Full text: Newspaper volume (1875)

. AîonnemļntspreiS: 
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68stcr Jahrgang. 
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Sonnabend, 
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22. Wai 1875. 
Rundscbau 
Der russische Kaiser, welcher vergangene 
Woche in Berlin weilte, hat wie aus Peters 
burg officiell nach Paris berichtet wurde, die 
deutsche Reichshauptstadt in der festen Ueber 
zeugung verlassen, daß die Reichsregierung 
durchaus von den friedlichsten Absichten beseelt 
ist. Während des Aufenthaltes des Czaren in 
Berlin haben nicht nur mehrere längere Unter 
redungen zwischen dem Fürsten Bismarck und 
dem Kaiser Alexander, sondern auch tagtäglich 
Conferenzen der beiderseitigen Reichskanzler 
stattgefunden, und die officiöse „Rordd. Allg. 
Ztg." berichtete darüber, daß das Resultat ein 
befriedigendes zu nennen sei; eine Verständi 
gung habe nicht erst erzielt zu werden ge 
braucht, da dieselbe schon vorher existirt habe, 
aber das Einverständniß sei neu befestigt worden. 
Im Reichstagswahlkreis Leipzig fand vorige 
Woche eine Ergänzungswahl statt. Es siegte 
der nationalliberale Candidat, Reichsoberhan- 
belsgerichtsrath Dr. Goldschmidts mit 8203 
Stimmen über den socialdemokratischen Bebel, 
welcher nur ca. 4000 und den particularistischen, 
welcher etwa 800 Stimmen erhielt. Gleich 
wohl wird die socialdemokratische Partei über 
dieses Wahlresultat Jubelhymnen anstimmen, 
indem dasselbe nämlich beweist, daß ihr An 
hang in Leipzig bedeutend zugenommen, der 
jenige der Natioualliberalen uni 1000 Stimmen 
abgenommen hat seit der Wahl vom Januar 
1874; damals vereinigte der liberale Candidat 
bei einer gleich großen Wahlbetheiligung 9224 
Stimmen auf sich und der socialdemokratische 
^00, wobei aber noch bemerkt werden muß, 
damals die conservaliven Wähler ihre 
Kimmen deu Socialdemokraten gaben, während 
diesmal einen eigenen Kandidaten aufstell- 
e "- Das preußische Episcopal hat wieder 
ei| tntsll ein Collectivschreiben an die Regierung 
blassen, in welchem es seine dem Unfehlbar 
leitsdogma gegenüber eingenommene Haltung 
Zu rechtfertigen sucht. Publicirt ist dieses 
Schriftstück bis jetzt noch nicht worden. — Das 
preuß. Abgeordnetenhaus hat sich vor den 
Psingstfciertagen bis zu Ende Mai vertagt, 
nachdem es noch das Gesetz betreffs der Schutz 
waldungen und Markgenossenschaften und das 
Verfassungsänderungsgesetz endgültig geneh 
migt hatte. 
Der Kaiser von Oesterreich ist von seiner 
dalmatinischen Reise zurückgekehrt und in Wien 
seierlich empfangen worden. — Jüngst richtete 
bekanntlich eine Anzahl von Geistlichen der 
Diocese Leitmeritz eine crmuthigende und be 
lobende Adresse an den in Anklagezustand ver 
letzten Fürstbischof Dr. Förster von Breslau. 
Dieses Schriftstück wurde von einer czechischen 
Zeitung veröffentlicht. Auf Antrag des Staats 
anwalts aber wurde dieses Blatt im objectiven 
Strafverfahren verurtheilt und wurde die 
Weiterverbreitung verboten. Man erblickt wohl 
nicht mit Unrecht darin eine der ersten sicht 
baren Erfolge des energischen Auftretens der 
Berliner Regierung gegen die von ausländi- 
chen Boden aus gegen sie unternommenen 
Angriffe. 
Die hochoffiziöse Wiener „Montagsrevue" 
saßt die jüngste Kaiserbegegnung in Berlin 
ebenfalls in der Weise aus, daß dieselbe das 
Dreikaiserbündniß und den europäischen Frieden 
neu gefestigt habe. 
Auch in Italien scheint man sich, trotz aller 
Weigerung der Regierung, das Garantiegesetz 
zu ändern, ernstlich vorgenommen zu haben, 
dem Berliner Kabinet keinen Anlaß zu Be 
schwerden mehr zu geben. So wurde vor ei 
nigen Tagen die „Voce della veritä" mit Be 
schlag belegt, weil sie eine Adresse der Gesell 
schaft für die kathol. Interessen an die deutschen 
Pilger, sowie einen auf dieselben bezüglichen 
Artikel veröffentlichte. 
Herr Thiers wird demnächst eine Zusammen 
kunft mit dem Kaiser von Rußland haben; ein 
freundschaftlicher Briefwechsel hat diese Begeg 
nung bereits eingeleitet. 
In Spanien haben wieder mehrfache verun 
glückte carlistische Angriffe auf von den Re 
gierungstruppen besetzte Städte stattgefunden. 
Die Virginius-Angelegenheit ist nun vollständig 
erledigt, indem jetzt die Madrider Regierung 
auch den Rest von 35,000 Dollar der an die 
Vereinigten Staaten von Nordamerika zu ent 
richtenden Entschädigungssumme zahlte. Im 
klebrigen giebts diesmal nichts Wichtiges über 
Spanien zu berichten. 
Die vielbesprochenen Lütticher Prozessionen 
sind durch den dortigen Bürgermeister verbo 
ten worden, und der belgische Minister des 
Innern — man staune — hat sich mit diesem 
Verbote einverstanden erklärt. Dank dem 
„Roten" - Drucke der Berliner Regierung? 
Vielleicht! 
Im dänischen Folkething hat eine Spaltung 
der oppositionellen Majorität stattgefunden. 
Mit 88 Stimmen hat es gegen die äußerste 
Linke den Budgetentwurf der aus Mitgliedern 
beider Häuser des Reichstages zusammengesetz 
ten Commission angenommen. Freilich ist es 
noch die Frage, ob das Ministerium diesen 
Entwurf gut heißen wird. 
Das neue demokrat. Ministerium in Griechen 
land scheint eine große Energie entfalten zu 
wollen. Es hat die Deputirtenkammer aufge 
löst, sämmtliche Gesandten abberufen, die vor 
Kurzem geschlossene Universität wieder eröffnet, 
alle Präfecturen und die Polizeidirectioii von 
Athen neu besetzt. Erst wenn alle Hindernisse 
einer freien Wahl hinweggeräumt sind, wird 
es die Vornahme der Neuwahlen anordnen. 
Es hofft, daß diese alsdann im demokratischen 
Sinne ausfallen werden. 
Berlin, 18. Mai. Wie das amtliche 
Blatt des Fürstenthums Lippe-Detmold meldet, 
ist sowohl von unserem Kaiser, wie vom Für 
sten Bismarck die bestimmte Zusage eingegan 
gen, der feierlichen Uebergabe des Hermanns 
denkmals an das deutsche Volk beiwohnen zu 
wollen. 
— Der Reichskanzler läßt in der „N. A. Z." 
bekannt machen, daß während seines Landauf 
enthaltes in Lauen bürg dorthin an ihn ge 
richtete Briefe oder andere Zusendungen weder 
auf Annahme noch auf Beantwortung rechnen 
können. 
— Der General-Feldmarschall Graf von 
Moltke hat sich für die Sommermonate zu 
nächst nach seiner Besitzung Creisan begeben. 
Wien, 18. Mai. Am Pfingstmontage wur 
den in Neudorf auf ungarischem Boden 30 
österreichische und 4 ungarische Delegirte von 
Arbeitergeheimbünden verhaftet. 
Ratzeburg, 19. Mai. Der Landtag für 
das Herzogthum Lauenburg ist auf den 26. d. 
Mts. wieder einberufen. 
Kiel. Im Monat April sind bei der 
Provinzial-Brandversicherungsanstalt17 Brand 
fälle angemeldet, durch welche 21 Gebäude 
total eingeäschert und 11 Häuser partiell be 
schädigt sind. Der Anstalt ist durch diese 17 
Brände ein Schaden von 25,685 M. erwach 
sen, wovon 1427 M. durch Rückversicherung 
gedeckt sind. 
Schleswig. 15. Mai. (Fl. R. Z.) Heute 
tagte hier der naturwissenschaftliche Verein für 
Schleswig-Holstein. Die Versammlung, welche 
in der Aula des Gymnasiums stattfand, war 
nur schwach besucht. Professor Dr. Karsten 
aus Kiel sprach einige einleitende Worte, in 
welchen er besonders hervorhob, daß man im 
vorigen Jahre mit der Versammlung in Eutin 
den Versuch gemacht, Sinn für die Bestrebun 
gen des Vereins in weitere Kreise zu tragen, 
und dort beschlossen habe, für dies Jahr die 
Versammlung hier abzuhalten. Das durch 
die Zeitungen bereits veröffentliche Programm 
wurde nicht ganz genau inne gehalten; wir 
geben die Vorträge, wie sie wirklich statthatten: 
1) Herr Professor Eicht er aus Kiel sprach 
über die Naturgeschichte der Pilze (veranschau 
licht durch Zeichnungen). 2) Professor Karsten 
aus Kiel hielt einen Vortrag über Blitzableiter. 
Als Ausgangspunkt nahm er die durch das 
Landesdirectorat statistisch festgestellte Thatsache, 
daß die Brandschäden durch Blitzschlag ver- 
hültnißmäßig sehr bedeutend seien (im Jahre 
1873 beispielsweise fast 26pCt. .der Gesammt- 
schäden), zu einem großen Theil dadurch her 
beigeführt, daß die Blitzableiter hier wenig 
in Gebrauch seien, insbesondere Kirchen, Müh 
len, überhaupt hohe resp. hoch gelegene Ge 
bäude nicht mit solchen versehen seien. 3) Pro 
fessor Hensen aus Kiel hielt einen durch dis 
Karte des Ostseebeckens (deutsche Küste) erläuter 
ten Vortrag über die Statistik der deutschen 
Fischerei. Der Vortrag war für Sachverstän 
dige sehr belehrend. Es wurde indeß konsta- 
tirt, daß die Zahl der Seesischer in Frankreich 
3j Mal so groß sei, als im deutschen Reiche, 
und daß, was die deutsche Ostseeküstenfischerei 
betreffe, Sehleswigholstein hinter der Provinz 
Pommern und der Umgegend der Danziger 
Bucht erheblich zurückstehe. 4) Ein junger Ge 
lehrter aus Husum (deu Namen konnten wir 
nicht ermitteln) hielt einen längeren Vortrag 
über „Vogelkunde" mit specieller Rücksicht auf 
unsere Provinz. Ec suchte in seiner Rede 
Sinn und Verständniß für Pflege und Erhal 
tung der hiesigen Stand- und Wandervögel 
zu beleben, was ihm namentlich in deu Kreisen 
der Jäger und Landwirthe für sehr nothwen 
dig erschien. 5) Professor Möbius aus Kiel 
sprach über die in einzelnen Mießmuscheln und 
Austern entdeckten Perlen, die indeß ihrer un 
reinen Farbe halber zum Schmuck nicht geeig 
net seien. 
Schleswig, 13. Mai. Für die Erdarbei 
ten zum Grundbau des Regierungsgebäudes 
war eine Submission ausgeschrieben, wofür 
gestern der festgesetzte Termin abgelaufen war 
und wurde die Eröffnung in Gegenwart der 
Submittenten vorgenommen. Die billigste For 
derung war von dem hier wohnenden Herrn 
Paap, früher Pächter auf Königswill gemacht, 
welcher 31,000 Mark verlangt. Die dann 
folgende niedrigste Forderung stieg sofort auf 
45,000 M., welche von einem Hr. Stange gemacht 
war. Die Arbeit wird also wohl Herr Paap 
zu Theil werden. Die Ausgrabung zum 
Grundbau beträgt 12,000 Kubikmeter und ist 
diese Erdmaffe fortzuschaffen. Dann kommt 
wieder eine Einfüllung in die Baugruben von 
10,000 Kubikmeter Kies. (Hus. W.) 
In Clmshorn findet am 24. d. M. der 
Provinzial - Schuhmacher - Verbandstag für 
Schleswig-Holstein und Hamburg statt. 
— Auf der Lübeck-Eutiiier Bahn sind für 
die Sommerzeit ebenfalls tägliche Extrazüge 
eingelegt. 
Der Verband der Creditvereine des 
betreffenden Districtes wird in diesem Jahre 
in Husum tagen, und zwar, wie jetzt nach 
vieler Weiterung definitiv festgestellt ist, am 
5. und 6. Juni d. I. 
Itzehoe, 18. Mai. Das bisherige gute 
Einvernehmen zwischen der hier garnisoniren- 
den Abtheilung des 15. Hannoverschen Husaren- 
Regiments und den hiesigen Einwohnern hat 
bedauerlicher Weise in letzter Zeit einem recht 
gespannten Verhältnisse Platz gemacht. Reibe 
reien und Schlägereien zwischen Soldaten und 
Civilisten scheinen namentlich des Sonntags 
regelmäßig wiederkehren zu sollen. Den Anlaß 
resp. die Anlaßstister zu solchen Skandalscenen 
weiß man nicht zu bezeichnen; im Allgemeinen 
wird es auch hier wohl sein, wie es in der 
Regel bei derartigen Streitigkeiten ist, daß die 
Schuld auf beiden Seiten liegt. Zwischen den 
hiesigen Ossicieren und Bürgern findet nach 
wie vor ein gutes Einvernehmen statt. 
. Altona, 17. Mai. („Fl. N. Ztg.") Gestern 
ereignete sich auf der Elbe rin Unglücksfall 
bei dem 4 oder 5 Menschen das Leben ver 
loren haben. Kurz nach 12 Uhr flog der 
Schleppdampfer „Samson" mit starkem Ge 
krach in die Luft. Das Verdeck mit Allem 
was darauf war, wurde in Fetzen zerrissen und 
hoch in die Lust geschleudert. Der Rumpf 
war sofort nach der Katastrophe unter Wasser 
verschwunden. Von den verunglückten Menschen 
hat man noch keine Spur gefunden. 
In der Nacht auf den 13. hat in Altona 
ein Bataillonsschreibcr einen Civilisten mit 
einem Seitengewehr durchbohrt. Der Un 
teroffizier, welcher, wie man sagt, der Ange 
griffene gewesen, ist in Untersuchungsarrest ge 
nommen. Die Verletzung soll nicht tödtlich sein. 
Das verödete Vaterhaus, von L. A.*) 
Unter den heimathlichen Erinnerungen mei- 
", e r Jugend nimmt ein kleines Landhaus in 
Allein ruhigen Thalwinkel des westlichen New- 
ßork eine der vornehmsten Stellen ein. So 
i B ie ich es zuerst kennen lernte, lag es an dem 
Men Landwege freundlich und belebt da, mit 
Mer Fronte gegen Süden gekehrt, mährend 
Norden Laubhöhen es schützten. Das Häus- 
jffii selbst stand in einem üppigen Netze von 
.eisblatt und Eglantine, und leuchtete aus der 
Irlich geordneten Fülle dieser malerischen 
pflanzen'mit seinen glänzenden Fenstern voll 
^endlichen Reizes dem beschaulichen Wanderer 
Mgcgen. Auch war es ein glückliches Daheim; 
§Ugh Palfrey lebte mit seiner Familie, seiner 
6rau und seinen zwei Kindern, Sohn und 
Tochter in demselben. Ersterer, der Vater, 
würde allgemein als würdiger Mann geschätzt, 
Intelligenz, Bildung und echte menschliche 
Ņte unverkennbar auszeichneten. Allerdings 
Umgab ihn ein gewisses Mysterium, denn er 
war vor ungefähr zwanzig Jahren in die Ge 
llend gekommen, ohne daß man seitdem das 
wlndeste von seinen früheren Beziehungen und 
Stellungen erfahren hätte. Alles, was seine 
Aachbarschast von ihm wußte, beschränkte sich 
urauf, daß er um die erwähnte Zeit mit ei- 
, * jungen und schönen Weibe unter ihr an 
fügte und das kleine Landhaus kaufte, welches 
r bewohnte. Anfänglich hielt er sich sehr ab- 
d, vndert, nach Jahresfrist übernahm er jedoch 
Lehrerposten an der Districtsschule und 
er ah denselben von daher zur ungetheilten 
Z ffriedenheit aller Eltern und Kinder. In 
WķL,Unterricht streng und methodisch, war 
' Nachdruck nicht gestattet. 
er im übrigen Umgang mit seinen Schülern 
mild und herzlich, so daß dieselben mit inniger 
Liebe ihm anhingen. Dieses Verhältniß mochte 
viel dazu beigetragen habe», daß er endlich 
den Mittelpunkt der ganzen Landschaft bildete 
und keine gesellige Freude ohne ihn und die 
Seinigeu gefeiert wurde. Seine Frau galt nicht 
minder als Inbegriff aller Liebenswürdigkeiten 
ihres Geschlechts; ihr sanfter, heiterer Charak 
ter, ihre emsige Pflichterfüllung gegen den 
Galten, wie gegen die Kinder fanden Lob und 
Anerkennung in Jedermanns Mund. Mit ei 
nem Wort die öffentliche Meinung huldigte 
einem wahren Musterpaare in den Geschilder 
ten, und existirte irgendwo ein durch Tugend 
bedingtes Eheglück, so schien es sicherlich unter 
ihrem Dache zu verweilen. 
Als meine letzte Begegnung mit der Familie 
stattfand, gipfelte deren Glück in den zwei 
Kindern, Hampton und Mary, diese zwölf-, 
jener sechszehnjährig, Beide muntere, vielver 
sprechende Gestalten und ersterer im Begriff, 
auf bem „college“ eines nahgelegenen Städt 
chens seinen Cursus für die eine oder andere wis 
senschaftliche Laufbahn anzutreten. Ich verließ 
dazumal unsere Gegend und abenteuerte — 
der Pioniere oder Trapper einer — in den 
derzeit noch unaufgeschlossenen fernen Westen 
hinein, dessen unendliche Wälder und Prai 
rien durchstreifend, den Büffel jagend, den 
grauen Bären verfolgend, oder mit Panthern 
und verrätherischen Indianern kämpfend. Der 
verlockende Reiz dieses Lebens, wenn man dem 
selben physisch sich gewachsen fühlt, ist bekannt, 
und so fesselte es denn auch mich, daß wohl 
ein Lustrum darüber verging und ich inmitten 
der primitiven Scenen der Wildniß meiner 
friedlichen Heimath und deren civilisirter Mah 
nungen nur zu sehr vergaß. 
Eines Abends kehrten wir unserer Vier von 
einem Jagdzuge an den Ufern des Elk-Horn, 
etwa 30 engl. Meilen oberhalb seiner Mün 
dung in den Miffouri, zurück. Langsam suchten 
wir auf ermüdeten Ponies den Heimweg nach 
unserem Lager, selbst von den Strapazen des 
Tages bedeutend angegriffen und herzlich nach 
Ruhe und Erquickung verlangend. Plötzlich, 
indem wir über einen Strich Prairie ritten, 
entdeckte einer von uns eine Parthie Indianer, 
die in vollem Pferdelaufe heranjagten. Es 
mochten ihrer 20 Mann sein, die alle wohlbe 
waffnet schienen. Au ihrer feindlichen Absicht 
konnten wir nicht zweifeln, und wenn auch nur 
Vier gegen Zwanzig, so lag doch zunächst in 
diesem Umstande nichts, was uns schreckte. 
Schon oft hatten wir den Strauß gegen eine 
größere Ueberzahl bestanden und würden auch 
den gegenwärtigen mit Vergnügen angenom 
men haben, waren jedoch für ihn wegen der 
Ermüdung unserer Gäule und besonders wegen 
eines bedenklichen Mangels an Pulver sehr 
schlecht gerüstet. So entschieden wir uns, Fer 
sengeld zu geben, in der Hoffnung, noch vor 
dem Feinde unser Lager zu erreichen, wo wir 
die Mittel besaßen, ihn mit Erfolg abzuweisen. 
Demnach schlugen wir unsere langen spanischen 
Sporen unseren Thieren in die Flanken und 
sprengten vorwärts. Indeß die bester beritte 
nen Wilden kamen uns bald so nahe, daß sie 
ihre Büchsen gegen uns gebrauchen konnten. 
Eine Salve — und zweien unserer Ponies 
rissen die Kugeln fingerlange Streifen aus dem 
Fell. Mit größter Mühe bändigten ihre Reiter 
die geängstigten Creaturen, wir aber, das Ver 
gebliche unserer Flucht einsehend, schwenkten in 
schneller Uebereinstimmung gegen die Verfolger, 
ihnen mit vier Schüssen antwortend, von wel 
chen jeder seinen Mann zu Boden streckte. 
Während der augenblicklichen Stockung, die 
dadurch entstand, hörten wir auf einmal jen 
seits der Hügel hinter uns das dumpfe Ge 
räusch von heraneilenden Hufschlägen, die, kaum 
vernommen, sofort mit dem wilden Kriegsge 
heul correspondirten, unter dem der Haufe vor 
uns zu wiederholtem Angriff stürmte. Die 
Voraussetzung, uns möglicherweise zwischen zwei 
feindlichen Feuern zu befinden, war in diesem 
Fall natürlich; eben so gewiß war aber auch 
unser Entschluß, das Leben theuer zu verkau 
fen. Doch derselbe sollte überflüssig sein; nach 
einer zweiten unschädlichen Lage, die wir em 
pfingen, gerade unsererseits zum Anschlage 
wieder fertig, erschütterte ein überaus kräftiges 
Hurrah die Luft und mit den unserigen zu 
gleich knallte ein Dutzend Flinten auf die Roth 
häute drein, um ihnen unerwartet sechs bis 
sieben neue Opfer zu kosten. Wie der Wind 
machten sich nunmehr die Uebriggebliebenen 
davon, und sie entwischten unbelästigt, weil 
unsere Aufmerksamkeit sich der Cavalcade zu 
wandte, die für uns als überraschender Suc- 
curs an dem Hügelrücken herabsprengte. 
In Kurzem wechselten wir Gruß und Hände 
druck mit zwölf stattlichen Burschen, gleich uns 
freiwillige Nimrode des Westens und nach 
einer bis zum Big-Stone-Lake, Waterhoo u.s.w. 
ausgedehnten Sommerstreife wieder auf dem 
östlichen „cioķşşarcl trip" begriffen. Gemein 
schaftlich unserem Lager zuziehend, ergötzte uns 
daselbst eine Spätrast, wie sie nur einer so 
charakteristischen Stegreifs - Genossenschaft der
	        
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