Full text: Newspaper volume (1848)

die sauberen Grundlagen, auf welchen man fortzubaue» 
und zn wirken strebt. Unerfahrene Handlungscvinmis 
und leicht verführbare Handwerker, die beide von der 
Politik so viel wie der Bär vom Tanzen verstehen, 
iverde» in die gestellten Netze gezogen; wer anders als 
diese lügenhaften Herren einer vorgespiegelten, unge 
zügelten Freiheit denkt, wer den Muth hat. mit Liebe 
seines Vaterlandes zu gedenken und diesen Patriotismus 
zur Schau trägt, wer sich empört abwendet, wenn der 
deutsche Name im Auslande beschimpft und geschändet 
wird, über den wird der Stab gebrochen, er ist der 
Acht verfallen und es wird ihm'hier in, einem wohl, 
organisirten Staate, in der Hauptstadt des Landes so 
gar gedroht , ihn bei der. ersten, beste» Gelegenheit todt 
zu schlagen, eine Manier, die allerdings dem System 
des Anastasius Clootz und feiner Nachfolger ganz an- 
gemessen erscheint. Man geht nun sogar schon so weit, 
daß man von den neuhinzutrctenden Mitgliedern dieses 
demokratischen Vereins ein bestimmtes öffentlich abzu 
legendes Glaubensbekenntniß fordert. 
Dänemark und die Her^ogthümer. 
Schweiz. Bern, vom 4. Januar. Der fron, 
zösische Gesandte. Hr. Bois-le.Comte, wie Such Graf 
Reinhardt sind von Neuenburg und Freiburg in, Breis 
gau wieder nach Basel zurückgekehrt, um daselbst noch 
auf unbestimmte Zeit zu verbleibe». Natürlich sind die 
Gegenstände, welche an diesen Orte» zur Verhandlung 
kamen, nicht zur öffentlichen Kenntniß gelangt; es wird 
jedoch versichert, daß man übereingekommen sei, vor- 
läufig keine weiteren Schritte gegen die Schweiz zu thun. 
und abzuwarten, welche Veränderung die Tagsatzung 
an der bestehenden Bundesverfassung vornehmen werde. 
Mit der Umgestaltung dieser Verfassung wird es indessen 
nicht sehr schnell gehen, da der Entwurf einer folchen 
Constitution erst von einer Commission ausgearbeitet 
werden muß. Wie man vernimmt, wird die in nächster 
Woche wieder zusammentretende Tagsatzung vorzugsweise 
mit der Bestellung eines derartigen Ausschusses sich be- 
schäftigen. und nachdem dies geschehen, sich auf einige 
Zeit vertagen. 
— Vom schweizer Jura, vom 5. Jan. Der 
Bundespräsident Ochsenbein hatte in den letzten Tagen 
häufige Unterredungen mit dem englische» Repräsentanten. 
Wie es heißt, hat Hr. Canning de» freundschaftliche» 
Rath ertheilt, die Tagsatzung möge auf Antrag ihres 
Vorsitzenden die feierliche Erklärung abgeben, daß bei 
der vorzunehmenden Bundesdurchsicht die Grundlagen 
des Vertrages von 1815 auf keinen Fall eine Schmä 
lerung erleide» sollen und man die Cantonalsouverai- 
nität durchaus nicht zu beschränken beabsichtige. • Herr 
Ochsenbein hatte sich geneigt gezeigt, diesem Wunsche zu 
willfahren, allein mehre seiner Amtsgenossen legten Ver. 
Wahrung dagegen ein. Die Sache wird indessen bei 
der Tagsatzung zur Sprache kommen, zumal eine Col- 
lcctivnote der Großmächte — mit Ausnahme von Eng 
land und Rußland — im Anzuge ist. — Bois-le.Comie 
soll selbst uni schleunige Abberufung von seinem Posten 
gebeten haben. Sv wie in Bern versichert wird, unter, 
liegt es keinem Zweifts, daß Hr. v. Bufsièreê zu seinem 
Nachfolger auSersehen sei. 
Italien. Der .Freischütz' sag! über den Papst 
Folgendes: „Papst Plus IX., der als ein neuer, poli- 
tischer Hoffnungsstern am europäischen Horizonte aufge 
gangen war, scheint ein Komet zu sein, welcher zuerst 
einen hellen Kops und guten Kern zeigte, dessen böser 
Schweif aber nachkommt. Wir haben schon früher, 
bei Einstimmung in die Evvivas über ihn, welche durch 
alle Zeitungen Europas flogen, das bittere Aber hin 
terhergeschickt: schade, daß Pius IX. auch Papst ist! 
Dies bedenkliche Aber tritt gegenwärtig immer bedenk-' 
licher heraus, und der Ernst der guten Sache der Frei, 
heit, für welche alle besseren Seelen kämpfen, gebietet 
es, daß wir uns eben so offen über den bösen Schweif 
des römischen Kometen aussprechen, als wir seinen hellen 
Kern begrüßt haben. Die großen politischen Zeitungen, 
die aus lauter Diplomatie und Heuchelei zusammenge-' 
setzt sind, wollen zwar noch immer nicht sehen, welche 
Wendung der Dinge in Rom vor sich geht, und ver- 
stecken deshalb ihren Kops und ihre Zunge in einem 
dichten Busch von höfischen, suchsitischen Wendungen; 
wir aber, die wir die ehrliche in der Politik 
wieder einführen möchten, wir sagen offen: es 
muß Etwas im Staate Rom faul sein, denn es be 
ginnt von haher übel zu riechen.. Die Rede, mit der 
Pius IX. die Staatsconsulta eröffnete, gab nicht die 
geringste Hoffnung auf Erstrebung einer wirklichen 
Volksvertretung; sie klang, im Gegentheile, als bereue 
der heilige Vater schon, was der Fürst gethan hatte. 
Auch die freundliche Miene, welche Pius den Jesuiten • 
fitste, streitet gegen alles Gefühl der Freiheitsmänner 
gegen vielhundertjährige Erfahrungen, gegen das Prin.' 
eip der Humanität. Ja. als die erwachten Rönier den 
Sieg der Tagsatzung über die Sonderbündler feierten, 
wurde ihr Herrscher zornig und sprach ohne Scheu aus^ 
wie tief er diesen Sieg bedaure. Er drohte mit Ge 
waltmaßregeln. wenn sich solche Demonstratkvnen wieder 
holen würden. 'Auch sein Verhalten gegen England 
wegen der irländischen Zerwürsüisse und andere Aeuße 
rungen sind weniger geeignet, in Pius einen Helden 
der Weltliebe und Statthalter Gottes erkennen zu lassen 
als vielmehr einen starren Papst. 
Kopenhagen, vom 3. Januar. Unter den Gegen 
ständen deren.Einfubr ins Königreich bedeutend zugenommen 
bat, ist nach dem Tabellenwerk au» Balibolz hervorzu- 
beben. I» den Jabre» 1832 bis 1834 betrug die Durch- 
schnitiseinsubr und die Verzollung von dielem Artikel aus 
dem Auslande nur etwa 2i Millionen Cubikfuß und 2«50 
Commerzlasten. In den letzten Jabren sind die Zufuhren 
und die Verzollungen so gestiegen. daß sie im Jahr 1845 
3i Mill. Cubikfuß und 32,500 Commerzlasten und im Jahr 
1846 44 Mill. Cubikfuß und 38.500 Commerzlasten be 
trugen. Man siebt daraus, welche grobe Geldsumme» auf 
die Aufführung neuer Gebäude und Ausbesserung alr« 
verwandt worden sein müssen. Eben so bedeutend bar die 
Ausubr vv» Eiten zugenommen. Die Zufuhr von <Z„cker 
bat st» von 10 Milt. Ptuud durchschnittlich in 1832"—34 
auf 15 Milt. Pfund in 1844 — 46 gehoben. Auch brc Zu 
fuhr von Cassee har sich tu de» 3 letzteren Jahren im Ver- 
häliniß zu dem trüberen Trieniüum beinahe verdoppelt sie 
ist von ca. 3 Milt. Pfund ans fast 6 Mill. Pfund gestiegen. 
— Am vorletzten Sonntage zeigte der S»loßprediqer 
Pauli in der Haiipttirwe an. daß dem Wissen Sk. Majestät 
zufolge das Umhertrage,, der Tafeln (des Klingelbeutels) 
wahrend des Gottesdienstes in Zukunft aufhöre» werde 
daß dagegen aber zwei Becken am Eingänge der Kirche 
stehen wurden, um die Gaben der Gemeinde aufzunehmen. 
. /â-„Vom 7. Januar. Der auf gestern Abend angesetzte 
Hofball bei Sr. Mas. dem Könige ist wegen einer Asser- 
höchstdcmselben zugestoßenen Unpäßlichkeit bis weiter aus 
gesetzt worden. Diese Unpäßlichkeit ist indessen wieder ganz 
gehoben, so daß Se. Maj. Sich heute vollkommen wohl 
befinden. — Gestern Vormiitag nahmen Sc. Maj. der 
König und Se. köniftl. Höh. der Kronprinz die Corvette 
„Valkyr,cn" in Augen,»ein, welche am Nachmittag nach 
dem Nytlvb hinauslegte. Seitdem ist die Rhede mit Eis 
belegt und die Corvette eingefroren. 
— şşs ist c,ne Uebersicht der Finanzrechnnngsablage für 
1846 erschienen, wona» die Einnahmen in gedachtem Jahre 
18,502.961 Rb.'blr. 34-J iß und die Ausgaben 17,862,034 
Rbthlr. lOfk iß betragen haben. Elstere haben also tetziere 
um 640,927 Rbthlr. 24-^ iß überstiegen. 
— „Räubers Avis" theilt Folgendes mir: Dieser Tage 
bat ein Premierlieurenant beim hier garnisvnirenden 5ten 
Dragoneiregimenc sei» 27 jähriges Lieutenants-Jubiläum 
s-uer» können. Er soll auch für den Augenblick der älteste 
Lieutenant in der dänischen Cavallene sein. Ein anderer 
Lieutenant, der vor einem halben Jahre von diesem Ca- 
vaUerieregimeni na» einem andern versetzt wurde und sparer 
bis zum Premierlieuicnanc avancirie, war vor 27 Jahren 
noch nist geboren. (>>,, M,') 
— Vom 8. Januar. Die „Verl. Zig." theilt vorläufig 
die Recapitulation der für das Jahi 1848 veranschlagte,> 
Einnahmen und Ausgaben mit. wonach erstere zu 16,709 285 
Rblhlr. und letztere zu 16,686,502 Rbthlr. angenommen 
worden sind. Der Ueberfchuß kann also zu 22,783 Mbih. 
oder in runder Summe zu 22,800 Rbthlr. angenommen 
werden. 
— Die Siaaksschiild betrug am isien Januar 1847: 
106,314 520 Rbihlr., und wahrscheinlich am 1. Januar 
1848 etwa 105 Millionen, also 25 Miss, weniger als am 
1. Januar 1835. Naiürljcherweise haben sich auch die 
Zinsen verhälinißmäßig vermindert; sie betrugen im Jahr 
1835: 4,800,000 Rbl», und im I. 1846: 3 962,000 Rblh , 
>m vorigen Jahr also wohl nur 3 900.000 Rbthlr., folglicn 
900,000 Rbthlr. weniger als vor 12 Jahren. Eine bedeu 
tende Zunahme in der Einnahme zeigt die Sremvelgebühr, 
sie ist für das Königreich in 6 Jahren um 150,000 Rb.'h 
gestiegen (1840: 282,000 Rblh., 1846: 432,858 Rbrh.) 
— Die „Bert. Zig." berichtet: daß I. !. H. die Her 
zogin v. Orleans, im Namen des Graten von Paris und 
durch die hiesige französische Gesandtschaft dem Lieurenanr 
v. Raaslöff ein wertboolleS und prachtvoll ausgestattetes 
historisches Werk, in Begleitung eines für den Verfasser 
der algicrische» Schilderungen sehr i»meichelhafreu Schrei- 
heus, har zustellen lassen. 
— Die Corvette „Valkyrie»", commaiidirr vom Caxitain 
und Ritter Secher, ist heule Mittag, vom Dampfschiffe 
„Hertha" bugstrt, nach ihrer Bestimmung, der Küste von 
Guinea und den nicobarischen Inseln, abgegangen. 
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Elmshorn, vom 30. December, J„ unserer Nabe 
haben wir ein schreckliches Ereigniß erlebr. Eine mit einem 
Schuhmacher verbeiralhere Frau, Mutter von 2 Kinder», 
von welchen das eine, elwa 1 Jahr alt. schon früher ge 
storben ist, sagte den fürchterlichen Entschluß, ihr einziges, 
etwa 6 bis 7 Wochen altes Kind zu ermorden. Ais ihr 
Mann des Morgens trüh das Bett verlassen, um Feuer zu 
machen und den Kaffee zu bereiten, stand sie auf und er 
würgte das nnschnldige Geschöpf j» der Wiege. Der Mann 
kam herein und fand sein Kind schon todc, ahnete aber 
nichts von der Ursache des Sterbens. 3 bis 4 Wochen 
hindurch blieb die Sache dunkel, bis endlich das Gewissen 
erwachte,. und die Mörderin, bei ihrer verhetratheten 
Schwester arbeitend, stets weinte und auf den tröstenden 
Zuspruch ihrer Verwandten, daß, was Gott gethan, gewiß 
gut sei, die Worte aussprach: „Ja hätte Gott es gethan, 
ich würde mich beruhigen; aber ick habe es gethan und 
will auch daiür leiden, was über mich verhängt wird." — 
Sie wurde nun von. ihrem Schwager dem Piunederger 
Criminalgerichte überliefert, gestand anch dort sogleich 
Alles und erkrankte im Getângntsse, wo sie, nachdem sie 
dort 3 Wochen gesessen, gestorben ist. 
Schleswig. An die Stelle des ins Oberaxpellaiions- 
gerichr versetzten früheren Obergerichtsrakb« de Fonrena» 
ist der bisherige Auscnltant bei den s»leswig,chen Obeidi- 
casterien Friede. Mommsen allerhöchst designirr worden. 
Derselbe ist bereits zu de» vorschriftsmäßigen Probearbeiteu 
zugelassen. 
— AIs Nachfolger des von seinem Amte abgegangenen 
holsteinischen Obersachwalters, Justizrach Naben, nennt 
mau den Ober- und Landgerichls - Advocate» C. G. C. 
Schmidt von Leva, genannt von Hatcenstein, tu Oldesloe, 
der kürzlich zur Praxis beim Oberappellativnsgerichre betugr 
worden ist. 
— In der Stadt Schleswig wird von einer Anzahl 
angesehener Bürger und Einwohner eine Pnvat-Lehranstalt 
für den Real-Unterrichc zu begründen beabsichrigr, für wel 
chen^ Zweck eine jährliche Summe von 540 Rrblr. Cour, 
diirch ireiwillige Beiträge auf fünf Jahre gezeichnet ist. 
Mau hofft eine» im Lande wohl angesehenen Mann als 
Vorsteher und ersten Lehrer der Prtvatanstall gewinnen zu 
können. 
— Das plötzliche Sinken der N. Zweidrittelsiücke im 
Course und was damit zusammenhängt, hat auch hier, wie 
aller Orte», den Münzwirrwarr bedeutend erhöht. Die 
Wirkungen, welche die ersten Nachrichten darüber ausübten, 
ns*,»* c, Ar. daß man fast veranlaßt war, an das: 
„Nichts Heiliges ist mehr!" zu denken. Nur für 28 oder 
l) ß wollte mau überall das verfolgte Zweidrittelstück 
pafsireu lassen. Jetzt na« Verlauf einiger Tage hat stch 
zwar die ^Unruhe, aber nicht die Unordnung einigermaßen 
gelegt. «in Gegentheil ist letztere durch die verschieden 
ausgefallenen Beschlusse von Private» und öffentlichen Ku- 
siuiiteti ui Betreff der Annahme oder Nichrannabme der 
w Re> e stehenden Münze womöglich noch gesteigert. 
Wahrend u A. ec,„ge größere Geschäftsleute sie uichi an 
nehmen wollen, denen si» beispielsweise auch der hiesi.'e 
Lombard anschließt, hat d>e Commission der siädkischen Cot- 
legien, welcher die Verwaltung der Stadimühlen übertragen 
ist, eine» eigener, Cours von 30 ß bestimmt, dagegen aber 
wieder die hiesige Krämer - Compagnie (die Innung der 
Kaufleute) fast einstimmig (27 gegen 5) die Annahme der 
No-Lkucke zu voll im Detailverkehr beschlossen Die wei 
tere Entfernung vom Hamburger Geldmärkte wird auf 
dleie Uneinigkeit tnflutren, da, wie wir aus Privatkriefen 
ersehe», im südlichen Holstein au» die Detatlliste» si» hie 
und da schon über den Cours von 30 ß für Die vollwich- 
fiiļen, fur die andern darunter, geeinigt haben.— Wie soll 
das aber enden? ^ ^ ^ 
Hadcr-Sleben. Es ist jetzt die erste Nummer der 
„Lyna" unter der Redaction des Herrn P. C. «och er, 
. ttbienen. Sie führt jetzt die Ueberschrift „Lyua, Ein 
Schleswigschks Wochenblatt", und leitet ihre neue Laufbahn 
mi: einem Artikel „Was wir wünschen" ein. Hierin foil 
kein Programm, kein „zierli» ausstaifiries politisches 
Glaubensbekenntniß» enthalten sein, weil die Redaction 
„allen Dünkel daß: und ibre Kräfte nickt gern überschätzi" 
Sie will nur Wünsche anssprechen, und diese zunächst auf 
ein großes Gut richten, das wir augenscheinlich mehr oder 
minder verloren harren, auf „politische Genügsamkeit." 
Fviedeichstadt. Indem der „D. u. E. B." eine Be 
schreibung des bei der am 28. Dec, stattgefundenen Ein 
weihung der neuen Synagoge der israelitischen Gemeinde 
in Fkiedrichstadc Vorgefallenen giebt, bemerkt er, daß der 
den 4. Aug. 1842 zu Hamburg verstorbene Isaac Hartwig 
zufolge Testaments vom 16. Juni 1839 ein Capital von 
15,000 »iĶ Cour, für eine daselbst zu erbauende Synagoge 
ausgesetzt hatte. Der Bau wurde dadurch verzögert, daß 
mau sich nicht sofort über de» Banplatz einigen konnte 
Erst im Frühjahr 1846 begann der Bau, welcher im Sept' 
1847 vollendet wurde. Das neue israelitische Gotteshaus 
gereicht seinem kürzlich verstvi denen Baumeister Bülck in 
Rendsburg (dessen Tod für unsere Stadt ein beklagens- 
wcrrher Verlust zu nennen ist, da der Verstorbene sich nicht 
alle,» in seinem Fache sehr voriheilhast auszeichnete, sondern 
Überhaupt ein gestiinungS!Ü»ttger, regsamer Mann war 
w,e ihn unsere Zeit erfordert,) zur Ehre. Es ist einem 
edle» »nd einfachen Styl wie die Alivnaer Synagoge (wo 
von der eiste Riß von I. Bromberg in Hamburg angefer 
tigt ward) eibauc und macht eine» sreundlicheu Eindruck 
wodurch dasselbe sehr mir der alle» Synagoge contrastir/ 
Dazu wird das Ganze noch durch einen ausgezeichnet schönen 
Kronleuchter gehoben, welcher, von dem Rothgießer Wallen 
in Heide verfertigt, in seiner Art eine wahre Zierde sckles- 
wigholsteinischen Kunstfleißes ist. 
FlonSbnrg, den 3. Januar. Das neue Jahr har sich 
hier bei uns unler fehr bedenklichen Anzeichen eingestellt. 
Kurz vor demselben erregte der Feuerlärm unsere Stadl, 
was sich jedoch zum Glück als unbedeutend herausstellte. 
I» der Sylvesternacki aber, gegen Morgen, weckte plötzlich 
eni rasendes „Feuerjo!" die guten Bewohner Flensburgs, 
welche kaum von dem reichlich genossenen „Neujahrs-Punsch" 
sanft und setig eingeduselt waren. Der ganze Horizont 
war eine rothe Gluth, und Jeder glaubte sich das Ver 
derbe» am nächsten. Zum Heil der Meisten aber wac'daS 
Neujahrsiener in unserer Neustadt in einer dasigen o.. 
mühle. ausgebrochen, und der Wind uns so günstig,H 
mir dies eine beträchtliche Gebäude von den wüthenden 
Flammen eingeäschert wurde.. — Bei dieser Gelegenheit 
niüffen wir abermals darauf aufmerksam machen, daß cs 
Flensburg, der zweitgrößten Stadt derHerzogthümer, „och 
immer an einer Brandordniing fehlt, obgleich solse, fertig 
im Papier ausgearbeitet, schon feit Jahren auf „»ferm 
Polizeibureau liegt. Cs scheint, als ginge es diesem Ent 
würfe wie den harten Aepsftn, die nur durchs Liegen reif 
werden! — 
— Unsere Eisenbahn-Angelegenheiten stehen noch auf 
demselben Punkt: man weiß nvck nicht, was daraus ivird. 
Jedenfalls wirb eS eine schwere Geburt gebe», wen» nicht 
die Staars-Finauzeu das Accoucheur-Amc übernehmen. 
- Unsere Theater-Saison ist zu Ende; die Gesellschaft 
hat gute Geschäfte gemacht, das Publikum ist zufrieden. 
Der bisherige Recensent aber. Herr Dr. Meeder, hat schon 
vor dem Schluffe derselben seinen Abschied erhalten, weil 
ein von ihm verfaßtes Stück keinen Beifall erhalten konnte, 
so daß man zum Erstenmal im hiesigen KuNsttempel pfeifcn 
horte, eine Rarität in Flensburg, wo man mir Aeußerungen 
überhaupt sparsam ist. (Wgr.-Fehm. BI.) 
Tönning. Da über den Beginn des für Tönning 
bewilligten zweiten Wochenmarkt-Tages verschiedene An- 
sichien im Public» verbreitet sind, so theilen wir den Lesern 
mit, daß derselbe tu diesem Jahre beginnen wird, sobald 
die Dampfschifffahrt zwischen hier und den englischen Haien 
den Anfang nimmt, und zwar am Mittewochcn jeder Wo»e. 
Sv lange die Dampfschifffahrt anhält, wird ein Vievmarkc 
damit verbunden sein, in der übrige» Zeit der Wochenmarkt 
als soicker für sich allein bestehen. (D. u. E. B.) 
Glückstadt, den 5. Januar. Mit dem Winterverkehr 
unseres Ha,ens, welcher sreilicd seit heule durch den strengen 
Frost vorläufig in Stocken gerathen ist, wurde hier wieder 
ein neues Project zu einer Dampischifffahrt zwischen Eng 
land und »rer bekannt. In Lowes.'vir, einem kleinen Ha- 
teiivlatz 10 bis 12 deutsche Meilen nördlich von Harwick, 
und durch eine Zweig - Eisenbahn. die in die Lästern 
Count)- Railway mündet, mit London verbunden, hat sich 
erne GeseUschafl gebildet, die den dortigen Hasen verbessert 
und^ die gedachte Zweigbahn erbaut har, und nun auch daran 
denkr, eine Dampfschifflinie nach der Elbe zu errichten und 
Glückstadr zu ihrem Ausgangspunkt zu wählen. Man hofft 
die Ueberfahrr in 36 Stunden zu machen und dadurch be 
fähigt zu sein, mit der London-Hamburger Linie der Ge 
neral-Steam-Navigation-Company, was den schnellen Ver 
kehr anbelangt, concurrire» zu können. Ob dieser Plan 
mehr Aussicht aus wirkliche Ausführung darbietet, wie das 
trübere Damptschifffahrtsprvjecr von Harwick nach Glück 
stadt, muß die Zukunft lehren. Die beträchtlich größere 
Entfernung Lowestoft's von London scheint nr»: gerade 
dafür zu lprecheu. Ferner hofft mau die Dampfschifffahrt 
zwischen hier und Hull in diesem Jahre wieder aufleben zu 
sehen, indem sich der dänische Consul Good in Hull lebhaft 
sur diesen Plan interessirc. Eine nothwendige Voraussetzu iig 
für den glücklichen Fortgang solcher Uuternehmuugen wird 
freilich die fernere Verbesserung unseres Hafens sein, in 
dessen ist die günstige Aussicht vorhanden-, daß dazu von 
J- -
	        
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