Full text: Newspaper volume (1848)

stets erinnert werden, daß die Belehnung nur an einen 
Ebenbürtigen geschehen konnte. Ein Odil ward an de» 
Adeling gegen freien Dienst, die unfreie Hube an den Un 
freien gegen Zins und unfreien Dienst vergeben. 
S 13. 
3. Die Königliche Macht. 
Die Rechte des Königs sowohl in der vakriarchalischen 
als in .der patrimonialen Monarchie müssen von einem 
zwiefachen Gestchlspunkre aufgefaßt werden. 
a) Der König war ursprünglich ein mächtiger Grund 
herr, wie die übrigen Fürsten. Er halte bedeutende Erb 
güter, aus denen sich Burgen und Hallen befanden, einzelne 
von freien Hvfleuten bewobnc und bebaut, andere mir Eigen- 
leulen belehr. Als Mundherr jener Hofleure harte er unter 
ihnen seine Dienstmannen, welche den Dienst am Hoie 
verrichteten. Die Abgaben und Frohndienste der Eigenleute 
waren die bedeutendste Quelle seiner fürstlichen Einkünfte. 
Zugleich aber war er durch die königliche Würde über 
die andern Adelinge erhoben, so daß feine Trust (Schutz) 
hoher war, als der des bloßen AdclingS oder Fürsten. — 
Unbeschadet ihrer Gcburtsrechie stand die Tugend des 
Landes, d. h. Adelinge und Freie, in der Trust des Königs 
und bildere also als Antrustionen, Barone, Degen, 
Vasallen, Leute, Mannen sein Gas indie oder Ge- 
d igens. Indem diese ein Odil als Lehn empfingen, schwu 
ren sie den Huldigungseid und leisteten die durch das Her 
kommen oder vertragsmäßig festgesetzten freien Dienste, in 
der Halle des Königs als Schenke, Truchsesse, Marswalke rc., 
in dem Lande als Richter und Grafen und überall, wo 
Bann und Zwang des Königs zu üben war, oder erschienen 
bloß dann, seines Befehles gewärtig, wenn er eine Heer 
fahrt unternahm. 
b) Von der andern Seite war der König Herr und 
Führer der Gemeinde der Freien. Die Rechte, 
welche der König in vieler Hinsicht zu üben haue, wurden 
unter dem Namen KvntgSbann begriffen und find 
hauptsächlich folgende: 
1) die oberste Gerichtsbarkeit, so daß er als höch 
ster Richter, als letzte Quelle der Rechtspflege galt. 
Die Rechrsgesetzgebung war in der ältesten Zeit 
sehr beschränkt; das Volk hatte das Recht der Geseyes- 
annahme. Die in Vorschlag gebrachten gesetzlichen Be 
stimmungen bedurften, um Gültigkeit zu erlangen, 
der Zustimmung der Beiheiliglen. 
Dagegen saß der König selbst auf dem Königsstuhl 
zu Gericht; an ihn ging die Beriifung von den niedern 
Gerichten. Da er aber nicht die Kenntniß alles Rechtes 
in sich vereinigen konnte, so horte er die Meinung 
seines Retbvs. Dieß war freilich keine Zwangspflicht, 
doch wurde die, Unterlassung als Willkür und Frevel 
betrachtet. 
2) Der Friede über die öffentlichen Anstalten und Güter, 
welche ursprünglich zu heiligen Zwecken bestimmt' 
waren, und die Munddurd üder Personen, die vom 
Landrecht ausgeschlossen waren und als Fremde den 
Schutz keines Ander» genossen. Unverkennbar ist hier 
der König an die Stelle der Götter getreten, segne 
öffentliche Gewali an die Stelle ihrer heilige» Macht. 
3) der Heriba n oder der Oberbefehl über das kriegerisch 
vrganisirke Volk. 
Alle diele Rechte wurden einigermaaßcn unter der 
forniel der Patrimonialmoiiarchie: „Herrschaft über Land 
und Leute" begriffen. 
8 14. 
4. Die Rechte des Volks. 
Der Inbegriff der Rechte, weiche verfremden, nament 
lich der königlichen Gewalt, entzogen sind, bilde: die 
Freiheit. Die xalriarchaUsche Monarchie, vorzugsweise 
in ihrer Gestaltung unter de» germanischen Völker», war 
in ihrer organischen Entwicklung ein System der Freiheit, 
so nämlich, daß die königliche Gewalt ihrerseits untheiibar 
und unantastbar, in sesten, gemessenen Schranken, ibr gegen 
über aber die Freiheiten der Privaten und diejenigen der 
Gemeinden bestanden, daß Ganze als ein schöngegliederres 
Ganze erscheint, in welchem sich Jeglicher frei in seinem 
Kreise bewegte. 
Die Freiheit als das Recht, insoweit es dcr Gewalt 
eines Andern, hier derjenigen des Köiiigs entnommen bleibt, 
ist theils eine individuelle, theils eine korporative, 
theils diejenige des Volkes überhaupt. 
Die individuelle Freiheit bestebt in der Freiheit der 
Gedanken und Gewlifen, in dem Reckte auszuwan- 
d e rn , Eigenthum zu b e l i tz eu, Waisen z u ,ü h re» 
und Fehde zu erheben. 
Die korporative Freiheit bestand darin, daß die Genos- 
senichaste» sich leibst das Recht letzen und weisen dursten. 
Die Freiheit des Volkes kann in einem doppelte», sehr 
verschiedenen Sinne verstanden werden. Sie ist entweder 
wirkliche Hcrrichalt ober Innehaber der Staatsgewalt. 
Von dieser ist hier nicht die Rede. Eine Theilnahme des 
Volke an der königlichen Gewalt ist ein Begriff, de- sich 
in sich selbst wideriprichl. Es kannte gegenüber der koiugi. 
Gewalt nur Freiheiten und althergebrachte Rechte, so dag 
ein rechtlich gültiger Beschluß über diese Rechte nur mir 
Zustimmung des Volks gesatzt werden konnte. Daher sag 
ten noch im Mittelalter die Laudstände: „Wo wir Nicht 
mitraiben, wir nicht mitthaten''. — Oder sie i» Freiheit 
im eigentlichen Sinne; dcr Besitz einer Rechislphäre, 
welche der Eiiiwilkung der höchsten Gewalt entnommen, 
wobei diese also beschrankt ist. 
Dasjenige Institut, in welchem das Volk seine Freiheit 
bethätigte, waren die ösieur lichen Versammln ngen. 
Die Zwecke derselben waren theils religiole, namentlich 
Darbringung gemeinsamer Opfer, lheils politische. Die 
letzter» arer waren wieder zwiefacher Art. 
1) Das Volk erschien als Zeuge bei Verhandlungen, 
für welches öffentliche Zeugniß noth that, so lange man sie 
noch nichl protocvUarisch niedersetzte. Sv geschahen bei den 
Deulichen aus dem Mahl z. B. die Ctrichrung vou Teüa- 
mcnieu, die Verlobung, die Uebertragnng von Eigenihum, 
namentlich die Etnsrieoigung vom liegenden Gründen rc. 
2) Das Volk trat zusammen, um über seine Angelegen 
heiten zu stimmen, zu Gerede und Gericht. In allen dteien 
Versammlunge» übie das Volk seine Reckte in Abstellungen, 
die den Schichtungen der Gesellschaft parallel waren. Wien 
unicrickeidec namentlich das Volks,»g, das Gaudlng und 
das Märkerding, deren Beschreibung im Einzelnen hier zu 
weit sühren würde. Nur mag bemerkt werden, dag aus 
vem Volkding nur bre Allermanne Sitz und Stimme halten, 
jedoch Alle erscheinen dursten, um als Zeuge» den Ver- 
handluugc» beizuwohnen. Neben dem System der Volks 
ireihkir, wo das Landreckl galt, entwickelte fick, in der 
patriarch. Monarchie daS Lehnssystem „iii verschiedenen 
Anen und Siuie» der Abhängigkeit und Hörigkeit. Das 
Recht, welches in den verssieoen,» Kreisen dieses Systems 
galt, heißt bas Lehnsreckt oder Hoi recht. Dieses war 
ursprünglich durch die Willkür der Ho,Herren iestgesetzl. 
Doch bilderen sich auch hier im Laufe der Zeit Berechri- 
3 
tzuiigen aus, mir denen die Degen dem Schuhherrn gegen 
über realen, und die insofern, als sie der Verfügung des 
letzten- entnommen waren, als Freiheiten galten. 
(Forts, folgt.) 
Das Geld und die Juden. 
Nach der Zertrümmerung des jüdischen Staates hat 
lange die Stimme der Volker mit ihrer geistreichen Sprache 
das Geld als das Vaterland dcr Inden bezeichnet. Dieses 
war jedo» nur zu einer Zeit vollkommen wahr, unbzwar 
zu der Zeit, als „alle Männer brav und alle Frauen keusch 
waren", zur Zeit der Romantik. Damals waren „alle 
Juden reich". In unserer prosaische» gest ist hierin wie 
in manchem Andern ein wesentlicher Wandel eingetreten, 
und so sehr modificirr dieser Volksglaube auftreten möchte, 
so wenig er auch in milderer Form heute qere»rfertiat er 
scheint, so war er dennoch einst von tiefem Inhalte. Einige 
wenige Blicke auf die Bedeutung des Geldes und auf die 
Stellung der Inden nach dem Untergange des Vaterlandes 
dürsten es anschaulich machen. 
Das Geld nun übt eine ungemeine Macht aus, die 
weder Phpstk noch Metaphysik kennt, die aber der Natur- 
blick des Volkes schon früh gewahrte und unter dem Namen 
der Dämonischen verspottet und fürchtet. Keine gewöhnliche 
Anstrengung vermaa dieselbe von der Brust der Völker, 
deren freie» Athem sie hemmt, herabzuwälzen. denn wir 
finden im Gea'eniheile, daß gerade die arbeitskräftigsten 
Völker ihren Druck am härtesten empfinden. Wie wenig 
dieser ungemeinen Macht gegenüber eine gemeine Anstren 
gung nützt, beweil't »o» ein anderer Umstand. §j„e yelj. 
cliche Revolution nämlich ist ihr gegenüber fast eine zwecks 
ioie Explosion. Dieselbe maa einen Pascha erdrosseln oder 
aak'den Sultan selbst in den Bosvvros schleudern u. s. w., 
die Völker können doch trotz aller Quacksalberei souv'eraine'r 
Fürsten oder Volker nickt „frei und satt“ werden. 
Dieser Dämon ist von jeher im Gefolge einer jeden 
Civilisation aufgetreten, dem Verstände erscheint er als 
Dynamometer, dem Gefühle als die Nemesis derselben, 
denn wir finden immer, daß die entwickeltste Civilisation 
die verderblichste und zugleich das Walten dieser Macht 
bier am mäckligsten ist. 
Keine Civilisation der alten Welt hatte ein so entwickeltes 
Bürgerthum aufzi,weisen, wie die römische, und zeugte 
zugleich von einer ähnlichen Geldherrickaft. Die Römer- 
svrache nannte schon das Geld die „Sacke" und dicke 
sogenannte Sache erdrückte auch hier am vollkommensten 
den lebendigen Menschen. Zwar kämvkte das Römerthnm 
>n seiner vollen Mannbarkeit, von dem Genius der Gracken 
angefeuert, gegen diese Macht; aber vergebens. 
Wenn alko die Römer diese Macht vergebens bekämpf 
ten, wie viel wehrloser stand nicht das rohe Volk des 
Mittelalters da, als die Inden mir der fast rbmisck prga- 
nifirmi Ma»t des Gelbes es bedrängten! Wenn auck 
den Juden diese Macht nur wenig frommte, wenn sie auck 
nur die Schwämme dcr Großen waren, so litt das Volk 
deshalb nickt weniger; darum betrachtete es die Juden 
zunächst als Repräsentanten des Gelddruckes, und war die 
Indenschaft auch nur eine bloß sienereinnel,wende, berat!,ende, 
nach Umständen auseinanderzujagende Repräsentation ko 
trug sie dennoch mebr die Verantwortlichkeit für ihre Würde 
als für ihre Macht. 
Jetzt entsteht demnach die Frage: wie kamen die Juden 
zu der romantischen aber aefabrvollen Ehre, die Münz- 
melster der christlichen Kaliken zu werden. Die Antwort 
liegt nahe: sie kamen dazu in der Weise, in welcher über 
haupt die Menschen in irgend eine Stellung gerathen, durch 
Schicksal und durch eigene Schuld. 
Das Schicksal hatte die Juden unwiderruflich aus ihrem 
Varerlande verbannt. Was den Chinesen und Griechen 
die Barbaren, was beute noch manchem Franzosen l’etrangcr 
ist, bas waren die „Golim" den Inden, und unter diesen 
zu leben ward ihr Loos. Dieses sonnte jedoch nur heilsam 
a»i ihren Narionalstolz und den Racenbaß, der dessen 
körperliches Substrat bildete, wirken, und so erschien er im 
Exil nur in edlerer Form als Sebnsiichl nack dem Vater- 
lande. Der Racenbaß der Völker, zu denen sie kamen, 
konnte diese Sehnsucht nur steigern. « 
Wollte man ihnen einerieits kein Vaterland einräumen, 
so setzten sie dem Nationaldünke! ein ähnliches Moment 
entgegen. So kam es, daß beide Theile kick daran ge 
wöhnten, es natürlich zu finden, daß die Juden nur als 
Meßbesnchende auktraren, selbst wenn sie ihren Auienrhalt 
nach halben Jahrtausenden zählten, und mochten à auch 
Atom um Arom dem Lande angehören, der Racenrrieb 
war mächtiger als alle Vernunft, und sie blieben dennoch 
nur Fremde für dasselbe. Die Gerechtigkeit erfordert es, 
immer und immer wieder auszulvrecken, daß die Sckuld 
h' ziemlich gleich an beiden Theilen hastete, denn auch die 
Hilden wollten das neue Vaterland nicht ganz als solches 
anerkennen. Dieses harre freilich auch einen religiösen 
Grund, denn wie das Unglück überhaupt leicht religiös 
stimmt, so war auch bei ihnen ein solches, der Ursache 
entloreckendes, sehr großes Maaß von Religiössrär ent 
standen. Bei jeder Bedrückung rief der Jude jener Zeit, 
— und neck beute hören wir zuweilen einige Nachklänge 
davon:— d a i ü r sind wir in der Verbannung; als wenn 
diele ein Ersatz für das V-iteriand. als wenn dcr Striemen 
ein Schmerzensgeld für Schlage wäre. 
Dieser beiderseitige Irrthum, der die Heimaihlosigkeit 
der Juden erzeugte, ickns zugleich die allergrößte Volks 
krankheit des Mittelalters. Sie offenbarte sich in ^unver 
nünftigem Judenhaß einerseits, andrerseits in leidenschaft 
licher. verkehrter Vaterlandsliebe. 
Man haßte die Juden als Repräsentanten des Geldes 
als iremde Unterdrücker; aber diese kamen durch ihre ver 
kehrte Vaterlandsliebe zu dieser Stellung. Es war die 
Iudenkrankheit. 
Kein Stamm ist energischer zur Vaterlandsliebe organist« 
als dcr jüdische, oder, wie ein anderer Schriftsteller ihn 
nennt, der der mosaischen Araber. Beim Mangel an einem 
Gegenstände mußte dies Gefühl ausarten, und nickt unge- 
gestrast konnte dieser mächtige Strom aus seinem N-rrur- 
beike gedrängt werden. Die Juden waren dem aeschiedt- 
Uchen Boden nach ein Volk der Wüste und ein Bergvolk; 
lie liebten ihr Vaterland wie der Araber, der Savonarde, 
der Tyroler es thun, die gleiche Organisation mir diese» 
Völkern machte ihn wie sie geeignet, mir Erfolg in fteinden 
Ländern aus Gelderwerb auszugehen. Alle diese Stämme 
wollen von fremden Völkern nur ihr Geld und zwar um 
ides Vaterlandes derseiben entbehren und desto schneller in 
ihr eigenes Vaterland zurückkehren zu können. Die Juden 
waren diesen Stämmen aber darin unähnlich. daß eine 
Nothwendigkeit sie in die Fremde getrieben, die keine Heim 
kehr gestattete. Dadurch wurden sie nickt wie dicke eine 
zufällige, sondern eine normale Anomalie, eine Contradictio 
in adjecto, ein Satz, dessen Eigenschastswort dem Haupt 
worte widerspricht, wie z. B. in dem Ausdrucke: „Deutsche 
Inden". 
Da sie demnach den Gelderwerb zu ihrer von Vater 
aus Sohn forterbende» Specialität erkoren und alle andern 
vaterländischen Interessen aus Nothwendigkeit und aus 
Princip vernachlässigten, so war es sein Wunder, daß sie 
st» bald zu Repräsentanten des Geldes erhoben. Die 
Nemesis der Weltgeschichte zeigte fick hierin reckt deutlich. 
ES war Jakob, dcr sein Geburisrechr an Esau für ein Ge 
richt Linsen verhandelte. Die Juden gaben ihre» Anspruch 
auf das Vaterland lür Geld hin, und das Volk ging diesen 
unkanfmännischen, unsttrlichen Tausch ein. Denn er war 
beides; Geld ist kein Aequivaleiit für das Vaterland, so 
wenig wie das Vaterland als Tauschwaare zu behandeln 
ist. Das Geld ist der Gegeniatz des Vaterlandes. Dieses 
giebt das Beste und macht das Gemeine entbehrlich, das 
Geld vergöttert das Gemeine und macht das Göttliche 
uberflüisig. Auf dem Bode» des Vaterlandes allein wird 
dre Idee zur That, ohne Vaterland giebt es nur Geister, 
Kosmopoliten oder sonstige Utoxier — wenn nicht Geld 
die Stelle desselben vertritt. Wenn ei» Banquier von 
einem reichen Künstler sagt: „er t(fc ein großer Maier, 
aber er bar eS Gottlob nickt nöthig", so drückt er voll 
kommen diese Wahrheit aus. 
Wurden die Juden dadurck, daß kein Vaterland st/ und 
sie kein Vaterland anerkannten, z» Repräsentanten deS 
Geldes, io tritt dieses fick gegenseitig bedingende Ver 
hältniß des Geldes zum Vaterlandein »euerer Zeit wiederum 
in entgegengesetzter Weise auf. Iemehr die vaterländische 
Idee bei den Juden Eingang gewinnt, desto entschiedener 
treten sie von dem Pseudovarcrlande dcr Geldrepräsentattou 
ab. In Amerika, dem erste» neuen Vaterlande der Juden, 
bildeten sie nie die Geldmackt. Ja, setidem Deutichland 
nur fchvii stieivacerlich seine Sohne jüdischer Abstammung 
behandelt, tritt auch bei uns diese Erscheinung hervor; 
oder har die vaterländische Gesinnung nickt die BanquierS- 
söhue der Baruck und Mendelssohn, einen Börne und 
Barlholdy, vou dem Geldmärkte entfernt? 
So giebt es entschieden beute schon keine jüdische 
Geldmacht mebr, „der Rothschild und sein Cbrlstenbrubcr 
Baring", wie Lord Byron singt, haben der eine so wenig 
mit der Judenfrage, wie der andere mit dem Cliristcnlhume 
zu schaffen. ES ist die Geldmacht, die heute die Juden 
civiUsirrer Staaten nickt weniger als die Nicktjuden drückt, 
gleichviel ob der zufällige Repräsentant derselben in das- 
eine oder andere Glaubcnsrcgister eingetragen ist. 
„Der jüdische Millionär" ist häufig iogar der Gegner 
der Judensache, die Versöhnung nur dem Volke will. Er 
hält sich für emancipirt genug, der Disconrvmarkc ist sein 
Vaterland, wo DiScvnto hoch steht, ubi bone, da ist (ein 
Vaterland ibi patria. Dies ist seine politische Emancipation, 
seine jvciale Emancipation ruht auf noch lockerem Boden, 
sie beruht nur auf dem Verhältnisse der gegenseitigen 
Achtung, die zwischen Parasiten und Patronen stattfindet. 
Jener muß nolhgevrungen ein Christ sein, denn der Patron 
ist der Shplvk, der durchaus Christenfleisch kosten will. 
Die Sache des „jüdischen Millionaire" ist himmelweit 
von d-r Sacke der Juden getrennt, welche letztere reine 
Vvlkssacke ist; nur als solcher steht ihr ein naher Sieg 
bevor. Iemehr der Jude sich mit dem Volke amalgamirr, 
jemehr er leine Arbeitsweise theilt, d. h. jcmehr er 
Vv.lk wird, deüvmebr wird der Widerwille, den die Geld 
macht erregt, ein Widerwille, der ihn heute noch ungerewrer- 
weise drückt, schwinden. Dann wird der Jude nicht mehr 
als Fremder ohne ©astfreibett und als Einheimischer ohne 
Vaterland wohnen. DaS Geld der Juden wird so wenig 
in der Einbildung wie in der Wirklichkeit das Volk drücken; 
und unter den Juden selbst wird die seltene Erscheinung 
des modernen Sbylvks, des „lüdischen MiUionairs" weder 
dort Haß noch hier Widerwillen erregen. R. R. 
(Aus dem „Phönix".) 
Dertliches. 
—O— 
Rendsbu'rger Bürgerverern. 
In der am 2ten Januar im Dülfertsche» Saale 
abgehaltene» öffentlichen Versammlung, welche Namens 
der Convocanten der Consul Zerssen eröffnete und 
leitete, wurde zuvörderst das Programm, worauf sich 
die Versammlung constitulren sollte, vorgelesen und 
zur Discussion verstellt. Nachdem die Anwesenden sich 
über das jährliche Contingent geeinigt hatten, wurde 
zur Unterschrift geschritten und als die Naiucnsliste laut 
verlesen worden, der Bürgerverein mit 131 Mitgliedern 
für constituirt erklärt, und ihm ein Lebehoch gebracht. 
Schließlich ist ein aus den Unterzeichneten bestehender 
Ausschuß gewählt / und ihm zur Aufgabe gemacht, 
die Statu ten auszuarbeiten, und der binnen 14Tagen 
zu berufenden Generalversammlung sämmtlicher Mit. 
glieder des Vereins zur Discussion und Genehmigung 
vorzulegen. Das genehmigte Programm lautet folgen* 
dermaaßen: 
„Der Zweck des Bürgervcreins ist, in Ueberein 
stimmung mit seinem Namen, eine Vereinigung deS 
Bürgerthums dieser Stadt im weiter» Sinne ins Lebe» 
zu führen. 
Diese Vereinigung wird sich zunächst in geselliger 
Weise darstellen, so daß wöchentliche allgemeine Zu 
sammenkünfte vorzugsweise als Träger derselben dienen 
werden. Außerdem wird daS Local täglich de» Mit 
gliedern offen stehen. 
Dem höheren Interesse des Vereins wird durch 
Errichtung eines ans Zeitungen und Büchern bestehen 
den Lesezimmers und durch möglichst oft zu haltende 
Vorträge über Gegenstände von allgemeinem Interesse 
Rechnung getragen werden. 
Die Kosten einer solchen Organisation sind minde 
stens auf MC Mark Cour, veranschlagt, was, eine 
vorläufige Zahl von 80 bis ICC Mitgliedern voraus- 
gesetzt, die Zahlung eines Contingents von 2 Rthlr. 
Cour., welches vierteljährig im Voraus mit 24 Schill. 
Courant zu entrichten, und dessen Erhöhung bis zu 
2 Rthlr. 24 Schill. Cour, von dem provisorischen Aus 
schuß sofort bei der ersten Generalversammlung bean 
tragt werden kann, erforderlich macht, da auch auf
	        
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