Full text: Newspaper volume (1848)

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«onnadend fite Kämmte. Paffende 
Beiteäje rotefcen unter der «etrļch- 
»ung: „Sin Me Redaction de« 
Wochenblattes in Rendsburg", ent» 
«egengenommen, wenn solche nicht 
direete abgeliefert «erden lernten.— 
Antelligen, • Anzeigen «erden bi» 
Donnerstag» spätesten« Mittag« sj 
Ihr erbeten. 
Königlich- 
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privilegirtes 
Dir Preis dieses Blatter ist für Z«- 
teressenten. denen es hier am Ort 
ingebracht wird» Vierteljährlich 19 ßl. 
und wenn es von der Expedition ab 
geholt wird, 17 ßl. Für Auswärtige, 
welche Bestellungen bei den Postäm 
tern machen können, ist der Preis 
vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. — Kün 
digungen werden 14 Tage vor Ablauf 
eines Quartals erbeten. 
Blatt. 
Jahrgang. 
M LS 
Sonnabend, den 25. März. 
L848. 
Tngesgefchichte. 
Deutfcllland. Ueber die in Oesterreich aus 
gebrochene Nevolution kiillehneli wir de» TageSblättern 
folgende Thatsachen. Wien, vom 13. März. Der 
heulige Tag,ist der wichtigste in der neuesten 
Geschichte Oesterreichs. Nachdem die Bürger und 
Studenten den Skändesaal gestürmt und Alles zerirüm. 
wert hallen, hob der Marschall die Sitzung auf und 
die Landstände schritten Arm in Arm, den Grafen 
Montecuculi an der Spitze, mulhig auf das Grenadier- 
Detaschement loS, das den Zugang der Hofburg ans 
Seiten deS Michaelerplatzes sperrte. Ein Jubelgeschrei 
empfing die cntschloffene Schaar, der die Soldaten An 
fangs den Eintritt ivehreii wollten, doch bald gab der 
Platzcommandaiit, Generalmajor Metaufchek, nach uild 
di, Stände gelangten um 1 Uhr Mittags in die Ge. 
mäch er des Kaisers. Man begehrte vor Allem die 
Entfernung Metternichs, der mit dem allgemeinen 
Haffe beladen ist. 
— Vom 14. Mär;. Die Kaiserstadt bietet seit 
gestern Morgen ein Bild deS Schreckens dar. Eine 
waffenlose, ungeheure Menge drängte sich gegen raS 
Landhaus, um mit wildem Geschrei die Adressen der 
verschiedenen Corporationeii zu unterstützen. Die Stänke 
konnten sich llicht berathen, und entschlossen sich, in 
corpore nach der Burg, welche im buchstäblichen 
Sinne den ganzen Tag von einer tobenden Menge, mit 
dem Geschrei: „Nieder mit Metternich!" belagert wurde, 
zu ziehen. Nach langer Berathung mit der SlaaiS. 
conserenz, wo Fürst Metternich da« „System" noch 
zu vertheidigen bemüht war, wurde die Deputation 
mit tröstlichen Zusicherungen entlassen. Allein das ge 
nügte der Menge nicht, und die Wuth gegen Metternich, 
der daS sonst glückliche Oesterreich den vollen Becher 
deS JanimerS ausleeren lasse» wollte, steigerte sich in 
solchem Grade, daß sich die Bürger Behufs seiner Ent 
fernung entschlossen, einen letzten Versuch beim Kaiser 
zu machen. Abends 0 Uhr begaben sich dieselben in 
die Burg. Hier trat ihnen Fürst Metternich aus dem 
Appartement deS Kaiser« entgegen und rief: .Ich habe 
so eben meine Entlassung in die Hände Sr. Maj. 
niedergelegt." Die Bürger dankten ihm, daß er durch 
diesen Schritt da« Vaterland gerettet habe. — Leider 
ereigneten sich während deS gestrigen TageS schaudcrvollc 
Scenen. Es wurde wegen Provocation gegen den Erz. 
herzog Albrecht von Seilen des wüthenden Pöbels, der 
von Studenten, welche nicht im Stande ivareii, Ei», 
halt zu thu», geleitet wurde, von MilitairS an mehren 
Plätzen der innern Siadk Feuer gegeben, und es sind 
gegen 1<> Waffenlose getödiet und Viele verwundet 
worden. Nachis war die Stadt aus Rücksichten der 
öffentlichen Sicherheit erleuchtet. Heute sind Proclama. 
tionen erschienen, welche daS Volk zu besänftige» suchen, 
allein wir glauben, daß wir erst am Anfange reS Endes 
sind. Die Bestürzung ist gränzenlos. Man ist ent- 
rüstet über den Fürsten Metternich, der die gutmüthigen 
Wiener zu den äußersten Schritten i, der Verzweiflung 
trieb und so wenig Schonung hatte, daß er dieîaļserl. 
Familie in diese bedauerliche Lage versetzte. Möge der 
Himmel Alles zum Besten lenke». — Aus Prag und 
Grätz laufen so eben sehr beunruhigende Berichte ei». 
— Der Fürst Metternich ist »ach dem Rhein ge. 
flüchtet, desgleichen seine Gemahlin »ach Schlesien. 
Die bewaffnete Bürgergarde zählt bereits 40,000 Mann; 
die Burg ist zur Hälfte mit Militair und zur Hälfte 
mit Bürgergardisten besetzt. DaS italienische Regiment 
Polumbini hat sich j!» feuern geweigert. Man erzählt 
sich, dast, der Kaiser sofort alle Forderungen durch seine 
Unterschrift zu erfüllen versprochen. Ein kaiserliches 
HandbiUet mit der Bewilligung der Preßfreiheit circu. 
lirt bereits in der Stadt. — Demnach, bemerkt die 
-î P. Z.", ist Oesterreich auch in die Bahn der Re. 
formbewegung eingetreten, rer es sich lange verschlossen 
hatte. Hoffe» wir, daß dadurch sein Verhältniß zum 
übrige» Deutschland und vorzugsweise zu Preußen, daS 
diesen Weg längst betreten hat und auf ihm consequent 
fortzuschreiten gedenkt, ein innigeres werde, daß nun» 
mehr beide deutsche Großmächte, im Verein mit ihre» 
deutschen Bundesgeiivssen, mit um so'glücklicherem Er 
folge für die Umgestaltung Deutschlands zu einem kräf- 
lige». von dem nationalen Bewußtsein getragenen Staate 
zu wirke» befähigt sei» mögen! 
— Vom 15. März. Abends 5 Uhr. So eben 
ist hier folgende kaiserliche Bekanntmachung erschienen: 
„Wir Ferdinand der Erste re. habe» nunmehr solche 
Verfügungen getroffen, die wir als zur Erfüllung der 
Wünsche unserer treuen Völker erforderlich erkannten. — 
Die Preßfreiheit ist durch meine Erklärung der Auf. 
Hebung der Censur i» derselben Weise gewährt, wie in 
allen Staaten, wo sie besteht. — Eine Naiionalgarde, 
errichtet auf den Grundlagen »eS Besitzes und der In- 
iklligenz, leistet bereits die ersprießlichste» Dienste. — 
Wegen Einberufung von Abgeordneten alter Provinzial. 
Stände und der Central.Congregaiionk» deS lombardisch, 
venetianischen Königreiches in der möglichst kürzesten 
Frist mit verstärkter Berlrelung des BürgcrstandeS und 
unter Berücksichtigung der bestehenden Provinzial-Ver. 
faffungen zum Behufe der von u»S beschlossenen Co», 
stitukion des Vaterlandes ist das Nöthige verfügt. — 
Sonach erwarten wir mit Zuversicht, daß die Gemüther 
sich beruhigen, die Studien ivieder ihren geregelten Fort, 
gang nebnien, die Getverbe und der friedliche Verkehr 
sich wieder beleben werde». — Dieser Hoffnung ver. 
trauen wir um so mehr, als wir »ns heute in Eurer 
Milte mit Rührung überzeugt haben, daß die Treue 
und Anhänglichkeit, die Ihr seit Jahrhunderten unseren 
Vorfahren unuiiierbroche», und auch unS bei jeder 
Gelegenbeik bewiesen habt, Eltch noch jetzt wie von jeher 
beseelt. — Gegeben in unserer kaiserlichen Haupt, und 
Residenzstadt Wie», den 15. März 1848. 
Ferdinand. 
— Vom 17. März. Heute, um 2 Uhr Nach, 
mittags, fand die feierliche Ueberlraguiig der am 13. 
d. M. im Kampfe Gefallenen vom k. k. Krankenhause 
in den Währitiger Friedhof statt. Dr. Skode hat die 
27 Leichen ein balsam ireii lassen, damit das Volk sie in 
offenen Särgen sehe» kann. Sämmtliche Siudirende 
der Hochschule bewaffnet »uv mit Trauerflören, ebenso 
die 20,000 Mann starke Naiionalgarde begleiteten de» 
Zug, in welchem mindestens 700 Fahnen, alle umflort, 
getragen wurden. Eine unabsehbare Reihe Damen i» 
tiefer Trauer hatten sich denselben angeschlossen und iu 
Vieler Äugen perlten Thränen der Freude und der Trauer; 
es wurden viele passende Reden gehalten. Man bead, 
sichtigt den edlen FreiheitSvpfern ein öffentliches Denk, 
mal zu errichten und schon werden Concerte und Thea 
tervorstellungen angekündigt, deren Ertrag zu diesem 
Zwecke bestimmt ist. — Morgen soll in der Hauptstadt 
eine öffentliche allgemeine Feier der Constitution statte 
finden. Der gegenseitige, freie Verkehr zwischen de» 
Erbstaaten und Ungarn hak begonnen, da der Kaiser 
genöthigt war, wen» er nicht Ungar» verliere» wollte, 
alle Forderungen der Ungarn zu bewilligen. Die Wiener 
Polizei-Bureaus, so wie die uniformirlen Polizeibeamten 
überhaupt sind verschwunden, man har nur mit Be- 
amten in Civilkleidern und mit bewaffnete» Bürgern 
zu thun, ivelchc de» Sicherheitsdienst verrichte». Der 
allgemeine Haß gegen Metternich und sei» System macht 
sich in Pasquillen an allen Straßenecken Lust; ein Galgen 
mir dem Bilde Metternichs sah man gestern noch. — 
Die Kaiserstadt glänzt alle Nacht in einem Feuermeer 
der prachtvollste» Illumination. Die provisorische Com- 
mitlee deS BürgerstandcS hält ihre Sitzungen mit den 
Landstände» offen, und der erste verhaftete Repräsentant 
der Hauvistadt, Bürgermeister Czapka, hat sich heute 
Nacht flüchtig gemacht. Der Erzh. Ludwig' arbeitet 
noch an der Seile deS Kaisers und der Erzherzog Franz 
Emil, dessen Gemahlin Sofie, als erste Vertreterin dcä 
Nkformsystems gegen Metternich, vergöttert wird, hat 
olle» Einfluß gewonnen. — AIS Sterne erster Größe 
glänze» bei dieser Umwandlung der Politik, der Slaals- 
ralh Graf Kollowrat, Kanzler PillerSdors und 
der Präsident der Stände Montecuculi. — Alle 
Geschäfte habe» heule wieder ihren geregelte» Anfang 
genommen. 
Berlin. Auch dort ist die Revolution am 
18. März auSgebrochen, über welche der Corres- 
pondent. der H. W. Nachrichten folgenden Bericht ent 
hält: ,,AHr leiht mir Worte, um Ihnen das Elend zu 
beschreibest, welches über unsere Stadt gekommen ist? 
Wie wird es mir gelingen, schon jetzt die Ruhe der 
Seele zu gewinnen, welche nöthig ist, um sich Linderen 
mitten in einem gräßlichen Unglücke mitzutheilen? Doch 
hören Sie! Sie wissen bereits, daß es am Freitag den 
wohlmeinende» Bemühungen der Bürger und Studenten 
gelungen war. die meist durch Arbeitslosigkeit genährte 
Aufregung zu beschwichtigen. Die Massen hatte» sich 
"zerstreut und mau erfreute sich am ander» Morgen deS 
herrlichen Frühlingstages, in dem bestimmten Bewußt 
sein, daß der König das so schnell gelungene Werk der 
Versöhnung durch die verlangte» Zugestäiiduiffe krönen 
werde. Um 2 Uhr bricht die Freude in helle Flammen 
aus, den» Maneraiischlägc verkünden, daß die städtischen 
Behörde» ermächtigt seien, zu erklären: es werde nun 
unwiderruflich und bald ein auf den freieste» Grund- 
lagen beruhendes PreßfreiheitSgefetz erscheinen und 
der Landtag schon am 4. April in Berlin zusammen, 
kommen. Die dringeiidsten Wünsche waren nun be. 
friedigt. Konnte man doch nun frei und unumwunden 
seine Gedanken der ganzen Welk mittheilen und beson. 
dcrö die Interessen jener darbende» Arbeiter auf die 
kräftigste Weise vcrtreie»! Im Uebrigen vertraute man 
dem Landtag, daß er als das verfassungsmäßige Organ 
des Volkes die Bedürfnisse desselben aufdecke» und das 
Wohl deS Vaterlandes mit aller Entschiedenheit fördern 
würde. Jubelnd zog man deshalb vor das Schloß, 
schwenkte Hüte und Tücher »nd dankte dem Könige 
durch ni'chd endenden Zuruf. AIs nun derselbe gar auf 
dem Balcone erschien und dann selbst unter die Menge 
trat, mit der Versicherung: eS solle Alles gewährt 
werde», da erreichte die Freude ihren höchsten Grad und 
laut verlangte man, daß auch der letzte Rest des Miß 
trauens schwinden, nämlich das im Schloßhof zahlreich 
aufgestellte Militair zurückgezogen werden soll. In der 
Thal trat dasselbe auS den Portalen heraus, ein Regt- 
ment Dragoner schwenkte »ach seinem Quartiere zu. 
Aber, o unglückseliges Verhängniß! war cs Zufall oder 
Absicht, es entluden sich zwei Gewehre. Im nächsten 
Augenblick haben die Dragoner Kehrt geniacht und 
haue» auf die Menge ein. Ein Schrei der Entrüstung 
ergreift die ganze Versammlung und in wilder Hast und 
ivuthenlbrannt stürzt man sich durch die Straßen. 
Ukberall tönt es: wir sind verrathen! die Dächer abge. 
deckt, Brücken aufgezogen. Barricade» gebaut, Steine 
herbei, zu den Waffe», zu den Waffen!! Die gesetztesten 
Bürger rufen nach Rache und händeringend laufen die 
Frauen auf den Straßen umher. — Alle Kräfte der 
Phantasie würden nicht ausreichen, diesen Anblick zu 
schildern. Die Revolution war nusge 
brochen, das wurde einem Jeden klar. In alle» 
Theilen der Stadl entstand eine Rührigkeit zum Wider, 
stände, wie man sie hier noch nicht kannte. Fiaker, 
Postkutschen, Brauerwage», selbst Schiffer.Boote wur- 
den herbeigeholt, um Barricade:, zu errichte»; die Wacht 
posten überfallen, uni ihnen die Gewehre zu entreißen, 
kurz alle Vorbereitungen zum hartnäckigsten Widerstande 
getroffen. Die Sludenten übernahmen, so weit ihre 
Zahl hinreichte, die Leitung. Schon um 4 Uhr erlebten 
wir alle Gräuel des furchtbarste» Bürgerkrieges. DaS 
Volk zeigte eine heldenmüthige Tapferkeit, hatte aber, 
weil cs einer gcorvneten und imposanten Heeresmacht 
gegenüber nur wenig Waffen aufbieten konnte, keines. 
wegS die vorlhcilhafteste Stellung. Zwar feuerte man 
auf seiner Seite von Fenstern und Dächern auf die 
anstürmende» Truppen; allein alle Bemühungen waren 
vergeblich, wenn die lange» und geraden Straßen von 
der Artillerie mit Kartätschen bestrichen wurden. Den 
noch dauerte der Kampf mit steigender Heftigkeit in 
allen Gegenden der Stadt bis Mitternacht. Zehn 
Stunden lang hatte er also gewülhet, bevor Ermüdung 
die Kämpfende» vereinzelte. Doch hörte er keineswegs 
ganz auf, und jetzt (um 10 Uhr) scheint er von Neuem 
in seiner alten Stärke zu entbrennen. Schon sind di- 
Kanonen wieder in Thätigkeit. Wann wird man diese»
	        
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