Full text: Newspaper volume (1848)

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Jahrgang. 
M IO. 
Sonnabend, den 11. März. 
Offrcicllcr Artikel. 
„ Der deutsche Bundestag, als das gesetzliche Or 
gan" der nationale» und politische» Einheit Deutschlands, 
wendet sich vertrauensvoll an die deutschen Regierungen 
und das deutsche Volk. 
Versassungt'inäßig berufen, für die Erhaltung der 
innern und äußern Sicherheit Deutschlands zu sorgen, 
spricht der Bundestag seine Ueberzeugung dahin aus, 
daß beide nur ungefährdet bleiben können, wenn in 
allen deutschen Landen das einmüihigste Zusammen, 
wirken der Regierungen und Völker und die innigste 
Eintracht unter allen deutschen Stämme» mit gewisse». 
Hafter Treue erhalten ivcrdcii! 
Nur auf dieser Eintracht und diesem Zusammen, 
wirken beruht die Macht und die Unverletzlichkeit Deutsch 
lands nach Außen und die Aufrechihaliung der gesrtz. 
lichen Ordnung und Ruhe, so wie die Sicherheit der 
Personen und des Eigenthums im Innern. Die Ge 
schichte Deutschlands giebt die Belege hiez», so wie die 
bittern Lehren über die traurigen Folgen, wenn Zwie. 
tracht zwischen de» Regierungen und Völkern und den 
einzelne» Stämme» die Kräfte der deutschen Nation 
zersplittert und schwächt und ihr Inneres zerreißt. 
Mögen diese theuer erkauften Erfahrungen i» der be 
wegten Gegenwart unvergessen sein uiiu während der 
stürmischen Zukunft benutzi werden, die möglicherweise 
Deutschland nicht ferne steht. 
Der deutsche Bundestag fordert daher alle Deutsche», 
denen das Wohl Deutschlands am Herze» liegt — und 
andere Deutsche giebt es nicht — im Namen des ge 
summten Vaterlandes dringend auf, es möge ein Jeder 
i» seinem Kreise nach Kräfte» dahin wirken, daß diese 
Eintracht erhalten und die gesetzliche Ordnung nirgends 
verletzt werde. 
Der Bundestag wird von seinem Slandpnncte auS 
stilles aufbieten, um gleich eifrig für die Sicherheit 
Deutschlands nach Außen, so wie für die Förderung 
der nationalen Interesse» und res nationalen Lebens 
im Innern zu sorgen. 
Deutschland wird und muß auf die Stufe gehoben 
werden, die ihm unter den Nationen Europas gebührt, 
aber nur der Weg der Eintracht, des gesetzliche» Fort. 
schrikts und der einheitlichen Entwicklung führt dahin. 
Die Bundesversammlung vertraut mit voller Zu» 
vrrsichk aus den in de» schwierigsten Zeilen stets be 
währten gesetzliche» Sinn, auf die alte Treue und die 
reife Einsicht des deutschen Volkes. Frankfurt a. M.» 
den 1. März 1848. 
Dis deutsche Bundesversammlung und in deren Namen 
das Präsidium. Dönhoff. 
Mannheim, vom 27. Februar. I» dem Saale 
der stlula wurde heule eine Versammlung der bedeutend» 
sten Männer der liberalen Parlhei gehalten, um eine 
Petition au die zweite Kammer zu beschließen, welche 
derselbe» die Wünsche des Volkes in dem gegenwärtigen, 
verhängiiißschwcreu Momente vortragen soll. In der 
Versammlung gegenwärtig waren unter Andern die Ab 
geordneten v. Jtzstein, Basscrmann, Mathy, Sachs und 
v. Soiron. Der Antrag auf die Peulio» ging von 
dem Buchhändler Hoff aus und wurde von v. Struve, 
v. Soiron, Dr. Hammer n. A. unterstützt. Die Peti 
tion , wie sie von der Versammlung angenommen 
worden ist, lautet echo: „Hohe zweite Kammer! Peti 
tion vieler Bürger und Einwohner der Stadl Mann 
heim, betreffend die endliche Erfüllung der ge 
rechten Forderungen des Volkes. — Eine unge. 
heure Revolution hat Frankreich umgestaltet. Vielleicht 
'» wenigen Tagen stehen französische Heere sln unser» 
Gränzmarken, während Rußland die seinigen im Norde» 
znsainnienzicht re. Das deutsche Volk har das Recht 
z» verlangen Wohlstand, Bildung lind Freiheit für alle 
Klassen der Gesellschaft, ohne Unterschied der Geburt 
und des Standes. Die Zeit ist vorüber, die Mittel 
zu diesen Zwecken lange zu berathe». Was das Volk 
will, hat cS durch feine gesetzlichen Vertreter, durch die 
Presse und durch Petitionen deutlich genug ausgesprochen. 
Es werden dann folgende Petitionen gestellt: Ì) Volks 
bewaffnung mit freien Wahlen der Officierc. 2) Un. 
bedingte Preßfreiheit. 3) Schwurgerichte nach dem 
Vorbilde Englands. 4) Sofortige Herstellung eines 
deutschen Parlaments. Diese vier Forderungen sind so 
dringend, daß mit deren Erfüllung nicht länger gezögert 
werden kann und darf. Vertreter des Volks! Wir 
verlangen von Euch, daß Ihr diese Forderungen zu un. 
gesäumter Erfüllung bringt. Wir stehen für dieselben 
'»it Gut und Blut ein und mit uns, davon sind wir 
durchdrungen, das ganze deuische Volk. Mannheim, 
de» 27. Februar." (Folgen die Unterschriften.) — Die 
Deputation, lvclche diese Petition überbringt, sollte am 
1. März „ach Karlsruhe abgehe» und augenblickliche 
Gewährung der ausgesprochenen Gesuche verlangen. 
' Vom -1). Febr., Abends. So eben verbreitet 
das .Mannheimer Journal' j„ einem Evlra.Blatte 
folgendes Schreiben: .Karlsruhe, DienStag II Uhr. 
Eben erklärt StaatSrath Bekk in öffentlicher Sitzung, 
daß: 1) im Laufe nächster Woche die Censur aufhören, 
2) Bürgergardcn sogleich errichtet, 3) ein Gesetzentwurf 
über Geschworene ohne Verzug uns vorgelegt werden 
soll. —- Dieser große staalsmäünische Art verschmilzt 
alle Partheikii. Eine erhebende Einigung aller Mei 
nungen, aller Stände soll dem übrigen Deutschland 
zum Beweise dienen, daß mit der Freiheit die Ordnung 
>'m Bunde. Co ist heute für unser gemeinsames Vater, 
land ein großer Tag angebrochen. Die Kammer ver. 
traut auf das badische Volk, daß es seine große Auf 
gabe würdig löse» wird. ES wird sich durch Eiiilrachi 
in gesetzlicher Haltung der Freiheit würdig zeigen. Er 
öffnen sie diese frohe Volschafl der Gemeinbehörde. 
F. D. Basscrmann/ 
Karlsruhe. Die am I. März erlassene mit all. 
gemeinem Jubel aufgenommene Verordnung über Ein. 
führ»,ig der Preßfreiheit lautet: 
Leopolds von Gottes Gnaden, Grvßherzog von 
Bade», Herzog von Zähringe». Nach Ansicht des § 17 
der Verfaffungsurkünde, lautend: „Die Preßfreiheit wird 
nach den künftigen Bestimmungen der Bundesversanini. 
lung gehandhabt", und in Erwägung, daß die Bundes. 
Versammlung die in 8 18,1 der Bundesacte in Aussicht 
gestellte» „gleichförmigen Verfügungen über die Preß 
freiheit' noch nicht vereinbart, vielinehr inzwischen nur 
provisorische Bestimmungen getroffen hat, diese letzteren 
aber der jetzigen Lage der Dinge nicht mehr entspreche»; 
in fernerer Erwägung, daß der endliche Vollzug des 
§ 18 ck der VnndeSacke in neuerer Zeit bei der Bundes. 
Versammlung wieder in B'erhaiidlung begriffen, und auf 
Aufhebung der Censur mit Erlassung von Repressiv. 
gesetzen angetragen ist, die endliche Erledigung dieser 
Sache aber ihrer Natur nach vvraussichilich noch nicht 
so schnell eintreten kann, als die gegenwärtigen llm- 
ständc erfordern, — sehen wir uns veranlaßt, provi 
sorisch für das Großherzogthum eigene Anordiiuiige» 
zu treffen, und zu verordnen, wie folgt: 
Das Prcßgesetz vom S8sten December I@3S. 
wird wieder in Wirksamkeit gesetzt. 
Hinsichtlich der mittelst der Presse verübten Verbrechen 
findet das im Jahre 1845 i» unsern Ständen verein 
barte Strafgesetzbuch Anwendung. 
Karlsruhe, den I. März 1848. Leopold. 
Frankfurt, d. 5. März. Nach einer Bekanntmachung 
von Bürgermeister und Rath der freien Stadt Frank 
furt hat rie gesetzgebende Versammlung heute ein 
stimmig auf den Senaisvortrag, Preßgesetz belreffend 
die Verkündigung nachfolgenden Gesetzes beschlossen:, 
1) Die Presse ist frei. Die Censur darf nie wieder 
eingeführt werden. 2) Vergehen oder Verbrechen, durch 
die Presse verübt, werden nach dem bestehenden Rechte 
geahndet. 3) Jede Druckschrift muß mit dem Namen 
des Druckers und Verlegers, jede Zeitung mir dem 
Namen deS Druckers und verantwortlichen Redacteurs 
versehen iverden. 
Lfficieller Artikel. 
Nachdem die Bundesversanunlung sich die Aeuße 
rungen sämmtlicher Regierungen über den untern, 0. 
September v. I. erstatteten ausführlichen Vorirag der 
Commission in Preßangklcgcnheiien, behufs einer mög- 
lichst gleichförmigen Bundes-Preßgefetzgebnng erbeten 
hat, >o hat sie auf aiiderweitigen Vorirag der Coin- 
misstou beschlossen: 
r) Jedem dcnrsclicn BniideSstaakc wird freige 
stellt, die Censur anfzuhebc» und Preßfreiheit 
einzuführen. 
2) Dies darf jedoch nur unter Garantien ge 
schehen, welche die andern deutschen Bundes 
staaten und den ganzen Bund gegen den Miß 
brauch der Preßfreiheit möglichst sicher stelle,i. 
Nassau, vom I. März. Eine sehr entschiedene 
Haltung hat Wiesbaden seit gestern angenomme». 
Dort war eine Versammlung der Bürger bereits gestern, 
bei welcher cs nicht ohne Excesse abging. Der Minister 
v. Düngern war ernstlich bedroh«; namentlich will man 
das seitherige wie erblich gewordene Regiment mehrer 
Adelsfamilien abschaffen. Der wichtigere Acr des Dra 
mas scheint indessen heute dort abgespielt zu werden. 
Es war iür heute in den Coloiiave» des CursaaleS eine 
Volksversammlung angekündigt, um die Wünsche und 
Forderungen des Volkes zu formuliren und dann mit 
der größten Entschiedenheit auf deren Erfüllung zu 
dringen. Wie aber? Der Herzog befindet sich in diesem 
höchstkritischen Augenblicke in Berlin! So eben von 
Wiesbaden ankommende Briefe und Reisende berichten, 
daß aus der Gegend zwischen Rheins, Main und 
Lahn eine ungeheure Volksmasse sich in Wiesbaden zu 
sammen gefunden habe und auf den Straßen dränge. 
Das Zeughaus hat sich öffne,, müssen und das Volk 
wogt bewaffnet Kopf an Kopf durch die Straßen. Wie 
es ausgehen wird, weiß bis jetzt »och kein Mensch; 
übrigens haben Bürger und Militair gemeinschaftliche 
Sache gemacht. , 
— Wiesbaden. (Oeffentliche Bekanntmachung.) 
Die Forderungen der Nassauer. 
Die neueste französische Revolution, hervorgerufen 
durch die Treulosigkeit und Corruption der Regierung, 
hat Europa erschüttert. Sie klopft an die Pforten von 
Deutschland. 
Es ist Zeit, daß Alles, was von nationaler Kraft, 
was von Freiheitsgefühl in der deutschen Nation ruht, 
zur schleunigen Entfaltung gerufen werde. 
Es ist Vieles, was die Deutsche», was namentlich 
der Stamm der Nassauer zu fordern berechtigt ist. 
Aber die Zeit drängt, sie gestattet nicht Alles, was 
seit 33 Jahren versäumt worden ist, ans einmal ;u 
ordnen. 
Folgende Forderungen aber sind es, welche sofort 
erfüllt werde» müssen: 
1) Allgemeine' Volksbewaffnung, mit freier Wahl 
ihrer Anführer, namentlich sofortige Abgabe von 2000 
Flinte» und Munition an die Stadtbehörde von Wies 
baden. 
2) Unbedingte Preßfreiheit. 
8) Sofortige Einberufung eines deutschen Parlaments. 
4) Sofortige Vereidigung des MilitairS auf die Ver 
fassung. 
5) Siecht der freien Vereinigung. 
6) Oeffentlichkeit, öffentliches mündliches Verfahren 
mit Schwurgerichten. 
7) Erklärung der Domainen zu Staatseigenthum 
unter Controle der Verwaltungen durch die Stände. 
8) Sofortige Einberufung der zweiten Kammer ledig 
lich zur Entwerfting eines neuen Wahlgesetzes, welches 
auf dem Hauptgrundsatz beruht, daß die Wählbarkeit 
nicht an einen geivissen Vcrmögensbesitz gebunden ist. 
ļ>) Beseitigung aller Beengungen der uns verfassuiigs- 
mäßig zustehenden Religionsfreiheit. 
— (Oeffentliche Bckaiiiituiachung.) Bürger von 
Wiesbaden! Deutsche Männer! Große Ereig 
nisse kommen uns nahe, und wenige Tage können über 
daS Schicksal von Deutschland entscheiden. Zwei Ge. 
fahren müssen unS vorstehen: daß nicht nur durch Uii- 
einigkeit Excesse und Unsicherhiit des Eigenthums ent 
stehen, und daß die große nationale Bewegung der 
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