Full text: Newspaper volume (1874)

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M«. S» 
14, Miz 1874, 
Berlin, 12. März. (Reichstag.) Die Stran 
dungsordnung ward nach dreistündiger Debatte 
in zweiter Lesung mit den von der Negierung 
gebilligten Coiiimissionsanträgeii genehmigt, des 
gleichen die Resolution, betreffend die Revision 
des Handelsgesetzbuches, behufs Aufhebung des 
Unterschiedes zwischen Bergelohn und HülfS- 
lohii. 
— Das Civilehegesetz ist am I I. d. M. vom 
Kaiser vollzogen morden und dürfte baldigst 
veröffentlicht werden. 
— Für die Herbstübungen des 10. Armee 
corps ist dem „Courier" zufolge vorläufig das 
Terrain zwischen Einbeck und Göttingen aus- 
crsehen; das Hauptquartier des Kaisers würde 
dann in Götlingen sein. 
Berlin, 10. März. Tie Petition der 250 
Berliner P o st assi st eilten, welche unter Dar- 
ļkguiig ihrer kümmerlichen Existeuzverhältniffe 
um Aufbesserung ihres Gehaltes baten, ist von 
der Petitionscommission als nicht zur Erörterung 
îA Plenum geeignet erklärt worden, nachdem der 
Vertreter der Regierungen eine Aufbesserung 
der bez. Gehalte in sehr allgemeinen Ausdrücken 
versprochen hatte. 
— Die „Köln. Ztg." klagt über Fürst Bis 
marck's Krankheit: „Das neuralgische Lei 
hst plagt den Fürsten diesmal, und auf beiden 
Beinen, und man muff sich darauf gefaßt machen, 
daß der Reichskanzler vielleicht wochenlang den 
Geschäften oder wenigstens dem Reichstage ent 
zogen bleibt. Und der Reichstag ohne 
Bismarck ist eine Oper ohne Prima 
donna." 
— Von den Abg. Vahlteich und Haseir- 
elever ist im Reichstage der Antrag einge 
bracht worden: Der Reichstag wolle beschlie 
ßen: 1. Die Aufhebung der gegen den Ab 
geordneten Bebel und Liebknecht erkannten Hast 
Dauer der gegenwärtigen Sitznngs- 
per ode zu verlangen; 2. den Herrn Reichs- 
anzler zu ersuchen, zur Ausführung dieses Be 
sch lusies das Nöthige zu veranlaffen." 
f jP er àchstag lehnte die Entlassung Lieb 
knechts und Bebels ans der Haft ab, wel 
cher die von dem Abgeordneten Meyer hervor 
gehobene klare Bestimmung der Reichsverfassung 
entgegensteht. 
,./7- Der Termin für die Einlösung derpreu- 
vstchen Friedrichdor's läuft mit dem 31. d. M. 
nb. Bis dahiil erfolgt die Einlösung zu dem 
Bollwerthe von 5 Thlr. 20 Sgr. 
Der Finanzminister hat die BezrrkSregierun- 
^sN und Landdrofteikii benachrichtigt, daß vorerst 
Mkichs-Sllber- und Nickelmünzen den Hauptkaffen 
'Mch nicht überwiesen, von diesen also nicht weiter 
î"abreicht und selbst wenn sie bei ihnen in Zah- 
jļfi eingingen, zunächst nicht wieder in Umlauf 
Bracht werden könnten, weil der Finanzminister 
die Regierungen u. s. w. veranlaßt hat, dafür zu 
sorgen, daß biS auf Weiteres vorzugsweise die 
Münzen preußischen Gepräges in Verkehr bleiben. 
Insbesondere aber hat er es als wünschenSwerth 
bezeichnet, daß bis zum Eintritt der Reichswährung 
beziehuiigswklse der Markrechnung die Circulation 
der preußischen Scheidemünze möglichst die Ober 
hand behalte. Wegen des besonderen Werthes der 
Reichķpfeniiinge werden die öffentlichen Kaffe» dar- 
auf zu halten haben, daß die bezeichneten Münzen 
nur zu ihrem in der Staalsminifterial - Bekannt- 
machung voni 5. v. Mts. angegebenen richtigen 
Werthe vereinnahmt und verausgabt werden. Auch 
sind sämmtliche Kaffen angewiesen worden, die 
Bestände an Reichsmünztn von denen an Landes- 
münzen geflennt zu halten. 
— Wie die „Mont. Ztg/ schreibt, ist eine 
größere Reise des Prinzen Friedrich Karl nunmehr 
als sicher zu betrachten. Dieselbe soll mit Rußland 
und Sibirien beginnen; von dort wird der Prinz 
auf einem russischen Dampfer nach China und 
Japan gehe», alsdann ihn ein preußisches Schiff 
»ach Nordamerika übersühren und von den Ver 
einigten Staaten die Rückkehr nach Deutschland 
erfolgen. Die Reise ist aus eine Dauer von an 
derthalb Jahren berechnet und soll, wie es heißt, 
im Juli d. I angelreteii weiden. 
Meiningen, 10. März. Das neueste Re 
gierungsblatt bringt folgende Mittheilung. 
Durch das unterm 19. Januar d. I. ergan 
gene und mittelst Allerhöchster Cabinetsordre 
vom 17. Februar d. I. bestätigte kriegsgericht 
liche Erkenntniß ist der Oberstlieutenant Clemens 
v. Engel, wegen mehrfacher Urkundenfälschun 
gen, mit Entfernung aus dem Heere, Zucht 
haus von drei Jahren und Verlust der bür 
gerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre bestraft 
worden. 
Hamburg Dem Strike der Bäcker 
gesellen vorzubeugen, beschlossen die Bäcker 
meister den Forderungen derselben in höchst 
liberaler Weise entgegenzukommen. Nur auf 
eitlen Punkt, den Beginn der Nachtarbeit be 
treffend gingen die Meister nicht ein. Die 
Gesellen wollen nämlich erst Nachts II Uhr 
die Arbeit aufnehmen, während dieselbe bisher 
um 8 Uhr ihren Ansang nimmt. Nun sind 
die Meister geneigt, 10 Uhr Abends als Be 
ginn der Arbeit festzusetzen, doch haben sich 
die Gesellen diesem, wie uns bedünkt, billigem 
Vorschlage noch nicht gefügt. 
Altona, 10. März. (I. N.) Großes Auf 
sehen erregt die zollamtliche Entdeckung lang- 
jährlich fortgesetzter Zolldefraudat'ioneu, 
welche sich ein weltbekanntes Speditionsgeschäft, 
Ch. v. D. in Hamburg, wovon Filiale in 
Ottensen, Altona und Harburg existiren, hat zu 
Schulden kommen lassen. Die Firma benutzt 
zum Transport ihrer Speditionsgüter eigens 
construirte Eisenbahnwagen, welche, am Ab 
gangsort unter Zollverschluß gelegt, das Zoll- 
Ausland passireii, um später am Bestimmungs 
ort im Zoll-Jnlande wieder entsiegelt zu wer 
den. Es wird der Firma nun zu Last gelegt, 
an diesen Wagen in Hamburg, auf eine noch 
nicht bekannt gewordene Weise, die Zollver 
schlüsse gelöst und zollpflichtige Güter beige 
packt zu haben. Der Vorsteher der Filiale in 
Ottensen und Altona sollen bereits die Mani 
pulationen eingeräumt haben, mährend der 
jenige in Harburg bis jetzt läugnet. Die sei 
tens der Zollbehörde unter Anwesenheit des 
Staatsanwalts mit Beschlag belegten Handels 
bücher werden jedenfalls Licht in die Sache 
bringen. Das Vergehen, falls erwiesen, ist 
im Strafgesetzbuch mit sehr schwerer Strafe 
belegt. 
In einer andern Correspondenz desselben 
Blattes heißt es: Auf dem Hauptzollamte in 
Ottensen sind in den letzten Tagen groß 
artige Zolldesraudationen aufgedeckt wor 
den. Die eine betrifft ein Speditionsgeschäft 
dort und in Hamburg, welches die zum Trans 
port von Zollvereinsgütern zwischen Ottensen 
und Harburg durch das zollfreie Gebiet Altona- 
Hamburgs benutzten Zollverschlußwagen unter 
wegs geöffnet und zollpflichtige Waaren beige 
packt und solchergestalt unverzollt eingeführt 
haben soll. Die andere wurde gestern Morgen 
entdeckt, als man 3 Oxhost Essig, welche ein 
Essigfabrikant in Ottensen, der eine zweite 
Fabrik in Altona besitzt, zuni Zweck der zoll 
freien Wiedereinfuhr in das Vereinsgebiet auf 
dem Zollamt ausdeclarirte, einer Revision unter 
warf, welche ergab, daß der Inhalt derselben 
in klarem Wasser bestand. In beiden Ange 
legenheiten ist eine Untersuchung eingeleitet, 
welche namentlich Aufschlüsse über die Bethei 
ligung kaufmännischer Firmen zu geben ver 
spricht. 
Heide, 8. Mürz. Seit mehreren Wochen 
schon ging hier von Mund zu Mund das Ge 
rücht, daß es mit der hiesigen communalen 
Cassenverwaltuug resp. den Heberegistern nicht 
in Ordnung sei, woran zumeist der städtische 
Executor schuld sein sollte, welcher für viele 
Censiten die Steuerzahlung gegen eine Vergü 
tung besorgt. Derselbe bat auch inzwischen 
seinen Posten verlassen müssen. (Schl.-H. W.) 
Garding, 9. März. (E. N.) In den frü 
hen Morgenstunden des gestrigen Tages wurde 
der Hof des Herrn I. Behrens in Ca tha 
rine n he erd ein Raub der Flammen. Um 
2 Uhr bemerkte ein hiesiger von Tönning kom 
mender Fuhrknecht den Ausbruch des Feuers 
und machte den Wirth in Catharinenheerd da 
rauf aufmerksam, der dann die noch schlafen 
den Bewohner weckte. Es gelang, die lebende 
Der Marketender. 
Erzählung von Hermann Kleinsteubcr. 
lFortschnng.) 
ş"s der HauSflur trafen die Franzosen wieder 
ll dem Mallheser zusammen. 
»Im Keller ist gründlich aufgeräumt! rief ihm 
'l" Hauptmann zu, indem er jedoch keine» Augen- 
>ck die Würde deS vornehmen Mannes verlor. 
. -Die Unseren sind unschuldig daran/versicherte 
" Vorsteher. .Wir trafen den Keller schon leer. 
,s"n die« nicht der Fall gewesen, würden wir 
uis »nr erlaubt haben, so viel von dem Weine 
»U verwenden, als zur Stärkung unserer Kranke» 
"chkvendig gewesen wäre. UebrigeirS erzählte die 
Uthschaflerin drüben irn Gartenhause, daß der 
' ester von Ihren Landsleuten ausgeplündert 
otbeti ist. Nicht weit vom Schloff', auf einem 
- ernaligen Lagerplätze der Franzosen, siebt mau 
N noch zahllose leere Weinflaschen umherliegen. 
sg??Sie sich hluauSbemühen wollen, mein Herr, 
g,,/°Nnen Sie leicht feststellen, ob die Flaschen 
^drein Keller herrühren/ 
,1» " Hauptmann beautwortetc diese Aufforder 
te,einer geringschätzigen Miene und abweh- 
OêkHandbewegung. Dagegen fragte er lebhaft: 
ist -J?' Wirthschaften» ist also »och da? sie 
u^cht geflohen, wie das übrige Hofgesinde?" 
>hat ganz recht daran, zu bleiben/ Ver 
ier,, , ? r n F*?- t . I,e,trriltfr ; .denn sie hat Von U»S 
leriki Belästigungen zu fürchten. Ja, wir stnd 
5)îii* r a» Û Jî fbût v 0 ^ r ' roEil ş" uns mit frischer 
some ’s- fr Uri L "'°"chen andern Dinge» ver- 
- ß . dre wrr nothwendig gebrauchen und die doch 
' n J* schwer zu beschaffen wären.' 
'«-as Gesicht des Hauptmann« verfinsterte sich 
iiirwillkührlich bei dieser Erklärung und er schrill 
in hastiger Bewegung hinaus auf daS seitwärts 
gelegene Gartenhaus zu. offenbar in der Absicht, 
mit der Wirthschafterin selber zu reden. 
Inzwischen waren auch die gemeinen Soldaten 
in daS Schloß getreten und Einzelne baten höf- 
lrch um die Erlaubniß, in die Krankenzimmer ge- 
ben zu dürfen, wo unter Andere» auch etliche 
Franzosen gebettet waren. Letztere konnten ihren 
Kameraden die tröstliche Auskunft geben, daß hier 
zwischen Freund und Feind kein Unterschied ge- 
macht weräe in der Behandlung, und darüber bil 
dete sich zwischen den Franzosen und Deutsche» ein 
sreundschasllicheS Berhältistß. Ern gemeiner Soldat 
holte sogar auS seinem Tornister ein großes run- 
des Weißbrod hervor und gab es einem deutschen 
Vcrwundktcn, den er Commißbrod essen sah. An 
dere theilten ihren Taback mit unseren Landsleuten. 
Der Besitzer des Schlosses, Herr v. Segiir, traf 
in, Garlenbausk drüben die Wirthschafterin Annette 
damit beschäftigt, Butter zu machen. Das emsige 
Mädchen halte sich durch den unerwarteten Besuch 
i» ihrer Hauliruiig nicht stören lassen; eS war, 
als ob e» für sie keine Kriegszustände gäbe. 
.Du behauptest' daß der Weinkeller von un 
serm Militär auSgrplüudkrt worden ist?" fuhr 
der Harrpinian» sie j,„ barschen Tone an. 
„Ich habe damit nur die Wahrheit gesagt, 
gnädiger Herr, und glaube drswegen keine Bor- 
würfe zu verdieiieii." entgeguete Annette ruhig, 
indem sie ihre helle» blauen Auge» kaum einmal 
zu dem Hauptmann empor richtete. 
„Cs zeugt eben von keinem Patriotismus." sei- 
neu Landsleuten Uebles nachzurede,>," schalt dieser 
weiter, .wie es mir denn überhaupt sehr mißfällt. 
Habe, bis auf 3 Schafe und das Federvieh, 
zu retten, dagegen wurde fast sämmtliches Mo 
biliar ein Raub der Flammen. Der nieder 
gebrannte Heuberg war wohl einer der älte 
sten der Landschaft und bekannt durch die Sagen 
von den beiden Dreschern und dem gelehrigen 
Pferde; das Andenken an diese Geschichten war 
durch Abbildungen an den Scheunenthüren be 
wahrt. 
Kiel, 12. März. Die 20. Generalversamm 
lung des schleswig-holsteinischen Jngenieur- 
und Architektenvereins ist auf den 20. d. M. 
angesetzt, und zwar in Rends bürg. Außer ge 
schäftlichen Mittheilungen, worunter Neuwahl 
zweier Vorstandsmitglieder und Discussion, be 
treffend Hebung des Vercinsinteresses, sind Vor 
träge angemeldet von dem Bauinspector Bar 
gum aus Schleswig über die Wasserstandsver 
hältnisse der Ostsee unter Bezugnahme auf die 
jüngsten Hochwasser, und vom Bauinspector 
Futscher aus Glückstadt über Uferschutzmerke 
im Flußgebiete. Der Versammlung vorausgehen 
wird eine Besichtigung der neuen Strafanstalt 
in Rendsburg seitens der Mitglieder. (K. Z.) 
Schleswig. Wie bekannt, wurden 'im 
Landtage von der Volksvertretung für den Bau 
des Regiernngsgebüudes 340,000 gefordert. 
Jetzt soll sich gezeigt haben, daß der Bau einen 
Kostenaufwand von ca. 620,000 $ nöthig 
mache. 
Die „Franks. Ztg." vom 12. März bringt 
folgende curiose Correspondenz: Apenrade, 
9. März. Vor einigen Tagen hat sich ein Un- 
terofsicier der hier garnisonirenden Truppen 
erschossen. „Kurz vorher war ihm als civilver- 
sorgnngsberechtigten Militäranwärter die Küster 
stelle an der katholischen Kirche in Rendsburg 
angetragen morden, er zog aber den Tod vor." 
In Scliwabstedt, wo am 10. „Volks 
versammlung" abgehalten werden sollte und 
woselbst Hörig aus Hamburg sich mit einem 
Trupp Socialdemokraten aus Friedrichstadt 
eiiigefunden hatte, haben die im Saal anwesen 
den Einwohner, nachdem Herr Wende von 
Lehmsieck das im Friedrichstädter Wochenblatt 
publicirte Strasverzeichniß über Hörig verlesen, 
das Fenster geöffnet und Hörig nebst Consor- 
ten unter eben nicht schmeichelhaften Bemerkun 
gen hinausgetrieben, denen nun nichts weiter 
übrig blieb, als eiligst ihr Heil in der Flucht 
über die Treenebrücke zu suchen. (Hus. W.) 
Hvhcnwcstcdt, II. März. Heute sand 
Hierselbst die Versammlung des verstärk 
ten Eisenbahncomitees statt. Aus 9 Dör 
fern waren die Zeichnungen noch nicht einge 
laufen, die der übrigen lagen vor. Dieselben 
sind, wie zu erwarten war sehr günstig aus 
gefallen. 
Dich noch hier zu finden und zu höieu, daß Du 
den Feinden unseres Landes allerhand Liebesdienste 
erweisest! Warum hast Du bei der Auuähernug 
der Preußen nicht den Hof und die Meierei ver- 
lassen, wie die Andern gethan haben?* 
.Weil ich keine Angst vor den Preußen halte," 
entgeguete Annette ruhig. 
şelii, ich will es Dir sagen/ brauste Herr 
v. Segur auf; weil Du Dein Balcilaud nicht 
liebst — weil Du keinen Haß empstndest gegen 
die Feinde Frankreichs." 
Da schien den, Mädchen doch die Geduld aus 
zugehen. Sie warf zornig einen Bnlteiklunipe», 
den sie in den Händen for,neu trollte, in den Kü 
bel zurück, so daß das weißliche Wasser batin hod) 
ausspritzte und selbst de» Hauptmann traf. Wäh 
rend er sich inehrnials mit der Hand über das 
magere gelbe Airtlrtz wischte, stemmte Annette die 
runden vollen Arme in die Hüfte und sagte keck: 
„So, ich soll also die Preußen hassen, ihnen ollcS 
Schlechte nachreden und ihnen nicht zur Hand 
gehen, obwohl sie hier unsere Verwundeten Sol- 
baten eben so gut pflegen, als ihre eigenen? — 
Wo bleibt da die Menschlichkeit, die Gerechtigkeit!' 
.Wciiu Du so gern die barmh-rzige Schwester 
und Sainariteri» spielen willst, so fändest Du an 
derswo — in dem Gebiet, wo die Franzosen noch 
die Herren stnd — in Metz oder sonstwo leicht 
Gelegenheit dazu/ erwiederte der Hauptmann 
mürrisch. 
„Ein Jeder bleibe an seinem Platze, wo ihn 
Gott hingestellt hat," sagte das resolute Mädchen 
in ihrem schlichten Verstände. „Wer soll z. B. 
hier ans der Meierei das wenige Vieh versorge», 
das uns die frauzäsischen Soldaten gelassen ha 
ben? Soll ich auch davon laufen und es ver' 
hiuigerii lassen?" 
.Du siehst, es sammt doch nur unsern Feinden 
zu gute!" 
„Aber, gnädiger Herr, wenn die Preußen hier 
nicht finden, was sie nun einmal nothwendig ge 
brauchen, so nehmen sie es anderswo — bei un 
fern Nachbar»/ warf Annette sehr richtig ein. 
„Oder sir lernen es enibehren/ bemerkte dee 
Hanplmanii spöttisch. .Man muß diejenigen für 
Berrälher halten, die freiwillig de» Feinden Alles 
entgegenbringen, was dieselben wünschen oder wa« 
ihren Zwecken dienen kann. Darum befehle ich 
Dir auch, die Meierei und das Garlenhans sofort 
zu verlassen!' fuhr der Hauptliiaiin mit strenger 
Miene fort und machle dabei eine gebieterische 
Bewegung mit der Hand, als ob er entschlossen 
sei, irn Nothfall Gewalt anzuwenden. 
Annette ließ sich aber dadurch keineswegs aus 
der Faffang bringen, sondern setzte dem Befehl 
die Worte entgegen: .der gnädige Herr möge es 
nur verzeihe», ich werde hier ausharren so laiiae 
als möglich " ö ' 
.Du stehst in meinen Diensten, freche Dirne, 
und Du wirst sofor! gehorchen!' polterte der 
HauPtinann hervor, indem sich auf seiner Stirn 
drohendc Falten zusammcuzogni. .Packe Deine 
paar Sachen augenblicklich znsaiiimcii und komme 
mil nach Mrtz hinein,- schloß er, indem er mit 
der Hand nochmals gebieterisch nach der Thür 
winkle. 
Hier lauschte seit wenigen Minuten ein Mann, 
deffen blonder Kops und Anzug den Deutschen 
verriethen. ES war der Marketeiider Peter Wenk. 
Bei feinem kurzen Aufenthalt in Frankreich hatte
	        
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