Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

V. Gynäkologie und Pädiatrik, ; 
Sol 
gang besonders begünstigt. — N. nimmt nach GaLL’s Vorgange 
an, dass einzelne Arten von Vorstellungen an gewisse Organe und 
Theile des Gehirns gebunden seyen; so gebe es eins, dem alle wol- 
lüstigen Vorstellungen näher angehen, das man daher das Organ 
des Geschlechtstriebes im Gehirn nennen könne; fortwährende 
Aufregung desselben bedingt stärkere Vegetation; und es wird da- 
her die übrigen Theile des Gehirns endlich gleichsam überwach- 
sen; seine Thätigkeit steigert sich immer mehr und wird allen an- 
dern überlegen; so lange indess die Centralkraft des Gehirns (das 
analytische Vermögen, der Verstand) diese Thätigkeit noch zu 
beherrschen vermag, wird nur Einseitigkeit der psychischen Aeus- 
serungen, sittliche Verschlechterung dadurch begründet; aber mit 
jedem Tage steigert sich die Disposition zu dem Zustande, wo die 
Centralkraft die Thätigkeit des ihr überlegen gewordenen Hirn- 
theils nicht.mehr dominiren kann (Wahnsinn); geht die Herrschaft 
der Centralkraft hinsichtlich aller Vorstellungsreihen, d. i. der Thä- 
tigkeiten aller einzelnen Hirntheile verloren , so ist Manie, Tollheit, 
die nothwendige Folge. Wie also die beständige Richtung des Gei- 
stes ‚auf Geschlechtsgefühle zum Wahnsinn oder gar zur Tollheit 
disponirt, so kann eine solche Disposition auch vom Schleimsystem, 
zunächst von der immerwährenden Reizung der Schleimhaut der 
Geschlechtstheile ausgehen. Zur Integrität des Vorstellungslebens 
ist periodische Ruhe dieser Thätigkeit erforderlich, Schlaf, wäh- 
rend dessen das Gehirn bloss vegetirt; die Ganglien , die Nerven- 
centra der Vegetation, schlafen nicht; je lebendiger ihre Thätigkeit 
ist, die sie auf das Gehirn reflectiren, desto mehr wird Schlaflosig- 
keit, bei einem niederen Grade ihrer Thätigkeit aber bloss Träu- 
me, die Folge seyn; Schlaflosigkeit führt nothwendig krankhafte, 
übergrosse Reizbarkeit beim Verfall der Vegetation herbei; alle 
Arten von Vorstellungskrankheiten können davon die Folge seyn, 
die Verschiedenheit der Form hängt nur von zufälligen Modificatio- 
nen ab. , Immerwährende Reizung der Pler. renal. muss daher 
endlich absolute Schlaflosigkeit herbeiführen und wird so zur 
Quelle das Leben vernichtender hysterischer Leiden, bis endlich 
völlige Geistesverwirrung und hektisches Fieber, als unausbleib- 
liche Folgen, dem zerrütteten Daseyn des ‚80 entstellten Indivi- 
duums ein Ende machen. Dies ist der grösste Nachtheil von völ- 
liger Unterdrückung des Geschlechtstriebes, besonders wo früher 
die Befriedigung desselben zur Gewohnheit worden war, während 
seine normale, mässige Befriedigung am sichersten gesunden, 
erquickenden Schlaf und somit Ernährung und Stärkung des Ge- 
hirns befördert. {[Siebold’s Journal, Bd. AU Er 5 1834.) 
289. Geburtshülfliche Miscellen aus den Tagebü- 
chern des Medicinalrathes und Kreisphysicus Dr. ScHnEwErR in 
Fulda. 1) Eine durch Rhachitis verunstaltete Frau mit enor- 
mem Fett - und. Hängebauche, deren rhachitisches Becken kaum 
3“ in der Conjugata ınaass, und die bei vielem Essen und Trin-
	        
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