Full text: Newspaper volume (1848)

:iu$ 
det. 
<47 
-ng 
>ere 
]tn 
ipt 
jeit 
>ur 
der 
ich 
um 
tr 
itt 
"g 
vn 
si- 
ir. 
M 
Kopenhagener Ständedevuti'rten und Q?iirgerreprdfentanteu 
für ihren Stlteil dem Professor Dr. Clausen iibrrbrachr, und 
durch eine Deputation ihm ihre Wünsche ausgesprochen 
haben. 
— Die „Kjöbeiihavnspost" enthalt.eine von mehreren 
hundert Bürgern, besonders aus der studitten und arbei 
tenden Classe, an die Bütaetteptasentanlen und Ständc- 
Depurirten angegebene Adresse, die so lautet: „Wir uiner- 
zeichneten Bürger und Einwohner Kopenhagens iordern 
Hiedur« die hiesigen Sländedeputirten und die Bürgerre 
präsentanten der Hauptstadt aus, die der Wichtigkeit der 
jetzigen Umstände ent'prechenden Maßregeln zu ergreisen, 
um alS natürliche Wotiiührer deS Volks im rechte» Angcn- 
bsick Seiner Majestät dem Könige die Wünsche des Volks 
vortragen zu können." 
— So wie „Fädrelandet" berichtet, hat der Prä 
sident der schleSwlghvlsiein - lauenburgischen Kanzlei, Graf 
C. Molike zu Nütschau, dessen Ernennung zum Staats 
minister schon von dem verstorbenen Könige beschlissen 
war, am Morgen des 21sten b. M. die Bestätigung dieser 
Ernennung durch Len neuen König erhalten. 
Altona, vom 21. Januar. Am Montag den 17. d., 
Nachmittags ii Übt, wurde aus der nicht belebten Land 
straße zwilchen Altona und Pinneberg unweit Stawedder 
und in unmittelbarer Nabe deS dortigen Jägerhauses, ein 
Moidpetsnch begangen. Z» einem von Altona na« Pinne- 
berg visirten SattlergeskUen hatte sich in Eidelstedt ein 
Reisender gesellt, der mit ihm deS WegeS weiter ging. 
An oben benannter Stelle wurde Ersterer von Letzterem 
Überfallen, erhielt vleleaSchnittwunden an Kopf und HalS, 
wurde seines Wanderbnches und seiner Baarschast (angeb 
lich circa 4 Rth.) beraubt und dann, von der Landstraße 
ab, hinter Gebül« verschleppt. Später des Weges Rei 
sende brachten den Verstümmelten nach Pinneberg, wo er 
sich jetzt in Behandlung befindet, jedoch so leidend, daß er 
nur erst täglich eine Viertelstunde sich seiner Sprache be 
dienen darf. Fama meint, daß der Mordversuch»von dem 
unlängst auS dem Glückstadtcr.Gelângniffe entwichenen 
Sträfling begangen fei, und drängt st« Einem bei dieser 
Gelegenheit die Bemerkung auf, ob ni«t, bei Verwendung 
enormer Summen iür Strasgesangnisse, das Entweichen 
der Sträflinge, welches bei unS nicht z» den Seltenheiten 
gehört, gänzlich unmöglich gemacht werden sollte? Nach 
lässigkeit oder Unaufmerksamkeit irgend eines Wächters hat 
die Flucht des in Rede stehenden Subjects begünstigt, wo 
durch jetzt hätte ein Mord herbeigeführt werden können. 
Es ist denn doch ein bocrst unangenehmer Gedanke, auf 
belebter Straße am hellen Tage seines Lebens nicht sicher. 
zu sein, oder, im günstigern Falle, doch wenigstens für einen 
Kampf auf Leben und Tod mit, dem Staate zur Unschäd 
lichmachung übergebene» Vagabunden ic. sich einrichten und 
gefaßt machen zu sollen. (H- 2.) 
— Der „Mercur" bringt noch folgende nachträgliche 
Notizen an» Kopendaaen: Wie man von mehreren Seiten 
hört, sind außer dem Präsidenten, der schlesw.-holst..>aueitb. 
Kanzelei auch der verdiente Director des General-Zollkam- 
mer- EowmerzcvllegiumS Blüh me und der allgemein ge 
achtete Deputirte in der Finanz-Deputation, Geb. Confe- 
renzrath Collin, in den nur aus einer kleinen Zahl von 
Personen bestehenden Geh. ŞiaatSratb berufen worden. 
— Daß der verstorbene König, der eine Ahnung von seiner 
baldigen Auflösung gehabt jii haben scheint, uv« bevor er 
ft« ant’6 Krankenlager gelegt, etwas iür feinen Nachfolger 
niedergeschrieben, wird wiederholt versichert. — Endlich er 
fahrt man, daß der jetzt regierende König einen freundlichen 
Brief an seine Stiefmutter, die tiefbetrübte, aber in Gott 
ergebene, nun verwittwete Königin, gerichtet hat. 
— Möge es in dieser ernsten Zeit der Prüsung, wo sich 
vielleicht ein Wendepunkt in den Geschicken unserer Her- 
zogtdümer vorbereitet, allen gemäßigten und wohlgesinnten 
Patrioten dieser Lande gestattet, werden, ihre Stimme laut 
werden zu lassen, damit die Meinung nicht irre geleitet 
werde. 
Schleswig, vom 23. Januar. WaS zu erwarten stand, 
ist eingetroffen: König Christian VIII. ist am 20. d. M., 
Abende 104 Uhr, in völliger Entkräuung gestorben. Heute 
Morgen 6 Ubr wurde diese Nachricht der fchleSwigholstei- 
nilchen Regierung durch eine Estaļeiie in der Person des 
Kamme,junkers C. L. v. Jrminger mitgetheilr, der sich 
dann na» Alrvna begad. Dem Vernehmen nach soll Hr. 
v. Jrminger, Adjutant Sr. jetzt regierenden Maj., geäußert 
haben, daß er von seinem Fürsten beauftragt sei. Jedem zu 
sagen, daß er au« Schleswìģholsteiner sei, war na» Andern 
dabin.lautet, daß Se. Majestät alle ihre Unterthanen mit 
gleicher Liebe umfasse und bald durch seinen Besuch die 
Herzvgthümer davon Überzeugen werde. (A. M.) 
■SM&cnbitrg, den 20. Januar. Aus Neustadr ward 
uns die Nachricht von einem vor einigen Tagen dort ver 
übten Raubmord. Es sind daselbst nämlich zwei bejahrte 
Brüder, die zusammen wirthschasteien, mit einem Beile 
erschlagen in ihrer Wohnung gesunden worden; die Leichen 
harre man ins Bett geworfen. ES soll de» Erschlagenen 
eine ansehnliche Geldsumme von de» Thätern gcranbr 
worden sein. DaS Beil, womit der Mord geschehen, hat 
man in der Wohnung der Ernivtbete» gtsunden. (W.F.Bl.) 
Rendsburg. Die Industrie in und bei unserer Statt 
hat seit einigen Jahren einen erfreulichen Aufschwung ge 
nommen und in manchen higher fast unbeachtet gebliebenen 
Zweigen derselben hat Rendeblitg manches Treffliche aus 
zuweisen. Um io erfreulicher ist es unS daher, den Lesern 
mitihkilen zu können, daß einem unserer Mitbürger, dem 
Töpfermeister I. G. Kruse von. von den> Jndustrieverein in 
Altona siir verschiedene von ihm ji,r vorjährigen dortigen 
' Ausstellung gelieferte Tdvnwaaren - Ornamente 
und Rohren die silbern c P> ciS > M edai Il e zuerkannt 
und^ zugesandt worden ist. Der über die vorjährige Ke- 
werde-Aukstkllung für die Herzogthi'imer Schleswig, Hol 
stein und Lavenburg im Drück erschienene Bericht enthält 
darüber Folgendes: „Von den zahlreichen Töpfereien der 
Herzog!humer war nur eine aus der Ausstellung vertrtten. 
nämlich dir von I. G. Kiuse in Rendsburg, welche unter 
8er. 69 — 72 ein feoinmnu Ornamente, Rauch- und Wasser- 
leitungSiöhre» und O'enkacreln geliefert halte. Die vet- 
schietenen Gegenstände wurden lobend hervorgehoben und 
vertienikn, 1:aiipriachltct> die Ornamente, vorzügliche Aner- 
keniiung, da solche nicht allein sauder und gut ausgeführt 
waren, sondern der Einsender au» »a« eingelie-erten Zelch- 
nungen die Modellilung und Aueiühiung selbst beschafft. 
Die Preise werden als seht billig hejeichner. Nach dem 
Vorschlag de, Beurlheisungscommissivn wurde dem Ein- 
sender di Verelnsmedallle zuerkannt." — ļņ tt sich ccn 
der Vorzüglichkeit der mil wahrer Konst auSgei,amen Ar- 
deilen des Heiin Kiuie selbst überzeugen will, der belucke 
leine Werkstatt und seine Aukstillung fertiger Waaren und 
er wird finden, daß unser hier ausgesprochenes Unheil nicht 
— 21 — 
im Mindesten übertrieben ist. Um io erfreulicher ist es 
den» auch, daß unlerm achtbaren Mitbürger eine so ehren 
volle öffentliche Anerkennung z» Theil geworden ist. 
— Am 25. d.W. in der Ftübstuiide-wurde die irdische 
Hülle des verstorbenen BranddirectorS H. Pieper zu ihrer 
Ruhestätte auf dem Friedhöfe der Neuwerker Gemeinde 
gebracht. Ei» zahlreiches Gefolge erzeigte dem Verstor 
benen die letzte Ehre. 
—> Die ŞchanļpielergcieUschast des Herrn En ge l h ard t. 
die sich hier des allgemeinsten Beifalls erfreuen surfte, ist 
in diesen Tagen von hier na» Berg,'dors adgereisc, nach 
dem ihr zweites Abvnnemeni durch den eingeiretenen Aller 
höchsten Todesfall auf eine lv tief betrübende Weile unter 
brochen worden war. Wir wollen hoffen, die Gesellschaft 
späterhin wieder hier zu sehen, und wünschen ihr biS dahin 
den besten Erfolg. 
— Nachdem am Sonntage, Nachmittags, das hiesige 
Militalr St. ffiiaj. dem Könige Fredrik dem Sie 
benten den Eid der Treue geleistet hatte, wurde am 
folgenden Tage auch daS hiesige Brandcorps in Eid ge 
nommen. Wie der von diesem Co m m n n a l co r ps ge 
leistete Eid gelautet hat, wissen wir nicht, jedenfalls aber 
wäre cS zu wünschen, daß darüber eine Bekanntmachung 
erlassen werde. 
Corrcspvndeikz. 
Kiel, den 25. Januar. Der wegen seiner Plötzlichkeit 
so erschütternde Todesfall Christians deS Achten bildet 
natürlich auch hier den Gegenstand der allgemeinen Bewe 
gung. Dies Eteigniß ist noch ergreifen!)er dadurch, baß 
der König nicht demjenigen Uebel erlag, für welches man 
ihn besonders diSponirt hielt und das ihn schon mehrfach 
heimgesucht hatte, einem Scdlaqanfall, sondern weil eine 
zuiällige Erkältung, die den unglücklichen Aderlaß nöthig 
machte, die Todesursache geworden. Die Regierung Chri 
stians deS Achten wird in der Geschichte unserer Herzog 
thi'imer unvergeßlich sein. 
Am Sonnabend erhielten wir hier aui Privalwegen die 
sichere Nacdclchc, daß eine Genesung deS Königs nicht zu 
hoffen, er vlelniehr von den Aerzten gänzlich ausgegeben 
sei. Wir durlten daher am Sonntage die > fficlellc TvdcS- 
dotfchaft eiwaiten. Um 4 Uhr Nachmittags erschien denn 
aiich ein Courier mit schwarigefiegelten Depesche», aber auS 
irgend einem no» nnanigeklärten Versehen, war hier keine 
Depesche an die hiesige Cvmmandantschafk, sondern an die 
in Glücksiadt angekommen. Letztere mußte daher uneiöffnet 
weiter befördert werden und traf erst in der Na»t die 
richtige ein. Dieses Verleben war nun freilich in vorlie 
gendem Falle nicht von besonderer Relevanz; indeß, ln 
Kriegszeiten könnte ein loltber Fall de» die bedenklichsten 
Folgen nach sich ziehen. Am Montag-Morgen verkündete 
Kanonendonner vom Dampsschiff „Christian der Achte" den 
Thronwechsel und ward das Mililalr vereidet. Obwohl 
nun bis jetz! noch keine allgemeine Landestrauer angeordnet 
worden, io hörte doch gleich am Montag die gewöhnliche 
Umschlagsmusik auf und ward daS (am Sonntage noch 
ganz ungewöhnlich stark besnchie) Theater geschlossen. Die 
Gesellschaft wird, dem Vernehmen »ach, einstweilen nach 
Eutin gehen, aber daldmögllchst hierher wieder zutück- 
kchren. — 
—ra— 
Was ist Constitution? 
und welche Gewährleistung bietet dieselbe der 
Gesellschaft? 
(Fortsetzung.) 
§ 2!. 
In der Schilderung deS Ganges, na», welche»! die 
gesellschaftlichen Zustände si» ngch und na« ausgebildet 
haben, sind wit aui ten Punkt gelangt, wo die Feudal- 
monatchie in den modernen, tvnstituiionellen Staat übet- 
zugehen beginnt. Um den wesentlichen llnteilchied deö 
modernen rationalen Staates von der Feudalmonarchle, 
auS welcher er bervoraetreten ist, klar zu erkennen, ist es 
zweckmäßig, die zwei Stuten, auf denen ei» eihllcher Or 
ganismus stehen kann, sich zu vergegenwärtigen. 
Der ethische Organismus unterscheidet sich dadurch von 
dem natürlichen, daß er je l b st b e w u ß 11, freie Wesen 
in sich begreift. Es besteht hier eine nothwendige geistige 
Ordnnng in dem Zusammenleben, Thtilung ^der Arbeit, 
Gliederung in Stände-und Unieiordnung. (Insofern ist 
der Staat einem Bienenschwarm ähnlich.) Aber nicht so, 
daß das Einzelne in innerer Blindheit gelassen, die durch 
das Geley der Naiur ihm bestimnue Funclivn ans In 
stinct übte; vielmehr ist den Einzelnen, die aui einer höher» 
Stufe der Emwicklnng stehen, das Auge des Bewußiselns 
ausgegangen: sie wissen das Gesetz, und indem sie es 
wissen, sind sie frei. Die ethischen Institutionen 
sind also diejenigen Formen dev Zulamnnnlebenv vernünf 
tiger Wesen. welche nicht bloß gewußt werden, sondern 
welche auch-' nur dadurch ihre Wirklichkeit und Gelluna 
haben, daß sie gewußt werden, die also lediglich aut dem 
Boden des B e w u ß t' e i n S sieben. 
Das Bewußtsein stellt sich au6ei lieh auf 2 Stillen dar: 
1) als empirisches, welches nur das Dasein, nicht 
den Grund weiß. Dasselbe hält das Alter und das Be 
stehen einer Einrichtung für hinreichende Nechtienigung 
derselben. 2) As raiionalcS, welches, tieiet gehend, 
de» Grund des Bestehens erfaßt, woher dasselbe auch nur 
mir der Rechifenigung zufrieden ist, weiche auS dem 
Grunde und Zwecke, aus der Idee si« herleiten läßt. Das 
rationale Bewußifkin kann aber nur daS wlssenschaftlich 
gebildete sei» , weil der Grund einer Sache sich leiten 
unmittelbar darlegt, sondern in der Regel aus wissen- 
schaltlichem Wege ermittele werden muß. 
Diesen zwei Stufen des BewußiseUlS entsprechen zwei 
Staditn in det Entwickelung der Idee des Staates. 
Auf der einen bested! tu ideale Ordnung als Ge 
wohnheit und Brau». In dem organischen Geliige 
der Jnstiiuiionen, wie es sich aus dem Geiüble des RechiS 
und aus dem Trieb des Bedürsnisses erhoben hat. ist 
Jedem ein Kreis seiner Freiheit, lein Reckt und feine 
Pflicht geletzt. Der Einzelne weiß dieses sein Reckt und 
macht es Mit Bewußiiein geltend; er weiß seine Pflicht 
und übt sie wissend; er weiß endlich die Jnstilutionen, 
denn sie stehen rot seinen Augen. Allein der ln der Idee 
des Staates gegebene Grund seines Rechte» und seiner 
Pflicht, vollends der Jnstilutionen selber bleibt ihm unbe 
kannt, weil jene Idee verhüllt oder dock nur wenigen Pue, 
fieri, und Weilen als göttlicher Raihlchluß offenbar ist, 
jcdeoialls theoretlsck nur in det Wiffenickast sich vollständig 
manijestnen kan,'. DikS ist der Staat in dem erste» 
Stadium seiner Entwicklung, wie et in der patriarchalischen 
Monarchie, ja selbst in der antiken Republik und in der 
FeudalmonarLie bis zu ihrem Ende bestand. Daher kann 
wohl selbst im Mittelalter der Gedanke vorkomme», dass 
ein Institut für das gemeine Wesen vortheilhafr und 
na« th eilig sei; aber ein Recht aus der Idee de» Staats 
abzuleiten, ist keinem Sterblichen eingefallen; für die höchste 
Rechtfertigung eines politischen JnstituiS gilt dem Volke 
das Alter und das Herkommen. Zwar besitzen manche 
Volker schon in der ersten Periode ihrer Entwickelung 
positive (geschriebene) Gesetze. Allein dem Inhalte nach 
sind dieselbe» nur die einfachsten Bestimmungen deS idealen 
Rechtes, welche hervorragende Weise und Priester, weiche, 
wie MoscS und Numa, einer göttlichen Inspiration ge» 
»offen, als göttliche Satzungen vvrzeichneien. Spater sind 
sie entweder bloße schriftliche Niedersetzung dee in Form 
von Gewohnheit und altväterlichem Brauch vorhandencii 
organischen Völkörechts oder beruhen, wie Solo» von seiner 
Geietzgebung versichert, auf der Erkenntniß des unter den 
gegebenen Verhältnissen Zweckmäßigeit. 
'Das zweite und höhere Stadium der Entwicklung des 
Staates ist dasjenige, wo die Idee desselben in det Wisse n- 
fchaft wie die Sonne selbstleuchtend und in ihrem Lichte 
gesehen, und durch die Wissenschaft selbst wieder in dem 
Leben in das Dasein tritt. Der Moment, von welchem 
an dieser Uebetgang beginnt, ist in der Geschichte leicht zu 
erkennen. Denn von ihm an ist von einem Zwecke de» 
Staats, der nur gewußt wird, von einer Rechtfertigung 
der StaatSinstitiite auS diesem Zwecke, sowie von einem 
idealen oder allgemeiuen StaaiSrccdt, als dem Jnbe- 
griff der durch die Idee des Staate bedingten Institutionen, 
Rechte und Pflichte», die Rede. 
Nirgend bat sich die Gewalt der Wistenlchait über das 
Leben in einem glänzenderen Lichte dargestellt, alS in dem 
Geltendwetden deS idealen StaatSrechts. Von dem Augen 
blicke an, wo die Idee deS Staats erkannt ward, verräth 
eine neue Sprache in der Politik, daß neue Begriffe herr 
schen und walten. Die sinnliche Anschauung des Lande» 
verschwand vor der geistigen des Staats, der Ausdruck 
„Landesherrliche Rechte" vor demjenigen „Staatsgewalt", 
der Begriff des ,,Landsaffen" vordem des „Llaatsdi'irgetS", 
sowie der des „LanbrechtS" vor dem des „Staatsbürger- 
rechis". ES erfolgte bald still, wie st« von selbst ver 
stehend, bald laut proclamirt, eine Metamorphose aller 
politischen Institute. 
Der fortschritt der Idee in ein höheres Stadium ihrer 
Entwicklung ist nickt das Werk weniger Tage. DaS Drän 
gen und Treiben derselben zu immer vollercr Realisation 
ist der Proceß bet Weltgeschichte. Selbst die AuSdilduiig 
det Wissenlckait des Staats, in welcher sie ihre volle theo 
retische Existenz bat, war nur durch die Anstrengung svr« 
schender Geister im langen Laufe der Jahrhunderte zu ver 
mitteln. Der Aufgang der Idee ist demjenigen der Sonne 
nicht unähnlich. Wie diese anfangs langsam über dem 
Horizont auftaucht, und gleichsam verschämt blickend, zit 
ternde Strahlen auf die Häupter der Berge wirft, dann 
aber schnell emporsteigt und daS Gold deS Lichtes in alle 
Windungen und Klüfte strömt und nun der volle, liebe Tag 
ist: so ist an» dte Idee deS Staars lange, in niedern 
Stadien der Entwicklung stehend, dem Bewußtsein verhüllt 
geblieben, nur in einzelne eminente Geister sind ihre 
Strahlen gefallen, dis sie endlich in der Wissenschaft glan 
zend hervorgedtochen ist. Sobald aber das wiffenlchaitliche 
Bewußtsein zur Auffassung der Idee des Staates gelangt 
war, erwachte an* nothwendig det Drang, dieselbe in der 
WltkÜckkeli zur Geltung zu bringen. (Forti, folgt.) 
1 n t t r lļ ö I t tu îi c 8. 
•e-sCSgS»-» 
Briefe aus einer kleinen Stadt. 
(Aus den Grânzboren.) 
III. 
Mit jedem Tage wird es mir klarer, daß eS eine 
ganz irrige Ansicht ist, welche die kleinen Städte für 
Sitze der Gemüthlichkeit und Natürlichkeit hält. ES 
ist nirgends mehr Gemachtes, nirgends mehr Unwahres 
als gerade da zu finden. 3n den Hauptstädten hat dir 
Civilisation gar manches Uebel im Gefolge — aber 
das Gute überwiegt doch bei weitem. Eine gewiss» 
Sentimentalität meint freilich auch darüber noch klagen 
zu dürfen, daß das Licht wieder Schalten bedinge, oder 
die Idylle, in welche sie das Epos des Lebens rimwaii. 
desti möchic, trägt gar zu sehr das Gepräge ihrer eigenem 
langen Weile und Dürftigkeit, als daß sie nicht anwi. 
dern sollte. Mag sein, daß die steigende Cultur viel 
Verschrobenes und Gekünsteltes zu Tage fördert, so 
erhöht und verklärt sie doch auch viel mehr die wahre 
Naiürlichkeit. veredelt die Empfindungen, erweitert und 
vergeistigt die Genüsse. Man muß in einem Neste wie 
R. leben, um das gehörig zu würdigen. Hier ist Alles 
organisirt, weil sklavisch nachgeahmt. Um jeden Preis 
will man Bildung zeigen — aber diese ist ein Gewächs 
einer fremden Zone, das hier nur verkrüppelt fortkommt. 
Es ist am Ende nicht mehr als natürlich, daß ein so 
stagntrendes Leben, als dag hiesige, nichts Eignes er 
zeugt, —■ wenn nur die Leuie so bescheiden wären, dies 
anzuerkennen; aber nein — man ist kein Bauer, man 
hat eine Ressource, einen Tümpel, der Markt heißt und 
natürlich macht man dann ganz andere und weit höhere 
Ansprüche an vas Leben als ein Dorfbewohner. ES 
geht nichts über die Eitelkeit solcher Anmaßung. Die 
Unfähigkeit, durch eine gediegene Bildung und geistige 
Vorzüge Geltung zu gewinnen, wird zu der ivahn- 
sinnigen Anforderung, unter jeder Bedingung eine Rolle 
zu spielen. — Du solltest sie nur von ihrer Gesellig 
keit reden hören, von der Nothivendigkeii, nur mit den 
gebildetsten Familien Umgang zu pflegen — die Ver. 
achtung solltest Du in ihren Mienen lesen, mit welcher 
sie ans den Pöbel herabsehen. — Der Ressourcegesell 
schaf! gehört ein Adliger an, der Besitzer eines benach. 
barten Gütchens, ein Umstand, der an und fürs sich 
doch wohl durchaus gleichgiliig ist, nur nicht für die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.