Full text: Newspaper volume (1874)

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Sonnabend, 
. 4L 
Rundschau. 
Der preußische Landtag konnte Freitag den 
2t. Mai geschlossen werden, da beide Häuser 
sich beeilt halte», die der Erledigung bedürf 
tigen .Vorlagen definitiv zu genehmigen. Tie 
Zeit vom 19. bis 21. d. M. wurde mit Vor 
nahme der 2. und 3. Lesung der bereits in 
Angriff genommenen Gesetzentwürfe ausgefüllt. 
Nur am Grundenteiguungsgesetz hatte das Her- 
renhans Abänderungen gemacht, weshalb das 
selbe an das Abgeordnetenhaus zurückgehen 
mußte. Letzteres aber aeceptirte bereitwilligst 
die Correcturen der ersten Kammer. 
Die zurückgelegte Session des preußischen 
Landtags war eine außerordentlich wirkungs 
volle und erfolgreiche, sowohl was die Zahl 
der gesetzlichen Reformen und Neuerungen, als 
auch das was die einschneidende Wichtigkeit 
Und Tragweite derselben anbelangt. Das 
hauptsächlichste dieser Gesetze ist unstreitig das 
über die Verwaltung erledigter katholischer Bis- 
thümer, welches demnächst in Kraft treten und 
in aller Kürze auch schon zur ersten Anwen 
dung kommen wird. Ter Regierungsr. Raffel 
ist nämlich zum Verwalter des Erzbisthums 
Posen designirt, welches bekanntlich durch die 
Absetzung des Bischofs Ledochowski als ein 
erledigtes zu betrachten ist. 
Die durch die zur Dispositionstellung des 
Grafen Arnim entstandene Lücke im deutschen 
diplomatischen Corps ist bereits wieder ausge 
füllt, und zwar durch die Wiederanstellung des 
feit einigen Jahren ebenfalls in disponibler 
Stellung befindlichen Freiherr» von Werther. 
Derselbe wird als Botschafter nach Constan- 
tinopel gehen. 
Die seit einigen Wochen in Pesth tagenden 
österreichischen Delegationen sind am 22. d. Bi. 
geschlossen worden, nachdem sie das Budget, 
Und namentlich auch das Kriegsbudget, mit 
wenigen Abstrichen genehmigt, so daß Graf 
Andrasst) im Namen des Kaisers seinen beson 
deren Dank „für die Bewilligung der zur Er 
haltung der Wehrkraft erforderlichen Summen, 
trotz der schwierigen Finanzverhältnisse," aus 
sprechen konnte. 
Die vielbesprochenen Briese des österreichi 
schen Kaisers und des Reichskanzlers Andrasst) 
v» den Papst, in Sachen der neuen confessio- 
vellen Gesetze scheinen einigermaßen eine Ver- 
siändignng herbeigeführt zu haben. Wenigstens 
wird versichert, daß der neue päpstliche Nuirc- 
tins. Msgr. Jacobin!, sich bei dem österreich. 
Episcopate mit einem Circular eingeführt habe, 
ül welchem er zum „Maßhalten angesichts der 
^Nsessionellen Gesetze" räth. In den maßgeben 
de» Kreisen Wiens hofft man nun, daß der Con 
vict zwischen Staat und Kirche vermieden werde. 
Nachdem de Goulard'S und des Herzogs 
D'Andiffret-Pasquier's Versuche, ein neues Ca 
binet zu bilden, gescheitert waren und Mac 
Mahon die Hoffnung aufgegeben hatte, das 
linke Centrum für die Organisirnng des unre- 
publikanischen Septennats oder das rechte Cen 
trum für die Organisirnng der wirklichen 7jäh- 
rigen Republik zu gewinnen, entschloß er sich, 
ein reines cabinet d’affaires, d. i. Geschäfts- 
Ministerium, zusammen zu setzen. Dasselbe kam 
denn auch am 23. glücklich zu Stande. Der 
Vicepräsident desselben ist General de Cissey, 
der schon unter Thiers einmal Kriegsminister 
war; der Herzog von Decazes hat das Aeußere 
behalten, ebenso Magne die Finanzen. Die 
übrigen Minister sind mehr oder weniger kle- 
ricalen Gepräges. Mac Mahon hofft, daß 
nicht nur dieser Unistand, sondern auch der, 
die Minorität vom 16. Mai wieder zur 
Majorität anwachsen lassen werde, daß das 
neue Cabinet die constitntioneUen Gesetze 
zwar vorbereiten, die Frage der Uebertra- 
gung der Gewalten aber der Entscheidung 
der Nationalversammlung überlassen soll. Das 
neue Ministerium soll auch damit einverstanden 
sein, daß zuvörderst das Finanzgesetz, das Ge 
meindegesetz re. und zuletzt erst das Wahlge 
setz auf die Tagesordnung gesetzt werde. Mac 
Mahon soll gesagt haben: er werde weder die 
Monarchie noch die Republik begründen. Das 
linke Centrum aber sollte nun wissen, daß die 
Sache der Freiheit von dem gegenwärtigen 
französischen Staatschef nichts zu erwarten hat. 
Nach einer soeben von Thiers einer ihn be 
suchenden Deputation von Republikanern der 
Gironde gegenüber gehaltenen Rede, ist dieser 
alte Staatsmann davon überzeugt, daß in der 
gegenwärtigen Nationalversammlung keine Re 
gierung. wieder eine feste Majorität finden 
werde, daß deshalb Auflösung und Neuwah 
len in keinem Falle mehr lange verschoben 
werden könnten. 7' - -ŗr-*v 
Im Rievre-Departement fand am 24. Mai 
eine Ergänznngswahl für die Affemblee statt. 
Cs siegte in diesem Falle zur Abwechslung 
einmal ein Bonapartist. Derselbe erhielt 
37,600 Stimmen, während der republikanische 
Gegencandidat 32,150 und der legilimistische 
nur 4527 Stimmen erhielt. Immerhin muß 
die republikanische Minorität dieses bonapar- 
tistischeu Departements als eine sehr große be 
zeichnet werden. 
.Die Mehrzahl der carlistischen Streitkräste 
ist noch immer in der Rahe Bilbao's concen- 
trirt, die übrigen sind in den biscayischen Pro 
vinzen Navarra und Aragon vertheilt. Die 
Negierungstruppen stehen zum Theil zum 
Schutze Bilbao's bereit, woselbst neuerdings 
wieder ein heißes Gefecht stattgefunden hat, 
welches zu Üngnnstcn der Carlisten ausfiel; 
Schloß Wolfseck- 
Novelle von Julie Düngern. iForis.j 
2. Die Ahiicrigallerie. 
Frau Braun war eine ergnie Erschrinung, als 
ne so in den durch dm Widrrschkin des Feuers 
s°sig angehauchten Salon trat, nicht unangenehm, 
Gegentheil, es lag ein eigener Reiz in diesem 
'ölen Gesteh!,-; ihre Figur war groß, schlank und 
"»gebeugt; sic trug ein granwolleneS Kleid, wel 
ches zwar nicht modern, aber doch mit Geschmack 
«ksrdnet war, einen kleinen, weißen Kragen von 
Baptist und ein kleines, schwarzes Häubchen ans 
Ülrem gänzlich ergrauten Haare; die großen, dunk 
ln Augen waren mit schwarzen Ringen umgeben 
"nd gaben ihr ein höchst leidendes Aussehen; ei» 
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stiiahe olivenfarbiger Teint bekundete südliche 
Ankunft. Frau Beau» mochte vielleicht Ende d-r 
"’ckßigkr Jahre sein. Die Gräfin war vollkom- 
t " , n zufrieden mit ihrer Haltung und ihren Ma- 
Neil, als sie mit viel natürlicher Würde in's 
^"»Ner teat und der Dame des Hauses ihre Ber 
^stlung machte. 
Gräfin Wolfseck trat ihren, Gaste höflich ent- 
bot ihr mit herzlichen Worten die Hand und 
in der neuen Heimath willkoinmen. 
ì Ein Strahl von Herzlichkeil schimmerte in de» 
>nkle„ Augen der GeseUschaslsdame bei diesem 
Endlichen Empfang, und vielleicht ohne es zu 
«voll 
°n, instiktiv, drückte sie ihre Lippen ans die 
^Elßen Finger der allen Fean. 
^ und Sorge dieses Haar ergrauen machte,' 
ş."k der Gräfin erster Gedanke, als die Gesell- 
j^vsterir, so vor ihr saß und heute den Thee ans 
,tln Händen annahm, welche» täglich zu bereiten 
von morgen an ihr Geschäft sei» sollte; „welche 
großen, niischiildigen Gaz llmangen, und doch ist 
die Fra» nichl mehr jung; ja das Herzeleid ist 
kein Erhalter der Schönheit", und die Gräfin 
seufzte leicht und dachte ihrer eigenen schöiieri Irr- 
gendtagk! 
Als Frau Braun sprach und von der Reise er 
zählte, lauschte die Gräfin mit Enlzücken dem 
sonoren Wohlklang ihrer Stimine; es war nichts 
Ungewöhnliches, was sie sagte, und sie trug es 
auch nicht mit unpasiender Heiterkeit oder dem 
sichtlichen Wunsche, die Dame zu belustigen, vor, 
aber es war ein eigener Reiz in ihrem seltenen 
Lächeln, ein interessanter Zug ging durch die ganze 
Persönlichkeil. Natürlich wie ihr ganze- Wesen 
war, gab sie sich hin, und wie sie heute der Gräfin 
erschien, so blieb sie Tage und Wochen lang: 
freundlich und bescheiden, ohne demüthig zu sein, 
aufopfernd, ohne es zu Schau zu tragen, und anre- 
gend und erheiternd, ohne doch das zu sein, was 
gewisse Leute „eine amüsante Person' nennen. 
Wie behaglich suhlte sich die Gräfin am Mor 
gen, wenn sie den Frühsiückstisch betrachtete, wel 
chen früher alle Sorgfalt der alternden Haushäl 
terin nicht so gejchinackvoll zu oediren verstand. 
Frau Braun stand mit der Lerche ans und war 
so rrihfg und arbeiljam, so fortwährend thätig, 
ohne lärmend und unbequem zu werde», daß die 
alte Dame ein namenloses Vergnügen empfand, 
die Gesellschafterin im Süllen zu beobachten; es 
war etwas von iheein Blute und ihren Nerven 
in dem Wesen der neuen Gefährtin, was sie un 
gemein anzog; sie schenkte ihr auch viel Vertrauen 
in Geschäfts Angelegenheiten. nur wenn sie von 
ihrem Sohne sprach, verhehlte sie einen Theil der 
daß er über diesen seine Grschäsle, seine Vcrmö 
gensverwaltung und Alles vergaß. 
Gräfin Wolfseck besaß ziemlich viel Stolz auf 
ihre alte Familie und den Name», welchen sie 
führte und es machle ihr niigeineine Freude, die 
Gesellschafterin mit alle» Schönheiten des Schlos 
ses und seiner Umgebung bekannt zu machen. 
Wolfseck war sehr alt und hatte viele mittel 
alterliche Z'miner und gewölbte Gänge, nur in 
dem Theil, wo die Geäfin wohrete, herrschte ein 
etwas moderner Styl. 
Eures Tages führte die Gräfin Frau Braun 
in die Bnrg EapeUe, welche seil den Tagen der 
9ïtformation nicht mehr im Gebrauch gewesen war. 
Ans dem Rückweg kamen sie in die Gallerie, wo 
die Portraits der Wolsseck in langen Reihen prang, 
ten; sie erzählte grade eine alte Faiinlientradition 
und war beim Ausblicken freudig erstaunt über 
den Zug gespannter Neugierde in dem Gesichte 
ihrer Gesellschafterin. 
„Sie scheinen Riltergeschichlen zu liebe», Fra» 
Beau»; diesen Zug theile ich mit Ihnen, oberer 
Verschwindet jetzt gänzlich", und Gräfin WolkSeck 
dachte seufzend an ihrer! Sohn und was er »alte 
Scharteken" nannte. 
Dann führte sie ihre Begleiterin weiter durch 
die endlosen Gänge, bis sie in eine Art Halle ka 
men, welche mit einem Mosaikfußboden geziert 
war und in welcher die Bilder der neuen Gene 
ration aufbewahrt waren. Zwei breite steinerne 
Stiege mündeten zu beiden Seiten dieses Gewöl 
bes und die Gesellschaftsdame folgte geduldig durch 
30. Wai 1874. 
das Gros der Regierungstruppen ist bei Vit- 
taria concentrirt, woselbst General Concha Geld 
und 20,000 Mann Verstärkung erwartet. Die 
Carlisten haben jüngst wieder durch ein Dampf- 
schiff eine Sendung Kanonen und Gewehre er 
halten; auch suchen sie die gehabten Verluste 
durch Massenaushebungen in den von ihnen 
occupirten Provinzen zu ersetzen. Zu Hunder 
ten aber entziehen sich die Stellungspflichtigen 
der Aushebung durch die Flucht. Die Bemü 
hungen der Madrider Regierung, sich die ofsi- 
cielle Anerkennung der Großmächte zu verschaf 
fen, sind jüngst zwar erneuert worden, aber 
ebenso erfolglos wie früher geblieben. Nament 
lich in Wien und Berlin glaubt man nicht an 
die Bejtändigkeit der gegenwärtigen spanischen 
Zustünde. 
Der Kaiser von Rußland hat den britischen 
Boden wieder verlassen, und die englischen Zei 
tungen stellen die üblichen Betrachtungen über 
die politische Bedeutung dieses Besuches an. 
Sie behaupten einstimmig, daß der Czar nun 
unmöglich seine antienglische Politik in Central 
asien weiter führen könne. Cs ist eben ein 
wahres Sprichwort, daß man das glaubt, was 
man wünscht! 
Der schwedische Reichstag wurde vergangene 
Woche geschlossen. In der Thronrede erwähnte 
der König mit Befriedigung des neuen schwe 
dischen Handelsschiffahrtsgesetzes, sowie der er 
höhten Bewilligung für Unterrichiszmecke, auch 
gedachte er des neuen, dem Reichstage vorge 
legten Heeresorganisationsplanes, welcher die 
allgemeine Wehrpflicht mit außerordentlich kur 
zer Präsenzzeit einführt, und versprach, daß 
die mit demselben verbundenen Vorarbeiten 
zur Beseitigung der Grundsteuern möglichst be- 
schieunigt werden würden. 
Berlin. Wie aus Regierungskreisen ver 
lautet, steht für jede Provinz die Errichtung einer 
Provinzial-Jnipf-Anstalt in Aussicht, welche den 
Zweck haben soll, die zur Vornahme von Schntz- 
pocken-Jmpşungen berechtigten Medicinal-Per 
sonen unentgeltlich mit frischer Lymphe zu ver 
sehen und wissenschaftliche Untersuchungen auf 
dem Gebiete der Schutzpocken-Jmpsnng vorzu 
nehmen und zu fördern. 
— Das Privateinkonrmen im Deut 
schen Reiche soll nach Hirth's „Annalen" 
jährlich über 5 Milliarden Mark betragen, wo 
bei aber nur die Cinkommen von mehr als 
1000 Mark (383'/;! Thaler oder 583 '/•, Gul 
den) berechnet sind. 
— Die Centrumspartei hat einen schweren 
Verlust erlitten, und das Parlament hat einen 
geistreichen Mann verloren! Der Reichtags- 
und Landtagsabgeordnete von Mallinkrodt 
starb am 26. d. Morgens in Berlin au einer 
Rippenfellentzündung. Im Jahre 1821 in 
Minden geboren, mar der Verstorbene von 
1852 bis 1863 und seit 1868 Mitglied des 
Abgeordnetenhauses; gleicher Weise gehörteer 
dem constituirenden und ordentlichen Reichs 
tage seit dem Jahre 1871 an. Herr v. Mallinck 
rodt hat ein Alter von 53 Jahren erreicht. 
Seit 1872, bis zu welchem Jahre er der Re 
gierung zu Merseburg angehörte, hatte er der7 
Staatsdienst verlassen und hier in Berlin dau 
ernde Wohnung genommen. 
— Die Errichtung eines Reichs-Schiff-i 
fahrt-Amts ist gegenwärtig wieder in den 
Vordergrund getreten und auch bereits in die 
Vorarbeit des Reichskanzler-Amts genommen. 
Breslau, 27. Mai. (Reut. Bur.) Die 
Lehrerversanimlung sandte bei der Festtafel 
telegraphische Grüße an den Kaiser, Bismarck 
und Falk. 
Der in Lübeck abgehaltene zwölfte ordent 
liche Sängertag des Niedersächsischen Sänger 
bundes war von einigen 20 dem Bunde an- 
gehörigen Liedertafeln durch Abgeordnete be 
schickt. Aus den Verhandlungen desselben ist, 
nach den „Lüb. Bl.", hervorzuheben, daß das 
fünfte Sängerbundesfest für das Jahr 1875 
in Aussicht genommen wurde. Während im 
vorigen Jahre neben Schleswig auch Flens 
burg als Festort sich angeboten hatte, erklärte 
letzteres jetzt, zunächst von der Abhaltung sol 
chen Festes zurücktreten zu müssen, und ward 
sodann der Sprecher beauftragt, bei den (in 
Lübeck nicht vertretenen) Vereinen der Stadt 
Schleswig eine behufige Anfrage zu stellen. 
Schleswig. Den „Schlesiv. Rachr." zu 
folge sind zu einmaligen und extraordinären 
Gerichtsbauten in Schlesivigholstein für dieses 
Jahr 258,000 Thlr. bewilligt, hierunter für 
Altona 130,000 Thlr., für Kiel 72,000 Thlr., 
für Flensburg 23,000 Thlr. und für Itzehoe 
33,000 Thlr. 
— Bei der hiesigen Regierung sind beför 
dert worden: die bisherigen Regierungs-Secre- 
tariats-Assistenten Schmidt und Neiffe zu Re- 
gierungssecretairen, der bisheriqe Regierungs- 
Civil-Supernumerar Wittkopf und der bishe 
rige Militär-Anwärter Schütze zu Regierungs- 
Secretariats-Assistenten. 
— Baninspektor Barg um in Schleswig ist 
zum Baupolizeiinspektor in Hamburg gewählt 
worden und rvird sein neues Amt zum 1. Juli 
cr. antreten. 
Flensburg. Zu Anfang Juni erwartet man 
den Dampfbagger „Manteuffel", der unfern 
Hafen ^bis auf 6 Meter von Schlamm reinigen 
soll. Für dieses Jahr giebt die Regierung 
eine Unterstützung von 5000 Thlr. dazu. 
X) Itzehoe, 28. Mai. Als Tag der Er 
öffnung der nächsten Schwurgerichts - Periode 
Wahrheit und stellte ihn a!s den hi», welcher er 
nicht war, nämlich als einen dermaßen von feinst» 
erwählten Berufe eingenommenen jungen Mann, 
hilft pr nhpr „i&XSt* c.:... «> ü 
den malt beleuchteten Raum; ihre schmale, weiße 
Hand stützte sich auf das Mahagoniegeländer der 
Stiege und sie hörte mit scheinbarer» Interesse 
ans die endlose» Falliilieii-Aiiekdotei, ihrer Gebic- 
terin. Mit liebevoller Sympathie betrachtete sie 
die Potrails des verstorbenen Grafen und der 
Gräfin, beide in der Blüthe der Jahre gemalt; 
dann aber fuhr sic erschrocken zusammen, als die 
Dame vor dem nächsten Pfeiler stehe» blieb und 
die einfachen Worte sagte: „Dirs ist mein Sohn!" 
3. Die Rachwaiidleriu 
Was Frau Braun erblickte, war übrigens gar 
nicht zum Erschrecken. Ein schöner, junger Mann 
mit strahlende» blauen Augen und dunklem Haar 
sah ihr entgegen. Es war ein eigenes Gesicht 
mit seiner jugendlichen Schönheit, dem strahlenden 
Auge, dem süße» Lächeln, welches den Mund um 
spielte, und den herben, drohenden Zug auf der 
Stirne welcher garnicht zu den knabenhafte» Zü- 
gen paßte; sah man aber geiraner hin, so bemerkte 
mar,, daß das Lächeln spöttisch war und daß ein 
dänionhafter Glanz in den großen Augen flim 
merte; jedenfalls war eS ein Gesicht, welches man, 
einmal gesehen, nimmermehr vergeffeir konnte, Au- 
gen, welche Eurem Tage lang folgten, und ein 
Lächeln, welches den Beschauer zwar bezauberte, 
aber mit unruhigem Nachdenke» erfüllte! 
Als die Gräfin r bie# ist mein Sohn' gesagt 
hatte, trat sic vorwärts an das Geländer, um 
das geliebte Angesicht näher betrachten zu können. 
Arme Frau, wie manche Thränen und ruhelose 
Stunden hatte sie jener Soh» seit seiner Geburt 
gekostet! Aber jetzt hatte sie Alles vergessen und 
sah mit entzücktem Stolze in dies schöne Gesicht. 
Wäre die Gräfin nicht so mit ihren eigenen 
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