Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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V. Gynäkologie und Pädiatrik. 
Geschöpfe liefert indess rücksichtlich beider Geschlechter ein 
ganz anderes, Resultat. Der Same ist ursprünglich zur Zeugung, 
nicht aber zur Resorption bestimmt; die Pflanze, deren Blüthe 
keine Zeugungsfähigkeit hat, entfaltet mehr und schönere Bliu- 
menblätter; das Säugethier, dem die Zeugungsfähigkeit genom- 
men wurde, wie der Eunuch, bilden sich anders aus als das 
zeugungsfähige Individuum; die plastische Kraft nimmt, da sie 
nicht auf die Zeugungskraft wirken kann, eiue andere Richtung; 
inwiefern der Zeugungsact die höchste Aeusserung‘ der plasti- 
schen Kraft ist, muss allerdings die letztere durch die öftere 
Wiederholung erschöpft und geschwächt werden; zudem darf man 
ja hierbei nicht den Säfteverlust als die Hauptsache betrachten, 
sondern vielmehr die wichtigere Nervenwirkung. Ein Haupttheil 
des Nervensystems, das der Vegetation vorstehende Unterleibs- 
Gangliensystem, erreicht im Begattungsaete den Culminationspunkt 
seiner Erregung, weniger beim Manne, bei dem das ganze Zeu- 
gungsgeschäft nur Nebensache ist, während es offenbar die Haupt- 
bestimmung des ganzen weiblichen Lebens bis zum 50. Jahre 
ausmacht und. sogar seinen Einfluss noch über diese Zeit hin- 
aus erstreckt... Missbrauch in dieser Rücksicht muss daher dem 
Weibe noch viel mehr und auf ganz andere Weise schaden, als 
dem Manne; letzterem schadet nur unnatürliche Wollust, nur zu 
frühe Befriedigung derselben, nur zu häufiger Wechsel des Ge- 
genstandes des Genusses, nur Streben nach Befriedigung in schon 
vorgerückten Jahren. Das Weib aber wird auch durch Ueber- 
maass der natürlichen Befriedigung, wie durch unnatürliche Wol- 
lust im eigentlichen Sinne zerstört; nur solche feile Dirnen wer- 
den bei dem höchsten Excesse feist und bleiben gesund, die 
sich mit der höchsten Gleichgültigkeit preisgeben. Unter keiner 
Menschenclasse ist die Sterblichkeit, abgesehen von syphiliti- 
scher Ansteckung, wovon sie freilich selten frei bleiben, grösser 
als unter diesen Dirnen; sie gehen bald an Durchfall, bald an 
einer eigenthümlichen Kolik, an hektischem Fieber, an Diabetes, 
an Desorganisationen der Geschlechtstheile, zu Grunde, andere 
werden wahnsinnig, oder im höchsten Grade hysterisch, siech 
und elend, Das Zerstörende ihres Gewerbes fällt um: so mehr 
ins Auge, wenn man bedenkt, dass diese Dirneh anfangs meist ro- 
bust und wohlgebildet sind.‘ Aber auch andere, höher stehende, 
Frauen gehen durch Wollust zu Grunde, und die Aerzte dürfen ent- 
weder aus Discretion die wahre Ursache des Siechthums bloss ver- 
muthen, oder sie lassen sich durch die Erzählungen der Kranken 
täuschen, die die wahre Ursache ihrer Leiden entweder absicht- 
lich verbergen, oder sich selbst darüber betrügen. Die männli- 
chen Geschlechtstheile erhalten ihre Nerven vom Nierengeflecht 
allein, und es findet daher bloss ein einfacher Antagonismus 
zwischen diesen vegetativen und den aus dem Rückenmark ent- 
springenden Nerven Stattz erst secundär treten Erscheinungen 
eines Zusammenhanges des Pler, renal. mit den übrigen vege-
	        
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