Full text: Newspaper volume (1874)

«liounemelltspreir. 
Jährlich 2 *?, vierteljährlich 15 Sgr. -ŗ- frei in» Hau« 
geliefert 16'/, Sgr. — für Auswärtige. die da« Blatt durch 
die Post beziehen 16'/* Sgr. iticl. Postgebühr, jedoch 
ohne Bestellgeld. 
67stcr Jahrgang. 
Erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend Morgen«. 
Witiwoch, 
Mo. »O 
JkseratiouFgebiihr: 
gür die Petitzeile 1 Sgr., für die Corpuizeile 1'/, Sgr 
Anzeigen werden für die Mittwoch-Nr. birDien-tag. für 
die Sonnabend-Nr. bis Freitag-Mittag 12 Uhr erbeten. 
11. Koveinber 1874. 
Berlin. Im Reichstage erklärte vor Kur 
zem der Finanzminister: „Wenn in Zeitungen, 
und namentlich in englischen steht, wir wollten 
am I. Januar 1875 ein außerordentlich ge 
wagtes Experiment machen, indem wir zur un 
bedingten Goldwährung übergingen, so kann 
ich nur antworten, unser Verhältniß wird am 
2. Januar 1875 genau dasselbe sein, wie heute; 
wir werden nur die Reichsmarkrechnung ein 
führen, wir werden den Zwang, bloß in 
Gold zu zahlen, noch nicht haben; wir werden, 
so lange wir unser Silbergeld noch im Ver 
kehr haben, auch unsere Zahlungen im Jntande 
damit leisten können." 
Berlin, 6. Nov. Das Bankgesetz ist be 
reits in den Händen der Abgeordneten, der 
Militär-Etat konimt ihnen noch heute zu. 
— Die Gesammtsumme der Etatsstärke des 
deutschen Heeres beläuft sich für das Jahr 
1875 auf: 17,212 Offiziere, 48,078 Unteroffi 
ziere, 741 Zahlmeister-Aspiranten, 12,313Spiel- 
leute, 327,915 Gefreite und Gemeine, 3,182 La- 
zarethgehülfen, 9,430 Oekonomie-Handwerker, 
1,673 Aerzte, 746 Zahlmeister, 612 Roßürzte, 
619 Büchsenmacher, 93 Sattler, 96,942 Pferde. 
— Der jetzt vorliegende Nachweis über die 
Verwendung des Dispositionsfonds des Reichs 
kanzlers im Jahre 1873 enthält die Position: 
„Beitrag zu den Kosten aus Anlaß des Anf- 
enthalls des Schahs von Persien in Deutsch 
land 20,000 Thlr." — Der Nachweis über 
den Dispositionsfonds des Auswärtigen Am 
tes führt n. A. aus: Kosten aus Anlaß der 
Anwesenheit der außerordentlichen japanischen 
Botschaft 11,337 Thlr., Kosten aus Anlaß der 
Verleihung preußischer Orden an die Könige 
von Siam 896 Thlr., dem Botschafter in Pe 
tersburg, Prinzen Reuß, 2000 Thlr. als theil- 
weiser Ersatz der Kosten eines von ihm gege 
benen Ballsestes. 
— Ob die gerichtlichen Verhandlungen ge 
gen Arnim öffentlich sein werden, ist noch nicht 
entschieden. 
In Trier kam kürzlich in der Laurentius 
kirche ein bedauerlicher Scandal vor. Die 
Polizei verhaftete einen gegen das Gesetz re 
nitenten kathol. Priester am Altar, und kam 
«s in Folge dessen zwischen dem Publikum und 
°e» in der Kirche befindlichen Organen der 
Polizei zu Scenen, bei welchen die Letzteren 
gezwungen wurden von der blanken Waffe 
Gebrauch zu machen. 
Bremen, 7. Novbr. Die Schiffszimmer- 
leute und Tischler sämmtlicher Bremerhavener 
Docks (732) stellten gestern wegen einer Tage- 
lohn-Herabsetziing von fünf Groschen die Arbeit 
ein. 
+ Kiel, 8. Novbr. In der letzten Sitzung 
Unserer städtischen Collegien ward das Einver- 
ständuiß derselben mit dem Vorschlage der 
Schulcommission constatirt, an der höheren 
Mädcheubürgerschule, an der inzwischen zur 
Realschule ausgebildeten höheren Knabenbür 
gerschule, einen Director mit 1300 Thlrn. 
Gehalt und 200 Thlrn. Wohnungsgeld anzu 
stellen. Ohne Zweifel hat der Vorschlag der 
echulcommission einen Grund, der mit der Auf 
gabe der Schule und deren jetzt ungenügenden 
Organisation in Verbindung steht. Etwas auf 
fallend ist, daß bei der Verhandlung nicht zur 
Sprache kam, ob und in welcher Weise eine 
Veränderung der Organisation der Schule ein 
trete. Wenn eine nur nominelle Einrichtung 
beabsichtigt ist, mußte bevor eine so viele Kosten 
bringende neue Amtirung bewilligt wird, die sach 
liche Seite der Angelegenheit erörtert werden. 
Für das Sadtbauamt und das Civilstandsamt 
wurden in derselben Sitzung der Stadtcollegien 
die Kosten der Bureaueinrichtungen genehmigt. 
— Nach einem Artikel in unserer Kieler Zei 
tung scheint es, als ob in unseren communalen 
Behördenkreisen der Gedanke angeregt werden 
solle, eine städtische Bibliothek anzulegen und 
für dieselbe einen Bibliothekar anzustellen. Unter 
dieser städtischen Bibliothek ist nicht etwa eine 
Volksbibliolhek zu verstehen, vielmehr eine Art 
Registratur für alle auf die Stadt im weiteren 
und näheren Umkreise bezüglichen Drucksachen, 
von Büchern älterer und jüngerer Zeiten an 
bis auf Komödienzettel herunter. Eine solche 
städtische Bibliothek hat ihren Nutzen für die 
Geschichtsschreibung, speciell die Kieler Stadt 
geschichte. Man würde in derselben u. A. auch 
alle Regulative, Gesetze, Statuten, comnrunaler 
und privater Anstalten, Gesellschaften, Corpo- 
rationen u. s. m., Cataloge der verschiedenen 
Büchersammlungen, Auctiönen u. s. w. u. s. w., 
kurz alles finden, was je in irgend einem Be 
züge zur Stadt im Druck erschienen ist und 
fortwährend erscheint. — 
Zu Stadtverordneten sind am Mittwoch und 
Donnerstage die Herren Kaufm. Wichmanu, 
Rentier Arp, Rentier Bockelmann u.Gym- 
nasialvirector Niemeier gewählt. Unser Ma- 
gijtrat trug in der letzten Stadtverordneten- 
Sitzung einige Bedenken rücksichtlich der Wahl 
Bockelmanns vor, die aber erst in der Frei- 
tagssitzuug dieser Woche zur Abstinimung ge 
langen werden. Hr. Bockelmann wurde aus 
den für die Wahlen stattgefundenen Versamm 
lungen besonders empfohlen. Die Einwendun 
gen kommen diesmal nicht aus dem Schooße 
der Bürgerschaft. — 
Im Curort Davos, Canton Graubünden, 
starb, noch jung, am 6. d. M. der hiesige, wohl 
auch in weiteren Kreisen bekannte Rechtsanwalt 
Gustav Lund, ein Bruder des Pastors Lw d 
in Sieseby. 
Die Versammlung im Wriedt'schen Local 
am Freitag-Abend behufs Gründung eines 
Kieler Volksbildungsvereins erreichte in erfreu 
licher Weise ihren Zweck. Man hatte diese 
Gründung mit dem Vortrage in Verbindung 
gebracht, den der Wanderlehrer Lindwurni 
hier auf seiner Rundreise durch unsere Provinz 
hielt, und leitete Herr Dr. Ahlmann im 
Namen des vorbereitenden Comitees die Dis 
cussion über den Gegenstand. Die an der Dis 
cussion sich betheiligenden Führer der Social 
demokraten hätten die Gründung des Vereins 
ersichtlich gern verhindert, erreichten ihren Zweck 
jedoch nicht. Die Constituirung desselben er 
folgte, nachdem auf Aufforderung des Vorsitzen 
den sich diejenigen aus dem Saal entfernt 
hatten, welche dem Vereine beizntreten nicht 
gesonnen sein sollten. Wohl bemerkenswerth 
ist, daß viele Arbeiter blieben und sich mithin 
dem Verein anschlössen. Das Statut wurde 
mit dem Antrage angenommen, daß es von 
einen, zu wählenden Ausschüsse von 25 Per 
sonen einer Revision zu unterwerfen und einer 
nach drei Monaten zu berufenden Generalver 
sammlung zu unterbreiten sei. 
Die Redaction der schleswig-holsteinischen 
Schulzeitung ist von dem bisherigen langjäh 
rigen Redacteur und Gründer derselben, dem 
durch diese Bemühung uni das Schulwesen 
unserer Provinz ohne Zweifel ivohlverdienten 
Lehrer A. Sönksen auf Hrn. A. Stoller), 
einen feingebildeten und gewandten hiesigen 
Lehrer, übergegangen.— 
Die Helfer-Commission der Gesellschaft frei 
williger Armenfreunde fordert in einer Extra- 
Beilage zu unseren städtischen Blättern ange 
sichts der herannabenden Weihnachtszeit zur 
Unterstützung ihrer Thätigkeit und unter ande 
rem namentlich wegen der zu verhütenden Bette 
lei dazu auf. Unbekannten ohne nähere Erkun 
digungen keine Gaben zu verabfolgen. Sie 
will damit nicht in die Privat-Wohlthätigkeit 
eingreifen, nur durch dieselbe der Bettelei kei 
nen Vorschub geleistet wissen. — 
°° Itzehoe, 7. Nov. Am Donnerstag dieser 
Woche standen zwei Schwurgerichtssachen zur 
Verhandlung. Die erjte betraf den Dienstkuecht 
Detlef Maaßen aus Schlichtiug. 
Derselbe mar angeklagt und geständig im 
Laufe dieses Sommers einem Einwohner zu 
Hemme eine Summe Geldes, einem Kathner 
zu Feddring ein Schwein und einem Schmied 
ebendaselbst einige Hufeisen gestohlen sowie in 
der Umgegend des Carolinenkooges sich in 
verschiedene Häuser zum Zweck des Stehlens 
eingeschlichen^zn haben. Die Geschworenen be 
jahten die Schuldsragen, nahmen aber mil 
dernde Umstände an, so daß der Angeklagte, 
anstatt zu Zuchthaus, zu drei Jahren Gefäng- 
Geheimnißvoll. 
Igortf. von Nummer 89. Beilage) 
12. Capitel: Dat Geheimnis, 
Wo war der Bräutigam? 
Als Gaston Dantree am verflossenen Abend 
gen Morrcambe ritt, fühlte er sich unsagbar 
befriedigt. Der kommende Tag sollte ihm ein 
Neues glänzendes Dasein sichern, und im Kranze 
'einer Freude befand sich nur ein Dorn — 
Diane. 
„Wenn sie morgen käme und die Trauung 
Untersagte, oder wenn sie später erschiene und 
Me Verhältnisse bloslegte! Bigamie ist ein 
häßliches Wort." 
' Der Schatten der Rache folgte ihn bis in's 
Land der Träume. 
Seine Visionen in der Nacht vor der Hoch 
zeit waren düster und ominös. Er sah 
baz gefürchtete Weib . drohend, sah es 
bleich, verzweifelnd im tiefsten Weh und er- 
wachte mit einem Fluch auf den Lippen. Ue- 
" berall verfolgte ihn Marie de Lansac's Bild. 
Mit dem neuen Tage kam Regen und 
^turm. Klagend heulte der Wind durch die 
Korridore und fing sich ächzend in den Kami 
nen. Im Allgemeinen gleichgültig gegen die 
Einflüsse der Witterung fühlte sich Dantree an 
b'esem Tage doch davon unangenehm berührt, 
et fluchte dem Wetter, fluchte den Erinnerun 
gen, die ihn verfolgten, fluchte sich selbst und 
."er abergläubischen Furcht, die unwillkürlich 
H an ihn klammerte. 
^Wie endlos die Stunden vergingen! Gaston 
Dantree fühlte, daß sich etwas ereignen würde 
Ulld irrte wie ein ruheloser Geist in den Hal 
len und Gängen umher. 
Gab es Ahnungen? war es ein schuldbela- 
steteS Gewissen? 
Aber nie im Leben hatten ihn noch Ahnun 
gen gequält, nie war er sich klar geworden, 
daß er ein Gewisien habe. 
Mr. Talbot betrachtete seinen Gast vom 
Fenster aus. Bräutigame sind ungeduldig an 
solch' wichtigem Tage, aber sie sind es nicht 
in solcher Weise. 
„Der Mensch hat etwas auf dem Gewisien," 
sagte sich Wilhelm Talbot, „er sieht aus, als 
ob er sich fürchte. O, daß ich ihn nicht 
hierher gebracht hatte! Wer weiß, ob er nicht 
schon eine Frau in New-Orleans hat?" 
Nachmittags warf sich Dantree auf's Bett 
und schlief mehrere Stunden unter dem Einfluß 
geistiger Getränke. Es war bereits Nacht ge- 
ivorden, als der Bediente ihn weckte. 
Halb sieben Ur,r und Zeit, sich anzukleiden. 
Eine Stunde später erschien er im hochzeit 
lichen Gewände im Speisesaal. 
Weder er noch Mr. Talbot sprachen während 
des Mahles, Beide fühlten sich nervös aufge 
regt. Nach demselben begab sich der Bräuti 
gam wieder in sein Zimmer. 
Acht Uhr, und um drei Viertel auf zehn 
war es früh genug, in Scarswood einzutreffen. 
„Ich wollt', es wäre überstanden," rief er 
laut, „das möcht' ich um alle Erbinnen Groß 
britanniens nicht mehr durchmachen." 
„Ja, ja, es ist eine peinliche Geschichte," 
entgegnete eine Stimme an der Thür, „wer 
weiß, was in zwei Stunden sich ereignen mag?" 
Fluchend wandte sich Gaston Dantree um. 
niß verurtheilt wurde. 
Die zweite Sache betraf den Arbeiter Lau 
von hier. Derselbe wurde der versuchten Noth 
zucht von den Geschworenen für schuldig er 
achtet und vom Gericht zu zwei Jahren Ge 
fängniß verurtheilt. 
Gestern Morgen begannen die Verhandlun 
gen gegen den Strafanstalts-Rendanten Zenker 
aus Glückjtadt und Gen. wegen versuchten 
Giftmordes. Als Vertheidiger der Angeklagten 
waren anwesend, für Zenker, Justizrath Börstel 
von hier, für die Witt, Justizrath Schröder 
aus Altona, für die Düring, Rechtsanwalt 
Knoop aus Glückstadt. Wir registriren aus den 
Verhandlungen, die bis 10* Uhr Abends dauer 
ten, kurz Folgendes: 
Zenker, der seit etwa 2 Jahren in Glückstadt 
war, unterhielt dort, obwohl er verheirathet 
war, ein Liebesverhältniß mit der Angeklagten 
Witt. Um sich heirathen zu können kamen beide 
darauf, die Frau des Angeklagten zu tödten. 
Zu diesem Zweck brachten sie derselben seit 
dem Frühjahre 1873 heimlich und unausgesetzt 
auf die Gesundheit schädlich wirkende Mittel 
bei, die bei der unglücklichen Frau fortwährende 
Diarrhöe hervorbrachten und ein stetes Siech 
thum zur Folge hatten. Grünspan, Blei, Sen- 
nesblütter und andere schädliche Substanzen 
wurden der Frau Zenker theils in Wein, theils 
in Caffee und theils in Pillen verabreicht. Als 
alle diese Mittel das Absterben der Frau Zen 
ker nicht zur Folge hatten, schrieb der Ange 
klagte Zenker im Einverständniß mit der Witt 
in anonymen Briefen an 17 verschiedene Aerzte 
und bat dieselben ihm ein Mittel zu verschaf 
fen, welches, dem menschlichen Körper eilige- 
stößt, das baldige Absterben desselben veran- 
laßte. Durch diese ohne Zweifel grobe Unvor 
sichtigkeit wurden die Behörden, ärztlich in 
Kenntniß gesetzt, aufmerksam und bemühten sich 
den „Anonymus" zu entdecken. Im Sept. d. I 
lenkte sich der Verdacht gegen Zenker und dieser 
sowie die Witt und Düring wurden verhaftet, 
letztere, weil sie der Beihülfe zu dem Mord 
versuch verdächtig erschien. Die Untersuchung 
ergab, daß Zenker und die Witt nicht allein 
versucht hatten, die Frau Zenker durch Gift 
ums Leben zu bringen, sondern daß sie auch 
die Düring durch Versprechungeu dazu ver- 
möcht hatten Frau Zenker im Bade ertrinken 
zu lasten. Zum Glück hatte Letztere gegen das 
Baden einen Widerwillen, so daß'ver ver 
brecherische Plan in dieser Hinsicht nicht ins 
Werk gesetzt werden konnte. Eine durch die 
Düring angerathene Phosphor-Vergiftung hat 
ten die Angeklagten abgelehnt. Der Staats 
anwalt beantragte die Angeklagten schuldig zu 
erkennen. Die Vertheidiger suchten in geschick 
ten Reden Zweifel an der Schuld ihrer Clien- 
auf der Schwelle stand Peter Dangerfield. 
„Wo zum Teufel kommen Sie her?" zürnte 
Dantree. 
„Durch Wind und Sturm direct von Cast 
leford, um in wichtiger Angelegenheit mit Ih 
nen zu sprechen. Sie haben noch anderthalb 
Stunden Zeit, und das genügt." 
„Genügt, zu was? Ich verstehe Sie nicht." 
„Es sind bezüglich Sir Robert und der jun 
gen Dame, d e Ihnen heute augetraut werden 
soll, Verhältnisse zu Tage gekommen, die mich, 
als Ihren Freund, veranlassen. Sie nicht an 
den Altar treten zu lassen, bevor Sie Kennt 
niß davon genommen. Folgen Sie mir, und 
ich führe^ Sie zu einer Person, welche Ihnen 
die belreffenden Mittheilungen machen wird." 
Gaston Dantree erbleichte. Die Ahnung 
halte also nicht getäuscht, der goldene Preis 
sollte in letzter Stunde ihm entrissen werden. 
„Wollen Sie gefälligst deutlicher sprechen, 
Mr. Daugerfielv," sprach er, sich mühsam be 
herrschend, „warum soll ich Sie nach Castle 
ford begleiten? wen soll ich da treffen?" 
, „Das kann ich Ihnen nicht näher erklären, 
ich habe Sie nur zu bitten, mich zu begleiten, 
und gelobe Ihnen, daß Sie um zehn Uhr in 
Scarswood sein sollen." 
Einen Augenblick stand Dantree unentschlos 
sen, dann griff er nach seinem Hut. 
„Gut, ich folge Ihnen." 
Die beiden Herren eilten die Treppen hinab 
und sprangen in den wartenden Wagen. 
Bald flimmerten die Lichter von Castleford 
ihnen entgegen, und wenige Minuten später 
hielt der Wagen vor einem Gasthause. 
„Folgen Sie mir, Dantree," gebot Peter 
Dangerefield, eilte die Treppe hinauf und 
pochte an einer Thüre. 
Sie öffnete sich sofort, und in prachtvoller 
Toilette erschien Mrs. Vavasor auf der Schwelle. 
„Sie erwarteten wohl kaum, mich zu sehen, 
und doch kam ich eigens über den Canal, um 
bei Isabella's Trauung gegenwärtig zu sein, 
vorausgesetzt, daß diese Trauung überhaupt 
stattfindet." 
Gaston Dantree blickte äußerlich ruhig auf 
die Uhr. 
„Sie wird in einer Stunde vollendete That 
sache sein, Madame, aber ich bezweifle, daß 
Miß Dangerfield sich Ihres Kommens freut." 
„Gleichviel, ich sagte ihr, daß ich bei ihrer 
Hochzeit nicht fehlen würde, und will mein 
Wort halten, vorausgesetzt, wie gesagt, daß 
die Hochzeit überhaupt stattfindet." 
„Wollen Sie sich gefälligst erklären." 
Er war lodtenbleich, aber entschlossen das 
Schlimmste zu hören. Sie stand lächelnd mit 
funkelnden Augen vor ihm. Peter Dangerfield 
hielt sich entfernt. 
„Sie sind ein schöner, vom Glück begünstig 
ter Mann Mr. Dantree, noch mehr. Sie sind 
ein kluger Mann. Für Sie ist die Welt eine 
Auster, die Sie geschickt zu öffnen verstehen. 
Der arme amerikanische Abenteurer soll sich 
noch heute mit der Tochter eines Barons, der 
Erbin von achttausend Pfund Rente vermäh 
len. Sie lieben Ihre Braut nicht, aber was 
liegt daran? Die Liebe ist ohnehin ein veral 
teter Begriff, das Betriebscapital der Dichter 
linge. Wer achttausend Pfund Rente besitzt.
	        
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