Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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VI. Staatsarzneikunde. 
die Wendung verrichtete und erst später, als er den Kopf nicht 
mit den Händen entwickeln konnte, die Zange anlegte, wie es 
in Fällen der Art erforderlich ist, Wenn der Phys. P. das Stroh- 
lager auf der Erde für unzweckmässig hält, so‘ ist dagegen „zu 
erinnern, dass gerade diese Lage, in Ermangelung von anderen 
Vorrichtungen, wie dies auf dem Lande gewöhnlich‘ der Fall ist, 
für die Kreissende nicht unbequem, desto unbequemer aber für 
den Geburtshelfer war, der wahrscheinlich während der ganzen 
Operation auf den Knieen liegen musste, und dennoch so die 
schwierige Wendung und Extraetion bis zum Kopfe zu verrichten 
im Stande war, Nicht ein unzweckmässiges Lager, sondern Enge 
des Beckens war Schuld daran, dass der Kopf nicht entwickelt 
werden konnte, denn das gelang eben so wenig, als die Krei- 
sende ganz kunstgerecht auf dem Tische lag, von hinten und zu 
beiden Seiten gehörig unterstützt, und der Geburtshelfer zwischen 
ihren Füssen sass.. Obwohl der Amtsphys. P. dem Wundarzte 
0. Unbesonnenheit und Uebereilung  vorwirft, so sagt er doch 
wiederum an einer andern Stelle: „nun erst wurde zur Wendung 
geschritten und in der höchst ungünstigen Lage der Kreissenden, 
nach Aussage der Hebamme, unter verschiedenen Pausen wohl 
6 Stunden zugebracht etc.“ — und scheint demnach zu glauben, 
dass die: Wendung eher zu langsam als zu übereilt verrichtet 
worden. — Wenn aber O., nachdem er sich vom Stande der 
Dinge untertichtet, ohne Aufschub zur Hülfsleistung schritt, so 
‚war dies kefne Uebereilung, sondern durchaus 80 angezeigt, da 
die RB. bereits 5 Tage im Kreissen gelegen, die Wasser schon 
Jange abgeflossen und eine Querlage vorhanden war. Eben 80 
wenig können ihm die Unterbrechungen und Pausen zum Vorwurfe 
gemacht werden, als habe die Operation zu lange gedauert, da 
doch rasche Beendigung der Geburt für Mutter und Kind sehr 
wünschenswerth gewesen; denn die ausserordentliche Kraftanstren- 
gung bei solchen Entbindungen erfordert auch Ruhe, um neue 
Kräfte zu sammeln. Allen Aussagen zufolge hat ferner O. bei 
seinen Entbindungsversuchen”mit der Zange, nach geborenem Rum- 
pfe des Kindes, diesen theils unterstützen, theils auf dem Tische 
aufliegen, und nur erst dann unaunterstützt herabhängen lassen, 
als das Kind längst todt war, ihm also durch nichts mehr Scha- 
den zugefügt werden konnte. Es trifft ihn daher der Vorwurf im 
Gutachten nicht: „dass der Körper des Kindes‘, während die Mut- 
ter auf dem Tische lag, ohne kunstmässig behandelt zu werden, 
grösstentheils selbst ohne Unterstützung aus den Geburtstheilen 
berausgehangen habe,“ — Wenn es ferner im Gutachten heisst: 
„eine natürliche Folge aller dieser Operationen musste ein be- 
deutendes Leiden der innern und äussern Geburtstheile und der 
naheliegenden weichen Theile seyn, und es ist nicht zu verwun- 
dern, dass dieselben ganz dick geschwollen, was vor der Unter- 
suchung dea Chirurgen nicht der Fall gewesen, und dass bei der
	        
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