Full text: Newspaper volume (1874)

Ll'oullemeulsşikir: 
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Sonnabend, 
o. §11 
3. Gctober 1874. 
Ikundsciiau 
Ueber de» Wiederzusammentritt des deut 
le» Reichstags, dessen Verhandlungen wieder 
Leben in unsere politische '-1 nde bringen soll, 
verlautet noch immer nichts Bestimmtes. Rur 
soviel dars als sicher angenoinnieil werden, das; 
die Session noch im Herbste d. I, beginnen 
>vird. Bis dahiil müssen wir uns mit Aufzäh 
lung weniger wichtiger Dinge begnügen. Ge 
wisse ausländische Zeitungen, welche sortwäh- 
vend dabei sind, Deutschland etwas am Zeuge 
zu flicken, suchten dieser Tage der Well ein 
zureden, die nordschleswig'sche Frage stehe 
wieder auf der Tagesordnung und drohe eine 
Kluft zwischen Deutschland einerseits und Eng 
land und Rusjland andererseits herzustellen. 
Diesen Machinationen lag die Thatsache zu 
Grunde, daß die deutschen Behörden, aller 
dings gänzlich »»nöthiger Weise, einige Ra- 
lional-Däneu ausgewiesen. Wie wenig aber 
dieses Faetunl geeignet ist, Verwickelungen oder 
wenigstens Verstimmungen herbeizuführen, er- 
lvlint man aus dem Ulnstande, daß die Gerüchte 
von dänischerseits in Berlin geführten Beschwer 
en sich als vollständig erfunden erwiesen haben. 
Die Ernennung Dr. Friedenlhal's zum land- 
wirthschnftlichen Minister Preußens erregt in 
liberalen Kreisen namentlich um deswillen viel 
ickende, weil dieser Mann ein Bürgerlicher 
d»d zu seiner gegenwärtigen Stellung nicht, 
wie bisher üblich, aus der bureaukralischen 
Stufenleiter, sondern lediglich wegen seiner 
parlamentarischen Bedeutung gelangt ist. Li 
berale Sanguiniker.meinen, daß damit der erste 
Ansang zur Bildung eines parlamentarischen 
Ministeriums gemacht sei; sie beachten nicht, 
"aß nach der wiederholt ausgesprochenen Ue 
berzeugung unseres Reichskanzlers ein parla- 
wentarisches Cabinet nicht für unsere Verhüll- 
illsie patzt! 
Vom kircheupoliljsche» Gebiet ist nur anzu 
führen, daß der excvmmunicirte Propst Kubeczak 
sich nicht damit begnügt, daß gegen den Dekan 
şizceniewski, welcher den großen Kirchenbann 
aller Form gegen ihn aussprach, das ge 
istliche Verfahren auf staalsanwaitliche Klage 
"» eingeleitet wurde; er will auch selbst Klage 
Hstlen denselben führen, und zwar wegen der 
§. e aen ihn ausgesprochenen Ehreurllhrigkeileu. 
ferner ist auf diesem Gebiete zu verzeichnen, 
"aß Bischof Martin von Paderborn die ihm 
"am Oberpräsidenten zugestellte Aufforderung 
Hur Amtsniederlegung aus's Bestimmteste zu- 
fhckgewiescn hat. Sonach wird auch in diesem 
ikalle die Anwendung von Gewalt nicht zu 
i'wgehen sein. — Auch in Frankfurt a. M. 
'"»den bei den social - demokralischeu Führern 
Haussuchungen und Confiscationen statt. — 
Kriegervereine Badeil's feierten am 27. 
September ein badisches Kriegerfest in Karls 
ruhe. Bemerkenswerth ist der Beschluß der 
Versammelten, wonach sich dieselben gegen eine 
„übergroße Centralisirung" des Deutschen Krie- 
gervercinswesens erklären, welche bekanntlich 
vom Allgemeinen deutschen Kriegertage, der 
kürzlich in Leipzig Statt sand, in's Auge ge 
faßt wurde. 
Die Aufmerksamkeit der maßgebenden Gc- 
sellschaftsclassen Oesterreichs ist augenblicklich 
aus einen nicht politischen Gegenstand gerichtet, 
nämlich auf die Nordpolsahrer, die soeben von 
ihrer Entdeckungsreise nach Wien zurückgekehrt 
sind. Die Anerkennung, welche diesen kühnen 
Forschern und Cntdeckungsreisenden dort ge 
zollt wird, gereicht Oesterreich zu großer Ehre 
und beweist, daß auch dort das Interesse und 
das Verständniß für derlei großartige Bestre 
bungen erwacht ist. 
In der italienischen• Hauptstadt wurde am 
20. September der Jahrestag der Einnahme 
Rom's durch die königliche» Truppen, der Ver 
einigung Rom's mit dem Königreiche Italien 
festlich begangen. Victor '■ mannet unterzeich 
nete dieser Tage endlich das Teeret zur Auf 
lösung des Parlamentes, welches aber erst 
nach Rückkunft des Ministerpräsidenten Ming- 
hetti bekannt gemacht werden wird. Die Par 
teien bereiten sich aber seit einiger Zeit schon 
vor aus die Reuwahlen, die noch im October 
stattfinden sollen. Die Clerikalen scheinen sich 
jedoch nicht an der Wahlbewegung betheiligen 
zu wollen. 
Troß des Beschlusses der Bonapartisten, 
bei der Stichwahl vom 27. September tut De 
partement Maine et Loire für den Regierungs- 
candidaten stimmen zu wollen, um nur deß 
Republikaner Mailln aus dem Felde zu schla 
gen; trotzdem Bouoparlisten und Septenuali- 
steil alle guten und schlechteü-Mittel anwende 
ten, den Herrn BruaS'dirrchzusetze'u ; trotzdem 
alle Bürgermeister des Departements ihnen zu 
'Gebote stehen, siegte, MaiUn, welcher circa 
•50,000 Stimme» erhielt, über Bruas, für-den 
nur circa 46,000 abgegeben wurden.. Die Le- 
gilimisteii enthielten sich der Abstimmung auch 
diesmal. Die Regierung, sowie der Orleanis- 
mus kannten ihre Ohnmacht nicht besser doku- 
'»nentiren, als daß sie die Hülfe.des doch auch 
ihnen feindliche» BouoparliSnius anriefe». .Ihr 
Ansehe» bei den Liberalen wird dadurch nur 
noch mehr vermindert werden. — Thiers 
Reife nach einem südfranzösiichen Leebade war 
eine wahre Triumphreise. -Namentlich war 
sein Empfang in Vizille, wo er seinen Freund 
Casimir Pürier besuchte, ein außerordentlich 
glänzender. Dort verkündete der alte Staats 
mann dem versammelten Volke, daß es ihm 
mit Hülfe Purlers doch noch g-liiigen werde. 
die Republik zu begründen. Die Minister und 
namentlich Mac Mahon find sehr entrüstet 
über die Aufnahme, die der „kleine Bourgois" 
allerorten fand, und inan will zunächst an den 
Maires fich rächen, die an den Ovationen 
theilgenommen. Der Maire von Vizille soll 
bereits abgesetzt sein. 
Ans Spanien werden ivieder neue kleine 
Siege der Regierungstruppeu berichtet, aber 
es verlautet noch immer nichts von einem 
längst erwarteten Hauptschlage. Die Wieder- 
verproviantirung der durch eine Belagerung 
bedrohten Hauptstadt von Navarra, Pampelona, 
ist der bedeutendste Vortheil, der errungen 
wurde und zwar in Folge combinirter Bewe 
gungen der Generäle Laserna und Moriones. 
— Im Uebrigen wird berichtet, daß die Kar 
listen aus einem nichtigen Grunde das Gebiet 
der in den Pyrenäen gelegenen und unter dem 
Schutze Frankreichs stehenden kleinen Republik 
Andorra verletzt und den dortigen Behörden 
Gewalt angethan haben. Man ist darailf ge 
spannt, ob sich Frankreich das ruhig gefallen 
lassen wird. — 
I» Rußland wird jetzt bekanntlich das neue 
Militärgesetz mit der allgemeinen Wehrpflicht 
durchgeführt. Die halbcivilisirten Völkerschaf 
ten dieses großen Reiches dürsten sich jedoch 
dieser Neuerung widersetzen; unter den Ural- 
kossakcn z. B. ist bereits ein nicht unerheblicher 
Aufstand _ ausgebrochen, dessen Unterdrückung 
einen Aufwand von nicht geringen militärischen 
Kräften erheischt. — 
Die W ser Zig. läßt sich ans Berlin schrei, 
den: .Die Festfreude Über den Kieler B-snch 
d,s Kaisers ist in Schleswig Holstein anscheinend 
nicht sehr nachhaltig gewesen. Gegenstand der 
Zeitungsd,batten sind wieder die ans der Vorge 
schichte der j hn,-» Entwicklung heegelkitelen For- 
derungen der Provinz an den prenßifcken Fiscus. 
Man agilirl dock lebhaft für die Einberufung 
diS PlovinziaUandtageS, auf dem die schon ein- 
inal vorbefchrlebknen Beschwerden nochmals beginii- 
det »nd formulirt werden sollen. Besonders bö 
ses Blut hat die in den letzten Tagen offiziös 
bekannt gewordene Nachricht gebracht, daß der Fi- 
nanzmimster die von de», preußischen Abgeoidne- 
tenhause während der letzten Session empfohlene 
Berücksichtigung eines Theiler der allen schleswig- 
holsteinischen Foederniige» für prociisch uiiausfüh,. 
bar eikiär, habe. Er wisse keine Handhabe für 
diese Angelegenheit, soll es geheißen haben. Wenn 
dein wiikllch so ist. dann kann der bette ffende 
Beschlnß mir bedauert werden. Es ist an sich 
ganz richtig, daß »i dem preußischen Staate nicht 
für jede Provinz ein besonderes Blvd gebacken 
werden kann, j der Theil der Monarchie sich viel 
mehr an ihrer hallen 'aber gejiiiiden polüischen 
Pcnirischte Slotizen. 
.. H a in b u r g. Der Polizeibeamte Chr. Weisse 
'K wegen Fälschung, Unterschlagung, Betrugs, 
Mitlsvergehen u. s. w. zu 15 Monaten Zucht- 
üüis »nd in eine Geldstrafe von t00 Thlr. 
zu noch einem Atonal Zuchthaus ver- 
ll'lheilt worden. 
— Ein merkwürdiger Sprachgelehrter, Ist. 
şşauerwein aus Hannover, hält sich in dieser 
Ant in Christiania aut, um die lappische 
Sprache zu erlernen. Er spricht fast alle enro- 
ņische» und viele nicht-europäische Sprachen, 
als Türkisch, Persisch, Chinesisch, Japanesisch, 
Madagassisch n. s. w. Seine großen Kenntnisse 
vcndrst er u. A. zu Bibelübersetzungen im 
Dienste der englischen Bibelgesellschaft an. 
Nachdem er sich in Norwegen ungefähr sechs 
lochen aufgehalten hat, spricht er jetzt schon 
^rfect Norwegisch. Bon hier gedenkt er nach 
Ģ»nland zu reisen, um sich mit der finnischen 
Sprache bekannt zu machen. 
^ Ein Phänomen ist in des Wortes ei- 
Mllicher Bedeutung der augenblicklich in der 
,J»lhalla in Berlin anslretende Sänger Mr. 
p.Oarteá Heywood. Derselbe, obgleich schon 
Mann in der Mitte der zwanziger Jahre, 
doch noch die vollständige Stimme eines 
. "»ben, aber noch höher und kräftiger. Wäh- 
ZUd sein Sprechlon im Tenor erklingt, hat 
B» gesungener Ton ganz den Charakter eines 
.- "prans! Will er in der Teuorlage singen, 
". 'st das Organ ohne Klang und ohne Festig- 
Beides nimmt es erst an, sobald es in 
Sopranregion geht. Hier erscheint es nun 
"r nicht, wie das gequälte Falset eines Te 
noristen, sondern ergießt sich frei als wirklicher 
Sopran und als Brustton bis zum dreige 
strichenen 0, eineni Tone, der den meisten 
Sopranstimmen nicht einmal mehr erreichbar 
ist. Man muß diese natürlich so gewordene 
Stimme wohl von den künstlichen Sopran- 
stimmen unterscheiden, welche jetzt nur noch bei 
den Mitgliedern der Sfistini'schc» Capelle ge 
sunden werden. — Mr. Heywood ist in Ame 
rika geboren; sei,, Vater ist ein Deutscher, die 
Mutter, nach der er sich nennt (des besseren 
Klanges wegen?), eine Amerikanerin. In sei 
ner Heimath hat er in der Oper Franenrvllcn 
gesungen, so die „Großherzogin von Gerol 
stein", die Leonore in „Troubadour"». A. 
Natürlich macht sein Gesang größeren Effect, 
wenn er ihn im Costume seines Geschlechts aus 
führt, mil dem dann die Stimme seltsam con- 
trastirt. In Berlin bildet sich der junge Mann 
weiter aus, um dann Reifen als Concerlsäiiger 
in Deutschland zu unternehmen. 
— Die „B Z." schreibt: Piquüwesten 
aus Papier sind das neueste Product der 
amerikanische» Industrie. Der Hintere Theil 
der Weite ist von Leinen und wird extra ver 
kauft, ivährend der vordere Theil, welcher an 
den Seiten angeknöpft wird, 3—4 Tage sauber 
und rein bleibt, sehr gut sitzt und weniger als 
Waschgeld, nämlich nur i Sgr. kostet. ' 
— fDer Bessemer SalondawpferZ Vom 
Schiffsbauhofe der Earle'fchen Shipbuilding 
Company in Hull lief am 24. Seplember im 
Beisein von 20,000 Menschen ein Schiff von 
Stapel, das dazu bestimmt ist, .das Unange 
nehme der kurzen Seereise zwischen Dover und 
Calais zu mildern, d. h. die leidige Seekrank- 
heil, die den Passagierverkehr zwischen England 
und dem Continent noch immer auf ein Mini 
mum beschränkt, zu verbannen. Die Unannehni- 
lichkeileii dieser Reise haben oft Besprechung 
gesunden und verschiedene Pläne sind für de 
ren Beseitigung vorgeschlagen worden. Ein 
Tunnel unter dem Canal, eine Brücke über 
denselben, und die Beförderung von Zügen 
ans großen Dampfern, in welchen die schwan 
kenden Bewegungen vermieden werden sollten, 
wurden der Reihe nach discutirt. Was den 
letzterwähnten Plan betrifft, so war die Schwie 
rigkeit, Hasenränmlichkeiten zu beschaffen, der 
Hauptgrund für sein Scheitern. Einen gewissen 
Ersatz dafür soll nun der nach der Erfindung 
des Herrn Bessemer gebaute Salondampfer 
bieten, dem, seinem Erfinder zu Ehren, der 
Name „Bessemer" beigelegt wurde. Inwieweit 
der Dampfer dein Bedürfnisse einer Meeres- 
reise ohne Seekrankheit entsprechen mag, wird 
freilich die Erfahrung lehren müssen. Die Con- 
struclion des Schiffes ist eine eigenthümliche. 
Der hohe Salon in der Milte giebt dem Fahr 
zeuge das Aussehen eines Thurmschiffes. Es 
hat eine Länge von 350 Fuß an der Wasser 
linie. Beide Enden sind abgerundet, sie haben 
fast die Form einer Cigarre und machen durch 
die Anbringung eines doppelten Steuerruders 
'das Umdrehen im Hafen überflüssig. Tie Ver 
decke an j.dem Ende sind niedrig, und da die 
Seiten des Schisses abgerundet sind, leistet es 
dem Wasser so wenig Widerstand »sie möglich. 
Daher wird nicht allein Schnelligkeit, sondern 
Stetigkeit erzielt. Die Fortbewegung geschieht 
Kost gkiiügen zu lassen hat. DaS von den 
Schleswig-Hotsteinern gelegentlich beliebte System, 
dem Staate auf Heller und Pfennig nachznrech- 
nkn, waS er aus der Provinz zieht und waS er 
auf dieselbe anwendet, kann ihren Ansprüchen nur 
nachtheilig sein. Aber auf der anderen Seite 
bleibt immerhin zu erwägen, daß gerade über diese 
Provinz nicht ohne die Mitschuld des preußischen 
Staates von 1850—1864 schwere Schicksale ge 
kommen sind und daß von dem ganzen schleswig- 
holsteinischen Handel doch schließlich Preußen, wie 
died auch im dcnljchin Gejammlinleresse nothwen 
dig war, die Ehre und den Borlheil gezogen hat. 
Für die in erster'' Linie von Preußen verlrelene 
deuische Sache hat SchleSwig-Holsiein nanienllich 
1850 die größten materiellen Aufwendungen ge 
macht und seinen Privatpersonen, wie seinen Coin- 
n'ünen die einpfindllchsļen Lasten aufgeladen. 
Wenn freilich die SchleSwig-Holsteiner die Ueber- 
nähme der sogenannien freiwilligen Anleihe auf 
den preußischen Staat beanspruchen. jo werden 
sie daniil schwerlich durchdringen. Etwas Ande 
res ist es mit der auf die Commünen retrocirten 
.gezwungenen Anleihe' des JahreS 1850. Es 
befinde» sich die Schuldscheine fast säminllich in 
dem Besitz der wirklichen Dailrihrr, eben der 
Commünen, welche überdies, wie bei dem Wesen 
der schlkSwig - holsteinischen Coinmnnalverwallnng 
»ich! wohl anders möglich, fast durchweg schwer 
belastet sind. Eine Uebernahme dieser letzteren 
Aiiliihe auf den preußischen Staat würde sich 
reShalb finanziell sehr wohl lechiferligen iassen 
und politisch alS Ack ausgleichender Billigkeit 
durchaus zu empfehle» sein. Wie man in parla 
mentarischen Kreisen hört, besieht dort mehrfach 
die Absicht, dre langwierige Angelegenheit in die 
ser Weist zuw. Abschluß bringen zu helfen, wenn, 
die schleswig.holsteinischen Abgeordneten die bezug 
lichen Anlräge stellen werden.' 
Berlin, 30. Sept. Der „Spen. Ztg." zu 
folge wird der Reichstag am Sonntag, den 
18. October, wahrscheinlich durch Fürst Bis 
marck eröffnet, welcher dann nach Varzin zu 
rückkehren wird. Vorlagen für den Reichstag 
sind: Das Reichsbudget für 1875, das Ge- 
nchlsverfussnngsgesetz, die Straf- und Civil- 
gesetzordnung und das Bankgesetz. 
— Der „Proviiizial-Correfpondenz" zufolge 
beabsichligt die Regierung den Provinzial- 
Landtag von Schleswig-Holstein im Laufe des 
Jahres, möglicherweise bereits in der zweiten 
Halste des October einzuberufen. 
îìonigsberg i. Pr., 27. Septbr. Tie 
Schmurgerichtsverhandlungcn gegen die als 
Rädelsführer bei den Qnednaner Unruhen Be- 
lheiligten sind gestern Abend kl Uhr zu Ende 
geführt worden, Die Geschworenen haben nach 
sechsstündiger Berathung über die 37 Ange 
klagten das Schuldig, über einen Angeklaglen 
durch vier Schaufelräder, zwei an jeder Seite, 
deren jedes 27 Fuß 10 Zoll im Durchmesser 
hat. Man berechnet, daß der Dampfer bei 
voller Fahrgeschwindigkeit 20 Meilen in der 
Slnnde zurücklegen wird. Die Hauptelgeiithüm- 
lichkeit des Schiffes' bildet der für Passagiere 
erster Classe bestimmte schwingende Salon, zu 
dem man mittelst zweier breiter Treppe» ge 
langt. Der Salon ist 70 Fuß lang, 35 Fuß 
breit, 20 Fuß hoch, und ruht auf vier stäh 
lernen Zapfen, die nicht allein als Stützen 
dienen, sondern das Wasser nach den hydrauli 
schen Maschinen führen, durch welche der Sa 
lon »tätig gehalten werden soll. Bei der Con 
struction vicses Salons sind die rollenden Be 
wegungen, welche die Hanptursache der See 
krankheil bilden, werniiedeii worden. Auch ist 
für gute Venlilalion und den Comfort der 
Passagiere bestens gesorgt. Eine Treppe führt 
die letzteren nach einem Verdeck, ,vo sie die 
frische Seeluft genießen können, während sie, 
wie im Salon, von sever schwankenden Bewe 
gung befreit bleiben. Ein ähnlicher Salon von 
'52 Fuß Länge ist für Passagiere zweiter Classe 
auf denl Unterwerdcck angebracht.' Den unteren 
Theil des Schiffes »nngiebt eine Brustwehr, 
die etwa 8 Fuß hoch- 254 Fuß lang, und so 
breit wie^ das ganze Schiff ist, auf dieser Brust 
wehr befinden sich Pavillons für Privatgesell 
schaften, Rauchzimmer, Buffet's u. i. w. lie- 
berhanpt ist das Schiff prächiig möblirt und 
bietet dein Passagier jede nur denkbare Be 
quemlichkeit. Cnde'dieses Jahres wird es wahr 
scheinlich so »veil fertig sein, um seine Probe 
fahrt machen zu können.
	        
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