Full text: Newspaper volume (1817)

- . ■.I 
die Gestalt und das Wesen des Fremden, oder alles 
dieses zusammengenommen, ihn besonders ergriff. 
Ich übernehme den Antrag, sagte er. Thun sie 
es recht con amore, erwiederte der Fremde, Sie ar 
beiten für einen Kenner. 
Das ist mir desto lieber, versetzte Mozart. 
Wie bald denken Sie damit fertig zu werden, 
fragte der Unbekannte? Zn 4 Wochen. Und wie 
hoch schätzen Sie die Arbeit? 100 Ducaten. Sehr 
wohl sagte der Fremde, indem er ioo Ducaten auf 
den Tisch zählte, — nach 4 Wochen komme >ch wie 
der zu Ihnen. Der Fremde ging. 
Mozart stand einige Zeit in Nachdenken versunken, 
lief dann gleich an seinen Schreibtisch, und fing wie 
begeistert an, diese Composition zu schreiben, so ängst.- 
lich, daß seine Gattin besorgte, ein so gespinnter 
Zustand werde seiner damals schon sehr wankenden 
Gesundheit tödlich werden. Sic bar ihn also we 
niger anhaltend zu arbeiten, aber umsonst; er dach e 
unablässig daran, und schrieb oft noch spät in die 
Rächt hinein. * 
Als sie einst sehr in ihn drang, weniger emsig zu 
seyn, antwortete er mit Heftigkeit: Ich setz es frr 
mich selbst dieß Requiem und muß eilen, daß cs zu 
meinem Begräbnis; fertig werde. Wirklich fühlte er 
sich sehr angegriffen, und die Arbeit rückte langsa 
mer vor sich cuo er wünschte. 
Unterdessen waren die bestimmten 4 Wochen ver- 
fiossen und der Fremde erschien , um die Cvmposicion 
abzuholen. 
Ich habe nicht Wort halten können, rief ihm Mo 
zart entgegen, meine Arbeit ist noch nicht fertig. 
Gut Ding will Weile haben, erwicdecie der Unbe 
kannte. Wie lange glauben Sie now daran zuarbeiten? 
Noch 4 Wochen. Ihre Aufforderung hat sehr viel 
Interesse bei mir erregt, und so habe ich mich wei 
ter darin vertieft, als ich anfangs zu thun dachte. , -
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.