Full text: Newspaper volume (1875)

lor, 
»- Näh 
emen und 
I Unord- 
iiteiî 
ut. 
eld, zwei 
lüsselnic. 
den. Ge- 
»zugeben. 
billiger), 
Zchloßpb 
»me 
rsen. 
mmoden, 
Stühle, 
en, Klei- 
Sachen, 
i 208. 
ind Da- 
en kaust 
beke. 
Ker 
Wie», 
eä und 
Wasser 
Reini- 
M»n> 
en als 
f3b 
ionwerk. 
p»ere>» 
l UNd 
s» 11 ei 
l.biïil 
I II o 
U.'t) 
der Sit« 
welches 
ersehen, 
-glichen» 
u Orts- 
rkaufcn. 
in 
walt. 
lr. 399. 
euwerks 
großen 
schönen 
m Hof- 
ent. zu 
(3b 
en Kost 
Wwe- 
Hauses, 
pi haben. 
Wwe. 
;ite, schön 
end auê^ 
^ der 3 n ' 
tea: ein« 
mit 
II mm 
lt r»' 
z. 68 3- 
ü'hl, ge" 
AļonņemeutSprkis: 
Jährlich g ş, vierteljährlich 1 ş 50 Ķ — frei ins 
Haus geliefert l Ģ 65 Ķ — für Auswärtige, die das 
Blatt durch die Post beziehen 1 % 63 Ķ ind. Postgebühr, 
jedoch ohne Bestellgeld. 
JilseratioilSgebühr: 
Für die Petitzeile 10 Ķ, für die Corpuszeile 15 ķ 
Anzeigen werden für die Mittwoch-Nr. bis Dienstag, 
für die Sonnabend-Nr. bis Freitag-Mittag 12 Uhr 
erbeten. 
Sonnabend, 
Rundschau. 
Die in voriger Woche von verschiedenen 
Zeitungen gemeldete Begegnung des bayeri 
schen Königs mit dem deutschen Kaiser hat, 
wie sich bald herausstellte, gar nicht stattge 
funden, und der „Reichsanzeiger" versichert, 
daß eine solche Zusammenkunft gar nicht in 
Aussieht genommen gewesen sei. Die Wahl 
männerwahle» in Bayern haben am 15. Juli 
stattgefunden. Der Kampf war fast allerwärts 
ein überaus heißer und nach dem Resultate 
kann man schon ersehen, daß aus der Wahl 
der Abgeordneten, die in den nächsten Tagen 
stattfinden wird, 77 Liberale und 79 Ultra- 
Montane hervorgehen werden. Beide Parteien 
werden sich sonach auch iu Zukunst so ziemlich 
die Wage halten. — Kaiser Wilhelm hat am 
16. Juli Ischl wieder verlassen und ist nach 
Gastein gereist, wo er sich für einige Zeit der 
Badekur unterworfen hat. — In letzter Zeit 
ist die Frage vielfach erörtert worden, wer 
wohl die päpstliche Entscheidung in Betreff 
des Verhaltens der Gemeinden, dem preußi 
schen Gesetze über die Verwaltung des katho 
lischen Kirchengemeindevermögens gegenüber, 
welche bekanntlich die Betheiligung an der 
Wahl des Gemeindekirchenvorstandes befür 
wortet, veranlaßt habe. Man halte in dieser 
Beziehung schon die geheime Diöeesanverwal- 
tung Posen's in Verdacht. Der in solchen 
Dingen gut unterrichtete „Knrycr Poznansti" 
giebt jedoch die Versicherung, daß die desfall- 
ffge Anregung vom preußischen GesammE 
Episcopate ausgegangen sei. — Am 17. Juli 
wurde die erste Session des elsaß-lothringischen 
Landesausschusses geschlossen. 
In Wien wurde vorige Woche von den 
Finanzministern der beiden Reichshälften das 
gemeinsame Budget beratheil. Plötzlich aber 
reiste der ungarische Finanziers, noch bevor es 
zu einer Vereinbarung gekommen, ab. Dieser 
Vorfall erregte großes Aufsehen und es wurde 
bald bekannt, daß die Ursache in dem Mehr- 
erforderniß der Kriegsverwallung liege, welche 
21 Millionen Gulden mehr als im vorigen 
Jahre verlange. Unter solchen Umständen 
scheint also die ungarische Regierung nicht 
länger „mitspielen" zu wollen. Letztere glaubt 
überdies seit dem glänzenden Ausfall der 
Wahlen mehr denn je das ungarische Inter 
esse in den gemeinsamen Angelegenheiten be- 
tvnen zu können. Bei den Wahlen wurden 
Dämlich nicht 200, wie es Anfangs hieß, son- 
Cer Jt 304 Regierungsfreunde und nur 68 Op 
positionelle, die überdies 4 verschiedenen Par 
ken angehören, gewählt. — Die Sonderbe- 
"rebnngen der österreichischen Nationalitäten 
Machen sich jetzt wieder in allen Ecken dieses 
Staates bemerklich: In Kroatien ist die sla 
wische Partei wieder außerordentlich rührig; 
me Altczechen wollen den Kaiser ersuchen, den 
Kronprinzen Rudolf zum Könige von Böhmen 
krönen zu lassen; und die Studenten rutheni- 
scher Nationalität in Galizien wollen die Czer- 
Uowitzer Universität nicht mehr besuchen, wenn 
miselbst nicht ein Lehrstuhl für die ruthenische 
Sprache errichtet werde re. re. 
3¥© 
Die Schweiz betrauerte vorige Woche den 
Tod ihres ältesten Feldherrn, des 88jährigen 
Generals Dufoure. Derselbe war nicht nur 
ein höchst gelehrter und tüchtiger Militär, 
sondern auch ein hochachtbarer Character und 
treuer Bürger der Republik. Er war es, der 
1847 die Sonderbündler niederwarf und die 
Eidgenossenschaft vor dem Untergange rettete. 
Als 1856 wegen Neuenburg's ein Krieg mit 
Preußen auszubrecheu drohte, ward ihm das 
Obercomando anvertraut. Die große, treffliche 
Generalstabskarte der Schweiz hat Dufoure 
zum Verfasser. 
In der französischen Nationalversammlung 
haben sich inzwischen sonderbare Dinge zuge 
tragen. Das Universitätsgesetz ging durch, 
weil 51 Mann von der Linken vor der Ab 
stimmung schon den Sitzungssaal verlassen 
hatten, ihre Betheiligung an derselben aber 
genügt hätte, dieses Gesetz zu verwerfen, da 
auch eine erkleckliche Anzahl von Monarchisten 
sich der Abstimmung enthielt. Die Bonapar 
tisten hatten meist für dieses Gesetz gestimmt, 
— welches der uapoleonischen Universität den 
Garaus machen muß, — da ihnen die Ultra 
montanen und Legitimisten versprachen, ihnen 
bei der Verhandlung über die Wahl Bour- 
going's beistehen zu wollen. Trotz dieser Ver 
einbarung aber wurde die Wahl dieses Bona 
partisten im Niävce-Departement mit 330 gegen 
310 Stimmen für ungültig erklärt, da bei 
dieser Wahl ungesetzliche Mittel zur Beein- 
fluffung der Wähler in Anwendung gekomnien 
waren. Den Bonapartisten sollte 'jedoch bald 
wieder Genugthuung werden. Bei der Dis 
kussion des von Savary verlesenen Kommissions 
berichtes über die Umtriebe der Bonapartisten 
kam es zu einem heftigen Rencontre zwischen 
Büffet und Gambetta, welch' Letzterer Ersterem 
vorwarf, daß er für die Bonapartisten Partei 
ergreife. Büffet vertheidigte sich sehr keck, 
wenn auch ohne die Zuhörer zu überzeuge», 
daß Gambetta im Unrechte sei, fügte vielmehr 
hinzu, daß er die bonapartistischen Beamten 
in ihren Stellen erhalten werde, daß die Rä- 
dicalen viel gefährlicher seien als die Bona 
partisten und verlangte von der Versammlung 
eine sofortige Zustimmung zu seiner Politik, 
resp. ein Vertrauensvotum. Trotz der vor 
handenen autibonapartlstischen Majorität wurde 
ihm dasselbe mit 483 gegen 3 Stimmen gewährt. 
Bis jetzt sind noch keine Dementi's der jüng 
sten Siege u. Erfolge der spanischen Regierungs 
armee bekannt geworden. Nur insofern hat 
man sich in Madrid einer Täuschung hingegeben, 
als man glaubte, die Dorregaray'sche Armee 
werde nach Frankreich hinübcrgedrängt werden. 
Dorregaray hat jedoch den Weg nach Kata 
lonien glücklich gefunden. Nur kleine Trupps 
wurden nach Frankreich verschlagen und dort 
entwaffnet und internirt. Freilich wird Dorre 
garay in Katalonien von Jovellar und Mar 
tinez Kanipos zugleich verfolgt. Der carlisti- 
sche Aufstand soll nur noch, außer in Katalo 
nien, in der Gebirgsgegend von Navarra und 
in den baskischen Provinzen fortwähren. In 
Folge des Mißgeschicks sollen die Insurgenten 
50. 
sehr niedergeschlagen sein, sollen sie die Be 
lagerung verschiedener fester Plätze, wie Ren 
teria und Hernani aufgegeben und soll die 
Fahnenflucht wieder größere Dimensionen an 
genommen haben. 
Das englische Parlament knausert nicht, wenn 
es zu Geldbewilligungen für die königl. Fa 
milienmitglieder veranlaßt wird. Der Prinz 
von Wales hat vor, eine Reise nach Indien 
zu machen, und da sind ihm nicht weniger 
als ca. 2 Millionen Mark Reisegeld aus 
der Staatskasse bewilligt worden, und zwar 
mit 255 gegen 12 Stimmen. Außer diesen 
12 Mann protestirte nur noch eine Arbeiter- 
versammlung, die im Hyde-Park zu London 
abgehalten wurde. 
Die türkische Regierung hat nicht nur große 
Sorgen wegen des schlechten Standes ihrer 
Finanzen, der sie zu neuen Steuern, neuen 
Anleihen und zur Herabsetzung der Besoldung 
der höheren Beamten zwingt, sondern sie ist 
jetzt auch wieder wegen der südslawischen Frage 
sehr bekümmert. In der ganzen nördlichen 
Hälfte der balkanischen Halbinsel gährt es und 
sehnt man sich »ach Abschüttelung des Türken 
joches. Derkleinste Anlaß kann Alles in Flammen 
setzen. Seit voriger Woche währt nun ein 
Ausstand in der Herzogewina, der von Tag 
zu Tag größere Dimensionen anzunehmen 
scheint. Türkische Truppen sind den Insur 
genten entgegeugesandt morden. 
Die englisch-birmanische Angelegenheit steht 
jetzt folgendermaßen: Der britische Vicekönig 
in Ostindien hat an den König von Birma ein 
Ultimatum abgesandt, welches heißt: Gewäh 
rung des Durchzuges britischer Truppen durch 
Birma oder Krieg. Bei der Dummheit und 
Verstocktheit des Birmanesrn wird es wohl zum 
Kriege kommen. 
Berlin. Der Kaiser wird während der 
Manöver des 9. Armeecorps vom 19. bis 23. 
September in Rostock residiren, vom 24. bis 
26. in Doberan, in dessen waldreicher Um 
gebung die Manöver der Divisionen gegen 
einander stattfinden sollen. 
— Ter Kronprinz reist am 18. Septem 
ber nach Wilhelmshafe», woselbst die Taüse 
des neuesten Panzerschiffes „Der große Kur 
fürst" stattfinden soll. Es werden dazu glän 
zende Festlichkeiten intendirt. 
— Das amtliche Verzeichniß der deutschen 
Kauffahrteischiffe für das Jahr 1874, weist 
für den Anfang des Jahres 1874 einen Be 
stand der deutschen Handelsflotte von 4495 See 
schiffen mit einer Tragfähigkeit von 1,033,725 
Registertons und einer Besatzung von 41,396 
Mann nach. Unter den Schiffen befinden sich 
4242 Segelschiffe mit 866,092 Tons und 33,103 
Mann Besatzung und 253 Dampfschiffe mit 
41,755 Pferdekrüften, 167,633 Tons und 8293 
Mann Besatzung. 
Schleswig. Zu der mit den Verhand 
lungen des am 15. und 16. nächsten Monats 
hier stattfindenden 5. Niedersüchsischen Feucr- 
wehrtageS verbundenen Ausstellung von Lösch- 
Apparaten und sonstigen dahin gehörigen 
24. Juli 1875. 
Utensilien sind bereits Anmeldungen aus Leip 
zig, Kassel, Offenbach, Köln, Gotha, Kannstadt, 
Eslohe in Westphalen, Lüneburg, Plön und 
Elmshorn eingegangen. 
Schleswig, 18. Juli. (S. N.) Wie ver 
lautet, haben die hiesigen Barbiere auf An 
rathen von competenter Seite ihren Rechtsstreit 
gegen die städtischen Collegien hinsichtlich der 
ihnen von diesen verweigerten Entschädigung 
für den Wegfall ihrer Amtsprivilegicn wieder 
ausgenommen und den Rechtsanwalt v. Ste- 
man in Husum mit der Führung ihrer Sache 
beauftragt. 
— Der Theaterdirector Schindler hat das 
Schlesmiger Schauspielhaus für die Winter 
monate wieder gemiethet. 
In der Nacht vom 18./19. d., ca. 3 Uhr, 
wurde der Commis des Kaufn». Agathon Jensen 
in Tondern, Namens Festensen, todt auf 
dein kleinen Markt gefunden. Die näheren 
Umstände, welche seinen Tod herbeigeführt ha 
ben, sind bisher nicht genau ermittelt, nur das 
weiß mann, daß derselbe am Abend kurz nach 
10 Uhr ausgegangen ist und sich nach der Zeit 
auf dem „Schützenhose", »vo Tanzmusik war, 
in angeheitertem Zustande aufgehalten hat. 
Itzehoe, 17. Juli. (Jtz. N.) In der gestri 
gen Sitzung der städtischen Collegien ist be 
schlossen morden, zur Deckung der an dem 
Stammactiencapital der Westbahn restirenden 
Suinme von 20,000 HI. noch 9300 öl. zu zeich 
nen. Die Stadt hat demnach im Ganzen die 
Sunrine von 368,300 öl. übernoinmen. 
Itzehoe, 19. Juli. (Fl. N. Z.) Schon jetzt 
dürfen »vir die Mittheilung machen, daß der' 
hiesige Magistrat Gelegenheit nehmen wird, in 
Flensburg s. Z. die Lehrer einzuladen, die 
Provinziallehrerversammlung im nächsten Jahre 
hier in Itzehoe abhalten zu »vollen. 
Eckernförde, 20. Juli. Die heute hier 
auf Veranstaltung des landiv. Vereins am 
schlesiv.-holst. Kanal abgehaltene Thierschau 
erfreute sich einer sehr zahlreichen Betheiligung, 
sowohl seitens des Publicums als der Aus 
steller. Es waren im Ganzen 450 Thiere zur 
Ausstellung angemeldet und fand die PreiS- 
vertheilung zwischen 1 und 3 Uhr durch Herrn 
Graf v. Reventlow-Altenhof statt. Das ganze 
Arrangement »var äußerst ziveckmäßig. 
Präinien erhielten: c. Für Schweine. Groß- 
Schläge: Eber: Lantzius-Marienthal 1.; Muth- 
RathmannSdorf 2.; Säue: Muth-Rathmanns- 
dorf 1., Lantzius-Marienthal 2. und 3., Dohrn- 
Bredenmoor 4.; Ferkel-Collectionen: Martens- 
Behrensbrook I.,Lantzius-Marienthal2.; kleinere 
Schläge: Eber: Baron v. Schröder-Harzhof 1., 
Schwerdtfeger-Augustenhof2.; Holläuder-Grum- 
bye 3.; Säue: Schwerdtfeger-Augustenhof 1., 
von Ladiges-Borghorster-Hütten 2., Holländer- 
Grumbye 3.; Ferkel-Collectionen: Schwerdt- 
feger-Augustenhof I., v. Ladiges-Borghorster- 
Hütten 2. 
Um nicht gar zu weitläufig und, wie zu be 
fürchten ist, langweilig mit dem Aufzählen der 
Prämien zu iverden, »vill ich nur noch erwäh 
nen, daß für Schafe die 1. Prämie erhielten: 
die HH. Lassen-Grulnbye und Lorenzen-Saxtorf. 
68stcr Jahrgang. 
Erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend Morgens. 
Vererbter Wahn. 
Novelle von Emilie Heinrichs. sFortsj 
Bruno betrachtete seinen Freund einige Mi- 
ņuten mit düsterem Schmerze. Welches furcht- 
6gre Geheimniß barg die Brust des jungen 
Grafen, welche schwarze Gedanken und Ent 
schlüsse keimten darin und suchten nur die ge- 
Zugste Gelegenheit, zur blutigen That zu wer- 
und die Welt mit Entsetzen zu erfüllen? 
Wie oft hatte er, der arme Student, den 
pichen adeligen Freund beneidet, dem Reich- 
chum, Geburt und Rang eine so glänzende 
Munft eröffneten, und nun, wie er so vor 
stand, dünkte er sich überreich und glück- 
"ch gegen ihn. 
e..Ņ»r selten wohnt das stille Glück auf jenen 
§6hen, nur selten gedeiht dort die Blume der 
"'»hren Freude. 
Rach einer geraumen Weile »vurde leise die 
^Mr geöffnet, ein alter Mann init grauem 
sşir trat in's Zimmer, es »var der Kammer- 
ìŞ'ttr des Grafen. 
„./.'Darf ich Sie auf Ihr Zimmer geleiten, 
ei, i Herr?" fragte er leise, 
ß. "Wollen Sie nicht lieber erst den Herrn 
^rafen in sein Schlafziminer bringen?" lautete 
ŗuno's Gegenfrage. 
^."D, das geschieht später, — bitte, folgen 
pi„ e "rir, lieber Herr," versetzte der Alle in 
3 e , m fast flehenden Tone, 
liebn solute ihm schweigend, er wäre am 
&eii r bei dem unglücklichen Freunde geblie- 
»iüfi şchlafen, das fühlte er, konnte er doch 
A «ach dem Erlebten. 
Lenii. k" alte Kammerdiener den silbernen 
löaitt Zweigend auf den Tisch gestellt, 
e et sich in der Thür noch einmal uin 
und sagte leise: „Sie sind geiviß ein recht 
lieber Freund von dein gnädigen Herrn, und 
iverden draußen in der Welt nichts davon er 
zählen, was Sie hier hören und sehen; der 
Herr Graf leidet an einem alten Erbübel und 
das sucht er dann mit dein Wein zu betäuben." 
„Der Graf ist krank, er müßte fort aus 
dieser tödtlichen Einsamkeit, — ich iverde ver 
suchen, ihn mit mir nach der Residenz zu 
locken." 
„O, versuchen Sie eS, lieber Herr," bat der 
alte Mann init zitternder Stimme, „auf inei 
nen Knieen würde ich Sie dafür segnen." 
„Sie sind wohl schon lange im Dienste die 
ses Hailses?" fragte Bruno. 
„Von meiner Kinheit an, inein Vater war 
Kammerdiener vom Großvater des jungen gnä 
digen Herrn, und ich diente nachher dein seli 
gen Grafen bis zu seinem Tode, worauf ich 
dieselbe Funktion bei dem jungen Herrn über 
nahm. Er »var immer so gut, so brav und 
ritterlich, ein echter Kronburg, o, wenn Sie 
wirkliche Freundschaft für ihn hegen, mein 
Herr, dann retten Sie ihn." 
„Er scheint mehr geistig als körperlich zu 
leiden." 
Der Alte nickte. 
„Ich sagte ja," setzte er hastig hinzu, „es 
ist eine Erbkrankheit, die Kronburgs sind Alle 
daran gestorben und er ist der Letzte." 
„Das Geschlecht wird also mit ihm aus 
sterben, da er eine entschiedene Abneigung ge 
gen die Ehe hat," bemerkte Bruno. 
„Leider, leider, es ist ein großes Unglück." 
Der alte Mann wischte sich die Augen. 
»Ist dieses Leiden erst seit dem Tode des 
verstorbenen Grafen zu Tage getreten?" ■ 
fragte Bruno, den Diener fixirend. 
„Eigentlich wohl," versetzte dieser, scheu die 
Augen zu Boden schlagend, „der junge, gnädige 
Herr liebte den Vater gar zu sehr und konnte 
sich anfangs nicht trösten über den Verlust." 
„Ich bin Arzt," sprach Bruno vertraulich, 
„es wäre mir viel werth, sein Leiden genauer 
zu kennen, um darnach zu operiren. Der Graf 
war mein intimster Uiiiversitätsfrenud, ich habe 
mir an diesem ersten Abend das Wort gege 
ben, ihn zu retten. Geben Sie mir einige 
Fingerzeige, — irre ich nicht, so leidet er an 
der fixen Idee eines Mordes. Doch ich ver 
gesse, daß er Ihres Beistandes bedarf." 
„O, das schadet nicht, ich darf ihn vor zwei 
Stunden nicht anrühren. Daß Sie sein Freund 
sind und daß er große Stücke auf Sie halten 
muß, leuchtet aus der Art und Weise, »vie er 
Sie hierhergebracht hat und mit Ihnen ver 
kehrt, hervor; er — der die Menschen flieht 
und jeden Umgang, — der sich nur ivohl fühlt 
bei den Thieren des Waldes. Ach, lieber Herr, 
Ihr Gesicht flößte mir beim ersten Blick Ver 
trauen ein; ich »veiß, Sie können keinen Men 
schen verrathen, und dieses Leben hier ist 
schlimmer als der Tod, — von allen Seiten 
Zwiespalt, finsterer Verdacht, aus »velchem 
endlich das Schrecklichste sich entivickeln muß. 
Ich seh' es kommen und kann es nicht ab 
wenden, da der gnädige Herr bei der gering 
sten Anspielung in Raserei geräth. Vielleicht 
sendet der Hergott Sie, Herr Doktor, uns 
Alle zu retten," sagte der Diener. 
„Dann geben Sie mir die nöthigen Auf 
klärungen, mein Freund!" 
Der Alte blickte eine Weile starr vor sich 
hin und strich sich dann mit einem Seufzer 
über die Stirn. 
„In Gottes Namen," sprach er entschlossen, 
„so geht's doch nicht länger, mag es enden 
auf die eine oder andere Art. — Es geht in 
der Fainilie ineines gnädigen Herrn von Ge 
schlecht zu Geschlecht die Sage, daß der jedes 
malige Majoratsherr keines natürlichen Todes 
sterben könne, und daß die Frauen, — die 
Heirath, — wie der junge Graf sagt, — der 
Fluch derer von Kronburg wären. Nun aber 
darf der Stamm nicht aussterben, — der Ma 
joratsherr muß heirathen und sich dem Ver 
derben iveihen. Sein Vater erzählte mir vor 
seinem Tode davon, er glaubte daran, glaubte, 
daß die Großmutter des jungen, gnädigen 
Herrn, die damalige Gräfin, den Gemahl — 
vergiftet habe." 
Der Alte schwieg und trocknete sich die Stirn, 
vor des Arztes innerem Blick leuchtete die 
Wahrheit auf, doch schwieg er, um den alten 
Mann nicht zu verwirren. 
„Ich habe die alte Gräfin sehr gut gekannt," 
fuhr der Alte nach einer kleinen Pause fort, 
„und sehe die edle Dame mit den sanften, 
freundlichen Augen und dem wohlwollenden 
Lächeln noch vor mir. Sie eine Giftmischerin? 
ivelche Bosheit! — Der Graf hatte vor sei 
nem Tode streng jegliche Leichenschau oder eine 
Secirung verboten, er mußte also selber daran 
glauben, der alten Familiensage gemäß, und 
die Unschuld der Gräfin konnte natürlich nicht 
eriviesen iverden. Gott sei gelobt, ahnte die 
gute Dame selber nichts davon, da es ein un 
verbrüchliches Familiengeheimniß bislang ge 
blieben, wie sollte der Majoratsherr denn sonst 
wohl eine Gemahlin finden? Doch war ihr 
trotz alledem der bittere Kelch nicht erspart;
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.