Full text: Newspaper volume (1808)

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tilgen himmlischen Lichtstrahles beraubt. Ihr könnt 
— ihr dürft nie wahrhaft glücklich seyn! 
Doch auch den Myrtenkranz, welcher die Stirn 
der Treue umgiebt, verbürgt nicht immer ein 
wahres, dauerndes.Glück. — „Gáb' es mehr 
Ehen," — sagen viele rechtliche Leute, — „so gab' 
cs auch mehr wirkliches Glück." — Am Allgemeinen 
stimme ich den rechrlichen Leuten sehr gern 'hierin 
bei; denn Leichtsinn, Sittenlosigkeit und vergebliches 
Jagen nach unhaltbareren Freuden, wodurch die 
Ehen immer seltener werden, führen schwerlich zur 
wahren Glückseligkeit. Aber lausend einzelne Falle 
zwingen mir auch den Ausruf ab: „Ware man 
nur weniger auf den Ruhm einer standhaften Treue 
und auf die Glückseligkeit des Ehestandes erpicht, 
so wäre weit weniger Elend in der Welt!" 
In vollem Ernst: ein sehr lebhaftes Gefühl — 
halb aus Mitleid, halb aus Unwillen zusammen 
gesetzt — dringt mir nicht selten den Wunsch ab: 
Möchten Liebende und Verlobte doch öfter ihr Wort 
brechen, so würden späterhin weniger Ehen und 
Herzen gebrochen! 
Es lieft sich in hundert Büchern recht schön, 
wie Amatus und Amata, in allen Welttheilen und 
Lagen, unter Christen und Türken, im Purpur und 
in Sklavenfesseln, die Feuer- und Wasserprobe ihrer 
Liebe bestehen, und endlich nach langem Harren 
und nach tausend siegreichen Kämpfen mit hart 
herzigen Anverwandten, gottlosen Nebenbuhlern, 
wilden Thieren und Menschen und Stürmen des 
neidischen Schicksals, zum Löhne ihrer Treue am 
Altare den priesterlichen Segen empfangen, und 
in dem Maaße, als sie sonst unglücklich waren, jetzt 
mit einem Maie und auf ewige Zeiten glücklich 
werden. Auf Sturm und Donnerwetter, auf Schiff- 
bruch und Erdbeben folgt nun ein ununterbrochener, 
erquickender Doiinenschein. Der Held und die 
Heldin des Buches trinken nun nichts als Nektar,
	        
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