Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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Il. Materla medica und Toxikologie, 
vom: Strychninum purum je } Gr. und, da darauf fast keine Wir- 
kung eintrat, Abends je 4 Gr. aufgestreut. ' Die Nacht zum 
29.. Aug: war ruhig. Am Morgen des 29; wurde je 4 Gr. auf- 
getragen. Die Kranke: klagte über leichtes Brennen, als das Mit- 
tel aufgestreut wurde. . Dies hielt auch einige Zeit nachher noch 
an, sonst aber wurde nichts Erhebliches wahrgenommen, wes- 
halb am 30. auf jede Stelle 1 Gr. aufgelegt wurde, doch‘ auch 
hiermit folgte keine Reaction. Am 31. war das Befinden das ge- 
wöhnliche, weshalb am 1. Sept. 2 Gr. Strychnin auf jede Stelle 
gestreut wurden. Es traten nun starke Zusammenziehungen der 
Muskeln ein, und gelähmter Vorderarm und Finger konnten nur 
mit Mühe gestreckt werden. Pat.. fühlte: sich, ohne ihre Ge- 
fühle näher bezeichnen zu können, sehr angegriffen und konnte 
das Beit nicht mehr verlassen. Die Nacht zum 2. Sept war .un- 
ruhig. Am 2. früh wurde je 3 Gr. auf eine Stelle gestreut. Zu 
den Erscheinungen, die schon Tags vorher beobachtet worden 
waren und die noch stiegen, kam gänzliche Appetitlosigkeit, der 
Fusa wurde ganz steif, die Finger waren noch stärker gebogen 
und die Wärme der leidenden Seite erhöht. Am 3. wurde nun 
das Strychnin ausgesetzt und ein einfacher Verband aufgelegt. 
Der Zustand blieb wie am Tage vorher. Am 4. stellte sich ei- 
nige Besserung: ein und die Zusammenziehungen der Muskeln 
liessen. nach. Am 5. hatte sich die seit 94 Jahren dauernde 
Lähmung so weit gehoben, dass die Kranke leichter gehen und 
die Hand wieder gebrauchen konnte.‘ Doch schon am 6. war ein 
Rückschritt bemerkbar und am 7%. das Befinden ganz wieder das 
frühere, weshalb Abends wieder Blasenpflaster in dieselbe Ge- 
gend gelegt wurden. Am 8. streute man 2 Gr. Strychnin auf 
jede Stelle, wobei sich heftige Schmerzen einfanden.: Abends 
war die Temperatur der gelähmten Theile merklich erhöht, auch 
zeigte sich wieder in den Muskeln starke Spannung. Die Nacht 
verging etwas unruhig. Am 9., nachdem 2} Gr. je auf eine 
Stelle gestreut worden waren, stellten sich nicht nur die Sym- 
ptome vom 2, und 3. ein, sondern der Kopf war auch bedeu- 
tend eingenommen, die Kranke glaubte mehrmals Blitze vor den 
Augen zu sehen, auch war die ganze linke Hälfte afficirt. So 
konnte z. B. wegen heftiger, häufiger Zuckungen der Löffel nicht 
mehr, wie früher zum Munde gebracht werden und das von An- 
dern gereichte Essen nur mit der grössten Mühe und unter 
Schmerzen herabgeschluckt werden. Der so schon träge Stuhl 
wurde noch seltener, und es stellte sich häufiger Drang zur Urin- 
secretion ein, ohne dass diese bewirkt werden konnte. . Das 
Strychnin blieb un weg. Vom 10. -— 13. liessen die Krämpfe 
allmählich nach. Am 14. dagegen stellte sich starker‘ gegen 
1} Stunde anhaltender Fieberfrost ein, worauf bedeutende Hitze 
und Kurzathmigkeit folgte, weshalb eine kühlende, auflösende und 
gelind eröffnende Arznei verordnet wurde, um so mehr, da aller 
Appetit fehlte. Am 16. wiederholte sich, der Fieberanfall, doch
	        
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