Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

Obduction die verschiedenen Organe nicht mehr zu erkennen und 
zu unterscheiden waren“ — so ist es bekannt, dass die äussern 
Geburtstheile fast bei jeder Erstgebärerin, bei Zangengeburten 
und Wendungen aber wohl immer und um go mehr anschwellen, 
je länger diese dauern und je schwieriger sie sind. Dass die 
Obducenten die genannten Theile nicht haben auffinden und un- 
terscheiden können, ist um so auffallender, da sie selbst sagen, 
die Fäulniss sey noch nicht bedeutend vorgeschritten gewesen etc.; 
Fäulniss konnte sie also nicht zerstört haben, weshalb waren sie 
nun nicht zu erkennen? Wären alle Theile etwa so zerrissen ge- 
wesen, dass man sie deshalb nicht hätte erkennen können? Dann 
Würde die B. schwerlich noch 6 Tage gelebt, oder sie müsste 
doch in dieser Zeit unwillkürlichen Stuhl- und Harnabgang ge- 
habt haben. Jedenfalls ist hier die Obduetion sehr mangelhaft 
gewesen, da sich keine genauere Angabe über diese Theile fin- 
det, — Auch das Abreissen des Rumpfes vom Kopfe kann dem 
Chirurgen O. nicht zum Vorwurf gemacht werden, da er dies 
nicht durch starkes Ziehen bewirkt hat, wie sieh aus. den Zeu- 
genaussagen ergiebt; eben so wenig kann es in Folge des freien 
Herabhängens des Kindeskörpers geschehen seyn, da der Hals 
selbst in diesem Falle wohl im Stande ist, den Körper zu tra- 
gen. Leider gehört aber,dieses Ereigniss nicht zu den Selten- 
heiten, weshalb man auch verschiedene Instrumente erfunden hat, 
um den zurückgebliebenen Kopf herauszufördern. Es ist dieses 
den geschicktesten Geburtshelfern begegnet und kann namentlich 
nach dem Zeugniss der Schriftsteller unter Umständen, wie sie 
hier obwalteten, ohne Verschulden des Operateurs sich ‚ereignen. 
In keinem Falle ist aber der Mutter und dem Kinde dadurch ein 
Schade zugefügt worden, da letzteres längst todt war, und als 
ein reifes, ausgetragenes, durch dieses enge Becken nicht lebend 
geboren werden konnte; auch, selbst wenn es noch am Leben 
gewesen, der absolut tödtlichen Perforation hätte unterliegen müs- 
sen, Auch die Mutter hätte auf keine Weise früher ihrer Bürde 
entledigt werden können, da erst nach Beendigung der hier so 
schwierigen Wendung und Extraction, und nach wiederholten 
Versuchen, den zurückgebliebenen Kopf mit der Zange herauszu- 
fördern, die Perforation hätte verrichtet werden dürfen, bei wel- 
cher aber die Mutter, wegen.des sehr engen Beckens, wiederum 
leicht verletzt werden konnte. Dass das Zurückbleiben des Ko- 
pfes ihr geschadet,,ist durch nichts erwiesen; Spuren von Ent- 
zündung haben die Obducenten nirgends gefunden, wenigstens 
nichts davon erwähnt; im Gegentheil sagen sie: die Gedärme 
Beyen weiss und blutleer gewesen; während bei irgend bedeu- 
fender Entzündung des Uterus sich wenigstens Spuren einer sol- 
chen auch an den Gedärmen gezeigt haben würden. B. starb, 
Nachdem der durch Fäulniss verkleinerte und zusammengefallene 
Kopf schon vor mehreren Tagen von selbst abgegangen. Dass 
VI. Staatearzneikunde, 
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