Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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- IV. Chirurgie und Ophthalmologie. 
die ganze Blutmasse aus, wobei man noch 2 Esslöffel voll Blut- 
klumpen bekam und wodurch sich unter dem Stirnbeine eine so 
grosse Höhle bildete, dass man mit dem Finger frei nach oben 
und nach vorn bis zur Augenhöhle dringen konnte, worans die 
Grösse des Extravasats und,der Grad, ih dem das Gehirn einige 
Tage zusammengedrückt war, hervorgeht. Doch war das Allge- 
meinbefinden ganz günstig, es fand sich nur lcichtes Fieber, 
unbedeutender Kopfschmerz, viel Hitze, wenig Appetit etc., sonst 
aber keine Störung im Gesichte oder Gehör, wie bei solchem 
Drucke wohl zu erwarten gewesen wäre. . Nachdem bis zum 
6. Tage mittelst Spritze täglich einige Blutklümpchen entleert 
worden waren und sich nach und nach das Gehirn wieder ge- 
hoben hatte, überzog sich die harte, unter dem Extravasate ganz 
schwarzbraun aussehende Hirnhaut ini ganzen Umfange dessel- 
ben mit Eiter, so dass noch 5 Tage die Injectionsflüssigkeit da- 
mit getrübt war; dann schälte sie sich auf der Oberfläche ab 
und bildete gegen den 11. Tag die ersten Granulationen, die 
sich an den Stirnknochen legten und gegen den 17%. Tag ‘die 
Trepanöffnung ausfüllten. Mit der 6. Woche war die Wunde 
völlig vernarbt. —' Ohne den Trepan würden heide verloren ge- 
wesen seyn: Der Erstere in Folge des heftigen Reizes, den 
ein die harte Hirnbaut durchdringender und etwa + Zoll tief in 
den hintern Theil des grossen Gehirns eingesenkter, spitziger 
Knochensplitter hätte verursachen müssen, der Andere, von 
den kleinen, nach einwärts stehenden Spilittern abgesehen; in 
Folge eines Blutextravasates, das wegen seiner grossen Masse 
wohl kaum ganz hätte aufgesaugt werden können, ohnehin da 
die harte Hirnhaut durch Druck schon nach 3 Tagen missfarbig 
war. und sich nur durch Abstossung ihrer Oberfläche und reich- 
liche Eitersecretion wieder erholen konnte; hätte man erst drin- 
gende Symptome abwarten wollen, so würde der Erfolg weit 
weniger günstig gewesen-seyn, da man dann wenigstens heftige 
Entzündung der Hirnhäute hätte bekämpfen müssen. ‚ Jedenfalls 
aber können auch solche einzelne Thatsachen in etwas die nach- 
stehenden, so vielfach angefochtenen Sätze bestätigen: 1) die 
Trepanation ist an und für sich weder gefährlich, noch schmerz- 
haft, ja oft hat sie nicht ‚ein Mal ein Wundfieber zur Folge. 
2) Je früher man bei Fracturen mit Eindruck trepanirt, um so 
günstiger ist der Erfolg. — Noch fügt V. hinzu, dass bei Fractu- 
ren mit Eindruck meist der untere Theil eingedrückt ist; dass da- 
bei häufiger grössere: Stücke der innern Gilastafel abgesprengt 
sind, als man dem ‚Durchmesser der Fractur nach erwarten sollte; 
dass Compression des vorderen Hirnlappens auf die Hälfte sei- 
nes Volumens zuerst ohne äusserlich erkennbare Zeichen sich 
finden kann und dass bei Trepanation in einer Naht der Bogen- 
trepan weit zweckmässiger, als die Trephine scheint, [(Medic, 
Correspondenzblatt d, württemb, ärztl. Vereins ; A Nr. 30.) 
— €.)
	        
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