Full text: Newspaper volume (1875)

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17. Ypril 1875. 
Rundschau. 
Vergangene Woche wurde die zeitunglesende 
Welt durch die Nachricht überrascht, daß die 
Kreits als seft beschlossen betrachtete italienische 
Reise des Deutschen Kaisers ausgegeben worden 
sei. Zugleich aber wurde in den betreffenden 
Berliner Berichten darauf hingewiesen, daß 
Möglicher Weise auch noch andere Ursachen 
'^gewirkt haben könnten. Die Konjectural- 
Politiker waren nun gleich damit fertig, das 
Mfgeben dieser Reise mit den österreichisch- 
italienischen Abmachungen in Venedig in Be 
gehung zu bringen und zu vermuthen, daß 
dort antideutsche Beschlüsse gefaßt worden seien. 
Und als nun gar die „Köln. Ztg." eine Corre- 
ipondenz aus Wien brachte, welche es als für 
die Zukunst gar nicht so unmöglich hinstellte, 
daß Oesterreich, Italien und Frankreich gemein 
em gegen Deutschland Front machen, wenn 
dies auch erst nach dem Sturze Andrassy'S ge 
schehen könne; — als ferner die offiziöse Ber 
liner „Post" einen Artikel brachte mit dem 
Refrain: „der Krieg ist in Sicht, was jedoch 
nicht ausschließt, daß diese Wolke sich wieder 
zerstreut!"; als in Berlin Ministerberathungen 
auf Ministerberathungen stattfanden, Unterre 
dungen zwischen Bismarck und dem Kronprin 
zen, als Moltke eiligst aus Schlesien, der Ge 
neral von Werder aus Petersburg zurückkehrte, 
die Botschafter von Paris, Wien u»b London 
lni Auswärtigen Amte aus- und eingingen,— 
da zweifelten Viele nicht mehr daran, daß in 
der hohen Politik etwas Wichtiges vorgehe. 
Die dadurch verursachte Aufregung hat sich 
übrigens wieder gelegt, nachdem nicht nur die 
"Rvrdd allgem. Ztg.", sondern auch die öster- 
und französische Presse ihre beruhigen- 
,/ņ Persicherungen ertheilt haben. — Ja, 
?ģ'Uahe hätten wir es vergessen, auch der um 
vjeielbe Zeit bekannt gewordene belgisch-deutsche 
Notenwechsel vom Februar dieses Jahres trug 
dazu bei, Erregung hervorzubringen. Der- 
lelbe drehte sich um die Frage, ob es nicht 
völkerrechtlich angezeigt sei, daß Belgien gesetz 
liche Maßregeln ergreife, um zil verhin 
dern, daß van belgischen Staatsangehörigen 
die renitenten deutschen Bischöfe zum Aus 
harren in ihrem Widerstände gegen die 
Staatsgewalt ermuntert würden und das Le 
ben öffentlicher Personen bedroht würde. Die 
belgische Regierung beantwortete die desfallsige 
deutsche Forderung ablehnend und da lag für 
Conjecturalpolitiker die Annahme nahe, daß 
hinter Belgien andere zum Widerstände hetzende 
Mächte stehen. — Statt des Kaisers ist nun 
der Kronprinz nach Italien gegangen, jedoch 
nicht, wie es heißt zu politischen Zwecken, son 
dern lediglich aus Erholungsrücksichten. Zu 
rückkehren wird er am I I. Mai, also zur selben 
Zeit, wo der Kaiser von Rußland zu Besuch 
in Berlin eintreffen wird. — Auf dem kirchen- 
Politischen Kriegsschauplatz geht es jetzt sehr 
heiß her. Die in Fulda versammelt gewesenen 
preußischen Bischöfe haben eine Jmmediatein- 
8obe an den Kaiser gerichtet, in welcher sie 
Klären, die vom Staatleistungseinstel- 
ìUtigsgesetze geforderte bedingungslose Un 
terwerfung unter die Staatsgesetze nicht mit 
ihrem christlichen Gewissen vereinbaren zu kön 
nen, und den Kaiser ersuche», dem Gesetze seine 
Genehmigung nicht ertheilen zu wollen. Das 
preußische Staatsministerium aber hat dem 
Episcopal in sehr entschiedener Weise geant 
wortet, daß der Kaiser nicht um eines Haares 
Breite von dieser Forderung abgehen könne. 
Der Fürstbischof Dr. Förster von Breslau hat 
es abgelehnt, der Aufforderung zur Amtsnie 
derlegung nachzukommen, und so wird der 
kirchen - polilische Gerichtshof das Verfahren 
gegen ihn einleiten. Man spricht bereits von 
Jnterniruug des Bischofs, um zu verhindern, 
daß er auf österreichisches Gebiet flüchte und 
von dem österreichischen Theile seiner Diöcese 
aus sein Amt weiter verwalte. Das preußische 
Abgeordnetenhaus genehmigte das obenerwähnte 
kirchen-politische Gesetz, welches jetzt kurz „Sperr 
gesetz" genannt wird, endgültig und zwar mit ei 
nem Zusatzantrage Wehrenpfennig's, zum 
Kirchengemeindenvermögen-Verwaltungsgesetze, 
nach welchem für die Dauer der Einstellung der 
Staatsleistungen in den betr. Diöcesen auch 
die aus Gemeindemitteln fließenden Besoldun 
gen der Geistlichen einbehalteu werden sollen. 
Im klebrigen erledigte die zweite preußische 
Kammer die zweite Lesung der Provinzialord- 
nung. Dem Hause ging bereits eine neue 
kirchen-politische Vorlage zu, und wohl die ein 
schneidendste von allen bisherigen. Dieselbe 
hebt die Artikel 15, 16 u. 18 der Verfassungs 
urkunde vom 31. Januar 1850 auf und be 
sagt, daß die Rechtsordnung der evangelischen 
und der kathol. Kirche, sowie der andern Re- 
ligionsgenossenschaften im Staate, sich nach den 
Staals'gesetzen zu regeln habe. Um die Be 
deutung dieser Vorlage klar zu machen, wollen 
wir hervorheben, daß Art. 15 unter Anderm 
bestimmte, daß die Religionsgescllschasten ihre 
Angelegenheiten selbst ordnen können und im 
Genusse ihrer Anstalten, Stiftungen und Fonds 
bleiben; Art. 16, daß der Verkehr der Reli- 
gionsgeseUschasten mit ihren Oberen ungehin 
dert und die Bekanntmachung kirchlicher Anord 
nungen nur den allen Veröffentlichungen auf 
erlegten Beschränkungen unterworfen; und 
Art. 18, daß das Ernennungs-, Vorschlags-, 
Wahl- und Bestätigungsrecht des Staates bei 
Besetzung kirchlicher Aemter aufgehoben ist. 
Noch nicht genug! Noch eine weitere Vorlage 
steht in Aussicht. Dieselbe betrifft die Auf 
hebung der Klöster und Congrcgationen und 
stellt das ganze Vermögen der Klöster unter 
Staatssequester. — Die erste hessische Kammer 
genehmigte die Kirchengcsetze nach den Beschlüs 
sen der zweiten Kammer. — 
Die Elsaß-Lothringischen Bezirkstage wähl 
ten vorige Woche die Mitglieder des Landes 
ausschusses. Es drangen solche Männer durch, 
welche entschlossen sind, auf Grund der neuen 
Verhältnisse ihrem engeren Vaterlande nützlich 
zu sein, was in Berlin als ein relativ günsti 
ges Resultat betrachtet wird. 
Tie liberale Presse Oesterreichs und Ungarns 
behauptet einstimmig, in Venedig sei nichts 
gegen Deutschland verabredet worden, vielmehr 
sei Kaiser Franz Joieph dahin gegangen, um 
Italien für das Dreikaiserbündniß zu gewin 
nen. Diese Ansicht ist indessen wohl eine zu 
optimistische und wir meinen, daß es sich dort 
zunächst um gar nichts Anderes als um den 
engen Anschluß Oesterreichs an Italien gehan 
delt hat, was denn auch aus den Toasten der 
beiden Monarchen hervorgeht. — Das unga 
rische Abgeordnetenhaus genehmigte einen Ge 
setzentwurf, welcher eine Dienstboten-, Billard-, 
Wagen- und Pferde-Steuer einführt. 
Die italienische Presse hat sich bereits auch 
mit dem Thema beschäftigt, was denn, außer 
den handelspolitischen Dingen, eigentlich in 
Venedig verhandelt worden sei, und dabei be 
hauptet die Florentiner „Epoca", der Kardi 
nalpatriarch von Venedig habe sowohl dem 
Kaiser von Oesterreich als auch dem Könige 
von Italien ein eigenhändiges Schreiben des 
Papstes überbracht und Victor Emanuel die 
Bedingungen entwickelt, unter denen sich ein 
gutes 'Verhältniß zwischen Staat und Kirche in 
Italien herstellen lasse; als erste Bedingung sei 
die Loslösung Italiens von Deutschland ange 
führt worden, die ganze Mission sei aber voll 
ständig gescheitert. Die römische „Opinione" 
jedoch behauptet, an dieser ganzen Enthüllung 
sei kein wahres Wort. 
Auch die französischen Blätter erörterten die 
sen Gegenstand sehr eingehend, und die „Union" 
wollte ganz genau wissen, daß Kaiser Franz 
Josef dem heiligen Vater seine Ergebenheit und 
Achtung, sowie sein Bedauern über den Con 
flict mit Deutschland habe ausdrücken lassen, 
unter dem Hinzufügen, daß die Lage große 
Klugheit erfordere. — Auch die erwähnten 
Kriegsbefürchtungen deutscher Zeitungen brach 
ten die sranzöfische Presse in Allarm; ohne 
Unterschied der Partei betheuert sie jedoch, daß 
Frankreich an nichts anderes als an Aufrecht 
erhaltung des Friedens denke und daß, wenn 
in Venedig eine antideutsche Koalition sich ge 
bildet habe, Frankreich derselben fern stehe. 
Diese Koalition besteht nur in den Wünschen 
gewisser Parteien, aber glauben können mir 
es schon, daß Frankreich jetzt noch nicht in der 
Lage ist, Krieg zu führen. Frankreich wird 
eben nicht früher den Revanchekrieg beginnen, 
bis es seine HeereSorganisation vollständig 
durchgeführt hat und bis es ihm gelungen ist, 
sich durch Allianzen übermächtig gemacht zu 
haben. Bis dahin hat es wohl noch gute 
Weile. 
Die neue spanische Regierung entpuppt sich 
immer mehr als eine ultrareactionüre. Das 
neue Unterrichtsgesetz hat die Universitätspro- 
sessoren in solchem Maße empört, daß sie ins 
gesammt einen Protest unterzeichnet haben. Die 
Regierung hat aber die Rädelsführer sofort 
nächtlicher Weile aus dem Bette holen lassen 
und nach den kanarischen Inseln deportirt. Das 
Rectorat der Madrider Universität hat kein 
anständiger Professor annehmen wollen, und 
so mußte man den Karlisten Lafuente dazu er 
nennen. Die Aufregung unter den Studenten 
soll groß sein. — Die Generale Saballs und 
Lizaraga von der catalonischen Armee, die 
nach neulichen Nachrichten ebenfalls von Don 
Carlos abgefallen sein sollten, sind dem Prä 
tendenten noch immer treu. Nach Madrider 
Meldungen sollen übrigens die Desertionen 
unter den Karlisten fortdauern; demungeachtet 
dürste es noch einige Zeit währen, bis man 
diesen Aufstand unterdrücken können wird. 
Berlin, 12. April. Die Kriegsgerüchte 
haben, wie es scheint, sogar die Armee in ei 
nige Bewegung versetzt. In unterrichteten 
politischen Kreisen wird die Lage viel ruhiger 
angesehen und man glaubt an keine Störung 
des Friedens in übersehbarer Zeit. 
— Nach dem Normaletat für die Besoldung 
der Justizbeamten beziehen die Stadtrichter, 
Kreisrichter, Amtsrichter, die Mitglieder der 
Commerz- und Admiralitäts-Collegien und die 
Grundbuchrichter mit Einschluß derer, welchen 
der Titel Stadt- oder Kreisgerichtsrath oder 
Oberamtsrichter verliehen worden ist, ein Ge 
halt von 2400—4500 M. Nur die Mitglieder 
des Kreisgerichtes zu Berlin erhalten einen 
Localzuschlag von 300—900 M., wobei zu 
bemerken ist, daß das Berliner Stadtgericht 
einen eigenen Etat hat, welcher der Localzu 
lage für die Mitglieder des Berliner Kreisge 
richtes entspricht. Das Gehalt der Secretäre 
dagegen, welche zu den Subalternbeamten ge 
hören, richtet sich nach der Einwohnerzahl der 
Städte, in denen sie angestellt sind. Sie er 
halten beim Kreisgerichte in Berlin 2100—3600 
Bl., bei Gerichten in Städten mit mehr als 
50,000 Einwohnern 2100 -3000 M., bei Ge 
richten in Städten mit 20,000—50,000 Ein 
wohnern 1950—3000 M. und bei allen andern 
Gerichten 1800- 2700 M. 
Berlin, 12. April. Die Grundzüge des 
Gesetzes über die Aufhebung der Orden 
undCongregationen im preußischen Staate, 
welches wahrscheinlich noch im Laufe dieser 
Woche eingebracht und gedruckt werden wird, 
sind folgende: Die Aufhebung ist eine allge 
meine, sie betrifft sämmtliche Klöster und Orden 
im Lande und soll binnen sechs Monaten aus 
geführt werden. Nur denjenigen Orden, welche 
sich mit Ertheilung von Unterricht notorisch 
befassen, durch Contracte in dieser Beziehung 
mit rc. gebunden sind und gewissen mit Kran 
kenpflege beschäftigten Orden, wird eine Frist 
bis zu zwei Jahrengewährt. Das gesummte 
bewegliche und unbewegliche Vermögen der 
KlösterundOrdenwird unter Sequester 
gestellt. Diejenigen Mönche, Nonnen oder 
Ordensmitglieder, welche bei ihrem Eintritt in 
die betreffende Gesellschaft derselben ihr Ver 
mögen übergeben oder vermacht haben, erhal 
len dasselbe zurückgestellt. Diejenigen Mitglie 
der, welche kein eigenes Vermögen besitzen und 
zur Arbeit und eigenem Verdienst untauglich 
sind, erhalten vom Staate Pension ausgezahlt. 
— Nach der Bekanntmachung des Reichs 
kanzlers vom 26. Februar d. I. dürfen die 
polnischen eindrittel und einsechstel 
Talarastücke innerhalb des deutschen Reichs 
gebietes in Zahlung weder gegeben noch ge 
nommen werden. Der Finanzininiitcr hat die 
Geheimnißvoll. 
IForts. von Nummer 36.) 
27. Enpitel. Diese Rocht. 
Drei Stunden später hatten die Geschwister 
^'Donnell ScarSivood auf immer verlassen. 
Şie hatten Abschied genommen von Lady Dan- 
ökrfield, die bitter weinte, nicht so fast über 
"e Trennung, als über das eigene Geschick, 
von Lady Carola, die bleich und schweigsam 
Rosa küßte und dem Brude die Hand mit ei- 
hoffnungslosen Scheideblick gab, von Graf 
Ruisland, der höflich bis zuletzt sein Bedauern 
Ausdrückte. 
„Mein einziger Trost ist, daß wir Miß Hern- 
castle noch vor Abend in den Klanen haben 
werden," zürnte er. 
„bind selbst diesem Trost bitte ich Sie zu 
«i : sl ’ir n i ."suche Sie darum als persönliche 
Gesalligkeü." 
„Mein lieber Freund, wissen Sie, was Sie 
sagend" 
Gewiß, ich kenne Miß Herncastle's Geschichte, 
und Sie nicht, das bedingt den Unterschied." 
„Ich will nicht mehr wissen, als ich schon 
ülicnu tfjre 33ergangeu()eit ben hiesigen 
Erlebnissen entspricht, muß es eine erbauliche 
Historie sein. Heißt tie Herncastle?" 
„Sie weiß wohl selbst kaum, wie sie heißt, 
und ist sehr zu bedauern, weil man ihr schwe 
res Unrecht gethan, und die Verhältnisse sie 
auf falsche Bahn brachten. An ihrer Stelle 
hätte ich wohl ebenso gehandelt. Ich behaupte, 
daß gegen Miß Herncastle mehr gefehlt wor 
den, als sie gefehlt, und weml Sie Alles wüß- 
ten würden Sie mir beistimmen." 
Sem Auge glühte, seltene Röthe bedeckte das 
«anst so ruhige Gesicht. Der Graf starrte ihn an. 
„Guter Gott, was ist das für eine Rado- 
montade? ist das Weib eine Hexe, sind Sie 
endlich ihrem Zauber unterlegen? Ich würde 
Ihnen beistimmen, wenn ich Alles wüßte, so 
sagen Sie mir doch in Henkers Namen Alles. 
Wer ist die beeinträchtigte bemitleidenswerthe 
Miß Herncastle?" 
„Meine Schwester wartet und ich kann Ih 
nen jetzt die Geschichte nicht erzählen, aber ick, 
mache Ihnen den Vorschlag, gehen Sie nicht 
nach Bracken Hollow, bis Sie einen Brief von 
mir empfangen haben werden, Sie sollen ihn 
spätestens bis morgen haben, und daun thun 
Sie, was Sie wollen. Und nun leben Sie wohl!" 
Er eilte fort, und der Gras blickte ihm fast 
versteinert nach. Oben am Fenster zeigte sich 
ein todtenbleiches Antlitz. Er winkte grüßend 
mit der Hand, die Pferde schüttelten die Mäh- 
nen, sausten dahin, und einen Augenblick später 
lag Scarswood wie ein Traum hinter ihnen. 
Kein Wort wurde gesprochen. Als Rosa 
sprechen wollte, erstarben ihr die Worte auf 
den Lippen, da sie den Bruder ansah. Liebte 
er doch Carola? .Hatte er sie all die Jahre 
geliebt? 
Sie fuhren in die „Silberne Rose", wo er 
ihr Gaston Dantree's Geschichte erzählte. 
„Wenn Du ihn noch einmal sehen willst, 
ist'z jetzt Zeit; ich begebe mich vor unserer 
Abreise noch einmal nach Bracken Hollow, 
und wenn Du willst, komni mit." . 
Zitternd hörte sie seinen Bericht. Blödsinnig, 
hoffnungslos blödsinnig! Bei den Schrecken 
dieses Geschickes vergaß sie das erlittene Un 
recht, todtenbleich, aber still und thränenlos 
erhob sie sich. 
„Ich will hingehen." 
Sie fuhren sogleich hin. O'Donnell zwang 
sich, das eigene Herzleid zu vergessen und au 
Isabella zu denken. Er wunderte sich über die 
Bewunderung, die Neigung, die sie ihm ein 
geflößt. Wie muthig, entschlossen, geduldig und 
selbstbeherrscht sie war, welch schöne Keime 
eines edlen Daseins waren hier geknickt.. 
Sie fuhren vor; aus den Stufen des alten 
Hauses stand Emil Otis mit gekreuzten Armen 
und funkelnden Augen. Rudolf O'Donnell er 
kannte ihn sofort. 
„Habe ich die Ehre, den Herrn Hauptmann 
O'Donnell zu sprechen?" begann er. 
„Der bin ich; ich komme mit meiner Schwester 
in Folge von Miß Herncastle's Erlaubniß." 
„Ich weiß das; es ist heute Ihr zweiter 
Besuch." 
O'Donnell verwunderte sich über den ge 
reizten Ton. 
„Ich bitte, uns Miß Herncastle zu melden," 
sprach er ruhig. 
„Sie ist nicht hier, sie ist fort," rief Otis 
mit zornig funkelnden Augen. 
„Fort?" 
„Entflohen. Das würde mich nun nicht 
wundern, aber dieses ist unerklürbar." 
Er deutete aus einen offenen Brief. 
„Was sagten Sie ihr, Hauptmann O'Don 
nell, welchen Einfluß haben Sie aus sie, daß 
sie Ihretwegen auf das endlich erreichte Stre 
ben ihres ganzen Lebens verzichtet? Mit wel 
chem Rechte komnien Sie und mischen sich in 
Angelegenheiten, die Sie nichts angehen?" 
„Steige wieder ein und warte, bis ich zu 
Dir komme," wandte O'Donnell sich an seine 
Schwester, die erstaunt gehorchte. 
„Und nun suchen wir uns zu verstehen, Mr. 
Otis, ich bemerke nur, daß Sie in sehr ge 
reiztem Tone sprechen, und bitte das zu un- 
terlasseu und sich deutlicher auszudrücken." . 
„Sie verstehen mich nicht? Riethen nicht 
Sie ihr, dem Ziele ihres Lebens zu entsagen, 
ihr Geburtsrecht aufzugeben, weil das Weib, 
das es usurpirte, Ihre Freundin ist? Dräng 
ten Sie sie nicht zur Flucht?" 
„Ich verstehe mich nicht aus Räthsel und 
werde aus Ihren Reden nicht klar. Ich bat 
Miß Herncastle einfach ihr Leben mit einem 
ihrer würdigeren zu vertauschen und sie ver 
sprach es. ' Ich besitze nur den Einfluß eines 
wahren Freundes auf sie." 
Doktor Otis fühlte, daß er die Wahrheit 
sprach. 
„Lesen Sie," sagte er trübe und reichte ihm 
den Brief. 
„Emil, mein Bruder, Sie werden schmerzlich 
überrascht sein, wenn ich Ihnen sage, daß ich 
gehe auf Nimmerwiederkehr. Ich entsage Allem; 
das Geständnis; ist verbrannt. Weder mein 
Vater noch sie, die ohne es zu wissen, meinen 
Platz einnimmt, sollen durch die Kenntniß der 
Wahrheit unglücklich gemacht werden. Ich er 
innere mich, daß sie wenigstens stets gut und 
lieb mit mir gewesen, mein Vater aber würde 
sich meiner schämen. Hauptmann O'Donnell 
hat sich als wahrer Freund bewiesen, sagen 
Sie ihm, daß ich ihm danke von ganzer Seele, 
daß ich aber nicht mit ihm gehen könne, — 
uni meinetwillen nicht. In meiner Todesstunde 
wird der Gedanke an ihn und Sie nur der 
liebste sein. Folgen Sie mir nicht; in. glück 
licheren Tagen werde ich zu Ihnen zurückkehren. 
Şorgen Şie wie biäljer für ben stritten ©stfton, 
erstatten Sie Sir Peter das Geld, das ich im
	        
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