Full text: Newspaper volume (1848)

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Königlich- 
privilegirtes 
vir Preis diefesBiattes Ist für In 
teressenten , denen es hier am Orte 
,„gebracht wird, vierteliährltch 18 fl. 
and wenn es »an dcrErpeditivn ab 
geholt wird, 17 ssi.^Sür Auswartiae, 
welche Befteilnngen b^ei den Po stän 
kern machew-konnļn^, if, der Preiè 
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41 st" 
Jahrgang. 
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Sonnabend, den 12. Februar. 
1848. 
Tsrgesge- 
—o — 
Deutschland. Von der Spree, vom 26. 
Januiir. Sichere» Anzeichen nach z» schließen, scheint 
die Stellung, Rußlands zu Preußen in jüngster Zeit 
eine wesentliche Veränderung erfahren zu habe», und 
das innige Einverständniß und enge Anschließen an 
einander, welches in Folge bekannter Ereignisse momentan 
gestört zu sein schien, wieder völlig hergestellt. E« sind 
Verhandlungen tax Gange, die, wenn sie zu Resul 
tate» gedeihe» sollte», die Früchte dieses neu geschlvsseiie», 
engen Bündnisses, durch sehr gewichtige Thatsachen 
bekunden würden. Es ist bekannt, wie vielfach sich 
König Friedrich Wilhelm IV. für die Erhaltung rer 
teutschen Elemente in den russischen Ostsee-Provinzen 
bei seinem kaiserlichen Schwager verwendet hat, gleich, 
zeitig aber auch, wie wenig eine Erfüllung dieses viel- 
fach geiheilten Wunsches unter den gegenwärtigen Um 
ständen in Aussicht steht. Kaiser Nicolaus soll alle» 
Ernstes als Bedingung, unter welcher Curland und 
Liksland dem ruhigen und ungestörten Entwicklungsgänge 
der Geschichte überlassen bleiben sollen, die Forderung 
aufgestellt haben, daß er, nach Analogie anderer aus 
wärtigen Herrscher, für diese beide» Provinzen Mitglied 
des deutschen Bundes ircrde und eine Stimme auf dem 
deutschen Bundestage erhalte. Unwillkürlich ruft sich 
hierbei das Factum ins Gedächtniß zurück, wie Kaiser 
Alexander kurz vor seinem Tode in einer großen De 
pesche beim Cabinet von Berlin seme auS alten Der- 
träge» hergeleiteten Ansprüche aus die Stadl Danzig 
geltend machte und sich;so mil einem Fuße damals in 
Preußen, wie jetzt sein Nachfolger in Denlschland fest 
zusetzen versuchte. Die Erfüllung dieser Pläne wird 
mit Hülfe deutscher Kraft hoffentlich aut einige Zeiten 
vertagt werde» 
— Vom 30. Januar. In diplomatischen Kreisen 
ist die bestimnitc Nachricht verbreitet, daß zwischen den 
großen Mächten im Augenblicke Vereinbarungen getroffen 
werden, um für die Eventualitäten, welche aus einem 
als möglicherweise nahe bevorstehend angesehenen, großen 
Ereignisse i» Frankreich (dem Tode Louis Philip's) 
folgen könnten, im Einvcrstande u»d vorbereitet zu sein, 
und daß diese Vorbereitungen sich sogar bis auf geheime 
militairische Maßregeln ausdehnen dürfte». Es läßt 
dieses Factum einen tieferen Blick in die Auffassnngs- 
weise der französischen Verhältnisse Seitens der anderen 
Mächte thun. 
Frankfurt, vom 26. Januar, Nach den neuesten 
Mittheilungen auS Wien wird der Bundes-Präsidial, 
sirfandke, Staatsminister Graf v. Müiich-Bellinghause», 
Wien in der nächsten Zeit noch nicht verlasse». Unter 
dessen bereiten sich gewichtige Berathungen im Schooße 
der Bundesversammlungen vor. Die Preßangelegenheit 
! steht dabei im Vordergrund und man fängt doch endlich 
zu glaube» an, daß ein allgemeines Preßgesetz zu Stande 
komme» werde. Hat ja doch noch neulich die würlem. 
bergische Thronrede die Unzulänglichkeit der Censur an- 
"kannt. Die Bundesversammlung wird aber in keinem 
p>alle vor der Rückkehr des Grafen v. Münch-Belling, 
haiilen zu einer Beschluß,lahme in dieser so hochwichtigen 
und langwierigen Frage schreiten. 
~~ a Ş" in Heini sollen die Hanauer eine Petition 
an die Landstände unterzeichnet haben. Es fragt sich 
nun, ob der Verfassungshervisnius der Hanauer im 
Lande Nachahmung 
Berlin, vom 1. Februar. Die Kriegsrüstungen 
Oesterreichs sind von so bedeutender Natur, daß sie 
sogar jetzt beginnen das Ausland in Anspruch zu nehmen. 
Wenigstens können wir die wichtige und verbürgte Nach, 
richt mittheilen, daß das österreichische Gouvernement 
nicht weniger als 7000 Cavalleric-Läbel in dem preu 
ßische» . Waffeiifabrik-Orle Solingen verfertigen läßt. 
Diese Nachricht gewinnt noch an Wichtigkeit durch den 
Umstand, daß die bestellten Gegenstände mit dem be 
vorstehenden März — so wenigstens lautet der Con 
tract — lieftrnngssertig sein müssen. Die dortigen 
Fabrikanten erzählen, daß von Seilen Oesterreichs »och 
»ie eine solche Bestellung »ach Solingen eingelaufen, 
was jedenfalls Zeigt, daß die inländischen Fabriken den 
Auftrag nicht mehr annehmen konnten, denn Oesterreich 
pflegt sonst nicht leicht die ausländische Industrie z» 
beschäftigen. Der Zustand Italiens wird ohne Zweifel 
der österreichische» Regierung zu solchen außerordent- 
lichen Voranstalten die Veranlassung geboten haben. 
Wien, vom 20. Januar. Der „Oesterr. Beob." 
und die „Wiener Zeitung" enthalten einen höchst be- 
merkenswerthe» Artikel über das Schreiben, welches 
Mazzini, der Führer des junge» Italiens, an den Papst 
gerichtet hat, nebst auszüglicher Mittheilung des vom 
8. September v. I. daiirten Schreibens. Mazzini 
schreibt darin unter Ander,» de» Papst: „Ich Halle Euch 
für gut. Es ist kein Mensch heute, ich sage nicht in 
Italien, sondern in Europa, der mächtiger :väre, als 
3hr. Ihr habt also, heiligster Vaiei! unermeßliche 
Pflichte». Gott mißt sie nach dem Maaße der Mittel, 
welche er seinen Geschöpfen verlieh. Europa ist in 
einer furchtbare» Krisis von Zweifel und Sehnsucht. 
Durch die Macht der Zeit, die von Eurem Vorgänger 
und von der hohen Hierarchie rer Kirche beschleunigt 
wurde, ist der Glaube todt. Der kath. Glaube ist im 
Despotismus untergegangen, der Protestantismus geht 
unter in der Anarchie. Blickt um Euch, Ihr werdet 
Abergläubische over Heuchler finden, keinen Gläubigen, 
die Vernunft treibt sich in leeren Räume» ui». Die 
Elenden beten den Calcul und die materiellen Güter 
an, die Gute» bete» lind hoffen. Niemand glaubt!" 
Der Briefsteller fordert den Papst auf, Wortführer der 
Italien. Nationalität zu werde» und Italiens Einheit 
zu bewirken. Das Schreiben wurde bereits am 24. 
Novbr. 1847 in Paris gedruckt und erhielt seine Ant 
wort i» der päpstlichen Allocution vom 17. Dec. 1847. 
Hildburghauskn, vom 29. Jan. Vor Kurzem 
wurde dem regierende» Herzoge von Sachsen-Coburg. 
Gotha ein Manuscript übergeben, über dessen Inhalt 
man merkwürdige Dinge erfährt. Es soll nämlich mit 
großer kritischer Schärfe die amtliche Wirksamkeit mancher 
durch ihre Stellung einsiußreichcn Männer und mangels 
hafte Verhältnisse uiisercs öffentlichen Lebens besprechen. 
Hochgestellte Personen, die die fragliche Schrift gelesen 
haben, könne» nicht Rühmens genug von ihrer Treff, 
lichkeit in der Auffassung und der Darstellung machen. 
Auch soll sic durch die strenge Wahrheit und die ge 
naueste Kenntniß der besprochenen Personen und Ver- 
hältnisse sich auszeichne». Man erzählt, der Verfasser 
habe bei Uebergabe des Manuscripts dem Herzoge die 
Erklärung abgegeben, sobald der Herzog es wünsche, 
solle die Schrill »»gedruckt bleiben, Nach Durchlesung 
habe aber der Herzog zu seiner Umgebung geäußert: 
Es ist leider Alles wahr, was in diesem Werkche» ge 
sagt ist, und deshalb muß cs gedruckt und der Oeffeiil. 
lichkeit übergeben werden. Mit der gespanntesten Er 
wartung sieht man nun allgemein dem Erscheinen der 
Schrift entgegen. Ueber re» Verfasser herrscht ganz, 
liche Dunkelheit; nur der Herzog soll ihn kennen. Aus 
der Behandlung wollen die, welche das Manuscript ge- 
lesen haben, schließen, er müsse ei» sehr begabter Pä- 
dagog sein. 
Frankreich. Paris, vom 4. Februar. Wir 
beeile» uns, eine höchst wichtige Nachricht mitzutheilen, 
die so eben in der Kammer und an der Börse bekannt 
wurde. Der englische Botschafter Lord Normanby hat 
sich diesen Morgen zu Hrn. Guizot begeben und ihm iin 
Aufträge seines Cabinets eine Note vorgelesen, die Lord 
Palmerston im vergangenen Monate an die österreichische 
Regierung gerichtet halte. In dieser Note erklärte die 
englische Regierung dem Wiener Cabinelre, daß sie, fest 
entschlossen die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit der 
italienischen Staaten zu schützen, jeden Versuch Oester 
reichs ini Kirchenstaate, in Toscana und den beiden 
Sicilien zu interveniren, als einen essn« belli annehme» 
und darnach handeln werde. Admiral Parker soll zu. 
gleich de» Auftrag erhalten haben, falls Oesterreich aus 
eigenen oder neapolitanischen Dampfschiffen österreichische 
Truppen »ach Sicilien zur Dämpfung des Aufstandes 
schicken wollte, die Landung derselbe» in Sicilien durch 
alle ihm zu Gebote stehenden Mittel zu verhindern. 
Wir hallen cs für unsere Pflicht, diese Nachrichten, so 
ivie wir sie erhalten habe», sogleich niitzutheileu und 
fügen hinzu, daß sie allgemein verbreitet sind und nicht 
im Mindesten bezweifelt werden. Wahrscheinlich erfolgte 
obige Mittheilung deS englischen Cabinets an daS hiesige 
als Gegengewicht zu Hr,,. Guizot's jüngster Erklärung 
in der Kammer: England habe Oesterreich den Status 
qua in Italien verbürgt. 
England. London, vom 29. Januar. Der 
Globe schließt eine kurze Lebensbeschreibung König 
Christian's Vlll. von Dänemark mit wunderlichen Be 
merkungen über die Erbfolgeangelcgenheit. 
— Die Regierung hat ihre Absicht erklärt, mit 
dem 1. März die Kornzölle wieder eintrete» zu lassen, 
also nicht, wie von manchen Seiten gewünscht wird, 
die vorläufig angeordnete Aufhebung bis zur definitiven, 
1849, zu verlängern. Die Kornhändler hoffen ziemlich 
allgemein, das Getraibe, welches ausländische Häfen 
vor dem 1. März verlassen habe, dürfe zollfrei cinge- 
führt werden. Folgende Warnung des „Economist" 
ist daher auch für Deutschland von Wichtigkeit: „Wir 
theilen nicht jene Meinung. Es ist klar, daß alle ļ 
Schiffe, welche nach dem 1. März in britische Häfen 
einlaufen, den Zoll bezahle» werden, welcher dtirch das 
Gesetz von 1846 festgestellt ist, es sei denn, daß sie 
durch Sturm und schlechtes Wetter zurückgehalten wären 
und nach dein gewöhnlichen Laufe der Dinge vor dem 
I. März in England hätten ankommen müssen." 
Italien. Der Pariser.Moniteur" vom 3. Febr. 
enthält fvlgenre wichtige, telegraphische Depesche auS 
Neapel vom 29. Januar: „Der König von Neapel 
hat heute durch eine Proclamation feierlichst eine Con 
stitution auk der Grundlage der t'ranzäsi- 
schen Charte von 1830 versprochen. Der König 
ist von demVolke mit den lebhaftesten Zurufen empfan 
gen worden. Gestern hat der König ein neues Mini 
sterium uuier dem Vorsitze des Herzogs von Serra- 
Capriola ernannt. Neapel ist ruhig." — Wir haben 
nicht nöthig, aus die Wichtigkeit dieser Nachricht auf. 
merksam zu mache», die die ganze Lage der Dinge in 
Italien verändert und namentlich Oesterreichs Stellung 
ungemein erschwert. Ein constitulioiielles Neapel wird 
unfehlbar die Einführung von Constitutionen auf'der 
Basis ver französischen Charte in ganz Italien zur Folge 
haben. — Der halboffieielle „Confervateur" läßt auf 
die Mittheilung obiger Depesche die Bemerkung folgen: 
„Er glaube hinzusetzen zu könne», daß jenes Versprechen 
bloß de» neapolitanischen Theil des Königreichs beider 
Sicilien betrifft." (Darnach würde Sicilien die Con. 
stilulio» von 1812 erhalten.) 
Königreich beider Sicilien. Das organische 
Decrer des Königs von Neapel in Betreff der zu per- 
leihenden Constitution lautet wie folgt: 
„Wir, Ferdinand II., König beider Sicilien rc. 
Nachvem wir den allgemeine» Wunsch unserer sehr ge 
liebte» Unterthanen pernomme» haben. IM Besitz von 
Garantien und Institutionen zu sein, welche der gegen 
wärtigen Civilisation eittsprechen, erklären wir, daß unser 
Wille ist, den uns an den Tag gelegten Wünschen durch 
Verleihung einer Constitution nachzugeben, und zu dem 
Ende haben wir unsern neuen Staatsminister beauftragt, 
in einer Frist, die 10 Tage nicht überschreiten darf, 
einen ans den nachfolgenden Grundlagen geballten Ent 
wurf unserer Genehmigung vorzulegen. Die gesetzge 
bende Gewalt wird durch uns und zwei Kammern, 
nämlich eine Pairs- und eine Depulirienkammcr, aus 
geübt werden. Die Mitglieder ersterer.Kammer werde» 
durch uns, die der Depuiirten durch Wähler, auf Grund- 
läge eines näher festzusetzenden Census, ernannt iverden. 
— Die allein herrschende Siaatsreligion soll die katho 
lisch.apostolisch-römische sein — und kein anderer Cul 
tus soll geduldet werden. — Die Person des Königs 
soll immer heilig, unverletzlich und der Verantwortlich, 
keil nicht unterworfen sein. — Die Minister sollen immer 
verantwortlich für alle Regierungshandlungen sein. — 
Die Slreiikräfle zu Wasser und zu Lande sollen immer 
vom Könige abhängig sei». — Die Naiionalgarde soll 
durchs ganze Königreich in gleichförmiger und der ver 
Hauptstadt analoger Weise organisirt werde». — Die
	        
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