Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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IV. Chirurgie und Ophihalmologie. 
Pincette gefasst wurde, abgetragen, was eigentlich mit weniger 
Schmerz, als vielmehr mit unangenehmem Gefühle verbunden 
war. Nach Stillung- der Blutung durch Ausspülen.des Mundes 
mit kaltem Wasser wurde zum Anlegen der  Ligaturen geschrit- 
ten, die aus 4 seidenen Fädem bestanden, von denen je 2 zu- 
sammengedreht und gewächst, dann an einandergelegt und durch 
Darüberstreichen mit einem Nagel ‘zu einer mehr breiten Liga- 
tur gebildet wurden, damit diese. nicht zu stark einschneiden 
könne. Drei derselben reichten zu gehöriger Vereinigung der 
Ränder hin, Das Anlegen der Ligaturen war minder schmerz- 
haft, als unangenehm, Würgen erregend, namentlich die der un- 
tersten. Die Nadeln waren die GrarE’schen, theils kürzere und 
stärker gekrümmte zur Anlage der oberen Ligatur , theils längere 
und minder stark gekrümmte für die beiden unteren Ligaturen. 
Gehalten wurden sie vom Grare’schen Nadelhalter. Mit diesem 
wurden sie von hinten nach vorn durchgestossen und vorn mit 
einer‘ Kornzange ausgezogen. Die obersten Ligaturen wurden 
zuerst angelegt. Besonders beschwerlich dabei war das nach 
hinten laufende, zum Räuspern und Hüsteln nöthigende Blut, so 
wie auch der in Menge sich absondernde, gleiche Beschwerden 
veranlassende Schleim. Nachdem sich A. nun einige Minuten 
erholt und den Mund öfters mit kaltem Wasser ausgespült hatte, 
wurde zur Vereinigung der Wundränder geschritten. Die obere 
Ligatur wurde zuerst in einen Knoten geschlagen und mit den 
in den. Mund vorgesteckten Zeigefingern angezogen. Während 
dieser erste Knoten von einem Gehülfen mittelst Koörnzange in 
seiner Lage erhalten wurde, schlug msn nun den zweiten nach 
und zog ihn eben so zu. Die erste Ligatur machte beim An- 
ziehen eine unangenehme, ziemlich starke Spannung, bei der 2. 
und 3. aber, die übrigens eben so geschlossen wurde, war sie 
minder stark. Die Wundränder lagen jetzt auf’s Genaueste an 
einander, und. der Operirte war, etwas Ermattung und Spannung 
der Theile. abgerechnet , völlig wohl. Damit nicht der reichlich 
abgesonderte Speichel nach hinten fliesse und se zum Schlingen 
nöthige, oder Husten errege, legte sich A. nicht, sondern blieb 
in aufrechter Stellung mit etwas vorübergebeugtem Kopfe und 
liess so den Speichel abfliessen. Doch wurde er in dieser Zeit 
oft von kurzem Hüsteln geplagt, das er nicht unterdrücken konnte, 
da die Ursache desselben: der im Kehlkopfe und Luftröhre an- 
gehäufte Schleim und auch wohl Blut, ohne Gefahr des Miss- 
lingens der Operation, durch stärkeres Räuspern oder Husten. 
nicht zu entfernen war. Gegen Abend legte sich der Operirte 
zu Bette und zwar mit dem Kopfe hoch, mit dem Gesichte aber 
nach einer Seite und etwas mehr abwärts, damit der Speichel 
im Schlafe nicht nach hinten fliessen und zum Schlingen reizen, 
sondern sogleich abfliessen möge. In den Wundflächen stellte 
sich jetzt ein etwas lebhaftezer Schmerz ein, der bei jeder Be- 
wegwig des Gaumens, die sich bei aller Vorsicht nicht ganz
	        
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