Full text: Newspaper volume (1817)

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Zch habe rveder Vater noch Geschwister mehr, 
antwortete der Franke, aber ich liebe eine von den 
Töchtern unseres Volkes/ di«.jetzt' die Nàchce um 
mich verweint. . '' " 
Ziehe hin, zu der Jungfrau deiner Liebe, rief 
Germar, und gedenke meiner! Er schüttelte ihm bei 
diesen Worten treuherzig die Hand, und begleitete 
ihn bis an die nahe Grenze. Siegbert konnte keine 
Worte finden,, um seinen Dank auszudrücken. Auf 
der Stelle, wo sie sich nun trennen wollten, legte 
er seine Rechte in Germars Rechte, und sagte, rief 
gerührt: Laß uns den Bund ewiger Gastfreundschaft 
beschwören!— Die Jünglinge schwuren im Angesicht 
der Sterne, und Germar gab Siegberten sein Schwert. 
Dieser aber ihm einen Ring zum Andenken. 
Einige Monate waren seitdem vorübergegangen, 
da beschloß der Allemannische König,- der an der 
Grenze gebot, die Franken zu überfallen, und Rache 
an ihnen zu nehmen. Germar war mit in diesem 
Heerzuge, der einen glücklichen Erfolg harte, denn 
die Franken, die sich keiner Feinde versahen, wurden 
«ine große Strecke weit zurückgetrieben, und mußten 
den Siegern eine rcicye Beure überlassen. Germar 
verlor sich zufällig von den übrigen Haufen in ein 
einsames, mit Baumen bewachsenes Thal; er wollte 
eben wieder umkehren, denn er sah, daß er irre ge 
gangen sey, da hörte er ein ängstliches Gewimmer, 
und gieng hastig darauf zu- und fand eine Jungfrau, 
die mck Stricken an einen Baum gebunden war. 
Ihre Schönheit und ihr Schmerz erregten die Theil 
nahme des Jünglings. Wer bist du, redete er sie 
an, und wer mochte so gegen dich handeln? 
Ich heiße SwaNehild, sagte sie, und din von edlem 
Fränkischem Geschlecht. Eurer Krieger Einer hat 
mich auf der Flucht ergriffen, und ist Hinabgegangen 
an den Fluß, um zu sehen, ob kein Schiff dorr sey. 
Ach, er will mich als Gefangene mit fortschleppen.
	        
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