die 
Herrschaften thun kannst, so thue es. Ich 
gehe." Und er eilte in der Dunkelheit flüchtig 
davon. 
„Bei Gott, das sieht ihm gleich," murmelte 
Lanty, „schlägt das Leben in die Schanze, um 
Jemand zu retten und läuft vor dem Danke 
davon wie besessen." 
Lanty nahm die Mütze ab und wandte sich 
gegen den Grafen. 
„Fürwahr, der Himmel hat Euer Gnaden 
beschützt. Sie wären verloren gewesen ohne 
meinen jungen Herrn." 
„Gott segne ihn, ich sah nie eine edlere 
wüthigere That," rief der Graf und küßte seiner 
Tochter bleiches Gesichtche». In den sechszehn 
Jahren ihres Lebens hatte er nicht gewußt, 
wie sehr er sein einziges Kind liebte. 
„Bist Du verletzt?" 
Sie erhob sich halb und lächelte schwach. 
„Nicht verletzt, Papa, nur betäubt von der 
Furcht und dem brausenden Wasser. Und Du?" 
„Ich bin ganz wohl. Welch ein Entkom 
men! Der Jüngling hat ein Löwenherz und 
wagte sein Leben, ohne sich zu bedenken. So 
viel ich sah, war er auch ein Cavalier." 
Lanty hörte mit unaussprechlicher Verach 
tung zu. 
„Ein Cavalier? ist er nicht ein O'Donnell, 
und alle Welt weiß, daß die O'Donnell's 
Könige und Fürsten vor Moses waren. Ein 
Cavalier! natürlich! Er ist es nicht allein und 
sein Vater und seines Vaters Vater vor ihm. 
Waren sie nicht Könige von Ulster vor undenk 
lichen Zeiten, gehörte ihnen nicht jede Straße 
und Meile des Landes, das sie zur Zeit Hein 
rich VIII. bereisten, bis er mit seinen Kebswei- 
bern es ihnen nahm und einem schmutzigen 
Teufel seines Gleichen gab. Mein und des 
Volkes Fluch auf ihn!" 
„Wer sind Sie, guter Mann?" unterbrach 
der Graf des treuen Dieners Gedankenflug. 
„Ich bin Lanty, Euer Gnaden," sprach er.
	        
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