Full text: Newspaper volume (1848)

Têgesgeşchichte. 
—o— 
Deutschland. Heidelberg, vom 5. März. 
Heule waren hier 51 Männer versammelt auê Preuße», 
Baiern, Würtembcrg, Bade», Hessen, Nassau und 
Frankfurt, fast alle Mitglieder von Stäudekammer», um 
in diesem Augenblicke der Entscheidung über die drin 
gendsten Maaßregeln für daê Vaterland sich zu bespreche». 
Einmüthig entschlossen in der Hingebung für Freiheit, 
Einheit, Selbstständigkeit und Ehre der deutschen Nation, 
sprachen Alle die Ueberzeugung aus. daß die Herstellung 
und Vertheidigung dieser höchsten Güter im Zusammen 
wirken aller deutschen Volksstänime mit ihren Regie, 
rungen — so lange aus diesem Wege Rettung »och 
möglich ist ■— erstrebt werden müsse. Einmüthig nicht 
minder war der tiefe Atiövruck des Schmerzes, daß die 
traurigsten'Erfahrungen über die Wirksamkeit der deut 
schen Behörde das Vertraue» zu derselben so sehr er 
schüttert haben, daß eine Ansprache der Bürger an sie 
die schlimmste» Mißkläuge hervorrufe» ivürde. Ties 
betrübend in einem Augenblicke, >ro tiefe- Behörde sich 
auf die traurigen Erfahrungen der Geschichte beruft 
utid mit schönen Worten von der hohen Stellt,ng spricht, 
ivelche die Nation unter den Völkern einzunehmen be 
rufen ist, wo sie jeden Deutschen zu vertrauensvolle,» 
Mitwirke» auffordert — lief betrübend in diesem Äugen, 
blicke ist die Erinnerung, daß sie selbst den Deutsche» 
verboten hat, Vorstellungen au sie zu richten. Die Ver- 
sannurllkii sprachen ihre Ueberzeugung von dem, was 
das Vaterland dringend bedarf, einstimmig dahin aus: 
Deutichland darf nicht durch Dazwischenkunft in die 
Angelegenheiten des Nachbarlandes oder durch die Nicht- 
aucrkeuuuug der dort eingetretenen Staatsveränderung 
in Krieg verwickelt werden. Die Deutschen dürfen nicht 
veranlaßt iverden, die Freiheit und Selbstständigkeit, 
welche sie als ihr Recht für sich selbst fordern, anderen 
Nationen zu schinälern oder zu rauben. Die Verthei 
digung der Deutschen und ihrer Fürsten darf bauplsäch. 
lich nur in der Treue und dem bewährte» Kriegs,uuih 
der Nation, nie in einem russischen Bündnisse gesucht 
werden. Die Versammlung einer in alle» deutschen 
Landen nach der Volkszahl gewählten Nationalvertretuug 
ist unaufschiebbar, sowohl zur Beseitigung der nächsten 
innern und äußeren Gefahren, wie zur Entwicklung der 
Kraft und Blüthe deutschen Nativnallebens. Uni zur 
schleunigsten und möglichst vollständigen Vertretung der 
Nation das Ihrige beizutragen, habe» die Versammelte» 
beschlossen: Ihre betreffenden Regierungen auf das drin 
gendste anzugehen, so bald und so vollständig als nur 
initiier möglich ist, das gesammle deutsche Vaterland 
und die Throne mit diese,» kräftigen Schutzwalle zu 
umgeben. Zugleich haben sie verabredet, dahin zii 
wirken, daß baldmöglichst eine vollständigere Versamm 
lung von Männern deS Vertrauens aller deutschen 
Volksstänime zusammentrete, um diese wichtigste Ange 
legenheit weiter z» berathen und dem Vaterlaude wie 
den Regierungen ihre Mitwirkung anzubieten. Zu deni 
Ende wurden sieben Mitglieder ersucht, hinsichtlich rer 
Wahl und der Einrichtungen einer angemessenen Nalio- 
nalverlretung Vorschläge vorzubereilcn und die Einla- 
dung zu einer Versaminluug deutscher Männer schleunigst 
zu besorgen. Eine Hauptaufgabe der Nalionalveriretung 
wird jedenfalls die Gemeinschaftlichkeit der Veriheidi. 
gung und der Vertretung nach Außen sein, wodurch 
große Geldmittel für andere wuchtige Bedürfnisse erspart 
werden, während zugleich die Besonderheit und ange- 
niessene Selbstverwaltung der einzelnen Länder bestehen 
bleibt. Bei besonnenem treuen und mannhaften Zu 
sammenwirken aller Deutschen darf das Vaterland hoffen, 
auch in der schwierigsten Lage Freiheit, Einheit und 
Ordnung zu erringen und zu bewahre», und die Zeik 
riuer kaum geahnten Blüthe und Macht freudig ru be 
grüßen. * 
Großherzogthum Hessen. Der Erbgroßherzog 
r-Udwig »on Hessen und bei Rhein ist von seinem Vater 
zum Mitregenten ernannt und hat, nachdein das alte 
Ministerinn, abgetreten und Hr. v. Ga gern zum ersten 
Minister ernannt worden, unter», 6. d. M. folgende 
landesherrliche Verkündigung publicsrt, die in ganz 
Deutschland (und so auch bei uns) die freudigste Zu. 
st'muiung gefunden hat. „Ludwig von Gottes Gnaden. 
Erbgroßherzog und Miiregenk von Hessen und bei Rhein. 
Nachdem unser Hr. Vater, des GroßherzogS k. Hob., 
beschlossen haben, durch das Edict vom Gestrigen uns 
zum Mitregenten zu ernennen, — eine Anordnung, der 
wir uns in Betracht der durch das vorgerückte Alker 
unseres Herrn Vaicrs gegebenen Veranlassung mit 
Schmerz unterzogen haben, — ist (i ,,„s ein Bedürf. 
niß, unserm Volke den Dank für die treue Liebe, welche 
cs bisher unserm Hause bewährt hat, zu verkünde» 
und die Zuversicht auszusprccheu, daß uns diese Liebe 
und das Vertrauen in unsere wohlwollenden Absichten 
werden bewahrt bleiben. Was zur Gewähr politischer 
und bürgerlicher Freiheit gehört, soll unserm Volke 
nicht vorenthalten bleiben. Wir zählen auf die ver. 
fassungsmäßige Mitwirkung und Unterstützung unserer 
Stände bei Leitung der Landesangelegenheiien, und wir 
finden darin eine Gewähr des Vertrauens des Volkes. 
Die Presse ist frei, die Censur hiermit aufgehoben. Wir 
werden den Ständen eine allgemeine Volksbewaffnung 
in Vorschlag bringen lasse». Das Militair wird aus 
die Verfassung sofort beeidigt werden. Wir werde» 
den Ständen unverzüglich eine» Gesetzentwurf ans Auf. 
Hebung des Artikels 81 der Versassungsnrkunde vorlegen 
lassen, damit das Petitionsrecht und das Recht der 
Volksversammlungen frei ausgeübt werden können. Die 
freie Ausübung aller religiösen Culte ist gestattet. — 
Die Bundesverfassung Hai die gerechten Forderungen 
des deutschen Volkes auf nationale Geltung nicht be. 
friedigt, dabei haben wir die Ueberzeugung gewonnen, 
daß eine Natioualvertretung zur Vervollständigung der 
Organisation und zur Erstarkung Deutschlands wesent 
lich beitragen wird. Wir werde» uns nach Kräften 
bemühen, bei den mitverbündelen deutsche» Fürste» dieser 
Ueberzeugung Eingang zu verschaffen. Der Wunsch des 
Volkes, daß für ganz Deutschland ein Civil- und 
Strafgesetz und dieselben Formen des Verfahrens gellen 
möchten, theile» wir ganz und werde» in diesem Sinne 
wirken. Einstweilen lverden mir in Anerkennung des 
dringenden Bedürftiisses in den beiden diesseitigen Pro 
vinzen den Ständen alsbald Gesetzentivürft über ein 
neues, auf Mündlichkeit und Oeffentlichkcit gegründetes 
Civil- und Strafverfahren, verbunden mit Schwurge 
richten und Aufhebung der privilegirien Gerichtsstände 
vorlegen lassen. Der Provinz Rheinhessei, sind bis zur 
Einführung einer allgemeine» deutschen Gesetzgebung 
ihre Jnstiltiiione» und Gesetze garaiiiirk. Den Ständen 
wird ein Gesetzentwurf auf Zurücknahme des Polizei- 
strafgesetzeS unverzüglich vorgelegt werden. Wir habe» 
durch diese Zusage» die Bitte» bereitwillig gewährt, 
die in der gegenwärtige» kritische» Lage zu unserer 
Keuuttiiß gekommen sind, und stellen mit Vertraue» 
die öffentliche Ordnung unter den Schl,tz der Freiheit 
und der Bürger, welche sie liebe». — Urkundlich unserer 
eigenhändigen Unterschrift und des beigcdruckte» Siaais- 
siegels. — Darmstadt, den 6. März 1848. (L. 8.) 
Ludwig. Ter Minister des Jiiuern: H. Gagern. 
München, vom 5. März. Die gestrige Nacht 
ging über Erwarten ruhig vorüber. Die Bürgergarde 
zerstreute de» Pöbelhaufen. Heute Morgen, hieß es, 
nehme der König sei» Wort zurück: er wolle die Land- 
stände gar nicht einberufen. Um 12 Uhr große Bürger- 
versamnilung; um 1 Uhr Gcneralinarsch; um 2 Uhr 
von mehr als 2000 Haiidwerksburschen, Studenten ic. 
das Zeughaus erstürmt. I» drei großen Haufe» zogen 
sie, »ach den Waffen geordnet, mit Fahnen, Trommel» 
und Anführern gegen den Promeiiadcplatz auf tie Re 
sidenz. Diese war im Augenblicke mit großen Mililair- 
maffen besetzt, eine Balterie schivercs Geschütz gegen die 
Schwabingerstraße schiißfertig aufgestellt. Ganz inili- 
tairisch geordnet zogen die Aufständischen mit wüihen- 
dem Geschrei auf ten Dnltplatz. Eine Salve verküiidele, 
daß sie zum Angriffe fertig seien. An 2000 Bauern 
standen aus dem Maröfelde und warteten auf das erste 
Zeiche» mit der Sturmglocke. Der Fronte gegenüber 
stellte sich eine Abtheilung Cürässtere und Infanterie aus. 
Bald hörte man das Signal und das Raffeln der Ar- 
tillerle, Kaiioneii ivaren gegen das Volk gerichtet. Mil 
einem Male kam Prinz Karl mit seinem Adjutanten 
die Straße hiuaufgesprengt mitten unter die Maffe» 
und verkündete, daß alle Wünsche erfüllt würden. In 
zivöif Tagen sollten die Stände einberufen werden, mit 
ganz freier Wahl. Die Anführer schrien: „Wer steht 
uns dafür?" .ES ist teS Königs Won." „Wir sind 
schon einmal angelogen worden!" .Von wem!" „Von 
Ludwig!" „Ich gebe euch mein fürstliches Wort: in 
wenigen Augenblicken soll der Befehl des Königs an 
allen Ecken angeschlagen sein! Gebt euch zufrieden und 
geht aus einander." Ein Vivat. Die geordneten 
Reihe», 1500 — 2000 Mann, zogen ins Zeughaus 
zurück, um die Waffe» wieder abzuliefern. Tausend mit 
Flinten und Säbeln, Andere mit Hellebarden und großen 
Flammbergen, die Studenten mit Schlägern und Stutzen 
bewaffnet, stellte» sich bei dem Zeughause auf, feuerte» 
ihre Gewehre ab und legten die Waffen dort nieder. 
Nürnberg, vom 7. März. In München ist am 
6. nachstehende k. Proclamation erschienen, welche 
außer sofortiger gänzlicher Aufhebung d er Cen su r 
und unverzüglicher Beeidigung des Militairs 
auf die Verfassung, eine Reihe von Zusagen der 
wichtigste» Garantie» für die bürgerliche Freiheit ge 
währt. Diese Proclamation ist heute Morgen durch 
eigene Mission an den Hr». I. Bürgermeister Dr. Binder 
hieselbst gelangt und sofort öffentlich angeschlagen worden. 
Königliche Proclamation. Ich habe mich ent. 
schlossen, die Stände meiiies Reiches um mich zu ver. 
sammelnj dieselben sind auf den 16. t. M. in die 
Hauptstadt berufen. Die Wünsche meines Volkes haben 
in meinem Herzen jederzeit vollen WiederhaU gefunden. 
An die Stände deS gleiches werden ungesäumt Gesetzes 
vorlagen gelangen, unter andern über die verfassungs. 
mäßige Verantwortlichkeit der Minister; über vollstä». 
dige Preßfreiheit; über Verbesserung der Stände-Wahl- 
ordnuiig; über Einführung der Oeffentlichkcit und Münd- 
lichkeir in die Rechtspflege mit Schwurgerichte»; über 
die in der IX. Verfassungsbeilage angedeutete umfassen 
dere Fürsorge für die Staatsdiener und deren Relieten; 
dann deren Ausdehnung aus die übrigen Angestellte» 
des Staates; über Verbesserung der Verhältnisse der 
Israelite». Ferner ordne ich in diesem Augenblicke die 
schleunige Abfassung eines Polizei.Gefttzbitchcs an; 
eben so befehle ich die unverzügliche Beeidigung meineo 
Heeres auf die Verfassung, und lasse ich von heute an 
die Censur über äußere wie innere Angelegenheiten 
außer Anwendung treten. Baiern erkennt in diesem 
Entschlüsse die aiigestamnile Gesinnung der Wittelsbacher. 
— Ein großer Augenblick ist in der Entwicklung der 
Staaten eingetreten. Ernst ist die Lage Deutschlands. 
Wie ich für die deutsche Sache denke und fühle, davon 
zeugt mein ganzes Leben. Deutschlands Einheit durch 
wirksame Maaßiiahmei, zu stärken, dem Mittelpuncte 
des vereinten Vaterlandes neue Kraft und nationale 
Bedeutsamkeit mit einer Verireiiing der deutschen Nation 
am Bunde zu sichern, und zu dein Ende die schleunige 
Revision der Bundesverfassung in Gemäßheit der ge 
rechten Erwartungen Deutschlands herbeizuführen, wird 
mir ein theuerer Gedanke, wird Ziel meines Sirebens 
bleibe». — Baierns König ist stolz darauf, ein deut 
scher Mann zu sein. — Baiern! Euer Vertrauen wird 
erwiedert, es wird gerechtfertigt werden! Schaaret Euch 
um den Thron. Mit Eurem Herrscher vereint, ver. 
treten durch Eure verfassungsmäßigen Organe, lasser 
lins erwägen, ivaS uns, was dem gemeinsamen Vater- 
lande Noth thut Alles für mein Volk! Alles für 
Deutschland! München, den 6. März 1848. Ludwig. 
Mari in ilia II, Kronprinz. Luitpold, Prinz von 
Baiern. 'Adalbert, Prinz von Baiern. Karl, Prinz 
von Baiern. Fürst v» Oettingen-Wallerstein. v. Beisler. 
v. Heres. v. d. Mark. v. Voltz. 
Der Jubel in unserer Siadt kennt keine Gränzen. 
Berlin, vom 8. März. Allgemeiner Jubel herrscht 
in unserer Stadl; durch einen Erlaß des Königs, hat 
Preußen die Preßfreiheit erhalten. Die Veröffentli 
chung des diesfäUigen Gesetzes steht binnen Kurzem zu 
erwarten. — Eine zweite Bewilligung, welche heute 
Bvv diesem Blatte erscheint jede« 
Sonnabend eine Nummer. Paffende 
Beiträge werden unter der Bezeich 
nung: „An die Redaction de» 
Wochenblattes in Rendsburg", ent 
gegengenommen, wenn solche nicht 
dircete abgeliefert werden können.— 
Intelligenz * Anzeigen werden bi« 
Donnerstags spätestens Mittag» 12 
Uhr erbeten. 
Königlich- 
41 ster 
privileges 
Jahrgang. 
£>tr Pret« diescļBlattc- Ist für In. 
teressenken, denen ei hier am Orte 
,»gebracht wird, dierteNährlick 18 fl. 
and wenn cs von der Expedition ab- 
gcholtwird, 17 hl. Für Auswärtige, 
welche Bestellungen bei den Postäin-, 
tern macken können, ist der Preis 
vierteljährlich 1 Mark 4 ft. — Kün 
digungen werden 14 Tage vorAblaus 
eines Quartals erbeten.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.