Full text: (8. Band = 1834, No 9-No 16)

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%. Anatomie und Physiologie, 
geöffneter Brusthöhle Ichender Thiere. mit dem Herzen in Be- 
rührung gebracht hat, dass dessen Bewegung in stellenweisen 
Erweiterungen und Verengungen besteht. Noch deutlicher er- 
giebt sich dies bei bloss gelegten, ‚oder selbst ganz aus der 
Brusthöhle herausgenommenen Herzen. Man wählte zu diesem 
Versuche werthlose oder mit unheilbaren Uebeln behaftete Pferde. 
Man warf und band sie so, dass der linke Vorderfuss: so weit 
wie möglich von der Brust weg nach vorwärts zu liegen kam, 
damit die Stelle, wo das Herz liegt, nicht von dem nach rück- 
wärts gezogenen Schulterblaite grössten Theils gedeckt werde. 
Nun wurde durch Wegnahme der über dem Herzen liegenden 
Theile dasselbe bloss gelegt, so dass man es während des 8—1% 
Minuten noch fortgehenden Lebens befühlen und beschanen konnte. 
Man nahm nun deutlich wahr, wie zuerst die Vorkammern, dann 
die Kammern sich erweiterten und so wechselweise zusammen- 
zogen, wodurch ein doppelter Herzschlag hervorgebracht wurde. 
Angeblich soll der Herzschlag durch die Erweiterung der Herz- 
kammern mittelst des aus den Vorkammern in sie strömenden 
Blutes zu Stande kommen; jedoch bewegen sich auch diese letz- 
tern, wie obiger Versuch ergiebt, und nicht etwa durch die ei- 
genthümliche Thätigkeit der Hohl- und Lungen- Venen, — An 
dem blossgelegten Herzen bemerkte man deutlich, dass es seinc 
Lage nicht änderte, auch seine Spitze nicht nach der Brustwand, 
sondern mehr nach einwärts sich bewegte, der Herzschlag wird 
also bloss durch Erweiterung der Kammern bedingt. Man ge- 
wahrte ferner, dass eine wechselseitige, gleichsam kreuzende 
Bewegung aller Herz - Partien oder Fächer, und diese zwar 80 
Statt finde, dass gleichzeitig in der Systole die rechte Kammer 
und linke Vorkammer sich. befinden, während die rechte Vor- 
kammer und linke Kammer‘ im Zustande der Diastole sind. Die- 
ges merkwürdige Phänomen scheint durch die, eigenthümliche 
Siructur der Muskulatur des Herzens zu Stande zu kommen. 
Das Herz mag wohl so gebaut und belebt seyn, dass es den, 
bei seinen verschiedenen Bewegungen wechselnden fixen und be- 
weglichen Punkt in sich selbst enthält, wobei das Blut als die 
Last anzusehen ist. So findet denn auch bei dem ganzen Her- 
gang in den Thätigkeitsäusserungen des ‚Herzens dig. Theorie 
des Hebels seine Anwendung, nach welcher auch die Zu- und 
Wegströmung des Blutes zum Theil gedeutet werden kann. Die 
Beweguug des Herzens ist also sowohl bei der Zusammenziehung 
als auch bei der Ausdehnung ganz activ, und der Herzschlag 
rührt also nicht von dem aus den Vorkammern in die Kammern 
einströmenden Blute her. Damit ist denn auch erklärt, warum 
bei grosser Blutarmuth mit ihrer Zunahme der Herzschlag deut- 
licher, pochend, preilend, umfangsvoller und stärker wird, was 
nach Burvach’e Ansicht im entgegeugesetzten Zustande, d. h. bei 
grossem Blutreichthum und reichlicheren Einströmungen eintreten 
könnte. Den schlagendsten Beweis, dass der Herzschlagdemin
	        
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