Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

I. Anatomie und Physiologie. 
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seine Kammern einströmenden Blute seine. Ent- 
stehung nicht zu verdanken habe, liefert der Umstand, 
dass die Unterbindung der Hohlvenen nicht sogleich Bewegungs- 
losigkeit zur Folge hatte, ungeachtet kein Blut in die Vorkam- 
mern und von da aus in die Kammern kann, Bei ungeborenen 
und noch nicht geathmet habenden Thieren und Menschen (wel- 
che also noch olıne den kleinen Kreislauf sind) fühlt die bei ir- 
gend einenrt geburtshülflichen Geschäfte in die Gebärmutter ein- 
gebrachte Hand die Bewegungen des Herzens, obgleich im un- 
geborenen Zustande das Blut nicht stossweise von dem Mutterku- 
chen zur Frucht, daher auch nicht so in die rechte Vorkammer 
und weiterhin durch "die Herzkammerscheidewand: hineingelangt, 
dass bloss dadurch ein deutlich ausgedrückter Herzschlag zu 
Stande kommen könnte. Dieser muss daher vorzugsweise nur 
von der selbstständigen. Activität des Herzens bedingt werden, 
Allein durch welche Anlässe erfolgt die Ausdehnung des Her- 
zens? das Bint allein scheint, nach obigen Angaben, die Bewe- 
gungen des Herzens nicht zu bestimmen, und der Umstand, dass 
selbst das aus der Brusthöhle, somit aus allen geinen Verbindun- 
gen entfernte und nun grössten Theile blutleere Herz sich noch 
ausdehnend und zusammenziehend bewege, beweist, dass es dazu 
des Blutes absolut, zumal in ersterer Beziehung, nicht bedürfe; 
wiewohl zugestanden werden muss, dass die Thätigkeit des Kreis- 
laufes nur dann bestehen könne, wenn Blut und Kreislaufswerk- 
zeuge in wechselseitigem Einklange oder entsprechendem Verkehre 
stehen. Es ist nun aber mehr denn wahrscheinlich, dass das 
Herz nicht bloss einer lebendigen Compressions-Vorrichtung, son- 
dern auch einem belebten Saugwerke gleiche und somit 
einer Spritze ähnlich sey, wobei eine lebendige Zusammenziehung 
die Forttreibung, die active Ausdehnung aber gleichsam saugend 
die Zuführung des Blutes oder die Füllung des Herzens bewirkt 
und so den Blutumlauf und den Herzschlag zu Stande bringt, 
Der Umstand, dass das Einblasen entsprechender Quantitäten 
Luft in irgend eine: Vene augenblicklich den Tod zu Folge hat, 
und die Beobachtung, dass zufällige oder bei Operationen nicht 
Zu vermeidende Verletzungen grösserer Gefässe in der Nähe des 
Herzens, wobei ein eigenes Geräusch, dem ähnlich, welches bei 
dem Einströmen von Luft in Juftleere Räume entsteht, sich hö- 
ren lässt, das Lebenslicht augenblicklich ausblasen, ohne dass 
Verblutung schuld. wäre, dürfte wohl dafür sprechen, dass dag 
Herz einen saugenden Einfluss auf das Blut ausübe. Ja es ist 
Nicht unwahrscheinlich, dass die nach dem Tode in den Arterien 
vorgefundene Biutleere durch die Saugthätigkeit des Herzens be- 
dingt werde, da gerade gegen das Ende des Lebens die Herz- 
Schläge deutlicher und zahlreicher: werden, wobei im gleichen 
Verhältnisse die Expansion grösser, somit das Saugen stärker, 
dagegen das Fortpressen des Blutes beschränkter wird. Um wei- 
ter zu erfahren, ob das Ilerz wirklich.als Seugwerk wirke, wurde
	        
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