Full text: Newspaper volume (1874)

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•» 
18. November 1874. 
Berlin, 14. Nov. Die über Graf Arnim 
unterm 12. d. wiederholt ve: hängte Haft — 
welche in Folge ärztlichen Einspruchs sich je 
doch nur auf eine strenge Bewachung i>n Hause 
begrünzte — ist nunmehr heute Nachmittag auf 
Befehl des Stadtgerichts wieder aufgeho 
ben und muhte die Polizei das Palais sofort 
verlassen. Man will in gut unterrichteten Krei 
sen wissen, daß diese Haftentlassung der Ini 
tiative hoher Personen zuzuschreiben sei. — 
Fm Publikum wird man immer gespannter, end 
lich einmal zu erfahren, welche schwere Ver 
brechen Graf Arnim begangen, die ein so 
strenges Verfahren gegen den ehemaligen Ver 
treter des deutschen Kaisers nothwendig machen. 
— Die Pelitious - Commission des Reichs 
tages beschäftigte sich jüngst mit nicht weniger 
als 17 Eingaben, welche die Wiedereinführung 
der Schuldhaft fordern. Nach einer lebhaf 
ten Discussion wurde beschlossen, die Petitio 
nen zur Erörterung im Plenum nicht für ge 
eignet zu erklären, weil sie kein thatsächliches 
Material beibringen, auf Grund dessen eine 
Aenderung des Gesetzes vom 20. Mai 1868 
geboten erscheinen könne. An einzelnen Orten 
hatten diese Petitionen eine auffallend große 
Zahl von Unterschriften erlangt, in dem noch 
nicht 5000 Seelen zählenden Städtchen Egeln 
z. B. über 300. 
— Nach einer kürzlich gefüllten Entscheidung 
des Obertribunals ist ein Restaurateur oder 
überhaupt jeder Gewerbetreibende, der ein öf 
fentliches Lokal hält, befugt, einzelnen Perso 
nen den Aufenthalt in seinem Lokale zu ver 
sage». Molivirt ist diese Enlscheidurg damit, 
daß ans dem Betriebe eines solchen Gewerbes 
sich nur eine Wahrscheinlichkeit für die still 
schweigende Zustimmung des Geschäftsinhabers 
zum Eintritt und zum Aufenthalt folgern laße. 
Diese Wahrscheinlichkeit falle aber sort, wenn 
vem Eingetretene» der entgegengesetzte Wille 
des Geschäftsinhabers kundgegeben und danüt 
die Aufforderung zum Verlassen des Lokals 
verbunden werde. 
— Nach einem Erkenntniß des Ober-Tribu 
nals vom 15. October er. sind die Verbreiter 
wahrheitsgetreuer Berichte über die öffentlichen 
Verhandlungen für den Inhalt dieser Berichte 
strafrechtlich verantwortlich. In einem concre- 
ten Falle war ein Redacteur ans Grund der 
§§ 185 und 186 des Strafgesetzbuchs ange 
klagt, weil er durch Reproducirnng einer Rede 
des Staatsanwalts eine als Zeugin vernom 
mene Frau beleidigt. Das Obertribunal ent 
schied dahin, daß die Verbreitung jener an 
und für sich wahrheitsgemäßen Aeußerungen 
durch eine Zeitung eine Beleidigung involvire,(!) 
daher nnt Strafe zu belegen sei, selbst wenn 
die beleidigende Absicht fehle. 
— Das jährliche pensionsberechtigte Dienst- 
einkommen der Officiere des Deutschen 
Heeres stellt sich nach einem neuerdings veröf 
fentlichten und wohl als zuverlässig anzusehen 
den Ausweis für den Secondelieutenant zu 
649, Premierlieutenant 709, Hauptmann zwei 
ter Klasse 1197, Hauptmann erster Klasse 1677 
Stabsoffizier und Bataillvnscommandeur 2117, 
Regimentscommandeur 3108, Generalmajor 
3688, Generallientenant 4393, Divisionscom- 
mandenr 5143, Generalinspector des Militair- 
Erziehungs- und Bildungswesens 5330, Chef 
des Generalstabes, Chesinspectenr der Artille- 
und des Jngenienrcorps 6330, commandiren- 
den General 7330 Thalern. Die Pension 
wird nach der Länge der Dienstzeit von vier 
Fünfteln des Diensteinkomniens berechnet, und 
stellt sich sür den Secondelieutenant von 162 
bis 244, Premierlientenant von 177 bis 266, 
Hauptmann zweiter Klasse 300 bis 510, Haupt 
mann erster Klaffe 420 bis 713, Major 544, 
bis 1362, Obersten und Regimentscommandeur 
1205 bis 2331, Generalmajor und Brigade 
commandeur 1745 bis 2991, Generallieutenant 
und Divisionscommankeur 2572 bis 3856, Chef 
des Generalstabes der Artillerie, des Pionier 
corps 3561 bis 4748, commandirenden General 
4123 bis 5498 Thalern. Wofern die Pen- 
sionirnng erweislich durch die Rückwirkung der 
Einflüsse eines Krieges und vor Ablauf von 
5 Jahren nach dem Friedensschlüsse eingetre 
ten ist, tritt für die unteren Pensionssätze bis 
900 Thlrn. noch eine Erhöhung hinzu, welche 
bei den Pensionen bis 550 Thlrn. 250; bis 
600, 200; 800 ebenfalls 200; 900, 100 Thlr. 
beträgt. Für den Verlust eines Gliedes wird 
außerdem noch eine Verstümmlungszulage von 
200 Thalern gewährt. 
Berlin, 12. Nov. Das hiesige „Tagebl." 
schreibt: „Folgender Vorfall neuesten Datums 
setzt die gesammte Lehrerschaft Berlins in nicht 
geringe Aufregung; mir erzählen ihn bona 
liile, wie wir ihn aus glaubwürdiger Quelle 
unter Versicherung der Anthentität erfahren 
haben und müffen weitere Ergänzungen, event. 
Berichtigungen abwarten. ES betrifft die vor 
wenigen Tagen erfolgte, angebliche Einmischung 
des Cultnsministers Dr. Falk in die Interna 
einer hiesigen höheren Lehranstalt. Der Sohn 
des Hoslraiteurs S. sitzt nämlich schon zwei 
Jahre lang in der Untertertia des Friedrich- 
Wilhelm- Gymnasiums und hat vergangenen 
Michaelis bei abermaliger Unreife zur Ober 
tertia, den bestehenden Bestimmungen entspre 
chend, die Weisung erhalten, von der Schule 
abzugehen. I» Folge dessen wandte nch der 
Vater des Schülers zunächst an den Director 
Ranke mit der Bitte, den Knaben doch wieder 
aufzunehmen. Dies geschah in der That, nach 
Rücksprache mit den betreffenden Lehrern, al 
lein damit war der Vater nicht zufrieden, son 
dern verlangte seine Versetzung nach Oberter 
tia, weil er seinen Sohn sür diese Classe reif 
erachtete! Um dem Vater die Bereitwilligkeit 
der Schule gegenüber den Wünschen der El 
tern zu zeigen, laßt der Director eine nochma 
lige Prüfung vornehmen, durch welche sich aber 
von Neuem die Unreife für die höhere Classe 
herausstellt. Darauf beschwert sich Herr S. 
beim Provinzialschulcollegium; dies fordert 
Bericht und weist darnach den Vater ab. Auf 
eine weitere Beschwerde, nun beim Cultusmi 
nisterium, entscheidet dies nach Einsicht der 
Acten und nach dem Vortrage des Geh. Re 
gierungsrathes Dr. Wiese: daß der Knabe 
bis Montag, den 9. November, in die Ober 
tertia des Gymnasiums einzureihen sei. So 
weit die äußeren Facta, es scheint unstatthaft, 
schon jetzt darüber ein Urtheil abzugeben. Au 
diatur et altera pars. Man muß billiger 
weise annehmen, daß das Ministerium nicht 
ohne zwingende Gründe diesen auffallenden 
Schritt gethan hat. Zunächst sind sämmtliche 
Schuldirectoren und Lehrer mehr wie erstaunt 
über diese Verfügung." Soweit das „Tagebl." 
Gestern Vormittags halb 11 Uhr starb nach 
längerem Leiden am Typhus Herr August 
Petsch. Der Verstorbene, Hauptlehrer an der 
13. Gemeindeschule und Vorsitzender des ge- 
schäftssührenden Ausschusses des deutschen Leh 
rervereins zur Hebung der Volksschule, war 
während seines kurzen Lebens — er starb im 
38. Jahre — ein unermüdlicher Vorkämpfer 
des Fortschrittes auf bürgerlichem und erzieh 
lichem Gebiete; in der Zeit sinsterster Epoche 
im Schulwesen unter Mühler und Stiehl hielt 
er als Redacteur der „Preuß. Schulzeitung" 
die Fahne der Freiheit hoch und fungirte in 
vielen Bildnngsvereinen als Lehrer. Nachdem 
er die Redaction der „Pr. Schulztg." aufge 
geben, war er Mitarbeiter an Lübens „Päda 
gogischem Jahresbericht", wo ihm der geschicht 
liche Theil anvertraut war. Petsch war ein 
talentvoller, sehr fleißiger und im Umgänge 
äußerst liebenswürdiger Mann. Er gehörte zu 
den bekanntesten Mitgliedern der allgemeinen 
deutschen Lehrerversammlungen; namentlich war 
er als Redner geschützt. Die deutsche Schule 
hat an A. Petsch einen ihrer ausgezeichnetsten 
Vertreter verloren. 
-f- Stiel, 15. Nov. Wie jede positive Lei 
stung, ist die Gründung des Vereins für 
Volksbildung in Kiel erfreulich. Die Sache 
nimmt festere Gestalt an. Freitag-Abend hielt 
der Ausschuß seine erste Sitzung, constitnirte 
sich, erwählte den Vorstand (Dr. Ahlmann, 
Stadtverordneten Wichm a n n, Buchhalter 
Jehring als Schatzmeister, Lehrer Klop 
pen bürg und Oberingenieur Fest als Schrift 
führer) und berieth über die nächsten Aufga 
ben. Zur Berichterstattung über die Frage des 
Anschlusses des Vereins an den Centralverein, 
die Gesellschaft für die Verbreitung von Volks 
bildung in Berlin, wurden drei Mitglieder des 
Ausschusses bestellt. Ein Schreiben des an der 
Theilnahme an der Sitzung behinderten Prof. 
Dr. Bockendahl über die Wichtigkeit der Er 
richtung von Volksbibliotheken gab gleichzeitig 
einige Andeutungen über die Art und den In 
halt der anzuschaffenden Schriften, einen Ge 
genstand, der natürlich den Vorstand eingehen 
der beschäftigen wird. Man berieth über an 
dere Ausgaben, denen der Verein seine Auf 
merksamkeit zuzuwenden habe, über die Aus 
breitung und Festigung desselben, über die 
Herstellung einer Verbindung desselben mit 
bereits schon bestehenden Vereinen und Gesell 
schaften zur Beförderung humaner Bestrebun 
gen ähnlicher Art, wie dem Gewerbeverein, 
der Gesellschaft freiwilliger Armenfreunde, dem 
Lehrerverein, Gesang- und Turnvereinen u. dgl., 
ferner über Versammlungen mit öffentlichen 
Vorträgen und Besprechungen über volkswirth- 
schaftliche und sonstige gemeinnützige Angelegen 
heiten, über Abfassung und Verbreitung von 
Flugschriften, um der geistigen und sittlichen 
Entwicklung des Volkes zu dienen, über das 
Heranziehen der Bevölkerung in Gaarden und 
Ellerbeck zu dem Verein. Herr Wichmann machte 
zuletzt den praktischen Vorschlag, daß der Vor 
stand schon zu allernächst eine kleine Schrift 
über die Zahl der Mitglieder und die Ziele 
des Vereins ausarbeiten und vertheilen lassen 
möge. — 
Wir hören von einem gestern Abend aus 
Schleswig vom Herrn Lehrer Sönksen ein 
getroffenen Telegramm, wornach in dem gestern 
ftattgefundenen Termin vor der Regierung zu 
Schleswig gegen ihn auf Amtsentsetzung 
und Tragung der Kosten erkannt worden ist. 
Der Bezirksverein der Gesellschaft zur Ret 
tung Schiffbrüchiger und der nautische Verein 
laden ein zur Beobachtung einer Uebung mit 
dem Raketen - Apparate zur Rettung Schiff 
brüchiger, die morgen Machmittag 2 Uhr am 
Eingang der Wasser-Allee bei dem Kasernen- 
Schiff „Barbarossa" stattfinden wird. 
Allmählich wird unsere Stadt für das schles 
wig-holsteinische Musikfest, das Ende Juni oder 
Anfang Juli innerhalb ihrer Mauern abge 
halten werden soll, erwärmt, obwohl die Idee 
dazu, wie es scheint, nicht aus ihrer Mitte, 
auch wohl nicht aus dem Schooße der Landes 
bevölkerung sondern höheren Orts gekommen 
ist. Zwar konnten sich auf der in Neumünster 
am 8. d. Mts. gehaltenen Versammlung von 
Delegirteu mehrerer schleswig-holsteinischen Ge- 
G che iw nisivoll. 
ļFsrts. »nn Punlm.r 91. Beilage.! 
14. Capitel: Dies irae. 
Todtenstille. Aller Augen hefteten sich wie 
gebannt auf Isabella, Alle erhoben sich, als sie 
iahte. Was würde sie in gewohnter Leiden- 
chastlichkeit thun? Sie schwebte heran wie ein 
örautgespenst, farbloser als ibr Kleid, kalt, 
uhig.' Nie im Leben hatte dieses Mädchen 
ine Gemüthsbewegung unterdrückt, bei der 
Katastrophe aber blieb ihr Antlitz regnungslos, 
Die aus Stein gehauen. Sie ging auf Sir 
stöbert zu. 
„Ich habe Alles gehört," sprach sie und 
hre Stimme bebte nicht, „ist es wahr?" 
Er bedeckte das Antlitz mit den Händen und 
chhnle laut. 
„Ist es wahr?" wiederholte sie langsam 
nd schmerzlich, „laß mich das Schlimmste 
lissen." , . 
„Gott helfe Dir, Kind, za, es ist Alles, Al 
es wahr." . 
„Also bin ich nicht Deine Tochter?" 
„Nein. O, vergieb mir, Bella, hatte ich 
dich weniger geliebt, so hätte ich den Ninth 
efunden. Dir die Wahrheit zu sagen." 
Ihr Antlitz glich noch immer einer Marmor- 
üste, die großen weitgeöffneten Äugen hefte- 
en sich fest auf ihn. 
„Und das ist das Geheimniß, das Du mit 
ieser Frau theiltest, das Du mir nicht sagen 
tolltest, so sehr ich Dich auch bat?" 
„Ja, Bella, verzeih es mir." 
Sie ergriff seine abgemagerte Hand und 
äßte sie. 
„Zwischen uns darf kein solches Wort fal 
len, Väterchen. Jetzt erkenne ich, was ich Alles 
Dir schulde, wie unendlich gut Du gegen mich 
warst, — ach, und wie vergalt ich Dir. Ich 
wollte, ich hätte Alles früher gewußt, Mr. 
Dantree," wandte sie sich nun zum ersten Rial 
an ihn und zum ersten Male bebte die muthige 
Stimme, „was haben Sie zu all dem zu sagen? 
„Daß ich schändlich betrogen wurde vom 
Anfange an," entgegnete er düster. 
„Aber nicht von mir. Lassen Sie mir wenig 
stens diese Gerechtigkeit widerfahren. Und jetzt," 
sie näherte sich ihm langsam, „wie soll es jetzt 
sein zwischen uns? Sie schmoren mir Liebe, 
mir allein, jetzt ist die Stunde gekommen, Ih 
rer Worte Wahrheit zu beweisen." 
Ca stand schweigend vor ihr und vermochte 
nicht ihren Blick zu ertragen. 
Mrs. Vavasor beobachte die Scene mit bos 
hafter triumphirender Freude, Peter Danger- 
field mit befriedigter Rachsucht, des Baron'S 
Augen begannen zu funkeln. 
Der rothe Feuerschein beleuchtete eigenthüm 
lich die weiße Gestalt der Braut, die auf die 
entscheidende Antwort harrte. 
Sie erfolgte nicht. Gaston Dantree starrte 
schweigend in die Gluth. 
„Ich habe meine Antwort," begann sie nun, 
„und alle Warnungen, die mir wurden, wa 
ren begründet. Sie liebten die Erbin von 
Scars.wood Park, nicht mich. Nehmen Sie 
Ihren Ring, Mr. Dantree, und danken Sie 
mit mir dem Himmel, daß die Wahrheit eine 
Stunde vor der Trauung kund ward, statt 
eine Stunde nachher." 
Er sprang auf. 
„Verfluchter Ring," ries er wüthend, „wer 
fen Sie ihn meinetwegen ins Feuer, damit 
nichts mehr an diese Nacht erinnere. Ich wie 
derhole, daß ich schmählich betrogen wurde, 
und bin nur froh, daß die Sachlage noch 
rechtzeitig an den Tag kam. Ich verlasse die 
ses Haus sofort und für immer." 
Er griff nach seinem Hut und wandte sich 
zur Thüre. 
Aber des Barons martialische Gestalt trat 
ihm entgegen. 
„Halt, mein Herr!" donnerte er mit einer 
Stimme, die oft schon Männer zum blutigen 
Kampf geführt, „noch ist nicht Alles bespro 
chen. Wollen Sie sagen, daß diese Enthüllun 
gen die Trauung verhindern sollen? daß Sie 
sich weigern, meine Adoptivtochter zu heira- 
then, weil sie nicht die Erbin von Scarswood 
Park ist?" 
„Natürlich, Sir Robert. Ich werde Ihre 
Adoptivtochter weder heute noch je heirathen. 
Ich wollte die reiche Erbin zum Weibe, nicht 
das unschöne, reizlose Mädchen, das mir gleich 
Desdemona, halbswegs entgegen —" 
Er vollendete den Satz nicht. Mit dem 
Sprung eines Tigers war der indische Offizier 
bei ihm, alle Kraft der Jugend schien dem al 
ten Manne wiedergegeben. 
„Feigling! Lügner! erbärmlicher Hund, den 
Mensch zu nennen eine Schmach märe!" brüllte 
er, packle ihn bei der Gurgel, hob ihn wie 
ein Kind in die Höhe, zerrte ihn hinaus und 
schlenderte ihn mit wahnsinniger Wuth die 
eichene Treppe hinab. MrS. Vavasor schrie 
auf. Peter Dangersield stürzte hinaus. Ga 
ston Dantree fiel unten schwer zu Boden und 
lag dort ein blutiger regnungsloser Körper. 
Der Lärm brachte das'Haus in Aufruhr. 
Gäste, Diener, Brautfräulein, Alles drängte 
sich im bunten Durcheinander in die Halle. 
Peter Dangersield hatte Dantree's Haupt auf 
seine Knie gestützt und sah in das leichenblasse 
Antlitz. 
„Ist er todt?" fragte Hauptmann de Vere. 
Niemand fragte, was eigentlich geschehen. 
Alle schienen instinciiv zu wissen, daß Dantree 
sich im letzten Moment geweigert habe, Isa 
bella zu heirathen. 
Den bleichen Lippen des Verwundeten ent 
rang sich ein schwacher Seufzer. Es war ein 
entsetzlicher Anblick. Aus einer furchtbaren 
Schläfenwunde quoll das Blut über Gesicht 
und Brust. 
„Todt ist er nicht," flüsterte Peter Danger- 
field, „aber bitte, de Vere, rufen Sie'die 
Aerzte heraus und zerstreuen Sie die Hochzeits 
gäste, wir merven ja heute doch keine Trau 
ung haben." 
Der Hauptmann wandte sich und blieb dann 
plötzlich stehen. 
Von oben ertönte ein Frauenstimme. 
„Senden Sie um Gotteswillen Herrn Dr. 
Graves herauf, Sir Robert hat einen Anfall." 
Ein schwerer, dumpfer Fall und unterdrück 
tes Stöhnen machten sich hörbar, wirres Hin- 
und Herlaufen folgte. 
Peter Dangersield blickte auf von dem gei 
sterhaften Antlitz, das er aus den Knieen hielt. 
„Der Knoten schürzt sich," murmelte er.
	        
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