Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

v Staatsarzueikunde. 
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welche Beschuldigungen dem Chirurgen O0. gemacht werden könn- 
ten. — Dieser erwiederte unterm 19., dass die Aussagen der 
Betheiligten sich ganz entgegen ständen, und im Falle die der 
Hebamme begründet wären, das Verfahren des O. als sehr re- 
gelwidrig erscheine; im andern Falle: aber dasselbe grössten- 
theils gerechtfertigt seyn würde. Kr gebe daher anheim, wei- 
tere Untersuchungen zu verfügen. — Den 21. Jan sendete das 
Criminalamt die Acten an die königl. Jwstiz-Canzlei mit der 
Anfrage: ob gegen O. eine eriminelle Untersuchung einzuleiten 
sey? und wurde unterm 25. beschieden: dass zuvörderst der 
Amtsphys. C. zu befragen sey: ob es nicht zweckmässig, die 
Leiche der M. B. auszugraben und deren Becken zu untersuchen 
und, auszumessen. Dann solle die Hebamme, der Chirurg O., et- 
waige Zeugen etc. nochmals vernommen werden, um die be- 
stehenden Widersprüche möglichst zu heben, und im Entstehungs- 
falle die Hebamme nebst den Zeugen in Gegenwart des Chirur- 
gen O0. auf ihre Aussagen zu beeidigen. — Auf dem. Phys. C. 
unterm 1. Febr. vom Criminalamte vorgelegte Frage: ob es zweck- 
mässig sey, die Leiche auszugraben und das Becken zu unter- 
suchen? erwiederte derselbe: er halte dies für angemessen; Viel- 
leicht könne auch noch eine etwaige Verletzung des Uterus wahr- 
genommen werden.. —. Am 6. Febr. erfolgte die Ausgrabung 
und legale Obduction im Beiseyn einer Amts-Deputation vom 
Physikus P. und Amtschirurgen S. — Die Leiche war sehr abge- 
magert; die Verwesung namentlich an den Geburtstheilen schon 
weit fortgeschritten, aus denen blutige Jauche floss; dadurch 
wurde die genaue Untersuchung sehr erschwert und respect. un- 
möglich gemacht; der Damm war bis zum Mastdarme ‘verletzt; 
Hie Darmbeinkämme standen 104 weit von einander, ‘der ÜUte- 
rus war 8} lang, 31“ breitz es ergoss sich aus ihm viel blu- 
tige Jauche, doch zeigte sich nicht eine Spur von Verletzung 
an ihm. Die Gedärme waren sehr blutleer, die Leber klein, 
die Gallenblase gefüllt... Harnblase und Mastdarm konnten der 
Fäulniss wegen nicht untersucht werden. ‘ Die Messung des ge- 
reinigten Beckens ergab 1) Conjugata des Einganges 27, 2) gros- 
ser oder Quer-Durchmesser 6“, 3) schräger Durchmesser 5”; am 
Beckenausgange: 4) der gerade, von der Spitze des Steissbeins 
bis zum. Schoossbogen 4”, 5) die Entfernung der Sitzknorren 
41, Die an demselben Tage nochmals vernommene Hebamme 
bestätigte ihre frühere Aussage und war- bereit sie eidlich .zu 
erhärten, — Der Phys. C. erklärte auf das ihm unterm 11. Febr. 
mitgetheilte Obductionsprotokoll: dass diesem zufolge: das Be- 
cken naturgemäss gewesen. — Der am’ 13. Febr, nochmals vor- 
geladene Chirurg O. erklärte die Aussage der Hebamme, : als 
habe das Kind bei seiner Ankunft ‘noch gelebt, für unwahr; 
wenn das Becken dem Obductionsprotokolle nach nicht zu eng 
seyn solle, so könne er sich wohl geirrt haben; aber dennoch 
habe er eine Wendung auf den Kopf nicht ausführen‘ können,
	        
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