Full text: Newspaper volume (1874)

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die Sonnabend-Xr, bi« Freitag-Mittag 12 Uhr erbeten 
18. Kürz 1874. 
Berlin 13. März. Durch dos durch nichts 
^rechtfertigte Schweigen deS Rkichskanzleramts 
Uber da- Verhältniß der alten zu den neuen 
Münzen hatte sich bekanntlich eine große Ver- 
tvlrrung heraus- und herangebildet, bei der das 
große Publikum natürlich am übelsten weggekom 
men ist und noch wegkommt. Eine .anonyme Note 
dis Reichs - Anzeigers, als deren Urheber gegen- 
Mäitig die preußischen Bezirksregierungen in ihren 
Amtsblättern das Reichskanzleramt namhaft mache«, 
dal endlich, wenn auch fast z» spät, einiges Licht 
derbreitet. Plötzlich tauchte wieder die Nachricht 
aus, daß die österreichischen Vereinsthaler, deren 
Ausprägung auf der allgemeinen deutschen MÜNZ- 
Uebereinfutift von 1857 beruhte und die daher 
llanz so vollwerthig, wie die preußischen, sächsischen, 
bayerischen und andere Vereinsthaler sind und bleiben, 
dìcht mehr in Zahlung genommen würden, was 
Ordern,n neue Verwirrung veianlaßte. Heute er- 
'?hn man durch eine von gestern datirte, an 
îdUliiuliche Gerichtsbehörden erlaffene Verfügung 
j! c * Justizministeis (ber auf Veranlassung des 
Ģnanzministers dieselben darauf hinweist), daß mit 
a<»> Eintritt der Reichswährung, nach Art. 14 81, 
Verbindung mit Art. 15 Nr. 1 des Reichs- 
^ünzgesktzes vom 9. Juli 1873 auch die von 
Österreich und Ungarn geprägten Ein- und Zwei- 
4halerstücke aufhören, gesetzliches Zahlungsmittel 
| 11 sein, »nd ,es geboten erscheint, schon jetzt Fur 
age zu treffe»', daß in den öffentlichen Kaffen 
î>ne Vermischung der Thaler- und Zweithaler- 
nucke deutschen Gepräges (d. h. der Staaten 
Oes deutschen Reichs) mit denen österreichischen Ge 
löstes „thnnlichsl vermieden wäre'. Zu bemerke» 
>ft hierbei, daß der Eintritt der Reichswährung 
>wch nicht feststeht, derselbe vielmehr von einer mit 
Zustimmung des Bundesrathes mindestens drei 
Monate zuvor zu erlassenden kaiserliche» Verord- 
Ming abhängt und eine solche »och gar nicht in 
V genommen ist. Aus der in Rede stehen- 
- •* f4, IIOr n 1Un t' erhellt demnach, daß die öster- 
Utchischen Vereinsthaler vollgültiges Zohlniigsmittel 
und und höchstens von den Behörden, diesie haben, 
üicht ferner ausgegeben werden. (F. Hdlsztg.) 
Pvscn, 10. März, Em Soldat winde Sonn 
est Abends aus der Domstraße von zwei Civilisten 
^stkgriffen, wobei einer derselben versuchte, den 
Soldaten mit einem Meffer zu verletzen. Doch 
stelaiig ks de,» Soldaten, die beiden Angreifer sich 
J?"' Leibe zu halle». — In der Nacht vom 
^onntag zürn Montag wurde ein Außenposten am 
oort Pritlwitz - Saffron von zwei Civilisten durch 
o Oen Schrotschuß an der linken Hand verletzt. Es 
^ ong de» Strolchen, wahischeinlich Mehlpascher», 
s enikommen, bevor der Posten ihnen einen schar- 
ļ,' ( n Şch„tz nachsenden konnte. Die „Pos. Ztd." 
^""kt hierbei, daß an sämmtliche Posten der 
8e/j^cm in neuerer Zeit scharfe Patronen aus- 
Ņerr werden und daß die Posten angewiesen 
sind, davon im Falle eines Angriffes sofortigen 
Gebrauch zu machen. 
Hamburg, 11. März. Aus dem Geschäfte 
des Vieh - Commiffärs Herrn C. Bohl! ist seit 
Sonnabend der sei! 5 Jahren daselbst angestellte 
Geschäftsführer L. verschwunden und mit ihm 
gleichzeitig eine Summe von ca. 20—30,000 Thlr., 
die er aus dem Geldschrank nahm, verschwunden. 
Erst am Montag - Vormittag, als L. nicht in'S 
Comptoir kam, schöpfte Herr Bahn Verdacht; die 
hierauf angesteUle» Recherchen ergaben, daß der 
Vermißte die ihm anvertrauten Schlüssel dazu be 
nutzt batte, die vorerwähnte Summe theils in 
preußischen und theils in sächsischen Kaffenscheinen 
aus dem Schranke zu entwenden. Wohin derselbe 
sich gewandt, ist bis jetzt »och nicht ermittelt, doch 
vermuthet man, daß er via Köln nach England 
gegangen. Seit Sonnabend ist auch ein Bruder 
des Flüchtlings unsichtbar geworden. 
Stade. Am 2. d. M. haben die Eisen- 
bahnarbeiten innerhalb der Stadtflur Stade 
und zwar zwischen der Stade - Ritzebütteler 
Chaussee unweit der Gastivirthschast „Zur Er 
holung" auf dem Schwarzenberg und dem 
Landwehrgraben (diesseitige Grenze und des 
Gebiets vom Königlichen Amte Himmelpforten) 
begonnen und wird daselbst gegenwärtig mit 
50 Mann und 6 Waggons am Aushub des 
Einschnitts und an der Schüttung des an 
schließenden Dammes gearbeitet. — Sobald 
die landdrosteiliche und städtische Baugeneh 
migung zur Legung eines JnterimSgeleises über 
die obenerwähnte Chaussee und zum Locomo- 
tivbetried für die Strecke Schwarzenberg bis 
Laiidwehrgraben eintrifft, können die bedeuten 
den Erdarbeiten dort en gros aufgenommen 
werden. 
Altona, 13. Mürz. Die Zolldefrau- 
d en nehmen einen bedauerlich großen Umfang. 
Es wird die Summe der seit 3 Jahren täglich 
der Zollcasse entzogenen Betrüge auf 300 Thlr. 
berechnet. Der Hanptdesrandant, der Ham 
burger Spediteur von Dieme», der in Otten 
sen und Harburg Filialen besitzt, sollte gestern 
verkraftet werde», hatte eS jedoch bereits vor 
gezogen das Weite zu suchen und, wie verlau 
tet, mit ihm mehrere andere Personen. 
Flensburg. 14. Mürz. Dem j„Alt. M." 
wird von hier geschrieben: „Unsere neue Aetien- 
bierbrauerei geht ihrer Vollendung entge 
gen. Das stattliche Gebäude erhebt sich in 
halber Entfernung von der Neustadt bis zum 
Kupfermühlengehölz nahe am Strande. Man 
hofft im September das erste Bier fertig zu 
haben. Der Flensburger sieht natürlich mit 
nicht geringer Erwartung dem Zeitpunkt ent 
gegen, wo er, von den Kielern sich emancipi- 
rend, sein eigenes Gebräu schlürfen kann und 
im Interesse für seine neue Brauerei ärgert 
er sich nicht wenig, daß der heurige Winter 
so gar wenig Eis und Schnee umherstreut. Hof 
fentlich (denn ohne „hoffentlich" k,ann ein Corre 
spondent heutzutage einmal nicht schließen) 
hoffentlich wird der Sommer recht kalt und 
das Bier doch gut. 
-I- Kiel, 15. Mürz. Am vorgestrigen Früh 
morgen brannte auf dem Sophienblatt das 
obere Stockwerk des dem Tapezier Esrom 
gehörigen Hauses aus. Der prompten Hülfe 
unserer Turnerfeuerwehr ist es zu verdanken, 
daß das Feuer, welches im Anfang gewaltig 
ausschlug, ohne die benachbarten Häuser zu 
verletzen, nach ungefähr 2 Stunden gelöscht 
wurde. — Am Mittag desselben Tages stürzte, 
vielleicht in Folge des einigermaßen heftigen 
Sturmes, im neuen Universitätsbau eine grö 
ßere Scheerivand des Mittelbaues nebst den 
Bögen ein. Doch wird sich, wie es heißt, der 
angerichtete Schaden bald repariren lassen. 
Der am 21. v. M. in Eutin in einem Alter 
von 90 Jahren verstorbene frühere Kieler Kauf 
mann G. M. Cetti, Italiener von Geburt 
und, wenn ich nicht irre', als armer Bursche 
in unsere nordische Gegend gekommen und dort 
durch Betriebsamkeit zu Vermögen gelangt, hat 
durch eine Reihe wohlthätiger Legate den durch 
bereits früher errichtete milde Stiftungen ge 
wonnenen Ruf auch in seinem Testamente be 
stätigt. Nach einer in der Abendnummer der 
gestrigen „Kieler Zeitung" enthaltenen Notiz 
erreichen die ausgesetzten Legate die beträcht 
liche Sumnie von 45,200 Thlr. Davon kom 
men an 10 nordalbingische katholische Kirchen 
20,000 Thlr, je.2000 Thlr., nämlich an die 
Kirchen zu Eutin, Lübeck, Altona, Neumünster, 
Rendsburg, Friedrichstadt, Schleswig, Flens 
burg, Nordstrand und Bergedors, au die hie 
sige Universität 1200 Thlr., an das Eutiner 
Krankenhaus 2000 Thlr. und endlich zur Grün 
dung und Unterhaltniig einer Schule in Baglia, 
(Lombardei), dem Geburtsort des Stifters, 
22,000 Thlr. 
-- Im Monat Februar d. I. sind bei der 
Provinzial-Jmmobiliar-Feuerversicherungs-An 
stalt 16 Brand fälle angemeldet, wodurch 
ein Schaden von ea. 10,200 Thlr. erwachsen 
ist. Von diesen 16 Brandschäden entfallen auf 
den Kreis Altona 3 mit einem Schaden von 
126 Thlr., Kreis Kiel 2 von 4431 Thlr , Kreis 
Tondern 2 von 834 Thlr., Kreis Eiderstedt 
1 von 120 Thlr., Kreis Pinneberg l von 27 
Thlr., Kreis Oldenburg 1 von 183 Thlr., Kreis 
Schleswig 1 von 583 Thlr., Kreis Steinburg 
I von 41 Thlr., Kreis Stormarn 1 von 1182 
Thlr. Hiervon kommen auf städtische Bezirke 
5 Schäden mit ca. 900 Thlrn., auf ländliche 
II mit ca. 9300 Thlr. Soweit bis jetzt er 
mittelt sind von diesen Brandfällen 3 durch 
Der Marketender. 
Erzählung von Hermann Kleiiisteiiber. 
(Fortsetzung.) 
şiber nun laß mich wieder au das Bulter- 
gehen.' sagte Annette ftiundlich zu Peter, 
. U»g ihm ihre Hand und fing von Neuem an, 
Kübel emsig zu hautiren. 
er "4 K"Iich ihr das stand. Wie appetitlich wußte 
die Biitterklunipen zu behandeln. Die blendend 
i mn Hemdärmel waren aufgestreift und ließen 
«en Arm sehen, d.ffen kräftige Fülle daS schöne 
bei,maß ihrer ganze» Gestalt verrieth. 
»Wenn ich nur wußt', warum Dich der Herr 
' ,"ller Gewalt von hier sorthaben wollt',' be- 
ļtfte Peter nach einer kleinen Pause, indem er 
U.wieder an den Thürpfosten lehnte und dem 
Mädchen nachdenklich zusah. 
.Es war ja mein Brodherr!' erklärte diese 
; t u »b da er die Deutschen grimmig haßt, io wollte 
»g,Natürlich auch nicht leiden, daß sch Euch hier 
«ìch zur Hand gehe.' 
'"d)arum braucht er sich aber darüber so sehr 
»„/ • en - J meinte Peter kopfschüttelnd. „Wenn 
zZUcht etwa mehr dahinter steckt! . . ." 
r» X 'tte warf ihm einen vorwurfsvollen Blick 
eiffrf-û”- şiļ merkte wohl, daß in dein Burschen 
'sj-, "wtige Gedankļli ausstiegen. Es wäre Ver 
den ? stewese», denn allerdings mußte es befrein- 
lieh^ii Segur mit solcher Leidenschaft- 
lina f • ,~ nn ' t t f ii8 Entfernung bestanden hatte, 
dg ,ni_ kan» das nicht Wunder nehmen, 
SVr wissen welchen ruchlosen Plan er verfolgte, 
tenba,,! " "irdische Gang mündete in dem Gar- 
dieiite ff» Kiļweilig als kleine Meierei 
' ktl das eigentliche Gebäude derselben ganz 
baufällig geworden war. Cs mußte also d-m 
Hauptmanne, wenn er mittelst jenes Ganges seine 
teuflische Absicht ausführen wollte, vor allen Din 
gen daran liegen, aus dem Gartenhause eine Per 
son zu entfernen, die durchaus keinen fanatischen 
Deutschenhaß zeigte, die vielmehr mit den Preußen 
auf freundschaftlichem Fuße lebte und dieselben 
daher gewiß warnen würde, wenn ihr etwas ver- 
dächtig erschiene. 
Wenn Schloß Lombey mit deutschen Kriegern 
belegt wurde, wollte sie der Hauptmann mit dem 
Schlöffe in die Luft sprengen. 
Dergleichen Schandthaten sind bekannllich im 
Laufe des Feldzugs vorgekommen, und sie wur 
den Von der gewiffeiilose» Zeitungspreffe in 
Frankreich als patriotische Heldenthaten gerühmt. 
Aber nicht Haß und Rache allein gaben dem 
Hauptmanne jenen heimtückischen Plan ei». Er 
hatte das alteithsimliche Schloß erst vor Kurzeni 
käuflich erworben. Daffelbe war indeß, wie die 
dazu gehörigen Wirlhschaftsgebäude in sehr 
vernachlässigte,» baulichen Znslande. Die dringendste 
Nothwendigkeit gebot, dieselben niederzureißen »nd 
von Grund ans neu auszuführen. Dazu aber 
fehlte dem neue» Besitzer, Herrn v. Segur, das 
Geld, da sein Eigenthnm ohnehin übermäßig Ver 
schuldet war. Er rechnete nun so: 
.Wenn di, de» alte» Steinhaufen des Schloffes 
mit der etwaigen preußischen Besatzung j» die 
Luft sprengst, so wird man dies als eine patrioti 
sche Heldenthat, als ein großartiges Opfer deiner 
seits preisen, und die Regierung wird nicht ver- 
fehlen, dir als Belohnung und Entschädigung da- 
für eine Summe zu zahlen, mit der du das 
Schloß und die Wirthschaftsgebäude in prächtiger 
mangelhafte Bauart, 1 muthmaßlich durch 
Brandstiftung aus Gewinnsucht, ein durch Spie 
len der Kinder mit Zündstoffen, entstanden. 
— Da der diesjährige Geburtstag des 
Kaisers, der 22.. März, auf einen Sonn 
tag fällt, so hat die königl. Regierung ange 
ordnet, daß die Schulfeier am Sonntag, den 
22. d. M., nach beendigtem Hauptgottesdienste 
stattsindet. Sollten aber lokale oder anderwei 
tige Hindernisse dies als unthunlich erscheinen 
lassen, so ist die Schulfeier des Allerhöchsten 
Geburtstages auf den Vormittag des voraus 
gehenden Tages unter Aussetzung der Schul 
stunden zu verlegen. 
Altona, 12. März. (Fl. N. Z.) Nach einer 
Mittheilung des Landesdirectors der Provinz 
Schleswig-Holstein ist von dem provinzialstän 
dischen Verwaltungsausschuß in seiner Sitzung 
vom 31. Januar d. I. beschlossen morden, zur 
Bestreitung der Kosten der provinzialständischen 
allgemeinen Verwaltung für das laufende Jahr 
eine Summe von 30,000 Thlr. auszuschreiben. 
oc Itzehoe, 13. März. In der heutigen 
Sitzung der hiesigen Strafkammer kam die An 
klage wider den Bäckergesellen Carl Bahr, und 
den Arbeiter Wilhelm Schulze, beide in Rends 
burg, wegen Hausfriedensbruchs, sowie den 
Klempner Elias daselbst wegen Verleitung zu 
diesem Vergehen zur Verhandlung. 
Der Klempner Elias, welcher von seiner Ehe 
frau getrennt und mit ihr im Scheidungspro 
zeß lebt, überredete im Januar d. I. die bei 
den Mitangeklagten Bahr und Schulze das mit 
seiner Ehefrau erzeugte Kind, welches sich bei 
dem Schmiedem. (?) Diederich in Rendsburg 
in Pflege befand, nöthigenfalls gewaltsam von 
dort fortzuholen. Die Mitangeklagten begaben 
sich in Folge dessen in die Wohnung des Die 
derich, drangen in die Stube und brachten das 
dort befindliche Kind, trotz seines Schreiens 
und des Widerspruchs seiner Pflegeeltern zu 
seinem Vater, der es vor dem Hause erwartete. 
Bahr und Schulze erhielten als Belohnung für 
diese Heldenthat resp. 1 Theebrett und 20 ß. 
Das Gericht vernrtheilte jeden der Angeklag 
ten zu einer Woche Gefängniß. 
Neun»,Ulster, 13. März. (Holst. Cour.) 
.Harms' Holcl' Hierselbst wurde in dem gestern 
abgehaltenen gerichtlichen Berkaufstermin mit ei 
nem Meistgebot von 17.500 Thlrn. für die Fa 
milie des Verstorbenen Besitzers wiedergekauft. 
Ans dem westlichen Holstein, 13. März. 
Bei den Slunnflulhen im verflossenen Herbste 
wurde, wie Ihnen damals auch von hier beliebtet, 
die neue Bedeichung des Kaiser-Wilhelm-Kooges 
nicht unerheblich beschädigt, und hat die Jnstand- 
sitznng des Deiches dem Vernehmen nach circa 
6000 Thlr. gekostet, so daß «uf den Morgen Land 
8 Thlr. fallen. Bei der jüngst staltgefniidenen Be- 
Weise wieder ausbauen kannst. Dann bist du mit 
einem Male ans der Verlegenheit; dich umgiebt 
der Glorienschein eines guten Patrioten und du 
hast auch ein ganz neues nach deinem Geschmack 
erbautes Schloß; kurz, es bringt dir Ruhm und 
Vortheil.' 
Ruhm und Vortheil sind ja die beiden Dinge, 
nach denen die meisten Franzosen so hungrig 
schnappen. Sie waren auch die Beweggründe, 
welche den Hauptmann bei seinen Absichten leite 
ten. Die Energie und Entschlossenheit seines Cha 
rakters drängten ihn, den einmal gefaßte» Lieb- 
liiigsplan auszufüheen und jedes Hinderniß zu 
beseitigen, welches sich ihm etwa in den Weg 
stellte. Mit List oder Gewalt hoffie er auch noch 
Annetten ans dein Gaitenhanse zu entfernen. 
2 
Die drei gewaltigen Schlachten bei M.tz waren 
vorüber und der Plan Moltke's voUkoiiiliien zur 
Ausführung gebracht: Bazaine's Armee niiißte in 
die Festung zurück. Die Einschließiiiig derselben 
begann. Da entfaltete sich denn ein eigenthsii»- 
liches Lebe» in den dentschen Ceriiiruiigsliiiien. 
Es war in einem kleinen Dörfchen. Die Cor- 
poralschafi einer Füsiliercompagnie lag auf einem 
Boden über einem PferdestaUe, für dessen Lüftung 
hinreichend gesorgt war durch Löcher im Fußboden 
und im Dache, durch Luke» em allen Seiten, die 
nicht verschlossen werden konnten, und durch de» 
Zug, welcher die Treppe herauskam. 
Bei den damals kalte» Nächte» war das aller- 
drugs gerade kein sehr behagliches-Quartier^ den 
noch befanden sich die Jnsaffen deffelben in der 
heitersten Laune. Obwohl die Sonne erst im Un 
tergehen begriffe» war, so legten doch schon einige 
der Füsiliere ihre Nachtkleidnng an, weil es hier 
nur am Tage Licht gab. 
Der Anzug für die Nacht war folgender: drei 
Paar Hosen übereinander, Strümpfe und Stiefel, 
Rock, Mantel mit darüber geschnalltem Lederzeug, 
Brodbeutel, Flasche und Feldmütze. Der Helm 
wurde rechts neben de» Tornister gestellt, der als 
Kopskiffen diente. So war man im Nu marsch 
fertig, wen» es etwa Allarm gab. Zu Denjeni- 
gkii, welche sich, ans diese Weise angethan, nieder 
legte», gehörte auch Heinrich Wenk, der Bruder 
des Marketenders, deffen Bekanntschaft wir be 
reits gemacht haben. 
Andere waren noch mit Plißen beschäftigt, in 
dem sie dabei eine Kleiderbürste gebrauchten, die 
zugleich als Stiefel-, Gewehr- und Kiiopfbürstc 
diente. Ein blutjunger Tambour, der hier als 
Miindkoch sniigirte, bereitete für de» Corporal ein 
Beefsteak, indem ee mit der blanke» Säbelklinge 
»iiermüdlick auf ein zähes Stück Pferdefleisch los 
hackte. Als er damit fertig war, benutzte der 
brauchbare Mensch den Griff seines Säbels dazu, 
für den nächsten Mvegen Kaffee zu mahlen; er 
zerquetschte die Bohnen oder zerklopfte sie Viel- 
mehr mit dem breiten Griff. Dann that er den 
klaren Kaffee in sein reinliches Schnupftuch, wel 
ches dein eifiliderischen Burschen zugleich als 
Kaffeetrichter oder Filtrirsack diente. 
»He, Tambour, hast du mein Abendeffcn fertig?' 
fragte der eintretende Corporal. 
»Nein, 's wird wohl noch eine Weile dauern,' 
versetzte der Angeredete kleinlaut. 
„Aber warum denn? Mein Magen knurrt ge 
waltig!' rief der Corporal etwas aufgebracht. 
,Na, heul' ist eine Ausnahme," erklärte der
	        
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